Allgemein

Rating von Saudi-Arabien herabgesetzt – aber verdammt, deren Sorgen hätten wir gerne…

FMW-Redaktion

Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit von Saudi-Arabien abgestuft von AA auf AA-. Grund hierfür sind die bevorstehenden weiteren Defizite im saudischen Staatshaushalt aufgrund des weiter zu erwartenden niedrigen Ölpreises. Was bringt uns jetzt dieses Rating? Es kann interessant werden, weil die Saudis Ende diesen Jahres erstmals auch eine Anleihe in Euro auf den internationalen Kapitalmarkt bringen wollen. Damit möchte man eindeutig auch Geld aus Europa ansaugen. Eine Zeitenwende, denn bisher ging das ja immer andersrum. Das Geld der Ölkonsumenten floss zu den Golfstaaten, die dann Schulden und sonstige Vermögenswerte im Westen kauften.

Aber um es nochmal zu erwähnen: Die finanziellen Sorgen der Saudis möchten wir in Europa gerne haben. Wo westliche Industrienationen alle sehr hohe Schuldenquoten haben in Bezug auf das Bruttoinlandsprodukt (irgendwo um 80% ist ja Standard heutzutage), hatten die Saudis 2014 noch ein Nettovermögen in Höhe von 113% des BIP. Laut Fitch soll diese Quote nächstes Jahr auf „nur noch“ 78% sinken. Immer noch ein traumhaft schöner Wert aus unserer Sicht, aber er sinkt in rapider Geschwindigkeit.

Und trotz aller Bemühungen der saudischen Regierung (Königsfamilie) wird es nicht wie in klassischen Industrienationen möglich sein die Lücken mit Steuern zu schließen, da keine nennenswerte Industrieproduktion oder Wertschöpfung jenseits vom Öl vorhanden ist. Das sieht auch Fitch so – selbst wenn in Saudi-Arabien alle geplanten Reformen umgesetzt würden (wie z.B. Abschaffung von Energiesubventionen), werde das die Erosion von Reserven in 2016 und 2017 nicht aufhalten, so Fitch. In 2015 sei das BIP in Saudi-Arabien noch um 3,4% gestiegen durch die massive Expansion der Öl-Fördermenge und neue Explorationsprojekte – in 2016 werde das BIP nur um 1,5% wachsen, in 2017 um 1,75. Nach einem Haushaltsdefizit von 2,3% in 2014 und 14,8% in 2015 in Relation zum BIP wird es sich im laufenden Jahr nur minimal verkleinern, so Fitch. Hier ein Auszug aus dem Ratingtext:


„The downward revision of our oil price assumptions for 2016 and 2017 to USD35/b and USD45/b, respectively, has major negative implications for Saudi Arabia’s fiscal and external balances. The central government deficit widened to 14.8% of GDP in 2015, after a deficit of 2.3% in 2014 and continuous surpluses in previous years since 2010. Fitch forecasts the deficit-to-GDP ratio to narrow only marginally in 2016 and, on the back of a moderate recovery in oil prices, more substantially in 2017.

A large share of the government’s financing needs will be funded by disposing of foreign financial assets, but the government has also started raising debt domestically. It is also in negotiations on a syndicated loan of up to USD10bn and is planning a first Eurobond issue later this year. This should push the general government debt-to-GDP ratio to 9.4% of GDP in 2017 from 1.5% in 2014, which will still be low compared with peers (36.9%).

The sovereign net foreign asset (SNFA) position will decline quite sharply to 78% of GDP in 2017 from 113% in 2014. While this will still be one of the highest ratios among Fitch-rated sovereigns, it will be considerably less than half of SNFA/GDP for Kuwait, Abu Dhabi or Qatar. In 2015, the current-account balance recorded a deficit of 8.2% of GDP, Saudi Arabia’s first since 1998, which we expect to worsen to 14% in 2016.

The pace of fiscal consolidation has increased. Utility and fuel prices have been hiked and some taxes raised. Further reforms are to be presented as part of a National Transformation Programme that, if implemented, would boost non-oil revenues and streamline spending sustainably. According to press reports, the measures could raise non-oil revenue by USD100bn per year by 2020. In addition, the government is re-prioritising and re-negotiating projects and spending plans to make substantial savings.

The authorities will be careful to sequence fiscal reforms to avoid adverse social consequences. Even if fully implemented, the measures will not prevent a substantial erosion of fiscal and external buffers during 2016 and 2017, although the buffers will still be sufficiently high to constitute an important rating strength.“



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

1 Kommentar

  1. Fitch,Moody’s &Gewöhnlich und arm könnten,sollten Sie noch über Manpower verfügen&dürfen,sich auch einmal Staaten vorknöpfen welche so umme 20 Billionen(europäische!)Taler an Staatsschulden ihr eigen nennen!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage