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Rauf, rauf, immer weiter rauf mit der Wirtschaft – Vollauslastung ist das Stichwort

FMW-Redaktion

Wir hatten heute früh bereits über die möglicherweise immensen Auswirkungen möglicher Neuwahlen auf die Kapitalmärkte gesprochen. Und heute früh sah es zunächst auch danach aus, dass sich der Dax beeindrucken lässt. Aber diese Wahrnehmung hielt nur kurz an. So schrieben wir dann auch heute Mittag, wer schon die Politik braucht, wenn er die Notenbank (EZB) hat, die alles aufkauft. Wie wahr. Und zusätzlich zur EZB gibt es da heute noch die Bundesbank, die mit ihrem aktuellsten Monatsbericht die nächste Jubelmeldung präsentiert. Immer wieder fällt dieser Tage im Zusammenhang mit der deutschen Konjunktur das Wort „Vollauslastung“. Auszug aus der heutigen Veröffentlichung zum Baugewerbe:

Vielmehr stößt das Baugewerbe nach ihrer Einschätzung zunehmend an seine Kapazitätsgrenze. Vielen Unternehmen fehlten schlicht die Arbeitskräfte.

Ähnliche Aussagen findet man zum produzierenden Gewerbe:

Bei den Importen komme die lebhafte Industrie- und Exportkonjunktur zum Tragen, die insbesondere die Nachfrage nach importierten Vorleistungsgütern angetrieben habe. Die hohe Auslastung der Produktionskapazitäten im Verarbeitenden Gewerbe habe wohl auch die Importe von Investitionsgütern spürbar erhöht. Vor allem aus den Ländern des Euroraums seien wertmäßig erheblich mehr Erzeugnisse geliefert worden.

Laut Bundesbank boomt der Arbeitsmarkt mit einer Zunahme der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 746.000 gegenüber dem Vorjahresmonat. Weiter heißt es:

… gehen die Fachleute aufgrund der anhaltend positiven Indikatoren davon aus, dass Deutschland auch im Herbstquartal auf kräftigem Expansionskurs bleibt. Dafür sprächen die Rekordstimmung in der gewerblichen Wirtschaft, die ausgezeichnete Auftragslage in der Industrie sowie die nach wie vor hohe Zuversicht der Verbraucher. „Das Stimmungshoch der deutschen Wirtschaft hält weiterhin an“, heißt es im Monatsbericht November. Die Auftragsbücher in der Industrie seien gut gefüllt. Zum Jahresende erwarten die Bundesbank-Fachleute auch beim privaten Konsum wieder mehr Schwung.

Da kann man in der Tat fragen: Wenn es gerade so gut läuft, und die EZB es alle Probleme wegkauft, wozu die Aufregung über diese Koalitions-Streitereien in Berlin? Wenn es nicht diverse offene Zukunftsfragen gäbe, die gestaltet werden müssten, könnte man einfach nur eine Technokraten-Regierung einsetzen. Ach, was soll´s. Wenn wir schon mal dabei sind, machen wir gleich weiter mit den Jubelmeldungen. Weitere Zitate der Bundesbank von heute:

Die lebhafte Expansion der deutschen Wirtschaft verbesserte die bereits sehr gute Lage am Arbeitsmarkt im Berichtsquartal nochmals. Die Beschäftigung erhöhte sich in den Sommermonaten kräftig, die Arbeitslosigkeit verringerte sich von ihrem niedrigen Stand aus weiter, und die Unternehmen meldeten noch mehr offene Stellen. Hinter der zunehmenden Beschäftigung steht vor allem eine steigende Zahl sozialversicherungspflichtiger Stellen. Andere Beschäftigungsformen wie die ausschließlich geringfügige
Beschäftigung oder die Selbständigkeit gingen hingegen leicht zurück. Die Aussichten für die nächsten Monate sind günstig.

Im Einklang damit erreichten – laut ifo Institut – die Bestände an noch nicht abgearbeiteten Industrieaufträgen den höchsten Wert seit mehr als einer Dekade. Das Geschäftsklima im Verarbeitenden
Gewerbe eilte in den letzten Monaten von Rekord zu Rekord. Zudem dürften die lebhafte Nachfrage im In- und Ausland sowie die weiter zunehmende Kapazitätsauslastung die Bereitschaft der Industrieunternehmen zu neuen Ausrüstungsinvestitionen deutlich erhöhen. Allerdings könnte ein zunehmender Fachkräftemangel
weiteren hohen Produktionssteigerungen zukünftig stärker Grenzen setzen.

Die deutschen Staatsfinanzen entwickeln sich weiter sehr günstig, und der Überschuss dürfte im laufenden Jahr erneut eine Größenordnung von 1% erreichen (2016: 0,8% des BIP). Die Staatshaushalte profitieren von dem kräftigen konjunkturellen Aufschwung sowie der sehr guten Arbeitsmarktentwicklung, von den äußerst günstigen Finanzierungskonditionen und von nochmals außerordentlichen Zuwächsen bei
den gewinnabhängigen Steuern. Die Belastungen durch die Kernbrennstoffsteuer-Rückzahlung und die deutlichen Ausgabenzuwächse etwa für Pflege, Gesundheit und Alterssicherung könnten damit mehr oder weniger kompensiert werden. Auch in der mittleren Frist leiben die Rahmenbedingungen für die Staatsfinanzen aus heutiger Sicht sehr vorteilhaft. Der Überschuss könnte daher in den kommenden
Jahren ohne Politikänderung weiter ansteigen und spürbar über 1% des BIP hinausgehen.


Die Bundesbank-Zentrale in Frankfurt. Foto: I, Dontworry / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)



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