Die globalen Aktienmärkte erleben derzeit eine beeindruckende Rally, die von Optimismus und nachlassenden Handelssorgen befeuert wird. Nun richtet sich der Blick gespannt auf die nächste geldpolitische Entscheidung der Fed, die ein Realitätscheck für die jüngsten Anstiege von US-Aktien werden könnte. Eine Woche voller potenzieller Wendepunkte steht bevor: Zwischen Zinssignalen, politischen Unsicherheiten und rekordverdächtigen Bewertungen. Mit den Zahlen von Big-Tech-Unternehmen wie Meta und Microsoft am Mittwochabend sowie Apple und Amazon am Donnerstag stehen gleich die nächsten Prüfsteine auf der Agenda.
Aktienmärkte: Fed als Realitätscheck
Für die globalen Aktienmärkte, die derzeit auf der Welle des Handelsoptimismus schwimmen, dürfte die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Mittwochabend eine rechtzeitige Erinnerung daran sein, dass die Geldpolitik nach wie vor ein Risiko für die andauernde Rally darstellt.
Nach der Erholung von den Kurseinbruch Anfang April, verzeichnet der MSCI All-Country World Index den vierten Monat in Folge Gewinne. Anzeichen für Fortschritte bei den US-Handelsverhandlungen überschatten das verlangsamte Gewinnwachstum und die hohen Bewertungen.
Laut einem Bericht von Bloomberg preist der Swap-Markt für Mittwoch keine Änderung der Politik der US-Notenbank Fed ein. Trotz der wiederholten Bemühungen von Präsident Donald Trump, Fed-Chef Jerome Powell zu überzeugen, sieht er nur eine Wahrscheinlichkeit von etwa 60 Prozent für eine Zinssenkung im September. Die Anleger werden jedoch genau darauf achten, wann die Zentralbank die Kreditkosten wieder senken wird. Sie erhoffen sich von Powell erste Signale, dass es im September soweit sein könnte.
Die Zweifel über die weitere politische Entwicklung sind jedoch nicht verschwunden. So stieg der Index für wirtschaftspolitische Unsicherheit nach dem Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA am Sonntag sprunghaft an. Doch auch dieses Mal reagierte die Aktienvolatilität nicht. Der Cboe Volatility Index (VIX) fiel kurzzeitig unter die 15-Punkte-Marke und schloss am Montag nahe seinem Jahrestief.

Aktienmärkte vor Verkaufssignal
„Unser Stimmungs- und Positionierungsrahmen zeigt weiterhin ein leichtes Verkaufssignal, aber wir brauchen einen Katalysator, um eine Korrektur an den Aktienmärkten sehen“, sagte Max Kettner, Stratege bei HSBC Holdings. Am wahrscheinlichsten sei eine restriktivere Geldpolitik der Zentralbanken oder enttäuschende Geschäftsberichte von Big Tech.
Laut Kettner hat die aktuelle Marktpositionierung jedoch noch keine extremen Niveaus erreicht, die einen Rückgang der Aktienmärkte auslösen könnten, da das Risikoengagement von Long-only-Anlegern und einigen systematischen Strategien noch lange nicht so hoch ist wie 2021. In dieser Woche stehen zahlreiche wichtige US-Konjunkturdaten sowie die Zinsentscheidung der Fed und Bank of Japan an. Derzeit scheinen sich die Anleger keine allzu großen Sorgen um die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen zu machen, die mit 4,3 % für die Aktienmärkte eigentlich unangenehm hoch sind.

„Wenn diese Woche eine Kombination aus über den Erwartungen liegenden US-Konjunkturdaten und einer Fed, die sich dem politischen Druck nicht beugt, gefolgt von einer möglicherweise ebenfalls restriktiveren BOJ kommt, dürften die Zinssenkungserwartungen weltweit neu bewertet werden“, so Kettner weiter.
Das Engagement in US-Aktien ist vor der Fed-Sitzung stetig gestiegen, aber ohne Anzeichen von Übertreibungen zu zeigen. Die Futures-Positionen der Vermögensverwalter im S&P 500 sind laut den Strategen der Deutschen Bank auf einem bullischen Niveau, wenn auch bei weitem nicht extrem, während das Gesamtengagement nur leicht übergewichtet ist.
Während diskretionäre Anleger nur leicht übergewichtet sind, haben systematische Strategien die geringe Volatilität und die starken Trendsignale laut den Strategen genutzt, um ihr Engagement zu erhöhen. Die bisherigen Zahlen der laufenden Berichtssaison haben den Anlegern genügend Vertrauen gegeben, um weiterhin Aktien – insbesondere Large Caps – zu kaufen und dabei die hohen Bewertungen zu ignorieren.

Anzeichen von Euphorie
Allerdings gibt es in einigen Marktsegmenten, wie bei spekulativen Aktien und den am stärksten shorteten Titeln, Anzeichen von Euphorie. Dies spiegelt sich auch in dem neuen Hype um Meme-Stocks wider.
Ronald Temple, Chefstratege bei Lazard, geht davon aus, dass die Volatilität an den Aktienmärkten in der zweiten Jahreshälfte wieder zunehmen wird. Kurzfristig dürften neben der Fed sowohl die Berichte von Big Tech als auch wichtige US-Konjunkturdaten die entscheidenden Treiber für die Rally sein.
„In den Industrieländern dürfte die Staatsverschuldung von ihrem bereits hohen Niveau weiter steigen, was den Aufwärtsdruck auf die Zinsen verstärken wird“, sagte er. „Da die Zinsen wahrscheinlich länger auf einem höheren Niveau bleiben werden, könnte es für Aktienanleger schwieriger werden, die hohen Aktienbewertungen zu rechtfertigen – insbesondere an den US-Börsen.“
FMW/Bloomberg
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