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Anleihen

Rendite deutscher Anleihen auf Rekordtief – Bund macht aktuell mit 1 Transaktion 111 Millionen Euro Gewinn

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die Rendite für zehnjährige deutsche Bundesanleihen ist heute Mittag „mal wieder“ auf ein historisches Tief gefallen im freien Anleihehandel. Sie liegt aktuell bei -0,59%. Hauptverantwortlich sind die heute früh offiziell verkündeten Daten für die deutsche Industrie, wo es weiter deutlich rückläufige Zahlen gibt (hier die Detailinfos). Schlittern wir also weiter in Richtung Rezession der Gesamtwirtschaft, wie es auch Holger Zschaepitz heute fragend andeutet? Die Industrie ist da ja bereits angekommen, aber Bau und Dienstleistungen stützen die Gesamtlage noch.

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10 Jahre deutsche Staatsanleihe Negativrendite

Bund mit fettem Gewinn

Der deutsche Staat hat heute eine fünf Jahre laufende Bundesobligation emittiert. Bei einem Zinskupon von 0,00% und einem Verkaufspreis von 104,21% entstand heute eine Rendite von sagenhaften -0,79%. Noch Anfang Juli lag sie bei -0,66%. Und das bei fünf Jahren Laufzeit! Ja, das ist inzwischen schon richtig normal. Interessant ist aktuell, dass bei 4 Milliarden Euro Angebot nur noch ein Nachfragevolumen von 3,1 Milliarden Euro vorhanden war. Rechnen die Zocker, die auf steigende Anleihekurse (fallende Renditen) spekulieren, nun mit einem Ende dieser Hausse?

Wie auch immer. Bundesfinanzminister Olaf Scholz dürfte aus dem Lachen kaum noch rauskommen, beziehungsweise einen Glücksrausch erleben. Er muss sich einfach nur zurücklehnen, und kann ganz entspannt dabei zu sehen, wie sein Ministerium durch den Verkauf von Schulden Gewinn macht. Die aktuelle Rechnung geht so: Der Zins liegt bei 0,00%, also hat man schon mal keine Zinskosten. In fünf Jahren zahlt man den Nominalwert (also 100,00%) der Verkaufssumme (heute 2,646 Milliarden Euro) an den Anleger zurück. Da der Verkaufspreis heute aber bei 104,21% lag (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten), hat der deutsche Staat heute nicht 2,646 Milliarden Euro eingenommen, sondern 2,757 Milliarden Euro. Somit macht der Bundeshaushalt heute per sofort einen Gewinn von sagenhaften 111 Millionen Euro! Die Zeche zahlen die Arbeitnehmer, die derzeit über die gesetzliche Rentenversicherung, Betriebsrentenkassen, Lebensversicherungen etc Geld fürs Alter ansparen. Sie zahlen diesen Negativzins über die durch diese Geldsammelstellen gekauften Anleihen. Der Bundeshaushalt streicht den Gewinn ein.

Rendite fällt immer weiter, Bund macht immer mehr Gewinn
Was für ein Glück für Olaf Scholz. Massig Mäuse machen durch den Verkauf neuer Schulden. Foto: pixabay / Fotorech

15 Kommentare

15 Comments

  1. Avatar

    sabine

    7. August 2019 16:54 at 16:54

    Manchmal hat man halt wegen externer Umstände Glück. Mehr ist das nicht.
    – Börsenauf-und-ab, Anleihenmarkt usw. besteht größteils aus Ängsten und Hoffnungen, nicht Realität.
    – Dann die Manipulationen wie Aktienrückkäufe, Leerverkäufe, Auftragsorder – die kurz später wieder storniert werden, Hochfrequenzhandel, EU-Billionen-Stütze von unrentablen Firmen und schlecht wirtschaftenden Ländern usw. Notenbankenaufkäufe von Schrottpapieren…
    – „Qualitäts-Nachrichten“ machen 80% des Denkens der Leute aus. Z.B. der Dürresommer aus der FAZ: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/meteorologen-warnen-deutschland-droht-weiterer-duerresommer-16154634.html
    Hat der DW nie behauptet! Bei uns regnet es ohne Ende.

  2. Avatar

    Shong09

    7. August 2019 18:55 at 18:55

    Meines Wissens nach sollen die großen Zeitungen aber das, falls es nicht regnet, unterschlagen haben.

    Es droht jeden Sommer eine Dürre, falls es nicht regnet.

    Eigl. eine sehr stupide Meldung.
    Eine Meldung a la der Grundwasserspiegel in vielen Regionen oder die bisherige Regenmenge liegen 20 oder 30% unter normalem Niveau wäre doch sehr viel sinnvoller, aber eben weniger sensationsgeil

    • Avatar

      leftutti

      7. August 2019 20:21 at 20:21

      @Shong09, zusammenhangloses und wirres Gestammel bringt hier keinen weiter.

      Was meinen Sie mit falls es nicht regnet? Das hat so keiner gesagt oder geschrieben.
      Außerdem wurde sogar auf dieses, Ihr populistisches Pseudo-Argument eingegangen: Selbst wenn es noch viel regnen sollte, bleibt sie [die Bodenfeuchte] den Schätzungen zufolge bis in den Sommer hinein unter dem vieljährigen Mittelwert. Eine Dürre hätte also auch bei niederschlagsreicher Witterung gedroht.

      Unabhängig davon hat es aber kaum geregnet seitdem der Artikel erschienen ist. Aus falls wurde schon längst Fakt.

      Was also sagt uns Ihr Kommentar?
      Eigl. eine sehr stupide Meldung.
      Ein Kommentar auf normalem Niveau wäre doch sehr viel sinnvoller, aber eben weniger sensationsgeil.
      Um es also sinnvoller zu formulieren: Das Argumentationsniveau liegt 99% unter NN.

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        Shong09

        8. August 2019 13:41 at 13:41

        1. Eine Dürre liegt jawohl nicht zwingend bei einer Bodenfeuchte unter dem vieljährigen Mittelwert vor. Andersherum ist dies aber in der Regel richtig (solange man sich eben nicht mit Wüstengebieten u.Ä. befasst)
        2. Das ist ja vollkommen Wurscht. Sie argumentieren also: Eine Prognose kann nicht falsch oder inahltsleer sein, weil sie eingetreten ist. Dann sag ich Ihnen jetzt wo der Dow am 31.12.2019 steht. Wenn er bis dahiin unter 20.000 fällt, steht er unter 20.000. Äquivalent zu der Weisheit obiger Aussage. Man merkt eben den qualitativen Verfall der Medien. Je
        „Unabhängig davon hat es aber kaum geregnet seitdem der Artikel erschienen ist. Aus falls wurde schon längst Fakt.“
        Wenn Sie jetzt noch die Prognose auch noch einmal verneint ausrücken, dann merken Sie vlt. was dies für eine schwachsinnige Aussage ist.

        • Avatar

          Stina

          8. August 2019 16:16 at 16:16

          @Shong09, auch das ist leider nur Quatsch: Eine Dürre ist ein Mangel an Wasser bzw. Feuchtigkeit, der durch weniger Niederschlag oder höhere Verdunstung als üblich verursacht wird. Weniger als üblich = unter dem statistischen Mittelwert.
          https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv2=100578&lv3=603288

        • Avatar

          leftutti

          8. August 2019 18:59 at 18:59

          @Shong09, wenn Sie schon eine Prognose in die Aussagen des DWD bzw. der FAZ von April 2019 hinein fantasieren wollen, dann doch die: Unter der Prämisse, dass die Trockenheit in den kommenden Monaten anhält, folgt die Prognose, dass dieses Mal nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Forstwirtschaft betroffen wäre.
          Prämisse eingetroffen, Prognose perfekt.

          Sie hingegen stammeln in bedauernswerter Legasthenie und Unfähigkeit zur logischen Beweisführung etwas in der Art: Wenn die Prämisse eintritt, ist sie wahr. Oder: Wenn die Prognose eintritt, war sie gut.

          Apropos Legasthenie: Ich erwähne das nur, weil doch gerade Sie es waren, der sich kürzlich über zwei Tippfehler mokiert hatte:
          https://finanzmarktwelt.de/fed-ehemalige-notenbankchefs-weisen-trump-in-die-schranken-135759/#comment-59478
          In Ihrer Aussage entdecke ich mit viel Toleranz und gutem Willen mindestens 7 orthografische bzw. grammatikalische Fragwürdigkeiten und Beeinträchtigungen.

          Als fairer Diskussionspartner gebe ich Ihnen gerne die Gelegenheit, Fauxpas und Lapsus zu korrigieren. Unter der Prämisse, dass Donald Trump so weiter twittert wie bisher, steht der DOW am 31.12.2019 wo?

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      Jan

      7. August 2019 21:38 at 21:38

      @Shong09, kennen Sie eigentlich den Unterschied zwischen tiefgründig entleerten Bodenspeichern und Grundwasser? Offensichtlich nicht, weshalb ich Ihnen ergänzend die Lektüre einiger Artikel zu dem Thema aus verschiedenen Bundesländern empfehlen möchte.

      Vorausgesetzt, dass Sie an diesem Thema überhaupt fachlich interessiert sind. Vermutlich dürfte dies jedoch eher erst der Fall sein, wenn sauberes Wasser endlich an den Börsen gehandelt wird.

      https://www.hlnug.de/themen/wasser/grundwasser/aktuelles.html
      https://www.weser-kurier.de/region/wuemme-zeitung_artikel,-extreme-trockenheit-mit-folgen-_arid,1810894.html
      https://www.br.de/nachrichten/bayern/grundwasserspiegel-in-bayern-rekordverdaechtig-niedrig,RAVs0KX

    • Avatar

      Stina

      8. August 2019 15:34 at 15:34

      @Shong09, was schreiben Sie denn für einen Quatsch?
      Es geht doch einzig darum, dass Sabine wieder einmal die Menschen als naiv und gesteuert durch falsche Nachrichten in den Medien hinstellen will. Dazu bedient sie sich des unwahren Arguments, dass der DWD irgendetwas (was auch immer das sein soll) nie behauptet hat. Das wurde zweifelsfrei widerlegt. Die FAZ hat die Aussagen des DWD korrekt zitiert und im weiteren Verlauf die Inhalte korrekt und unverfälscht zusammengefasst.

      Jetzt behaupten Sie, dass eine, so nie getroffene Aussage „falls es nicht regnet“, von den großen Zeitungen unterschlagen wurde. Auch das ist unwahr, da geschrieben wurde: „Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten“. Oder ist das für Sie etwas anderes?

      Der Artikel ist weder „sensationsgeil“, noch „stupide“. Er will eigentlich nur aussagen, dass eine „Extreme Trockenheit wie im vergangenen Jahr diesmal nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Forstwirtschaft hart treffen würde“. Der Grund dafür ist, dass tiefwurzelnde Pflanzen und Wälder letztes Jahr noch die Feuchtigkeit in tieferen Bodenschichten anzapfen konnten und somit relativ unbeschadet durch die Trockenperiode kamen. In 2019 war jedoch in einigen Landesteilen die Bodenfeuchte schon im April auf dem Niveau des Dürresommers 2018 von Mitte Juli.

      Niemandem ging es dabei um eine Prognose, wie Sie fälschlicherweise behaupten. Falsch und inhaltsleer waren die Aussagen schon dreimal nicht, wie man aktuell leider konstatieren muss:
      https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/hauk-kuendigt-notfallplan-wald-an/
      https://www.n-tv.de/politik/BUND-warnt-vor-Waldsterben-2-0-article21165494.html

      Und was den Einwand von @Jan angeht, hat er nicht Unrecht. Denn schließlich waren Sie es, der den völlig irrelevanten Grundwasserspiegel ins Spiel brachte. Dieser wird aber in den Artikeln nicht ein einziges Mal erwähnt, weil er in dem Zusammenhang keine Rolle spielt. Dort geht es eher um das Problem der Nitratbelastung, was aber ein ganz anderes Thema ist.

      Lassen Sie es in Zukunft doch einfach bleiben, Sie blamieren sich doch mit jedem Kommentar ein weiteres Stück mehr. Oder recherchieren Sie, lesen Sie zumindest die zitierten Artikel, um die sich die ursprüngliche Diskussion dreht.

      • Avatar

        Jan

        9. August 2019 19:30 at 19:30

        Keine Antwort ist auch eine Antwort. Spätestens jetzt zeigt sich, wie Kommentatoren der Kategorie Shong09 und sabine so ticken: Extrovertiert, beratungsresistent, desinteressiert oder unfähig, Fakten zu akzeptieren und nicht willens, eigene Fehler einzugestehen.

  3. Avatar

    Shong09

    8. August 2019 13:53 at 13:53

    Ausser der Diffamierung der Ahnungslosigkeit enthält ihr Geschreibsel leider keine Aussage, die Inhalte der Artikel stehen auch in keinem Kontext zu obiger Diskussion. Vlt lesen Sie meine Aussagen zuerst, und verstehen diese am Besten auch noch.

    • Avatar

      Claudia

      8. August 2019 21:11 at 21:11

      Lieber Shong09, nach dem gescheiterten Webinar warten viele Menschen enttäuscht und ungeduldig vor dem Computer auf Kommunikation. Fällt wenigstens Ihnen denn zu diesem interessanten Thema hier, dass Sie so bisher kraftstrotzend und selbstbewusst kommunizieren, noch etwas ein?

      Und wie stehts mit Sabinchen? Regnet es immer noch ohne Ende? Oder war es nur ein Tag?

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Anleihen

Aktienmärkte: Ist das das nächste große Ding? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte der Wall Street heute allesamt mit neuen Allzeithochs, während der Dax weiter stagniert und sogar einen leichten Wochenverlust ausweist – und das trotz neuem Optimismus in Sachen Brexit. Aber der Fokus richtet sich nun immer mehr auf die US-Anleihemärkte mit steigenden Renditen, die Zinskurve versteilt sich weiter (gut für Finanz-Aktien, nicht so gut für Tech, daher der Nasdaq heute nur mit kleinen Gewinnen). Sollten die Renditen weiter steigen, werden US-Anleihen wieder zunehmend zur Konkurrenz für die Aktienmärkte. Dort aber herrscht nach wie vor eine „Rundum-sorglos-Stimmung“, vor allem die „Corona-Verlierer“ werden wieder gekauft (der Sektor Energie daher wider mit den größten Gewinnen)..

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Allgemein

Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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Allgemein

EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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