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Anleihen

Rendite deutscher Anleihen auf Rekordtief – Bund macht aktuell mit 1 Transaktion 111 Millionen Euro Gewinn

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Die Rendite für zehnjährige deutsche Bundesanleihen ist heute Mittag „mal wieder“ auf ein historisches Tief gefallen im freien Anleihehandel. Sie liegt aktuell bei -0,59%. Hauptverantwortlich sind die heute früh offiziell verkündeten Daten für die deutsche Industrie, wo es weiter deutlich rückläufige Zahlen gibt (hier die Detailinfos). Schlittern wir also weiter in Richtung Rezession der Gesamtwirtschaft, wie es auch Holger Zschaepitz heute fragend andeutet? Die Industrie ist da ja bereits angekommen, aber Bau und Dienstleistungen stützen die Gesamtlage noch.

10 Jahre deutsche Staatsanleihe Negativrendite

Bund mit fettem Gewinn

Der deutsche Staat hat heute eine fünf Jahre laufende Bundesobligation emittiert. Bei einem Zinskupon von 0,00% und einem Verkaufspreis von 104,21% entstand heute eine Rendite von sagenhaften -0,79%. Noch Anfang Juli lag sie bei -0,66%. Und das bei fünf Jahren Laufzeit! Ja, das ist inzwischen schon richtig normal. Interessant ist aktuell, dass bei 4 Milliarden Euro Angebot nur noch ein Nachfragevolumen von 3,1 Milliarden Euro vorhanden war. Rechnen die Zocker, die auf steigende Anleihekurse (fallende Renditen) spekulieren, nun mit einem Ende dieser Hausse?

Wie auch immer. Bundesfinanzminister Olaf Scholz dürfte aus dem Lachen kaum noch rauskommen, beziehungsweise einen Glücksrausch erleben. Er muss sich einfach nur zurücklehnen, und kann ganz entspannt dabei zu sehen, wie sein Ministerium durch den Verkauf von Schulden Gewinn macht. Die aktuelle Rechnung geht so: Der Zins liegt bei 0,00%, also hat man schon mal keine Zinskosten. In fünf Jahren zahlt man den Nominalwert (also 100,00%) der Verkaufssumme (heute 2,646 Milliarden Euro) an den Anleger zurück. Da der Verkaufspreis heute aber bei 104,21% lag (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten), hat der deutsche Staat heute nicht 2,646 Milliarden Euro eingenommen, sondern 2,757 Milliarden Euro. Somit macht der Bundeshaushalt heute per sofort einen Gewinn von sagenhaften 111 Millionen Euro! Die Zeche zahlen die Arbeitnehmer, die derzeit über die gesetzliche Rentenversicherung, Betriebsrentenkassen, Lebensversicherungen etc Geld fürs Alter ansparen. Sie zahlen diesen Negativzins über die durch diese Geldsammelstellen gekauften Anleihen. Der Bundeshaushalt streicht den Gewinn ein.

Rendite fällt immer weiter, Bund macht immer mehr Gewinn
Was für ein Glück für Olaf Scholz. Massig Mäuse machen durch den Verkauf neuer Schulden. Foto: pixabay / Fotorech

15 Kommentare

15 Comments

  1. Avatar

    sabine

    7. August 2019 16:54 at 16:54

    Manchmal hat man halt wegen externer Umstände Glück. Mehr ist das nicht.
    – Börsenauf-und-ab, Anleihenmarkt usw. besteht größteils aus Ängsten und Hoffnungen, nicht Realität.
    – Dann die Manipulationen wie Aktienrückkäufe, Leerverkäufe, Auftragsorder – die kurz später wieder storniert werden, Hochfrequenzhandel, EU-Billionen-Stütze von unrentablen Firmen und schlecht wirtschaftenden Ländern usw. Notenbankenaufkäufe von Schrottpapieren…
    – „Qualitäts-Nachrichten“ machen 80% des Denkens der Leute aus. Z.B. der Dürresommer aus der FAZ: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/meteorologen-warnen-deutschland-droht-weiterer-duerresommer-16154634.html
    Hat der DW nie behauptet! Bei uns regnet es ohne Ende.

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    Shong09

    7. August 2019 18:55 at 18:55

    Meines Wissens nach sollen die großen Zeitungen aber das, falls es nicht regnet, unterschlagen haben.

    Es droht jeden Sommer eine Dürre, falls es nicht regnet.

    Eigl. eine sehr stupide Meldung.
    Eine Meldung a la der Grundwasserspiegel in vielen Regionen oder die bisherige Regenmenge liegen 20 oder 30% unter normalem Niveau wäre doch sehr viel sinnvoller, aber eben weniger sensationsgeil

    • Avatar

      leftutti

      7. August 2019 20:21 at 20:21

      @Shong09, zusammenhangloses und wirres Gestammel bringt hier keinen weiter.

      Was meinen Sie mit falls es nicht regnet? Das hat so keiner gesagt oder geschrieben.
      Außerdem wurde sogar auf dieses, Ihr populistisches Pseudo-Argument eingegangen: Selbst wenn es noch viel regnen sollte, bleibt sie [die Bodenfeuchte] den Schätzungen zufolge bis in den Sommer hinein unter dem vieljährigen Mittelwert. Eine Dürre hätte also auch bei niederschlagsreicher Witterung gedroht.

      Unabhängig davon hat es aber kaum geregnet seitdem der Artikel erschienen ist. Aus falls wurde schon längst Fakt.

      Was also sagt uns Ihr Kommentar?
      Eigl. eine sehr stupide Meldung.
      Ein Kommentar auf normalem Niveau wäre doch sehr viel sinnvoller, aber eben weniger sensationsgeil.
      Um es also sinnvoller zu formulieren: Das Argumentationsniveau liegt 99% unter NN.

      • Avatar

        Shong09

        8. August 2019 13:41 at 13:41

        1. Eine Dürre liegt jawohl nicht zwingend bei einer Bodenfeuchte unter dem vieljährigen Mittelwert vor. Andersherum ist dies aber in der Regel richtig (solange man sich eben nicht mit Wüstengebieten u.Ä. befasst)
        2. Das ist ja vollkommen Wurscht. Sie argumentieren also: Eine Prognose kann nicht falsch oder inahltsleer sein, weil sie eingetreten ist. Dann sag ich Ihnen jetzt wo der Dow am 31.12.2019 steht. Wenn er bis dahiin unter 20.000 fällt, steht er unter 20.000. Äquivalent zu der Weisheit obiger Aussage. Man merkt eben den qualitativen Verfall der Medien. Je
        „Unabhängig davon hat es aber kaum geregnet seitdem der Artikel erschienen ist. Aus falls wurde schon längst Fakt.“
        Wenn Sie jetzt noch die Prognose auch noch einmal verneint ausrücken, dann merken Sie vlt. was dies für eine schwachsinnige Aussage ist.

        • Avatar

          Stina

          8. August 2019 16:16 at 16:16

          @Shong09, auch das ist leider nur Quatsch: Eine Dürre ist ein Mangel an Wasser bzw. Feuchtigkeit, der durch weniger Niederschlag oder höhere Verdunstung als üblich verursacht wird. Weniger als üblich = unter dem statistischen Mittelwert.
          https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv2=100578&lv3=603288

        • Avatar

          leftutti

          8. August 2019 18:59 at 18:59

          @Shong09, wenn Sie schon eine Prognose in die Aussagen des DWD bzw. der FAZ von April 2019 hinein fantasieren wollen, dann doch die: Unter der Prämisse, dass die Trockenheit in den kommenden Monaten anhält, folgt die Prognose, dass dieses Mal nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Forstwirtschaft betroffen wäre.
          Prämisse eingetroffen, Prognose perfekt.

          Sie hingegen stammeln in bedauernswerter Legasthenie und Unfähigkeit zur logischen Beweisführung etwas in der Art: Wenn die Prämisse eintritt, ist sie wahr. Oder: Wenn die Prognose eintritt, war sie gut.

          Apropos Legasthenie: Ich erwähne das nur, weil doch gerade Sie es waren, der sich kürzlich über zwei Tippfehler mokiert hatte:
          https://finanzmarktwelt.de/fed-ehemalige-notenbankchefs-weisen-trump-in-die-schranken-135759/#comment-59478
          In Ihrer Aussage entdecke ich mit viel Toleranz und gutem Willen mindestens 7 orthografische bzw. grammatikalische Fragwürdigkeiten und Beeinträchtigungen.

          Als fairer Diskussionspartner gebe ich Ihnen gerne die Gelegenheit, Fauxpas und Lapsus zu korrigieren. Unter der Prämisse, dass Donald Trump so weiter twittert wie bisher, steht der DOW am 31.12.2019 wo?

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      Jan

      7. August 2019 21:38 at 21:38

      @Shong09, kennen Sie eigentlich den Unterschied zwischen tiefgründig entleerten Bodenspeichern und Grundwasser? Offensichtlich nicht, weshalb ich Ihnen ergänzend die Lektüre einiger Artikel zu dem Thema aus verschiedenen Bundesländern empfehlen möchte.

      Vorausgesetzt, dass Sie an diesem Thema überhaupt fachlich interessiert sind. Vermutlich dürfte dies jedoch eher erst der Fall sein, wenn sauberes Wasser endlich an den Börsen gehandelt wird.

      https://www.hlnug.de/themen/wasser/grundwasser/aktuelles.html
      https://www.weser-kurier.de/region/wuemme-zeitung_artikel,-extreme-trockenheit-mit-folgen-_arid,1810894.html
      https://www.br.de/nachrichten/bayern/grundwasserspiegel-in-bayern-rekordverdaechtig-niedrig,RAVs0KX

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      Stina

      8. August 2019 15:34 at 15:34

      @Shong09, was schreiben Sie denn für einen Quatsch?
      Es geht doch einzig darum, dass Sabine wieder einmal die Menschen als naiv und gesteuert durch falsche Nachrichten in den Medien hinstellen will. Dazu bedient sie sich des unwahren Arguments, dass der DWD irgendetwas (was auch immer das sein soll) nie behauptet hat. Das wurde zweifelsfrei widerlegt. Die FAZ hat die Aussagen des DWD korrekt zitiert und im weiteren Verlauf die Inhalte korrekt und unverfälscht zusammengefasst.

      Jetzt behaupten Sie, dass eine, so nie getroffene Aussage „falls es nicht regnet“, von den großen Zeitungen unterschlagen wurde. Auch das ist unwahr, da geschrieben wurde: „Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten“. Oder ist das für Sie etwas anderes?

      Der Artikel ist weder „sensationsgeil“, noch „stupide“. Er will eigentlich nur aussagen, dass eine „Extreme Trockenheit wie im vergangenen Jahr diesmal nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Forstwirtschaft hart treffen würde“. Der Grund dafür ist, dass tiefwurzelnde Pflanzen und Wälder letztes Jahr noch die Feuchtigkeit in tieferen Bodenschichten anzapfen konnten und somit relativ unbeschadet durch die Trockenperiode kamen. In 2019 war jedoch in einigen Landesteilen die Bodenfeuchte schon im April auf dem Niveau des Dürresommers 2018 von Mitte Juli.

      Niemandem ging es dabei um eine Prognose, wie Sie fälschlicherweise behaupten. Falsch und inhaltsleer waren die Aussagen schon dreimal nicht, wie man aktuell leider konstatieren muss:
      https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/hauk-kuendigt-notfallplan-wald-an/
      https://www.n-tv.de/politik/BUND-warnt-vor-Waldsterben-2-0-article21165494.html

      Und was den Einwand von @Jan angeht, hat er nicht Unrecht. Denn schließlich waren Sie es, der den völlig irrelevanten Grundwasserspiegel ins Spiel brachte. Dieser wird aber in den Artikeln nicht ein einziges Mal erwähnt, weil er in dem Zusammenhang keine Rolle spielt. Dort geht es eher um das Problem der Nitratbelastung, was aber ein ganz anderes Thema ist.

      Lassen Sie es in Zukunft doch einfach bleiben, Sie blamieren sich doch mit jedem Kommentar ein weiteres Stück mehr. Oder recherchieren Sie, lesen Sie zumindest die zitierten Artikel, um die sich die ursprüngliche Diskussion dreht.

      • Avatar

        Jan

        9. August 2019 19:30 at 19:30

        Keine Antwort ist auch eine Antwort. Spätestens jetzt zeigt sich, wie Kommentatoren der Kategorie Shong09 und sabine so ticken: Extrovertiert, beratungsresistent, desinteressiert oder unfähig, Fakten zu akzeptieren und nicht willens, eigene Fehler einzugestehen.

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    Shong09

    8. August 2019 13:53 at 13:53

    Ausser der Diffamierung der Ahnungslosigkeit enthält ihr Geschreibsel leider keine Aussage, die Inhalte der Artikel stehen auch in keinem Kontext zu obiger Diskussion. Vlt lesen Sie meine Aussagen zuerst, und verstehen diese am Besten auch noch.

    • Avatar

      Claudia

      8. August 2019 21:11 at 21:11

      Lieber Shong09, nach dem gescheiterten Webinar warten viele Menschen enttäuscht und ungeduldig vor dem Computer auf Kommunikation. Fällt wenigstens Ihnen denn zu diesem interessanten Thema hier, dass Sie so bisher kraftstrotzend und selbstbewusst kommunizieren, noch etwas ein?

      Und wie stehts mit Sabinchen? Regnet es immer noch ohne Ende? Oder war es nur ein Tag?

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Unternehmensschulden erreichen weltweit neuen Rekordstand

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Weltweite Unternehmensschulden laut OECD auf Rekordniveau

Die in Form von Anleihen verbrieften weltweiten Unternehmensschulden haben ein neues Rekordhoch erreicht. Warum die OECD die Alarmglocken läutet?

Unternehmensschulden erreichen ein nie da gewesenes Niveau

Ein weiterer Beweis dafür, dass die Finanzkrise nie aufhörte zu existieren, kann man u. a. an dem Stand der weltweit verbrieften Unternehmensschulden erkennen. Gemäß den jüngsten Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) haben sich die Anleiheschulden der Unternehmen seit dem Jahr 2008 bis zum Ende des Jahres 2019 auf 13,5 Billionen US-Dollar verdoppelt. Die OECD sieht in diesem Zusammenhang gleich mehrere Entwicklungen problematisch und warnt u. a. vor dem anhaltenden Rückgang der Qualität der im vergangenen Jahr verbrieften Unternehmensschulden. Über die Hälfte der neu ausgegebenen Anleihen sind mit „BBB“ geratet und erfüllen nur noch knapp den Status „Investment Grade“. Sollte es zu einer weiteren Eintrübung der Konjunktur kommen, bestünde die Gefahr massenhafter Qualitätsabstufungen in den „Ramsch“-Bereich. Dies würde es vielen institutionellen Käufern dieser Schuldpapiere verunmöglichen, die Anleihen der betroffenen Unternehmen weiterhin zu erwerben oder in ihren Beständen zu halten.

Die in ihrer Bonität herabgestuften Unternehmen hätten dann kaum alternative Finanzierungsquellen und müssten deutlich höhere Kreditkosten in Kauf nehmen. Beide Effekte erhöhen wiederum die Ausfallwahrscheinlichkeit der Anleihen weiter und können zu einem gefährlichen Dominoeffekt führen. Die OECD weist daher auf das Risiko hin, dass ein künftiger Abschwung zu deutlich höheren Ausfallraten führen kann als in früheren Kreditzyklen. So waren in den Jahren 2000 bis 2007 am Kapitalmarkt aufgenommene Unternehmensschulden nur zu 39 Prozent mit dem schlechten Rating „BBB“ bewertet.

Besorgniserregend ist auch die Geschwindigkeit, mit der sich die Unternehmen weltweit in neue Schulden stürzen: Seit dem Jahr 2010 gewinnt die Schuldenaufnahme an Dynamik. Im vergangenen Jahr haben Firmen außerhalb des Finanzsektors neue Verbindlichkeiten in Höhe von 2,1 Billionen US-Dollar aufgebaut. Dieses Volumen entspricht dem bisherigen Rekord aus dem Jahre 2016 – mit einem Unterschied: Damals wuchs die Weltwirtschaft noch mit einer Jahresrate von 3,2 Prozent, im Jahr 2019 waren es nur knapp 3 Prozent. Für das laufende Jahr wird hingegen, je nach Schätzung, nur noch mit einem Wachstum von 2,3 bis 2,8 Prozent gerechnet, einhergehend mit einem neuen Rekord bei den Unternehmensschulden. Der Trend hin zu immer weniger Wachstum, das durch immer höhere Schulden erkauft wird, setzt sich damit fort. Besonders stark explodierten die Unternehmensschulden seit dem Jahr 2018 in den Schwellenländern. Auch dieser Trend dürfte sich in diesem Jahr fortsetzen, da gerade in China, das nach wie vor als Schwellenland geführt wird, immer mehr Unternehmen nur noch dank massiver Ausweitung ihrer Verbindlichkeiten zahlungsfähig bleiben. Die Coronavirus-Epidemie wird diese Entwicklung zusätzlich verstärken.

Die Gründe für die Emissionsflut bei Unternehmensanleihen

Positiv zu werten ist, dass die weltweit sinkenden Kapitalmarktzinsen die Kreditkosten in den letzten Jahren massiv gesenkt haben. Dadurch ist es für Unternehmen attraktiver geworden, sich direkt am Kapitalmarkt durch die Ausgabe von Anleihen zu refinanzieren, anstatt teurere Bankkredit in Anspruch nehmen zu müssen. So fanden im Zuge der sinkenden Kapitalmarktzinsen in den letzten Jahren in hohem Volumen auch Umfinanzierungen statt. Für die Banken bedeutet dies einen Marktanteilsverlust bei Unternehmensfinanzierungen. Banken, die über kein eigenes Anleihegeschäft verfügen, leiden besonders unter diesem Trend.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
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Anleihen

Zinssenkung voraus – Anleihemarkt in den USA sendet klares Signal

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Federal Reserve in Washington DC - Zinssenkung voraus?

Die flache und in Teilen bereits inverse Zinsstrukturkurve in den USA sowie drohende Kreditausfälle dezimieren die Kreditmargen der US-Banken. Nur durch eine weitere Zinssenkung kann die Situation verbessert werden.

Die Banken und der Kapitalmarkt werden eine Zinssenkung erzwingen

Bedingt durch die Eigentümerstruktur bei der Fed of New York haben die Großbanken einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Geldpolitik der US-Notenbank (Buch: Die Kreatur von Jekyll Island: Die US-Notenbank Federal Reserve – Das schrecklichste Ungeheuer, das die internationale Hochfinanz je schuf). Die sich weiterhin stark gen Süden bewegenden Zinsen am amerikanischen Kapitalmarkt führen zu der gefürchteten Invertierung der Zinsstrukturkurve. Um die Kreditvergabefreudigkeit der Banken nicht zu belasten, muss die Fed, auch im Interesse ihres offiziellen dualen Mandats, kurzfristig mindestens eine Zinssenkung vornehmen. Nur durch eine Absenkung des Leitzinses kann die für das Kreditgeschäft der Banken wichtige Versteilerung der Zinsstrukturkurve wieder erreicht werden. Die dritte und bislang letzte Zinssenkung im aktuellen Zyklus erfolgte am 30. Oktober letzten Jahres um 25 Basispunkte (0,25 Prozent) aus genau diesem Grund. Der effektive Leitzins liegt seitdem in den USA bei 1,55 Prozent. Die rote Linie in der unteren Grafik zeigt die erneut flache bzw. zu Teilen bereits invertierte Zinsstrukturkurve in den USA.

Zinssenkung? Hier die Zinsstrukturkurve als Chart

Die US-Notenbank kommt um eine weitere Zinssenkung nicht herum

Noch erwartet die Mehrheit der Marktteilnehmer in den USA erst für Ende Juli die erste von zwei Zinssenkungen in diesem Jahr. Doch diese Erwartungshaltung wird sich im Zuge der in den nächsten Wochen zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten auf der Zeitebene nach vorn verlagern und auch die Anzahl der Zinsschritte wird sich weiter erhöhen. Sehr wahrscheinlich wird die Fed bereits am 18. März oder spätestens am 29. April eine weitere Zinssenkung vornehmen. Bereits jetzt deuten erste Daten auf einen signifikanten Einbruch des Welthandels und des Weltwirtschaftswachstums hin. Die jüngste Umsatzwarnung des Börsen-Highflyers Apple ist ein Indiz dafür, dass sich auch die US-Wirtschaft diesem Einbruch nicht wird entziehen können.

Das gilt zum Beispiel auch für die US-Autobauer von General Motors bis Tesla, für die China der zweitwichtigste Absatzmarkt ist. Mit einem Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent im Schlussquartal 2019 und einer erwarteten Expansionsrate von nur noch 1,5 Prozent für das Auftaktquartal 2020 schreitet die Konjunkturabkühlung auch in den USA voran. Verstärkt wird dieser Trend nun durch die noch nicht quantifizierbaren Schäden durch die Coronavirus-Epidemie. Eines kann man aber schon seriös prognostizieren: Die negativen Wachstumseinflüsse sind signifikant.

Die bereits zu Jahresbeginn gedämpften Aussichten für die US-Konjunktur, also noch vor dem Covid-19 Ausbruch, hatten mehrere Gründe:

1) Der Produktionsstopp bei Boeing
2) Die erneut massiv gestiegenen Beiträge für Krankenversicherte
3) Auslaufende Effekte aus der Steuerreform von 2018
4) Die Rekordverschuldung bei den Unternehmen und Verbrauchern
5) Der starke US-Dollar mit wieder aufflammender Schwellenländer-Dollar-Krise
6) Die flache bis inverse US-Zinsstrukturkurve

Für die Banken bedeutet dieses Umfeld einerseits drohende Anstiege bei den Kreditausfällen und anderseits sinkende Margen im Kreditgeschäft. Bekanntermaßen leihen sich die großen Geschäftsbanken (Primary Dealer) bei der US-Notenbank Fed kurzfristig Geld und verleihen es langfristig an Staaten, Unternehmen und Verbraucher weiter (Fristentransformation). Die Kapitalmarktzinsen sind dabei die Benchmark für die Zinsen der kurz-, mittel- und langfristigen Ausleihungen.

Die heute veröffentlichten Zahlen der auch in den USA, speziell an er Ostküste, vertretenden Großbank HSBC, zeigen exemplarisch, wie stark die Margen bereits unter Druck kommen. Die Bank will nach eigenen Angaben das in den USA eingesetzte Kapital bis 2022 um 45 Prozent reduzieren, über 30 Prozent der US-Filialen sollen geschlossen werden und die Aktivitäten des in New York angesiedelten Investmentbankings sollen deutlich zurückgefahren werden. Die Bank erwartet auch wegen der Folgen des Covid-19 steigende Kreditausfälle und ein bereits jetzt spürbar rückläufiges Kreditgeschäft, speziell in Asien. Die angestrebte zweistellige Eigenkapitalrendite rückt damit weiter in die Ferne.

Fazit und Ausblick

Lange kann die Fed auf ihrer aktuellen Position des Nichtstuns und Abwartens nicht mehr verharren. Zu stark wird sich auch in den USA die konjunkturelle Dynamik abkühlen – mit negativen Effekten auch auf die Preisstabilität und den Arbeitsmarkt. Womit dann auch das offizielle duale Mandat der Fed tangiert wäre. Die Geschäftsbanken werden zusätzlichen Druck auf die Fed ausüben, da sie eine Verschlechterung ihrer Kreditportfolios fürchten und bereits jetzt unter schwindsüchtigen Margen im Kreditgeschäft leiden (abgesehen vom Kreditkarten-Geschäft). Perspektivisch kommt die Fed auch um den erneuten Ankauf von gebündelten Kredit- und Hypothekenpapieren nicht herum, da die Banken, wie z. B. die HSBC, ihre Bilanzen reduzieren als weiter aufblähen wollen. Daher muss die Fed ihre Bilanz umso stärker ausweiten, um das für die US-Wirtschaft essenzielle Kreditrad in Schwung zu halten.

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Anleihen

Griechenland und die Zinsen – das Symbol für den Anlagenotstand

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Die Akropolis ist das Symbol für Griechenland

Erfahrene Ökonomen schütteln nur noch den Kopf. 0,902 Prozent, das war die Rendite, die man gestern am Markt bekam, wenn man sich eine 10-jährige Staatsanleihe aus Griechenland ins Depot holte. Zum Vergleich: die wohl sicherste und liquideste Staatsanleihe der Welt, die 10-jährige US-Treasury, notierte gestern Abend bei 1,61 Prozent. Die Welt der Zinsen ist aus den Fugen geraten, ganz besonders in Europa.

Die schützende Hand über Griechenland

Wie kann ein Land wie Griechenland, dessen Staatsschulden 180 % zum Bruttoinlandsprodukt ausmachen, sich langfristig zu einem solchen Zinssatz verschulden? Man muss einen gewaltigen Schutzpatron oder sagen wir Sponsor haben, der nicht nur für das Land gewisse Sicherheiten gewährleistet, sondern auch für ein Zinsklima in mehr als zwei Dutzend EU-Staaten sorgt, damit diese Anomalie zustande kommt. Es ist die Europäische Zentralbank (jüngst mit klarer Warnung an die Politik), die mit ihren Leitzinssenkungen und den Anleihekaufprogrammen eine Zinslandschaft kreiert hat, in der es für die großen Kapitalsammelstellen (Pensionskassen, Versicherungen) kaum noch renditebringende Anlagenöglichkeiten gibt. Also weicht man in den Not auf die Länder aus, die noch etwas Zinsen bringen.

Griechenland war 2019 nicht nur der Star an den weltweiten Aktienmärkten mit einem Plus von 49 Prozent, auch die Anleihekäufer griffen beherzt zu. Die Zinsen fielen so rapide, dass die Kurse der Bonds um 30 Prozent nach oben schossen. Investoren verlassen sich auf die EU-Staaten, die mit ihren Garantien dem Land mindestens für die nächsten acht Jahre den Rücken freihalten.

Es läuft für Griechenland im Sinne der internationalen Investoren. Eine stabilere Regierung und ein Abbauprogramm der faulen Kredite bei den Banken in Höhe von 71 Milliarden Euro haben dazu geführt, dass die Ratingagentur Fitch im Januar Griechenlands Rating auf BB hochgestuft hat, gerade noch zwei Stufen unter Investmentgrade. Diese Entwicklung könnte dazu führen, dass das Land bald wieder so stabil eingestuft wird, dass es einen neuen und überaus zahlungskräftigen Käufer für die Staatspapiere geben könnte: Griechenland würde ins Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank rücken. Darauf hoffen die Investoren und kaufen „Ouzo-Bonds“. Eigentlich unglaublich für ein Land, dass so tief in den Schulden steckt.

Der einmalige Anlagenotstand

Das gerade geschilderte Phänomen beschränkt sich natürlich nicht nur auf Griechenland und ganz Europa. Japan hat vor mehr als zwei Jahrzehnten den Anfang gemacht. Jetzt läuft eine riesige Zinssenkungswelle über den Planeten mit über 100 Zinssenkungen weltweit im Jahr 2019, aber es ist noch nicht das Ende. Die weltweite Verschuldung erlaubt keinen Zinsanstieg derzeit. Dabei sind fallende Zinsen keine Spezialität des 21. Jahrhunderts. Eine wissenschaftliche Langzeit-Studie des Harvard-Wissenschaftlers Paul Schmelzing hat gezeigt. (siehe Artikel vom 11. Januar): Die Zinsen fallen in ihrer Tendenz schon seit dem Jahr 1300, aber jetzt ist ein kritischer Punkt erreicht. Wir sind Teil eines riesigen Experiments geworden.

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