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Anleihen

Rendite deutscher Anleihen auf Rekordtief – Bund macht aktuell mit 1 Transaktion 111 Millionen Euro Gewinn

Claudio Kummerfeld

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Die Rendite für zehnjährige deutsche Bundesanleihen ist heute Mittag „mal wieder“ auf ein historisches Tief gefallen im freien Anleihehandel. Sie liegt aktuell bei -0,59%. Hauptverantwortlich sind die heute früh offiziell verkündeten Daten für die deutsche Industrie, wo es weiter deutlich rückläufige Zahlen gibt (hier die Detailinfos). Schlittern wir also weiter in Richtung Rezession der Gesamtwirtschaft, wie es auch Holger Zschaepitz heute fragend andeutet? Die Industrie ist da ja bereits angekommen, aber Bau und Dienstleistungen stützen die Gesamtlage noch.

10 Jahre deutsche Staatsanleihe Negativrendite

Bund mit fettem Gewinn

Der deutsche Staat hat heute eine fünf Jahre laufende Bundesobligation emittiert. Bei einem Zinskupon von 0,00% und einem Verkaufspreis von 104,21% entstand heute eine Rendite von sagenhaften -0,79%. Noch Anfang Juli lag sie bei -0,66%. Und das bei fünf Jahren Laufzeit! Ja, das ist inzwischen schon richtig normal. Interessant ist aktuell, dass bei 4 Milliarden Euro Angebot nur noch ein Nachfragevolumen von 3,1 Milliarden Euro vorhanden war. Rechnen die Zocker, die auf steigende Anleihekurse (fallende Renditen) spekulieren, nun mit einem Ende dieser Hausse?

Wie auch immer. Bundesfinanzminister Olaf Scholz dürfte aus dem Lachen kaum noch rauskommen, beziehungsweise einen Glücksrausch erleben. Er muss sich einfach nur zurücklehnen, und kann ganz entspannt dabei zu sehen, wie sein Ministerium durch den Verkauf von Schulden Gewinn macht. Die aktuelle Rechnung geht so: Der Zins liegt bei 0,00%, also hat man schon mal keine Zinskosten. In fünf Jahren zahlt man den Nominalwert (also 100,00%) der Verkaufssumme (heute 2,646 Milliarden Euro) an den Anleger zurück. Da der Verkaufspreis heute aber bei 104,21% lag (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten), hat der deutsche Staat heute nicht 2,646 Milliarden Euro eingenommen, sondern 2,757 Milliarden Euro. Somit macht der Bundeshaushalt heute per sofort einen Gewinn von sagenhaften 111 Millionen Euro! Die Zeche zahlen die Arbeitnehmer, die derzeit über die gesetzliche Rentenversicherung, Betriebsrentenkassen, Lebensversicherungen etc Geld fürs Alter ansparen. Sie zahlen diesen Negativzins über die durch diese Geldsammelstellen gekauften Anleihen. Der Bundeshaushalt streicht den Gewinn ein.

Rendite fällt immer weiter, Bund macht immer mehr Gewinn
Was für ein Glück für Olaf Scholz. Massig Mäuse machen durch den Verkauf neuer Schulden. Foto: pixabay / Fotorech

15 Kommentare

15 Comments

  1. Avatar

    sabine

    7. August 2019 16:54 at 16:54

    Manchmal hat man halt wegen externer Umstände Glück. Mehr ist das nicht.
    – Börsenauf-und-ab, Anleihenmarkt usw. besteht größteils aus Ängsten und Hoffnungen, nicht Realität.
    – Dann die Manipulationen wie Aktienrückkäufe, Leerverkäufe, Auftragsorder – die kurz später wieder storniert werden, Hochfrequenzhandel, EU-Billionen-Stütze von unrentablen Firmen und schlecht wirtschaftenden Ländern usw. Notenbankenaufkäufe von Schrottpapieren…
    – „Qualitäts-Nachrichten“ machen 80% des Denkens der Leute aus. Z.B. der Dürresommer aus der FAZ: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/meteorologen-warnen-deutschland-droht-weiterer-duerresommer-16154634.html
    Hat der DW nie behauptet! Bei uns regnet es ohne Ende.

  2. Avatar

    Shong09

    7. August 2019 18:55 at 18:55

    Meines Wissens nach sollen die großen Zeitungen aber das, falls es nicht regnet, unterschlagen haben.

    Es droht jeden Sommer eine Dürre, falls es nicht regnet.

    Eigl. eine sehr stupide Meldung.
    Eine Meldung a la der Grundwasserspiegel in vielen Regionen oder die bisherige Regenmenge liegen 20 oder 30% unter normalem Niveau wäre doch sehr viel sinnvoller, aber eben weniger sensationsgeil

    • Avatar

      leftutti

      7. August 2019 20:21 at 20:21

      @Shong09, zusammenhangloses und wirres Gestammel bringt hier keinen weiter.

      Was meinen Sie mit falls es nicht regnet? Das hat so keiner gesagt oder geschrieben.
      Außerdem wurde sogar auf dieses, Ihr populistisches Pseudo-Argument eingegangen: Selbst wenn es noch viel regnen sollte, bleibt sie [die Bodenfeuchte] den Schätzungen zufolge bis in den Sommer hinein unter dem vieljährigen Mittelwert. Eine Dürre hätte also auch bei niederschlagsreicher Witterung gedroht.

      Unabhängig davon hat es aber kaum geregnet seitdem der Artikel erschienen ist. Aus falls wurde schon längst Fakt.

      Was also sagt uns Ihr Kommentar?
      Eigl. eine sehr stupide Meldung.
      Ein Kommentar auf normalem Niveau wäre doch sehr viel sinnvoller, aber eben weniger sensationsgeil.
      Um es also sinnvoller zu formulieren: Das Argumentationsniveau liegt 99% unter NN.

      • Avatar

        Shong09

        8. August 2019 13:41 at 13:41

        1. Eine Dürre liegt jawohl nicht zwingend bei einer Bodenfeuchte unter dem vieljährigen Mittelwert vor. Andersherum ist dies aber in der Regel richtig (solange man sich eben nicht mit Wüstengebieten u.Ä. befasst)
        2. Das ist ja vollkommen Wurscht. Sie argumentieren also: Eine Prognose kann nicht falsch oder inahltsleer sein, weil sie eingetreten ist. Dann sag ich Ihnen jetzt wo der Dow am 31.12.2019 steht. Wenn er bis dahiin unter 20.000 fällt, steht er unter 20.000. Äquivalent zu der Weisheit obiger Aussage. Man merkt eben den qualitativen Verfall der Medien. Je
        „Unabhängig davon hat es aber kaum geregnet seitdem der Artikel erschienen ist. Aus falls wurde schon längst Fakt.“
        Wenn Sie jetzt noch die Prognose auch noch einmal verneint ausrücken, dann merken Sie vlt. was dies für eine schwachsinnige Aussage ist.

        • Avatar

          Stina

          8. August 2019 16:16 at 16:16

          @Shong09, auch das ist leider nur Quatsch: Eine Dürre ist ein Mangel an Wasser bzw. Feuchtigkeit, der durch weniger Niederschlag oder höhere Verdunstung als üblich verursacht wird. Weniger als üblich = unter dem statistischen Mittelwert.
          https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv2=100578&lv3=603288

        • Avatar

          leftutti

          8. August 2019 18:59 at 18:59

          @Shong09, wenn Sie schon eine Prognose in die Aussagen des DWD bzw. der FAZ von April 2019 hinein fantasieren wollen, dann doch die: Unter der Prämisse, dass die Trockenheit in den kommenden Monaten anhält, folgt die Prognose, dass dieses Mal nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Forstwirtschaft betroffen wäre.
          Prämisse eingetroffen, Prognose perfekt.

          Sie hingegen stammeln in bedauernswerter Legasthenie und Unfähigkeit zur logischen Beweisführung etwas in der Art: Wenn die Prämisse eintritt, ist sie wahr. Oder: Wenn die Prognose eintritt, war sie gut.

          Apropos Legasthenie: Ich erwähne das nur, weil doch gerade Sie es waren, der sich kürzlich über zwei Tippfehler mokiert hatte:
          https://finanzmarktwelt.de/fed-ehemalige-notenbankchefs-weisen-trump-in-die-schranken-135759/#comment-59478
          In Ihrer Aussage entdecke ich mit viel Toleranz und gutem Willen mindestens 7 orthografische bzw. grammatikalische Fragwürdigkeiten und Beeinträchtigungen.

          Als fairer Diskussionspartner gebe ich Ihnen gerne die Gelegenheit, Fauxpas und Lapsus zu korrigieren. Unter der Prämisse, dass Donald Trump so weiter twittert wie bisher, steht der DOW am 31.12.2019 wo?

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      Jan

      7. August 2019 21:38 at 21:38

      @Shong09, kennen Sie eigentlich den Unterschied zwischen tiefgründig entleerten Bodenspeichern und Grundwasser? Offensichtlich nicht, weshalb ich Ihnen ergänzend die Lektüre einiger Artikel zu dem Thema aus verschiedenen Bundesländern empfehlen möchte.

      Vorausgesetzt, dass Sie an diesem Thema überhaupt fachlich interessiert sind. Vermutlich dürfte dies jedoch eher erst der Fall sein, wenn sauberes Wasser endlich an den Börsen gehandelt wird.

      https://www.hlnug.de/themen/wasser/grundwasser/aktuelles.html
      https://www.weser-kurier.de/region/wuemme-zeitung_artikel,-extreme-trockenheit-mit-folgen-_arid,1810894.html
      https://www.br.de/nachrichten/bayern/grundwasserspiegel-in-bayern-rekordverdaechtig-niedrig,RAVs0KX

    • Avatar

      Stina

      8. August 2019 15:34 at 15:34

      @Shong09, was schreiben Sie denn für einen Quatsch?
      Es geht doch einzig darum, dass Sabine wieder einmal die Menschen als naiv und gesteuert durch falsche Nachrichten in den Medien hinstellen will. Dazu bedient sie sich des unwahren Arguments, dass der DWD irgendetwas (was auch immer das sein soll) nie behauptet hat. Das wurde zweifelsfrei widerlegt. Die FAZ hat die Aussagen des DWD korrekt zitiert und im weiteren Verlauf die Inhalte korrekt und unverfälscht zusammengefasst.

      Jetzt behaupten Sie, dass eine, so nie getroffene Aussage „falls es nicht regnet“, von den großen Zeitungen unterschlagen wurde. Auch das ist unwahr, da geschrieben wurde: „Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten“. Oder ist das für Sie etwas anderes?

      Der Artikel ist weder „sensationsgeil“, noch „stupide“. Er will eigentlich nur aussagen, dass eine „Extreme Trockenheit wie im vergangenen Jahr diesmal nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Forstwirtschaft hart treffen würde“. Der Grund dafür ist, dass tiefwurzelnde Pflanzen und Wälder letztes Jahr noch die Feuchtigkeit in tieferen Bodenschichten anzapfen konnten und somit relativ unbeschadet durch die Trockenperiode kamen. In 2019 war jedoch in einigen Landesteilen die Bodenfeuchte schon im April auf dem Niveau des Dürresommers 2018 von Mitte Juli.

      Niemandem ging es dabei um eine Prognose, wie Sie fälschlicherweise behaupten. Falsch und inhaltsleer waren die Aussagen schon dreimal nicht, wie man aktuell leider konstatieren muss:
      https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/hauk-kuendigt-notfallplan-wald-an/
      https://www.n-tv.de/politik/BUND-warnt-vor-Waldsterben-2-0-article21165494.html

      Und was den Einwand von @Jan angeht, hat er nicht Unrecht. Denn schließlich waren Sie es, der den völlig irrelevanten Grundwasserspiegel ins Spiel brachte. Dieser wird aber in den Artikeln nicht ein einziges Mal erwähnt, weil er in dem Zusammenhang keine Rolle spielt. Dort geht es eher um das Problem der Nitratbelastung, was aber ein ganz anderes Thema ist.

      Lassen Sie es in Zukunft doch einfach bleiben, Sie blamieren sich doch mit jedem Kommentar ein weiteres Stück mehr. Oder recherchieren Sie, lesen Sie zumindest die zitierten Artikel, um die sich die ursprüngliche Diskussion dreht.

      • Avatar

        Jan

        9. August 2019 19:30 at 19:30

        Keine Antwort ist auch eine Antwort. Spätestens jetzt zeigt sich, wie Kommentatoren der Kategorie Shong09 und sabine so ticken: Extrovertiert, beratungsresistent, desinteressiert oder unfähig, Fakten zu akzeptieren und nicht willens, eigene Fehler einzugestehen.

  3. Avatar

    Shong09

    8. August 2019 13:53 at 13:53

    Ausser der Diffamierung der Ahnungslosigkeit enthält ihr Geschreibsel leider keine Aussage, die Inhalte der Artikel stehen auch in keinem Kontext zu obiger Diskussion. Vlt lesen Sie meine Aussagen zuerst, und verstehen diese am Besten auch noch.

    • Avatar

      Claudia

      8. August 2019 21:11 at 21:11

      Lieber Shong09, nach dem gescheiterten Webinar warten viele Menschen enttäuscht und ungeduldig vor dem Computer auf Kommunikation. Fällt wenigstens Ihnen denn zu diesem interessanten Thema hier, dass Sie so bisher kraftstrotzend und selbstbewusst kommunizieren, noch etwas ein?

      Und wie stehts mit Sabinchen? Regnet es immer noch ohne Ende? Oder war es nur ein Tag?

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Staatsbankrott: Was passiert da eigentlich? Argentinien zeigt es!

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Wenn ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ist das eine Katastrophe für seine Bürger, die Unternehmen im Land und natürlich auch für die Gläubiger, die auf einen Großteil ihres Geldes verzichten müssen. Doch wie genau ist der Ablauf eines Staatsbankrotts? Da Argentinien gerade wieder zahlungsunfähig ist (schon im Februar forderte der IWF einen Schuldenschnitt) und sich in Verhandlungen mit seinen Gläubigern befindet, können wir an diesem Beispiel lernen, wie der Vorgang abläuft!

Die Insolvenz eines Staates ist ein häufiges Ereignis. In den vergangenen 200 Jahren kam es statistisch gesehen zu mehr als einem Staatsbankrott pro Jahr weltweit. Seit der Abschaffung der Golddeckung und der weitgehend unregulierten Schöpfung ungedeckten Fiatgeldes nahm die Frequenz der Staatsbankrotte sogar deutlich zu. So gab es zwischen 1980 und 2010 pro Jahr durchschnittlich drei insolvente Staaten auf der Erde.

Es gibt kein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren für den Staatsbankrott

Umso interessanter ist es, dass es zwar gesetzliche Regelungen für den Fall eines Staatsbankrottes gibt, die aber im Falle zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland eine Insolvenz, genauer gesagt ein Insolvenzverfahren, explizit NICHT vorsehen. Doch Papier ist geduldig. Wenn Deutschland seine Schulden nicht mehr bedienen kann, ist das Land insolvent – Gesetz hin oder her.keine gesetzlichen Regelungen für den Fall eines Staatsbankrotts gibt. Zwar mag es dann kein Insolvenzverfahren wie bei Unternehmen oder Privatpersonen geben. Doch eine Art von Insolvenzverfahren findet dennoch statt: die Verhandlung mit den Gläubigern. Zwar kann ein Staat die Zahlungen an seine Gläubiger einstellen. Doch bis es keine Einigung mit diesen gab, wird das Land auch keine neuen Kredite bekommen. Zumindest keine Auslandskredite. Kredite in der heimischen Währung könnte sich ein Staat theoretisch über die Zentralbank selbst geben, wie es zum Beispiel in den USA und der Eurozone schon seit geraumer Zeit nur wenig versteckt stattfindet.

Kann ein Staat keine Devisen mehr beschaffen, leidet darunter die heimische Bevölkerung und die Unternehmen. Importe sind dann nur noch in dem Umfang möglich, in dem Devisen mittels Exporten erwirtschaftet werden. Um einen Ausgleich zwischen Importen und Exporten herzustellen, muss die Währung gegenüber den ausländischen Währungen abwerten. Die dann in der Regel herrschende Devisenknappheit zwingt die Menschen dazu, ihre Ersparnisse in der heimischen Währung zu halten, die im Falle eines Staatsbankrotts jedoch zu hoher Inflation neigt. Die Währungsabwertung heizt die Inflation zusätzlich an, da Importwaren teurer werden. Haben die Menschen und Unternehmen Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung, sind zahlreiche Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Selbst wenn die Schuldner in der Lage wären, Devisen zu beschaffen, wären die Kredite durch die Währungsabwertung deutlich teurer als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme.

Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, bekommen aber teils noch Geld zurück

Eine Einigung mit den Gläubigern und der daraufhin wieder mögliche Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten ist daher ein vordringliches Ziel der Regierung nach einem Staatsbankrott. Den meisten Gläubigern ist bewusst, dass eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen unwahrscheinlich ist. In der Regel kauften die Gläubiger die Schuldtitel bereits mit deutlichen Preisabschlägen an der Börse und kassierten hohe Zinsen bis zum Zeitpunkt der Zahlungseinstellung. Eine Einigung, die in der Regel einen teilweisen Schuldenerlass, niedrigere Zinsen und gestreckte Zahlungsziele beinhaltet, wird daher relativ schnell gefunden. Interessant ist, dass die Insolvenzquoten bei Staatsbankrotten oft relativ hoch sind. Bei Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist in der Regel für die Gläubiger ein Totalverlust anzunehmen. Bei Staatsbankrotten sind 30% oder auch fast 50% Rückzahlungsquoten möglich. Das Beispiel Argentinien zeigt jedoch, dass sich inzwischen auch einige Hedgefonds darauf spezialisierten, die Anleihen praktisch bankrotter Staaten zu Schnäppchenpreisen aufzukaufen und dann auf vollständige Tilgung des Nennwerts zu pochen.

Bis es zu einer Einigung mit den Gläubigern kommt, können diese auch den Besitz des säumigen Staates im Ausland beschlagnahmen lassen. So ließ ein US-Hedgefonds ein argentinisches Marineschiff beschlagnahmen, weil Argentinien sich weigerte, die vom Hedgefonds gehaltenen Anleihen zum vollen Nennwert zu tilgen.

Beispiel Argentinien: Bankrott seit Ende Januar

Argentinien erklärte am 29. Januar 2020, dass es plane, den Gläubigern ein Programm zur Schuldenrestrukturierung zu präsentieren. Mit anderen Worten: Argentinien könnte zwar seine Schulden noch bedienen, weigert sich aber, es zu tun. Am 19. Februar bestätigten Prüfer des Internationalen Währungsfonds, dass die Staatsschulden Argentiniens in der Tat nicht mehr tragbar seien. Am 21. April präsentierte Argentinien schließlich seinen Plan zur Restrukturierung von 69 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden und setzte den Gläubigern eine Frist bis zum 8. Mai, um diesen Plan zu akzeptieren.

Die dachten natürlich nicht daran, den Plan einfach durchzuwinken. In persönlichen Treffen und Videokonferenzen versuchte Argentinien, die größten Gläubiger zu überzeugen. Schließlich musste jedoch am 7. Mai verkündet werden, dass man für Gegenvorschläge der Gläubiger offen sei. Die Frist zur Annahme des Restrukturierungsangebots wird in den kommenden Wochen mehrfach verlängert. In der Zwischenzeit wurden auch die ersten Zinszahlungen fällig, die Argentinien nicht bezahlte. Das Land ist damit offiziell zahlungsunfähig und hat damit bereits den neunten Staatsbankrott seiner Geschichte erklärt.

Nach Wochen des Wartens präsentieren erste große Gläubiger ihre Vorschläge zur Restrukturierung der Schulden. Sie bieten einen Schuldenerlass von rund 45% an, was Argentinien zu wenig ist. Schließlich einigt sich Argentinien am 2. August doch noch auf einen Schuldenerlass von 45,2% mit dem Großteil seiner Gläubiger.

Im Endeffekt dauerte der Staatsbankrott also nur rund ein halbes Jahr. Für Argentinien wird es nach der Einigung noch nicht sofort so sein wie vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit. Investoren werden noch eine Weile merkliche Risikoaufschläge für neue Kredite verlangen. Und vermutlich wird es auch wieder den einen oder anderen Gläubiger geben, der auf vollständige Tilgung seiner Anleihen besteht. Der Wechselkurs des argentinischen Peso wird sich aller Voraussicht nach auch nicht erholen, solange Argentinien nicht das grundlegende Problem der negativen Zahlungsbilanz löst. Der teilweise Schuldenerlass gab dem Land nur eine Atempause.

Der Obelisco als Smybol für Argentinien - Staatsbankrott lähmt das Land
Der Obelisco in Buenos Aires. Foto: Gobierno de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires CC BY 2.5 ar

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Wann brechen die Staatsschulden den USA das Genick?

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Trotz massiv steigender Staatsschulden geht die Party in den USA weiter

Die Staatsschulden der USA steigen während der Coronakrise im Rekordtempo. Doch es ist nicht der schiere Berg an immer schneller wachsenden Schulden, der Sorgen bereitet, sondern der ebenso enorme kurzfristige Refinanzierungsbedarf für Altschulden. Insolvent wird ein Staat schließlich nicht, wenn der letzte Kredit-Cent nicht zurückgezahlt werden kann, sondern bereits, wenn das beim ersten nicht gelingt. Allein im kommenden Jahr müssen die USA 7,4 Billionen US-Dollar umschulden – mehr, als der Staat Anfang 2010 insgesamt an börsengehandelten Schuldtiteln emittiert hatte. Gelingt nur eine Refinanzierung nicht, weil der Appetit des Marktes auf niedrig verzinste US-Staatsanleihen nachlässt, wären die USA insolvent. Wahrscheinlicher ist jedoch ein anderes Szenario: Ein schleichender Vertrauensverlust in den US-Dollar.

Staatsschulden verändern sich in ihrer Zusammensetzung ständig

Viele sehen Staatsschulden als etwas monolithisches, unveränderliches, einfach immer nur weiter wachsendes Etwas an. Doch die Schulden eines Staates gleichen eher einem Ameisenhaufen. Sie setzen sich zusammen aus einer Vielzahl von Schuldtiteln unterschiedlicher Laufzeit, unterschiedlichen Zinsen und unterschiedlichen Umfangs – und diese Zusammensetzung ändert sich ständig. Das heißt, dass zum Beispiel in den 70er Jahren aufgenommene Schulden in den meisten Fällen gar nicht mehr existieren. Sie wurden zwischenzeitlich in den allermeisten Fällen schon mehrfach umgeschuldet. Immer dann, wenn eine alte Anleihe fällig wird, emittiert der Staat eine neue Anleihe. Die Einnahmen aus der neuen Anleihe fließen sofort zur Tilgung der alten Anleihe zurück an Anleger. Durch Zinszahlungen und die Finanzierung der oft defizitären Staatshaushalte wächst sowohl das Volumen der neuen Anleihe-Emissionen als auch deren Anzahl immer weiter an.

Ein Beispiel: Die USA hatten Ende Februar 2010 börsengehandelte Staatsschulden von insgesamt 7,39 Billionen US-Dollar. Von diesen 7,39 Billionen waren damals binnen eines Jahres 2,5 Billionen US-Dollar fällig. Das heißt, die USA mussten in einem Jahr neue Anleihen im Umfang von 2,5 Billionen US-Dollar ausgeben, um die alten fällig werdenden Anleihen zu tilgen. Zusätzlich mussten weitere rund 1,6 Billionen US-Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um das Defizit im Staatshaushalt auszugleichen.

Die USA finanzieren ihre Schulden immer kurzfristiger

Im Laufe der vergangenen zehneinhalb Jahre wuchs so die in Form von Anleihen börsenhandelbaren Staatsschulden auf heute 19,9 Billionen US-Dollar an (hier ein Blick auf die offiziellen Gesamtschulden). Inzwischen werden in den kommenden zwölf Monaten bereits 7,4 Billionen US-Dollar fällig. 3/4 der Neuverschuldung der vergangenen zwölf Monate wurde mit extrem kurz laufenden Anleihen finanziert. Der Trend zu längeren Laufzeiten kehrte sich während der Coronakrise binnen weniger Wochen wieder um. Das ist kurzfristig eine tolle Sache für den Staat, da er für Anleihen mit bis zu einjähriger Laufzeit nur Zinsen von bis zu 0,1% bezahlen muss. Kurzfristige Schulden sind für die USA also derzeit fast gratis. Für Deutschland würden sie sogar Zinseinnahmen generieren, da die Zinsen für deutsche Staatsanleihen negativ sind.

Der Haken an der Sache ist, dass kurzfristige Schulden auch öfter refinanziert werden müssen. Das macht die Staatsschulden anfällig für Zinserhöhungen. Denn bei jeder Refinanzierung muss der Schuldner natürlich den dann aktuellen Marktzinssatz zahlen. Würden die USA die Schulden gleich für fünf, zehn oder mehr Jahre aufnehmen, müssten sie zwar ein wenig höhere Zinsen zahlen. Die wären dann aber für die volle Laufzeit der Anleihen sicher. In der Zwischenzeit steigende Zinsen würden nicht nach kurzer Zeit zu höheren Zinsbelastungen für den US-amerikanischen Staatshaushalt führen.

Ein weiterer Nachteil der kurzen Laufzeiten ist, dass die USA permanent Investoren davon überzeugen müssen, Billionen US-Dollar in die USA zu reinvestieren. Käme es zu einer Vertrauenskrise, dann wird es wahrscheinlich unmöglich sein, sieben Billionen US-Dollar in einem Jahr aufzutreiben oder gar 14 Billionen in den kommenden fünf Jahren. Bei Vertrauensverlust steigen natürlich als Erstes die Zinsen an, was die Schuldenlast der USA angesichts der kurzen durchschnittlichen Laufzeit schnell untragbar macht. Durchschnittlich beträgt die Laufzeit nur noch 62 Monate. Bei steigenden Zinsen müssten also nach 62 Monaten die kompletten derzeit knapp 20 Billionen US-Dollar zum dann höheren Zinssatz refinanziert werden.

Langfristig wird die US-Zentralbank alle neuen Staatsschulden finanzieren müssen

Angesichts der hohen Summen ist es wahrscheinlich, dass bei einem Vertrauensverlust selbst bei gestiegenen Zinsen über kurz oder lang nicht mehr genügend Investoren überzeugt werden können, den USA Geld zu leihen. Und sobald nicht mehr genug Interesse an Neuemissionen besteht, um die fällig werdenden Altschulden zu tilgen, wären die USA zahlungsunfähig. Im Falle Griechenlands ging dieser Prozess innerhalb weniger Wochen vonstatten.

Im Unterschied zu Griechenland können die USA jedoch ihr eigenes Geld drucken. Schon heute sehen wir, dass die US-Zentralbank einen beträchtlichen Teil der US-Staatsschulden kauft. Es ist anzunehmen, dass dieser Anteil mittel- und langfristig weiter ansteigt, bis irgendwann die Zentralbank der einzige Käufer der Anleihen ist. Schon vorher wird das Vertrauen in den US-Dollar massiv schwinden. Denn eine Zentralbank, die Jahr für Jahr Billionensummen schöpft, um den eigenen Staat zu finanzieren, hat keinerlei Vertrauen mehr verdient. Die Kaufkraft des US-Dollars wird im In- und Ausland schrumpfen. Inflation im Inland und Abwertung im Ausland werden die Folge sein.

Trumps Ansinnen, das Außenhandelsbilanzdefizit der USA zu reduzieren, macht es übrigens nicht besser. Bisher exportierten die USA Jahr für Jahr US-Dollar im Austausch für Waren. Diese US-Dollar flossen zum Teil zurück und wurden in US-Staatsanleihen investiert. Wenn das Defizit reduziert wird, reduzieren sich damit auch die Exporte von US-Dollar und der Rückfluss in US-Staatsanleihen. Gleichzeitig steigt das Emissionsvolumen, was mehr und nicht weniger Käufer für die Papiere benötigt.

Ob angesichts der sich immer schneller drehenden Schuldenspirale überhaupt noch ein Kurswechsel möglich ist, darf bezweifelt werden. In die Staatspleite wird diese Spirale bei den Staatsschulden im Falle der USA jedoch auf absehbare Zeit noch nicht münden. Dafür ist das Vertrauen in den US-Dollar weltweit noch immer zu groß und die Zahl der Alternativen zu klein. Dollarbesitzer sollten sich jedoch auf einen beschleunigten Verlust ihrer Kaufkraft einstellen.

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Anleihen

Goldpreis: Aktuell echte Stärke, und ein Blick auf die Realrenditen

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren Gold

Haben Sie Freitag Nachmittag unsere Berichterstattung zum Thema Gold verfolgt? Da fiel der Goldpreis plötzlich. Zeitgleich war der US-Dollar (gut sichtbar im Währungskorb „Dollar-Index“) deutlich gestiegen. Oft gibt es eine klare Korrelation. Dollar stark, Gold schwach, und umgekehrt! Und so geschah es dann auch zügig am Freitag Nachmittag. Der Dollar-Index kletterte schon den ganzen Freitag von 92,52 auf über 93,50 Punkte. Und der Goldpreis sackte ab von 1.975 auf 1.960 Dollar, wohl vor allem als Reaktion auf den starken US-Dollar.

Goldpreis kann sich halten

Aber seitdem? Da zeigt der Goldpreis eine aktuelle Stärke. Denn schauen wir hier mal auf den aktuellen Chart, wo Gold in rot-grün gezeigt wird, und der Dollar-Index in blau. Der Greenback ist auch übers Wochenende weiter deutlich gestiegen auf jetzt 93,82 Punkte. Demnach hätte der Goldpreis weiter fallen können oder sogar müssen? Aber nein, das Edelmetall hält sich robust bei 1.971 Dollar. Dies kann man als aktuell echte Stärke bezeichnen. Weitere Anläufe über 1.980 Dollar und in Richtung der großen runden Marke von 2.000 Dollar sind jederzeit möglich? Vor allem, wenn der Dollar-Index wieder kehrt macht gen Süden? Es bleibt spannend.

Chart zeigt Goldpreis gegen Dollar-Index

Realrenditen

Die realen Renditen von Anleihen ergeben sich aus dem Zins abzüglich der Inflationsrate. Holger Zschaepitz hat im folgenden Chart, der bis zu den 90er-Jahren zurückreicht, die Realrendite deutscher Bundesanleihen gezeigt. Schon seit Jahren liegen sie im negativen Bereich. Ganz aktuell kommen sie etwas nach oben Richtung Null-Linie. Dies liegt aktuell aber wohl nur daran, dass die Inflation in Deutschland auf Null gesunken und sogar in die Deflation gerutscht ist. Und das wiederum liegt wohl vor allem an der jüngst in Kraft getretenen Mehrwertsteuersenkung, durch die viele Produkte billiger wurden.

In der folgenden Grafik der Notenbank von St. Louis sieht man für zehnjährige US-Staatsanleihen den inflationsbereinigten Zins. Seit Januar diesen Jahres geht es in den Minusbereich. Der Chart reicht von 2018 bis zum letzten Donnerstag. Es geht weiter Richtung Süden. Was lernen wir daraus? Je schlechter verzinsz Anleihen global sind, desto größer grundsätzlich der Drang von Anlegern Richtung Edelmetalle, was dem Goldpreis helfen sollte (hier dazu ein interessantes Video von Markus Fugmann). Eine Garantie für steigendes Gold ist das nicht, aber von der Grundtendenz her… wenn man sieht, 2018 lag der Goldpreis noch bei 1.300 Dollar!

US-Realrendite fällt immer weiter

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