Die Wortschöpfung „Stabil pleite“ habe ich mir spontan einfallen lassen. Sie kam mir gleich in den Sinn, als ich vor wenigen Minuten die aktuelle Meldung der Deutschen Rentenversicherung las, wo der Vorstandsvorsitzende Alexander Gunkel über die aktuelle Finanzlage berichtete. Dort verkündete er als erste Aussage: „Etwa drei Viertel unserer Gesamteinnahmen stammen unverändert aus Beitragseinnahmen“. Erst mit großem Abstand würden die Bundeszuschüsse folgen. Und „entgegen der öffentlichen Wahrnehmung ist die Abhängigkeit der Gesamteinnahmen der Rentenversicherung von den Bundeszuschüssen in der Vergangenheit auch nicht kontinuierlich gestiegen“. Vielmehr sei der Anteil der Bundeszuschüsse gemessen an den Einnahmen der Rentenversicherung seit Anfang des Jahrtausends „weitgehend stabil“, so seine Aussage. Na, dann ist doch alles in bester Ordnung? „Stabil“ ist also das neue Zauberwort.
Rentenversicherung: Pleite ist Pleite
Man stelle sich vor, der Banker konfrontiert einen Privatkunden, der jeden Monat seinen Dispo-Kredit überzieht. Der Kunde antwortet: Ich bin aber jeden Monat stabil 30 % über dem Dispo, es wird nicht schlimmer. Damit würde sich der Banker zufrieden geben? Nein, Pleite ist Pleite! Dass die Bundeszuschüsse immer weiter ansteigen? Kann man sich schönreden, denn das Gesamtvolumen des Rententopfs und die realen Beitragseinnahmen steigen ja auch? Dann ist doch alles total in Ordnung? Man kann den guten Mann natürlich verstehen. Er ist halt Chef dieser Pleite-Veranstaltung namens Rentenversicherung. Strukturell liegen die Einnahmen aber nun mal weit tiefer als die Ausgaben. Von daher muss man irgendwie schönreden, dass man ohne ständige externe Geldzufuhr seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mal ansatzweise nachkommen könnte.
Ein Blick auf die Statistiken der Rentenversicherung zeigen (was Herr Gunkel lieber in Zahlen nicht aussprechen will?): 2024 nahm die Rentenversicherung insgesamt 402 Milliarden Euro ein. Über 92 Milliarden Euro davon stammten aus dem Bundeszuschuss. Die Kern-Rentenausgaben lagen bei 360 Milliarden Euro. Also hätte die Rentenversicherung ohne Bundeszuschüsse nicht ansatzweise ihre Kernaufgabe – die Bezahlung der monatlichen Renten – erfüllen können. In den Vorjahren sieht die Lage nicht anders aus – ein strukturelles Defizit, ständig deutlich weniger Beitragseinnahmen als Ausgaben.
Nach aktueller Schätzung werden sich die Beitragseinnahmen für 2025 auf rund 321 Milliarden Euro belaufen, so die Rentenversicherung aktuell (in 2024 noch 306 Milliarden Euro). Bei dem Anteil an Pflichtbeiträgen aus Erwerbstätigkeit rechnet man anhand der Schätzungen mit einem Anstieg um 4,8 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr. Der Zuwachs resultiere überwiegend aus gestiegenen Löhnen, so die aktuelle Meldung.
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Mich wundert immer mehr, dass diese seit Jahrzehnten bekannte Entwicklung immer wieder für negative Artikel sorgt. Die Rente ist weder eine Bank noch eine Firma. Die kann eigentlich auch nicht pleite sein. Dass die Boomer durch Beiträge alleine nicht finanzierbar sind, weiß auch jeder.
Wo ist das Desaster?
Auch wenn man die Finanzierung reformieren würde, würde kaum was anderes dabei rauskommen. Irgendwoher muss das Geld kommen.
Die Hoffnung vieler Wirtschaftsvertreter scheint wohl einfach zu sein, dass man den Boomern das Geld weg nimmt. Schreiben wirs schlecht, wenn wirs oft genug sagen, dann wird das schon…
Die Menschen haben sich über 40 Jahre auf das System verlassen und Beiträge geleistet.
Interessant wird es, sobald die geburtenstarken Jahrgänge auf der Einzahlerseite verschwunden sind und auf der Auszahlungsseite auftauchen. Da haben wir ja noch etwas Zeit und bis dahin sind wir dann eben „stabil“.
Dieser Prozess hat gerade erst dieses Jahr begonnen. Da werden wir noch viel Spaß haben mit weiteren Abstimmungskrimis. Jetzt geht es vorrangig darum, die lieben Leute bis zur nächsten Bundestagswahl ruhig zu halten.
Der Bundeszuschuss wird bis 2050 auf 300 Mrd EUR p.a. ansteigen (Ifo-Institut 2020), da die doppelte Haltelinie zementiert wurde.
Mit anderen Worten ist eine wirksame Rentenreform jetzt unumgänglich. Der faktische Zwang, etwas zu ändern, wird es hoffentlich richten, obwohl ich den Sozies keine Realitätsnähe zutraue…..
Die Rente ist das Eine, aber was ist mit den Pensionsrückstellungen? Wieviel Milliarden werden da zugeschossen? Wäre interessant zu wissen.
Hallo @ Retniw
Dazu von KI:
Beamtenpensionen kosten uns in Zukunft ein Vermögen: Die Ausgaben steigen dramatisch, da viele Beamte in den Ruhestand gehen, während die Rücklagen gering sind; Prognosen sprechen von jährlichen Kosten für Bund, Länder und Kommunen in Höhe von über 120 Milliarden Euro bis 2060 und einer versteckten Staatsverschuldung durch künftige Zusagen von 1,7 bis 2 Billionen Euro, was die Haushaltsbelastung erheblich erhöht.
https://www.google.com/search?q=was+kosten+uns+die+Beamtenpensionen+in+der+Zukunft&gs_ivs=1
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut