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Rentenversicherung vor Sturz in den Abgrund – Bundesbank mit Berechnungen

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Rentenversicherung vor Desaster - Rentner Beispielbild

Wir erinnern uns. Ende 2018 wurde das „große Rentenpaket“ verabschiedet, welches die Rentenprobleme lösen soll. Die Rentenauszahlung wird auf mindestens 48% festgeschrieben. Und die Beiträge dürfen nicht über 20% ansteigen. Aber diese Regelung gilt halt nur bis zum Jahr 2025. Und dann? Danach wird es offenbar ziemlich düster. Die Bundesbank hat sich heute sehr ausführlich zum Thema Rente geäußert unter der harmlosen Überschrift „Langfristige Perspektiven der gesetzlichen Rentenversicherung“. Wir hatten uns zuletzt am 30. September mit den jüngsten Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung beschäftigt. Zuletzt machen die Bundeszuschüsse 27,4% der Gesamteinnahmen der Rentenkasse im Jahr 2018 aus mit 83,8 Milliarden Euro. Gut, natürlich finanziert die Deutsche Rentenversicherung auch versicherungsfremde Leistungen. Aber herje… ohne die Zuschüsse aus dem Steuerhaushalt sähe es jetzt schon ziemlich düster aus.

Rentenversicherung ab 2025 vor riesigem Problem

Und wie die Ausführungen der Bundesbank jetzt zeigen, wird es wohl für die Rentenversicherung nach 2025 noch viel, viel düsterer werden! Momentan wirkt die Lage rund um das Thema Rente nur so idyllisch, weil erstens das „Rentenpaket“ die Zahlen quasi einfriert. Und zweitens ist Ruhe, weil derzeit die Einnahmen durch die hohe Beschäftigung sprudeln. Aber solche Effekte können das kaputte System der Rentenversicherung nicht dauerhaft aufpolieren. Ab 2025, just in dem Augenblick wo diese gesetzlich angeordnete Einfrierung es Rentensystems ausläuft, gehen die Babyboomer in Rente, und das Verhältnis zwischen der Anzahl von Einzahlern zu Rentnern verschlechtert sich immer schneller.

Laut Bundesbank müsste der Beitrag aus dem Steuerhaushalt für die Rentenversicherung drastisch angehoben werden um die Löcher zu stopfen. Wie gesagt, alleine letztes Jahr waren es 83,8 Milliarden Euro oder 3,3% der gesamten deutschen Bruttowertschöpfung. 2030 müsste dieser Anteil an der Bruttowertschöpfung auf 4% steigen, und bis 2050 sogar auf 4,5%. Dazu müsse der Bund zum Beispiel zwecks Refinanzierung (irgendwoher muss der Bund ja das Geld nehmen) die Mehrwertsteuer von derzeit 19% auf 23,5% anheben. Letztlich also eine Quersubventionierung der Rente über den Steuerhaushalt in einem immer dramatischeren Ausmaß!

Renteneintritt mit 70 und dramatisch höhere Beiträge

Aber das reicht noch lange nicht aus. Die Bundesbank nennt zwar kein konkretes empfohlenes Renteneintrittsalter für die Zukunft. Aber man könne ein Indexmodell einführen, wo das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung der Beitragszahler gekoppelt werde. Da die Lebenserwartung aber offensichtlich immer weiter steigt, darf man wohl von der Zahl rund um die 70 Jahre als Renteneintritt ausgehen? Das Rentenniveau, welches bis 2025 auf mindestens 48% garantiert ist, werde 2030 auf 46% sinken müssen, und 2050 auf 42%, und so weiter, und so weiter. Der Beitragssatz der Arbeitnehmer für die Rentenversicherung von aktuell 18,6%, der ja bis 2025 auf 20% gedeckelt ist, müsse laut Bundesbank bis Mitte der 2030er auf 24% steigen, und bis 2070 auf 26%. Diese Mehrkosten müssten dann natürlich Arbeitnehmer und Arbeitgeber tragen. Also entstehen den Unternehmen deutliche Mehrkosten, und der Arbeitnehmer hat dramatisch weniger Netto auf dem Konto am Monatsersten.

Was wird passieren?

Gibt es keine große strukturelle Reform, also keine komplett neue Aufstellung des Rentensystems, dann wird die Rentenversicherung für alle Beteiligten noch höhere Kosten, noch weniger Netto-Gehalt und noch weniger Renten nach sich ziehen. Natürlich, schuld ist das Missverhältnis bei der Demografie. Aber echte strukturelle Änderungen oder Ideen werden von der Politik nicht mal angesprochen. Man bekämpft nur die Symptome. Hier ein wenig anpassen, da ein wenig medikamentös verarzten. Und so schlittert das System planmäßig in den Abgrund. Das mag sich jetzt alles so harmlos anhören. Aber wenn man in 10 Jahren als Arbeitnehmer plötzlich Jahr für Jahr deutlich weniger Netto auf dem Lohnzettel hat, und eine mehrmals steigende Mehrwertsteuer oben drauf, dann ist das kein Spaß mehr. Und ja, auch der Rentner mit seiner sinkenden Rente hätte dann gleichzeitig noch eine höhere Mehrwertsteuer zu verkraften.

Hierzu auszugsweise einige Ausführungen der Bundesbank im Wortlaut:

Bei den Simulationen wird deutlich, dass sich die demografischen Lasten kaum überzeugend über einzelne Stellgrößen auffangen lassen. Auch die derzeitigen Regelungen sehen vor, die Lasten breiter zu verteilen. So steigt etwa das Rentenalter bis Anfang der 2030er Jahre auf 67 Jahre. Ein Reformansatz wäre dessen systematische Verknüpfung (Indexierung) mit der zunehmenden Lebenserwartung. Das legen auch internationale Organisationen nahe. Beispielsweise ließe sich das Rentenalter nach 2030 so anheben, dass die Relation von Renten- zu Beitragsjahren in etwa stabil bleibt (statt, wie derzeit angelegt, immer weiter zu steigen). Die zunehmende Lebenszeit wäre dann mit einer längeren Erwerbsphase verbunden, aber auch die Rentenphase würde sich verlängern. Das Rentenalter müsste dazu bis 2070 auf 69⅓ Jahre steigen. Eine daraus resultierende umfangreichere Erwerbstätigkeit stützt gleichzeitig die Sozialbeiträge und Steuern. Mit einem steigenden Rentenalter und längeren Erwerbsphasen wachsen zudem die Rentenansprüche. Es wäre daher folgerichtig, das standardisiert ausgewiesene Versorgungsniveau zu dynamisieren, also mit steigendem Rentenalter entsprechend mehr Beitragsjahre in die Standardrente einzubeziehen.

Wenn der zunehmenden Lebenserwartung so mit dem Rentenalter Rechnung getragen würde, wäre noch insbesondere der Finanzdruck durch die niedrigeren Geburtenraten seit den 1970er Jahren zu bewältigen. Die bisherigen Regelungen verteilen diesen auf die übrigen Stellgrößen: Bis etwa 2040 würden der Beitragssatz und die Bundesmittel auch bei einem indexierten Rentenalter relativ stark steigen und das dynamisiert berechnete Versorgungsniveau sinken. Der Anpassungsbedarf wäre aber deutlich geringer. Nach 2040 würde sich das dynamisierte Versorgungsniveau mit entsprechend mehr Beitragsjahren eher seitwärts bewegen.

Bundesbank Tabelle über Daten der Deutschen Rentenversicherung
Grafik: Bundesbank

15 Kommentare

15 Comments

  1. Avatar

    Koch

    21. Oktober 2019 17:42 at 17:42

    Rentenversicherung vor Sturz in den Abgrund!Ich hoffe,dass in dem Begriff :Rentenversicherung auch die Pensionen enthalten sind.Sollte das der Fall sein bin ich beruhigt,dann ist das nur ein Sturm im Wasserglas.Pensionen stürzen und fallen nicht,niemals!Dafür sorgen schon die 75 %,die im Bundestag rumlungern!

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      Heidy

      21. Oktober 2019 19:55 at 19:55

      So sehe ich das auch, die erhöhen sich die Diäten damit sie wenigstens ihre Schäfchen im trockenen haben was mit den Bürgern passiert ist denen doch egal.

  2. Avatar

    Leviathan

    21. Oktober 2019 17:52 at 17:52

    Das Thema Rente wird lächerlich… ab 2025 mit Gründung der vereinigten Staaten von Europa löst sich die Rente sowieso in einem europaeinheitlichen Rentensatz auf…also Rente auf Harz4 Niveau für alle. Alles andere ist Geschwafel.

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      Chris

      21. Oktober 2019 20:38 at 20:38

      @Leviathan

      Ja, ich denke auch, dass die Politiker sich in EU-Sozialversicherungen zu retten versuchen.

      Aber ihre Rentenversicherungen wollen die anderen EU-Staaten nicht mit uns teilen, ginge es nach Kaufkraft und würde nicht die Miethöhe durch Zwangseingriffe künstlich gedrückt werden, bewirkt bereits eine Rentenkürzung der Vermieter, da die Objekte meist über 30 Jahre finanziert werden, so müssten wir einen Mittelzufluss aus den übrigen EU-Ländern erhalten und würden mit Mitte 50 in Rente gehen.

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    Torsten

    28. Oktober 2019 18:01 at 18:01

    Wenn seinen Verstand einsetzt wird erkennen das es nicht funktioniert das Renteneintrittsalter konstant zu halten, bis 70 arbeiten und dann noch 20 Jahre Rentner ist doch noch besser als früher bis 65 arbeiten und mit 80 sterben, 5 Jahre mehr Rente
    oder man traut sich an eine gerechte Besteuerung und Lastenverteilung aller Einkommensschichten

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      Shong09

      28. Oktober 2019 18:25 at 18:25

      Am humansten wäre es, unter sehr rigider Aufsicht und Kontrolle, Sterbehilfe zu ermöglichen.
      3 meiner Großeltern wurden über 90, und für wenigsten 2, insbesesonderem einer, wäre es wohl möglich gewesen, Ihnen viel Leid zu ersparen.
      Stattdessen wird es strengstens verboten, todkranken und nicht mehr leben wollenden Personen den vorzeitigen Abschied zu Ermöglichen, und stattdessen wird anderen dringend Hilfebedürftigen ein lebenswertes Leben, welches man Ihnen ermöglichen könnte, vorenthalten.
      Das nennt man dann gute Allokation der Ressourcen.
      Bildung verweigern wir der Bevölkerung schließlich auch nur allzu gern

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        Leon

        28. Oktober 2019 20:20 at 20:20

        Mein Mitgefühl, es ist ein Drama, bis man endlich an die Erbschaft gelangt 🙁
        Eine Patientenverfügung könnte da sehr hilfreich sein, wie seit 10 Jahren jedermann bekannt sein dürfte. Denn wer sollte denn die rigide Aufsicht und Kontrolle durchführen? Deutsche Politiker oder Beamte? Europäische Bürokraten?

    • Avatar

      schwarze_pille

      11. November 2019 21:02 at 21:02

      Oder man ändert seine Prioritäten und hört auf Geld in Shitholes zu verbrennen wie neulich wieder die Kanzlerin.

  4. Avatar

    Chris

    28. Oktober 2019 19:58 at 19:58

    Also die durchschnittliche Lebenserwartung meines Jahrgangs liegt bei etwas über 70 Jahre, eingezahlt haben viele mit 14 Jahren , spätestens mit 16 Jahren.

    Dann müssen nur die Kinder, die vor Beginn ihrer Rentenbeitragszahlung verstorben sind, herausgerechnet werden. Dadurch erhöht sich der Durchschnitt minimal.

    Rentenbeginn ist für unsere Jahrgänge bereits 67 Jahre, also Männer erhalten dann im Durchschnitt sechs Jahre Rente, eingezahlt haben sie über 50 Jahre.

    • Avatar

      Pettra

      28. Oktober 2019 20:58 at 20:58

      @Chris, die Lebenserwartung hat sich statistisch in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verlängert. Friedenszeit, gestiegenes Einkommen, höherer Lebensstandard, bessere Ernährungslage sei Dank. Sie erhalten also sicherlich eher 16, als 6 Jahre Ihre wohlverdiente Rente. Ein paar Immobilien im Speckgürtel von Frankfurt federn sicherlich kleinere Unannehmlichkeiten ab, sodass sich statistisch eine lange und positive Zukunft ergeben dürfte.

      • Avatar

        Chris

        29. Oktober 2019 11:22 at 11:22

        @Pettra
        Ich schau mir ganz umemotional die Zahlen an. Für meinen Jahrgang sind es für Männer noch 16 Jahre bis zum statistischen Tod, die Sterbetafeln werden ständig aktualisiert. Kaum zu glauben, dass die Restlebensdauer in den 16 Jahren um 200% steigt.

        Kleinvermieter zu sein, verkürzt die Lebensdauer erheblich, häufig haben Sie es mit mittellosen, hilflosen, bequemen, verwöhnten oder überanspruchsvollen Menschen zu tun, es gibt ja Gründe, warum man nicht selbstverantwortlich handelt und in eine eigene Immobilie einzieht. So viele Handwerker und Polizisten, die idealen Mieter, sind nicht zu finden.

        Die höchste Lebenserwartung wird in Deutschland wahrscheinlich im öffentlichen Dienst als Angestellter oder als Beamter erreicht, falls man dort einen der zahlreichen ruhigen Stellen ergattert, denn es gibt auch dort lebensverkürzende. Vielleicht steigt in Zukunft auch dort der Konkurrenzdruck, wenn über 80% der Schulabgänger, wie in Frankreich, zum Staat möchten.

  5. Avatar

    Neo

    28. Oktober 2019 22:55 at 22:55

    Echt jetzt? Hat hier keiner mehr was auf dem Radar? Wie wäre es hiermit:

    Die sogenannten „Zuschüsse“ des Bundes sind in Wahrheit Rückzahlungen von Geldern, die unsere Politiker mal eben aus dem Rententopf genommen haben um andere Löcher zu stopfen. Dabei fällt die Rückzahlung allerdings wesentlich niedriger aus als das, was zuvor entnommen wurde. Seit 1957 haben die Rentenbeiträge aus den Löhnen der gesetzlich Rentenversicherten staatliche Begehrlichkeiten geweckt, um mit dem versteuerten Beitragsvermögen der zwangsversicherten abhängig Beschäftigten gesamtgesellschaftliche, aus Steuermitteln zu finanzierende staatliche Verpflichtungen zu finanzieren. Die Rückzahlung muss nach § 213 SGB VI vom Bund geleistet werden.

    Die Erstattungen („Bundeszuschüsse“) haben bislang noch in keinem Jahr bis zum heutigen Tage ausgereicht, die herausgenommenen immensen Milliardensummen voll zu erstatten. Der
    milliardenschwere Rest wurde und wird allein den Beitragszahlern aufgebürdet, so dass man hier durchaus von einer verdeckten Sondersteuer sprechen darf (so auch schon in der Vergangenheit die Professoren Schmähl und Rürup).

    Seit 1957 wurden Entnahmen zur Finanzierung gesamtgesellschaftlicher Verpflichtungen jährlich nur teilerstattet mit der Folge, dass Beitragsgelder in Höhe von rund 700 Milliarden Euro in der Rentenkasse fehlen.

    Die Beitragskasse des Solidarsystems „Gesetzliche Rentenversicherung“ ist offenbar eine Freibeuterkasse zum Wohle derjenigen Gesellschaftsschichten, die an der Finanzierung der nicht
    zurückgezahlten Milliardensummen nicht beteiligt sind (Politiker, Beamte, anders berufsständisch Versicherte etc.).

    Im Gegensatz zu den Angehörigen der zuvor genannten Gesellschaftsschichten werden die gesetzlich zwangsversicherten Beitragszahler mehrfach belastet:
    – Versteuerte Beitragsleistungen in die Rentenkasse ihres Solidarsystems;
    – steuerliche Mitfinanzierung der “Bundeszuschüsse“ für versicherungsfremde Leistungen;
    – alleinige Übernahme der restlichen Milliarden für versicherungsfremde Leistungen, die durch „Bundeszuschüsse“ nicht voll ersetzt werden;
    – Kürzung durch den Riesterfaktor, unabhängig davon, ob geriestert“ wird oder nicht;
    – Finanzierung der Riester-Werbung über externe PR-Firmen mit Beitragsgeldern im Interesse der
    Finanzkonzerne; somit finanziert die Deutsche Rentenversicherung die eigene Konkurrenz.
    (Darf oder muss man hier von „Veruntreuung“ sprechen?)

    Die Entscheidung, die so genannte „Mütterrente“ aus der Rentenkasse der Angestellten zu finanzieren, ist nicht hinnehmbar. Dass Erziehungsleistung“ Arbeitsleistung darstellt, steht außer Zweifel und ist nicht hoch genug anzuerkennen, ist aber nicht allein Sache der Beitragszahler, sondern eine gesamtgesellschaftliche Angelegenheit. Deshalb ist sie aus Steuermitteln zu finanzieren.

  6. Avatar

    md

    29. Oktober 2019 01:20 at 01:20

    ich muss kurz mal meine einschätzung abgeben und die lautet. ich glaube das die lebenserwartung der menschen mittlerweile sich um den faktor „geld“ erweitert hat. ich meine das die lebenserwartung der oberen reichen incl. der politiker höher liegt als die der arbeiterklasse welche in der industrie malochen und der armen die von hartz4 leben. von daher wäre es ausgwogen die reichen vor allem die politiker per gesetz bis 70 arbeiten bevor sie auch nur ein cent rente bekommen und die arbeiter schon mit 60. somit hätte jeder etwas vom restleben. vg

  7. Avatar

    Jürgen Kempe

    14. November 2019 17:43 at 17:43

    Na..mal sehen ob hier 2025 noch ein Stein auf dem anderen steht,ewig kann man das System wohl nicht am Leben halten mit Taschenspieler-Tricks a la Draghi :-)…dann gibts ganz andere Probleme als Demographie

    • Avatar

      Olaf Schmalz-Höckerl

      14. November 2019 19:36 at 19:36

      Richtig! Randalierende, plündernde und pflastersteinwerfende Rentner über 80 aus dem Osten in gelben Westen, die unsere selbstgerechten Politiker aus dem Süden wieder einnorden.

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Coronavirus: Wie lange kann es an der Luft überleben?

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Symbolbild für Coronavirus

Am 4.2.2020 schrieb ich das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin an. Ich bat das Institut meine Fragen bezüglich des Coronavirus zu beantworten. Man antwortete mir, und verwies mich auf das Bundesinstitut für Risikobewertung (BFR), da diese alle Antworten geben können! Am 26.02.2020 besuchte ich die Seite des Bundesinstituts. Auf dieser Seite sollte ich alle meine Fragen beantwortet bekommen. Vorsichtshalber rief ich, bevor ich mir die Fragen und Antworten durchlas, am 26.02.2020 beim BFR an. Man bestätigte mir, dass die Antworten absolut aktuell sind und sie erst am 24.02.2020 aktualisiert wurden. Gleich am Anfang stand dort die Antwort meiner Frage! Sind auch andere Übertragungswege möglich?

Antwort: Es gibt derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen auf anderem Weg, etwa über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch importiertes Spielzeug, mit dem neuartigen Coronavirus (offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2) infiziert haben. Auch für andere Coronaviren sind keine Berichte über Infektionen durch Lebensmittel oder den Kontakt mit trockenen Oberflächen bekannt. Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, sind allerdings durch Schmierinfektionen denkbar. Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich.

Fragen zum Coronavirus an einen Experten

Ist das wirklich so? Hierzu setzte ich mich mit dem Experten für Hygiene und Umweltmedizin Herrn Prof. Dr. Kampf von der Universität Greifswald in Verbindung.

FMW: Herr Prof. Dr. Kampf, es gibt unterschiedliche Informationen über das Risiko der Übertragungswege des Coronavirus. Ist es denkbar, dass das Coronavirus zum Beispiel an einer Türklinke oder einem Haltegriff einer S-Bahn “überlebt“ und dadurch einen Menschen ansteckt?

Prof. Dr. Kampf: Zunächst einmal braucht es dafür Menschen, die mit diesem Virus infiziert sind und die das Virus über Tröpfchen (beim Niesen oder Husten) auf diese Flächen bringen. Das Virus muss dann in einer hohen Anzahl vorhanden sein. Es kann in dieser Situation bei Raumtemperatur durchaus 4-5 Tage an Oberflächen wie Glas, Kunststoff oder Metall überleben. Im Extremfall können es sogar bis zu 9 Tage sein, wobei die Anzahl nachweisbarer Coronaviren im Lauf dieser Zeit immer weiter abnimmt.

FMW: Das bedeutet, dass die Ansteckung zum Beispiel an der Türklinke am ersten Tag am höchsten ist, und zum Beispiel am 9. Tag am geringsten?

Prof. Dr. Kampf: Grundsätzlich ja. Doch gilt es zu beachten, dass wir noch nicht wissen, wie viele Viren es tatsächlich benötigt, um den Menschen zu infizieren. Es kann also durchaus sein, dass schon am 1. Tag das Risiko eher gering ist, denn für eine Übertragung von kontaminierten Flächen braucht es in der Regel die Hände. Nur ein Teil der Viren einer kontaminierten Fläche bleibt jedoch an den Händen haften. Und wiederum nur ein Teil davon kommt bei der Berührung mit dem eigenen Gesicht auf die Schleimhäute. Deshalb: regelmäßig Hände waschen, immer in die Ellen-beuge husten oder niesen, und nach Möglichkeit auf den Handschlag verzichten.

FMW: Ist es denkbar das dieser Coronavirus „künstlich“, also mit voller Absicht erschaffen wurde?

Prof. Dr. Kampf: Ich möchte diese Frage nicht beantworten und beteilige mich auch nicht an Spekulationen, denn es hilft momentan absolut niemandem!

Prof. Dr. Kampf will wie alle seine Kollegen auch keine Panik auslösen, deshalb ist er sehr vorsichtig mit seinen Äußerungen. Eines wurde mir aber klar. Da man noch nicht weiß, wie viel Vieren es braucht um einen Menschen zu infizieren, kann sich auch noch nach fünf oder neun Tagen ein Mensch über einen kontaminierten Gegenstand infizieren, zum Beispiel an einer Türklinke oder an Haltegriffen in Zügen. Hier zwei interessante Links:

https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/wie-lang-coronaviren-auf-flaechen-ueberleben/

Im nächsten Link findet man Tabellen, wie lange das Virus überlebt:

https://www.journalofhospitalinfection.com/article/S0195-6701(20)30046-3/pdf

Was schrieb das Bundesinstitut für Risikobewertung noch gleich auf seiner Seite?: „Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich“. Ein kurzer Zeitraum sind 4-5 Tage mit Sicherheit nicht!

Bundesgesundheitsminister Spahn äußerte sich heute zum Coronavirus. Er machte klar, dass die beiden Fälle aus Baden-Württemberg, (ein Mann und seine Ehefrau) keine eindeutige Infektionskette vorweisen. Im gleichen Atemzug erwähnte Minister Spahn, dass aus Sicherheitsgründen das Europa League Spiel zwischen Inter Mailand und Ludogorets Rasgard (Donnerstag 21 Uhr) unter Ausschluss der Fans stattfindet. Das zeigt, wie ernst die Nachbarländer die Situation einschätzen – und wie man versucht eine Ausbreitung weitestgehend zu verhindern.

Ich vermute, gerade nach dem heutigen Telefonat mit Prof. Dr. Kampf, dass die Fakten der nicht vollständigen Infektionskette, die Bundesgesundheitsminister Spahn heute erwähnte, möglicherweise daraus resultieren, dass das Virus mehrere Tage an verschiedenen Oberflächen überleben kann! Durch ein Virus welches 4-5, oder sogar 9 Tage an Gegenständen schlummern kann, ist ein Bruch der nachvollziehbaren Infektionskette recht einleuchtend!

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Hongkong verteilt Helikoptergeld an alle Einwohner!

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Die Skyline von Hongkong - Helikoptergeld für alle Bürger

Und ja, was haben die sogenannten „Crash-Propheten“ wie Marc Friedrich und viele andere vorhergesagt? Dass Regierungen und Notenbanken immer heftigere Mittel ergreifen würden, um das „kaputte“ Finanzsystem noch länger am Laufen zu halten. Eine dieser Maßnahmen würde auch das Helikoptergeld sein. Würden normale Notenbank-Maßnahmen wie Negativzinsen oder Gelddrucken keinen Stimulus mehr bringen, würde man auch dazu übergehen Helikoptergeld an die Bürger zu verteilen (eine mehr als umstrittene Idee). Also einfach so Geld an die Bürger verschenken, ohne Gegenleistung, ohne Rückzahlungspflicht. Und da das Coronavirus aktuell vor allem China hart trifft, sieht man sich zum Beispiel in der Sonderverwaltungszone Hongkong aktuell dazu genötigt nun solch eine Maßnahme zu ergreifen.

Denn wie die „South China Morning Post“ heute berichtet, zeigt der Haushaltsplan der Regierung in Hongkong genau dies. Es soll Helikoptergeld in Höhe von ca 1.200 US-Dollar an jeden Einwohner von Hongkong ausgegeben werden, der mindestens 18 Jahre alt ist. Neben dem Coronavirus muss man gerade für Hongkong ja bedenken, dass es dort monatelange Proteste und Straßenschlachten gab, was natürlich auch negativ auf den Tourismus wirkte. Dadurch ist vor allem Hongkong nun wirtschaftlich richtig angeschlagen. Die Idee hinter dem Helikoptergeld ist denkbar einfach. Die Regierung oder die Notenbank verteilt Geld direkt an die Bürger, damit die sofort konsumieren können, was sofort die Wirtschaft beleben soll. Aber: Dies ist nun mal eine einmalige Maßnahme, eine einmalige Stimulus-Spritze. Und danach? Eine nachhaltige und strukturelle Maßnahme scheint Helikoptergeld nicht wirklich zu sein. Eher eine Verzweiflungstat? Oder will man nun regelmäßig Schulden machen und immer wieder Geld an die Bürger verschenken, und ständig wieder einen schnellen kurzen Konsum-Stimulus zu erzeugen? Sozusagen linke Tasche, rechte Tasche? Wir schenken euch jetzt Geld, und irgendwann in der Zukunft erhöhen wir drastisch die Steuern, um uns das Geld zurückzuholen?

Neben Helikoptergeld will die Regierung in Hongkong aktuell auch Steuern senken und andere Stimulus-Maßnahmen ergreifen. Insgesamt soll das Paket gut 15 Milliarden US-Dollar kosten. Frage: Wer zieht nach? Auch Festland-China mit der Peoples Bank of China? Die Bank of Japan wäre auch ein heißer Kandidat, denn dort kauft man ja auch schon so ziemlich alles auf durch die Notenbank. Helikoptergeld wäre auch langsam mal angesagt?

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Warum eine Stagflation sehr gefährlich wäre

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Containerterminal - Symbol für den Welthandel - eine Stagflation droht

Durch die Coronavirus-Epidemie droht den großen Volkswirtschaften eine Kombination aus stagnierender Wirtschaftsleistung und steigenden Preisen – die Stagflation. Warum sie so gefährlich ist und warum die Notenbanken in diesem Fall kaum Handlungsspielräume hätten.

Die Weltwirtschaft kühlt sich bereits merklich ab – eine Stagflation käme zur Unzeit

Belastet durch die teilweise Rückabwicklung der Globalisierung im Zuge der diversen Handelsstreitigkeiten sowie die globale Überschuldung hat sich das Weltwirtschaftswachstum bereits merklich abgekühlt. Nach noch 3,8 Prozent globalem Wachstum im Jahr 2017 waren es im Folgejahr, trotz massiver Steuerstimuli in den USA und ultralockerer Geldpolitik weltweit, nur noch 3,6 Prozent Wachstum. Im vergangenen Jahr brach die Expansionsrate dann auf 3,0 Prozent ein, vor allem wegen des Handelskriegs zwischen den USA und China sowie den Schuldenkrisen in diversen Schwellenländern (z. B. in Argentinien, der Türkei, Brasilien, Chile, Venezuela, etc.).

Für dieses Jahr hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognosen gemäß dem World Economic Outlook aus dem Februar bereits von 3,4 auf 3,0 Prozent abgesenkt. Doch der IWF behält sich weitere Revisionen vor und die Schätzungen diverser Bankenökonomen aus Nordamerika und Europa gehen mittlerweile nur noch von einer Wachstumsbandbreite zwischen 2,3 und 2,8 Prozent für das Gesamtjahr 2020 aus. Diese nochmalige Wachstumsabkühlung entspräche der geringsten Wirtschaftsdynamik seit der Finanzkrise. Bereits bei einer Wachstumsrate von global zwei Prozent spricht der IWF von einer „gefühlten weltweiten Rezession“.

Die größte Gefahr sieht der IWF in einer Unterbrechung der Lieferketten in Folge der Eindämmungsmaßnahmen der Coronavirus-Epidemie (sie verursacht aktuell auch Turbulenzen an den Börsen, siehe beispielsweise hier). Die betroffenen Unternehmen sind dadurch gezwungen, alternative aber auch teurere Quellen für Vorleistungsgüter und Zwischenprodukte zu nutzen, wenn es sie denn überhaupt in ausreichendem Maße gibt. Diese erzwungene Umorientierung in der Beschaffungskette führt zu steigenden Inputpreisen bei den verarbeitenden Unternehmen, die aber nicht durch eine höhere Nachfrage, sondern durch einen Angebotsschock verursacht werden.

Eine solche Situation gab es zuletzt in den 1970-er Jahren, als eine künstliche Verknappung der Angebotsmenge von Rohöl zu explodierenden Energiepreisen führte. Die wirtschaftliche Aktivität in den westlichen Ländern litt stark unter dem Ölpreisschock. Mit einer Kombination aus Zinsanhebungen und Lohnsteigerungen wurden damals die Inflationserwartungen eingedämmt und die reale Kaufkraft der Endverbraucher stabilisieret. Beides ist heute jedoch nicht möglich. Höhere Löhne zum Ausgleich gestiegener Preise würden die Margen der Unternehmen noch stärker belasten. Die Kapazitätsauslastung der US-Industrie befindet sich beispielsweise mit nur 76,8 Prozent bereits auf dem Niveau früherer Rezessionen. Zinsanhebungen zur Inflationsbekämpfung wären aufgrund des globalen Schuldenniveaus der „Sudden Death“ für den modernen Finanzkapitalismus. Eine Stagflation käme daher für die Weltwirtschaft zur Unzeit.

Kombination aus Angebots- und Nachfrageschock

Dass die Preise wegen Lieferverzögerungen und dem Ausfall von Zulieferbetrieben bereits ansteigen, haben die jüngsten Daten von IHS Markit zu den Einkaufsmanager-Indizes für den Monat Februar gezeigt. So ist der für Deutschland erhobene Index für das verarbeitende Gewerbe im Wesentlichen nur deshalb angestiegen, weil sich die beiden Unterkomponenten für die Lieferzeit und die Inputpreise signifikant erhöht haben. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte an diesem Montag vor sich verstärkenden Lieferengpässen in den kommenden Wochen und Monaten, vor allem aus Fernost. BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang spricht sogar von „Schweren Auswirkungen auf die Konjunktur“ durch den Angebotsschock aus China.

Kommt es also nun zu steigenden Preisen, dann nicht aufgrund einer prosperierenden Wirtschaft, sondern wegen der Knappheit bestimmter Güter. Gleichzeitig leidet auch die Nachfrage unter der eingeschränkten Bewegungsfreiheit von zig Millionen Konsumenten in den von der Epidemie betroffenen Regionen. Ganz abgesehen von der eingetrübten Stimmung der Verbraucher, die in solchen Ausnahmesituationen andere Sorgen haben, als dem Konsum zu frönen. Der drastische Einbruch der Automobilabsätze in China in den letzten beiden Monaten von 20 Prozent im Januar und 92 Prozent im Februar gibt hier einen Vorgeschmack auf das, was bei einer globalen Pandemie, die nach wie vor nicht gebannt ist, zu erwarten wäre.

In der Folge von Knappheit bestimmter Güter und Lebensmittel stieg die Inflationsrate im Reich der Mitte bereits massiv an, auf 5,4 Prozent im Januar. Im Vorjahresmonat, also im Januar 2019, lag die offizielle Inflationsrate noch bei moderaten 1,7 Prozent. Die Kombination aus Angebots- und Nachfrageschock kann in Kürze zu dem gefürchteten Phänomen der Stagflation führen. Dass die chinesische Wirtschaft im Auftaktquartal 2020 überhaupt gegenüber dem von Handelsstreitigkeiten weniger belasteten und vor allem virusfreien Vorjahresquartal 2019 wachsen kann, bleibt Wunschdenken des Regimes in Peking. Auch die westlichen Industriestaaten werden im ersten Quartal 2020 im besten Fall mit einer wirtschaftlichen Stagnation aufwarten können.

Den Notenbanken wären bei einer Stagflation die Hände gebunden

Die Bekämpfung einer Stagflation stellt die Fiskal- und Geldpolitiker in der heutigen Gemengelage vor besondere Herausforderungen. In China versucht die Notenbank auf Geheiß der Regierung, die Kreditvergabe massiv zu stimulieren, indem die Kreditkosten (Zinsen) sowie die Kreditanforderungen drastisch gesenkt werden. Andernfalls würden Millionen bereits angeschlagener Betriebe aus dem Markt ausschieden – ein Horrorszenario auch für den Westen. Bestimmte Vorprodukte werden nur noch in China produziert. Insofern offenbart die Coronavirus-Pandemie die enorme Abhängigkeit des Westens von China, was aus politischen Gründen in der Konsequenz ebenfalls zu einer Rückabwicklung der Globalisierung führen wird, um die Autarkie der westlichen Länder von essenziellen Produkten, wie zum Beispiel Arzneimitteln, sicherzustellen.

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