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Air Berlin-Pleite und die Rettung der Urlauber: Ministerin Zypries im Wortlaut (VIDEO), und unser Kommentar zur Staatsräson

Die Air Berlin-Pleite war eigentlich unvermeidlich. Die entzogene Kreditlinie durch Etihad legte lediglich den jetzigen Zeitpunkt für die Verkündung fest. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries ist heute wenigstens offen und ehrlich…

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Von Claudio Kummerfeld

Die Air Berlin-Pleite war eigentlich unvermeidlich. Die entzogene Kreditlinie durch Etihad legte lediglich den jetzigen Zeitpunkt für die Verkündung fest. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries ist heute wenigstens offen und ehrlich (Video am Ende dieses Artikels), und sagt direkt worum es geht. Denn die Bundesregierung pumpt sofort 150 Millionen Euro in Air Berlin, denn sonst hätten ab heute keine Flugzeuge mehr abheben können.


Bundeswirtschaftsministerin Beate Zypries. Foto: © Susie Knoll

Der Grund ist naheliegend, und wird von Frau Zypries auch so klar ausgesprochen. Zahlreiche Deutsche sind gerade jetzt im Strandurlaub, und wurden dorthin befördert mit Air Berlin. Von heute auf morgen so viele Ersatzmaschinen bei Konkurrenten aufzutreiben für einen reibungslosen Rücktransport, das wäre in der Praxis unmöglich gewesen. Denn gerade jetzt setzt bei den Bundesländern, die als erste in die Ferien gingen, bei vielen Urlaubern nach und nach der Rückreiseverkehr ein. Es geht um die Rettung der Urlauber, oder besser gesagt ihren problemlosen Rücktransport an die heimischen Wahlurnen (ähhh an ihre Wohnorte).

Ungünstiger hätte der Zeitpunkt für eine Insolvenz der wichtigsten Urlauber-Airline der Deutschen wohl kaum kommen können. Der Überbrückungskredit soll den Flugbetrieb für Air Berlin solange am Laufen halten, bis die Airline Übernahmeverhandlungen mit der Lufthansa abgeschlossen habe, so Zypries. Diese Verhandlungen über Teile von Air Berlin laufen laut Zypries bereits, und zwar erfolgversprechend.

Die deutsche Staatsräson

Der deutsche Staat will seinen Bürgern stets vermitteln, dass immer alles reibungslos funktioniert. Wenn etwas nicht mehr funktioniert, muss es irgendwie repapiert oder geschützt werden. Die USA sind da viel pragmatischer. Schrott wird einfach dicht gemacht, und dafür etwas neues aufgemacht. Gut, auch die USA haben ihre allergrößten Banken 2008 mit Notkrediten versorgt, aber im Großen und Ganzen herrscht dort die Kultur, dass Scheitern von Unternehmen zulässig ist. Bei uns nicht.

Unter allen Umständen muss der deutsche Bürger vom Staat den Eindruck vermittelt bekommen, dass alles läuft! Laut „Wikipedia“ bedeutet das Wort Staatsräson, dass es sich hierbei um ein „vernunftgeleitetes Interessenskalkül“ einer Regierung handelt, unabhängig von der Regierungsform, und einzig der Aufrechterhaltung des funktionierenden Staatsgebildes dienend.

In Saudi-Arabien beispielsweise wäre die zentrale Staatsräson die Aufrechterhaltung der Öl-Exportwege, da das Land nur vom Ölexport lebt. Bei den USA ist es zum Beispiel die globale militärische Stärke und die Aufrechterhaltung des US-Dollar als vermeintliche Reservewährung. Wir sind stark, der US-Dollar ist etwas wert. Dass er (wie ein Analyst es mal sagte) auf Konfettipapier gedruckt wird, zählt nicht. Der Eindruck muss weltweit bestehen bleiben, dass der US-Dollar einen Wert darstellt. Von daher sind die USA auch immer liquide, weil die Fed unendlich viele Konfetti-Papiere drucken kann.

In Deutschland ist die Verlässlichkeit in das Banken- und Währungssystem die Haupt-Staatsräson. Denn was war bis Ende der 90er des deutschen heiligste Kuh? Die Bundesbank! Und wie selbstverständlich gehört zur deutschen Staatsräson, dass hier „alles reibungslos funktioniert“. Dazu gehören Straßen, Brücken, Busse, Telefonnetze, und auch der Flugverkehr. Der Deutsche hasst nichts mehr als nicht funktionierende Infrastruktur. Und Air Berlin? Die Airline hat nun mal verdammt viele Urlauber-Strecken. Und gerade jetzt liegen all die Wähler (ähhh Pardon Urlauber) am Stand, und hätten am Flughafen Tage lang verzweifelt auf einen Flieger gewartet.

Das hätte fast wie ein Scheitern des deutschen Staatsgefüges ausgesehen. Also musste Air Berlin gerettet werden, genau so wie vor kurzem Alitalia in Italien. Dort war man genau so systemrelevant. Musste denn Air Berlin so kurz vor der Bundestagswahl pleite gehen? Verdammt. Na gut, da muss man jetzt eben durch. Bis sich in wenigen Tagen oder Wochen Air Berlin mit der Lufthansa auf die große Resteverwertung geeinigt hat, sollten 150 Millionen Euro vom deutschen Staat doch reichen, oder?

Was ist das Endfazit aus dieser Insolvenz? Was lernen wir daraus? Die Lufthansa als letzte verbliebene deutsche Airline ist von nun an die 100%-ige totale Systemrelevanz im deutschen Flugverkehr, sozusagen sowas wie die Deutsche Bank im Finanzsektor, nur mit dem Faktor 10 multipliziert! Die Lufthansa wird somit de facto unantastbar, und würde vom Staat bei zukünftigen Krisen oder Übernahmeversuchen stets gestützt und gerettet – das ist jetzt wohl endgültig sicher!

Hier die Erklärung von Frau Zypries im Video.

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2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Winni

    15. August 2017 19:47 at 19:47

    Ich muss etwas Kritik an dieser Ausführung tätigen.
    Ich, als deutscher Staatsbürger und Steuerzahler und Wähler, hätte genau das vom Deutschen Staat erwartet. Dass er nämlich für seine Bürger im Ausland da ist und auch dafür Geld in die Hand nimmt. Dafür zahle ich Steuern, dass es hier in Deutschland funktioniert und wenn Not am Mann ist, der Staat entsprechend hilft. Analog bei Naturkatastrophen oder sonstigen Unglücken. Mit Staatsräson hat das m. E. überhaupt nichts zu tun.

    • Avatar

      maitdjai

      16. August 2017 06:23 at 06:23

      Nein, mit „Staats Raeson“ im eigentlichen Sinne hat das ueberhaupt NICHTS zu tun.
      Diese Regierung interpretiert Recht, wie es ihr gefaellt, ignoriert und bricht geltendes Recht, wie es ihr gefaellt! Streitet das allerdings ab, notfalls bis Gerichte den Rechtsbruch feststellen. Andere Beispiele brauche ich wohl nicht auffuehren.
      Mit sehr „Heeren“ Argumenten versteht sich.
      Das Insolvenzrecht wird verbogen und umgangen. Ein bereits offiziell insolventes und fehl gemanagtes Unternehmen (das „Emirates den Geldhahn jetzt erst zugedreht hat wundert mich ehrlich) bekommt einen „oeffentlichen Kredit“ von 150 Millionen Euro, um den Flugbetrieb mehrere Monate aufrecht zu erhalten!
      Die Betonung liegt dabei fuer mich auf „Fluege weiterhin buchbar“. Was soll das?
      Mit der Kreditsumme koennten ALLE nicht mehr durchfuehrbaren „Rueckfluege“ der „Wahl Lemminge‘ locker und wahrscheinlich sogar per Business Class bei anderen Airlines durchgefuehrt werden.
      Was fuer ein „Holzkopf“, muss man eigentlich sein, bei „Air Berlin“ ueberhaupt noch ein „Return“ Ticket zu buchen?
      Die Tickets sind alle schon einmal bezahlt und werden jetzt nochmal durch die Allgemeinheit bezahlt (Das erinnert mich an die Autobahn Maut) .
      Nur nicht 1 zu 1, sondern, das ganze Unternehmen mit seinem „Versager Management“ wird kuenstlich auf Kosten der Allgemeinheit am Leben erhalten, was nicht heisst, dass in den unteren Reihen des Personals, ab jetzt noch mehr Lohn gedrueckt und der Rasenmaeher eingesetzt wird. Ich warte jetzt schon auf eine „Auffang-GmbH“ unter der Anleitung von „Job Center“ Dilettanten…
      Bei der „Resteverwertung“ durch die Lufthansa (Warum uebernehmen sie die Klitsche nicht gleich?), wird fuer den Steuerzahler nicht viel haengen bleiben. Da muss der Steuerzahler, nach einem „Hinterzimmer Deal“ wahrscheinlich auch wieder helfen.
      Alles in Allem zeigt das „selbstherrliche“ Vorgehen der Regierung wieder einmal, „Wir machen was wir wollen“, unter einem pseudo demokratisch-, fuersorglich- , sozialen „Deckmaentelchen“. Allerdings „Sozial“ nur fuer ganz bestimmte Kreise und Beteiligte, Hauptsaechlich fuer Shareholder, Management und Vorstaende. Die sogenannten „Leistungstraeger“!
      Betreffend der Naturkatastrophen kann ich nur sagen: Fragen Sie mal die Geschaedigten, wie viel und wie schnell die „unbuerokratische“ Hilfe da ankommen ist, wenn ueberhaupt! Von wegen „Not am Mann“ und „Deutschland funktioniert“, kann ich nur folgende Stichworte sagen: Infrastruktur, Kommunal-Verschuldung, Bildungswesen usw.,usw…

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Go Big or Go Home – Janet Yellen gibt Vollgas

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Janet Yellen spricht heute ab 16 Uhr deutscher Zeit im US-Kongress. Das kann die Kurse bewegen.

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Goldman Sachs mit Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet!

Claudio Kummerfeld

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Soeben wurden die Quartalszahlen von Goldman Sachs veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 11,74 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 9,96/Erwartungen 9,50).

Der Gewinn liegt bei 12,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 4,69/Erwartungen 7).

Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft betrug 293 Millionen US-Dollar für das vierte Quartal 2020, 13 Prozent niedriger als im vierten Quartal 2019 und 5 Prozent höher als im dritten Quartal 2020. Das vierte Quartal 2020 enthielt Rückstellungsreduzierungen für Großkundenkredite, laut Goldman Sachs aufgrund einer Stabilisierung im breiteren wirtschaftlichen Umfeld nach den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. Dies wurde teilweise aufgehoben durch höhere Rückstellungen aufgrund des Wachstums von Kreditkartenkrediten
im Vergleich zum vierten Quartal 2019.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +2,2 Prozent.

Kommentar vom Chef:

“It was a challenging year on many fronts, and I am deeply proud of how our people helped clients respond to the economic disruption brought on by the pandemic and the extreme market volatility experienced over the past months. Our people responded admirably to a series of professional and personal challenges, while working from home or in offices that were reshaped dramatically. Thanks to their perseverance, we were able to help clients navigate a difficult environment, and, as a result, achieved strong results across the franchise, while advancing our strategic priorities. We hope this year brings much needed stability and a respite from the pandemic, but we remain ready to handle a wide range of outcomes and are poised to meet the needs of our clients.”
– David M. Solomon, Chairman and Chief Executive Officer

Grafik zeigt die Quartalszahlen von Goldman Sachs

Goldman Sachs-Zentrale in New York
Die Goldman Sachs-Zentrale in New York Downtown. Foto: Youngking11 CC BY-SA 3.0

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Bank of America meldet aktuell Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Soeben wurden die Quartalszahlen der Bank of America veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 20,1 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 22,3/Erwartungen 20,2). Der Gewinn liegt bei 0,59 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,74/Erwartungen 0,56).

Die Rückstellung für Kreditverluste sank auf 53 Millionen US-Dollar, was eine Auflösung von Rückstellungen in Höhe von 828 Millionen US-Dollar bedeutet. Wie die großen anderen US-Banken auch löst man also Rückstellungen auf, weil man wohl auch dank der gigantischen Stimulus- und Hilfsprogramme an weniger Kreditausfälle glaubt.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,5 Prozent.

CEO-Kommentar:

„During 2020, we witnessed the dramatic effects of the health crisis on the economy and our company’s operations. In the fourth quarter, we continued to see signs of a recovery, led by increased consumer spending, stabilizing loan demand by our commercial customers, and strong markets and investing activity. The latest stimulus package, continued progress on vaccines, and our talented teammates – who performed well helping their customers through this crisis – position us well as the recovery continues.

„In the fourth quarter, we saw higher net interest income, higher Consumer revenue, record asset management fees, strong results from our Global Markets teams, and a stronger balance sheet. In 2020, we earned nearly $18 billion and achieved several key strategic objectives: gaining market share in deposits, expanding our digital leadership, and adding thousands of wealth management clients. In addition, we gained market share in investment banking and supported clients with liquidity and superior trading
execution.

„Also we made progress in support of our communities, committing $300 million of our $1 billion four-year initiative to help drive racial equality and economic opportunity.“

Quartalszahlen der Bank of America

Bank of America Logo
Foto: Brian Katt CC BY-SA 3.0

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