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Rezession – Dax, ifo und die Anleger

Wenn Rezessionsberichte in großer Zahl kommen, schlägt zumeist die Chance für die Mutigen..

Wolfgang Müller

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am

Die Wirtschaftszahlen für Deutschland verschlechtern sich nach wie vor – eine technische Rezession in Deutschland gilt als nahezu sicher, nach einem Minus des Wachstums in Q2 und weiter fallenden Produktions- und Exportzahlen in Q3. Erst gestern kamen neue Wirtschaftsdaten zum Mittelstand und Markus Fugmann sprach dabei von der näherrückenden Rezession, die vor Monaten noch kaum einer vorausgesehen hatte.

Nicht ganz, denn Ifo-Index und auch Dax in seiner geglätteten Form geben schon lange Hinweise auf eine Rezession, allerdings auf eine sehr milde.

 

Rezession – Beispiel Ifo-Index

Der Ifo-Index gilt als besonders aussagekräftiges Prognoseinstrument, schließlich geben 9000 Unternehmenschefs Auskünfte über Ihre Firma und zwar zur Lage und zu den Aussichten. Die Ergebnisse sind, historisch betrachtet, um Längen besser als die von Analysten.

Der Ifo-Index hatte sein Hoch bereits Ende 2017 mit 105 Punkten erreicht und fällt seither tendenziell bis auf aktuell 94,3 Punkte im August 2019, dem tiefsten Stand seit 2012. Allerdings steht er damit noch erheblich höher als im Rezessionsjahr 2009, wo er im Jahresdurchschnitt gerade noch bei 85 Punkten notierte. Zuletzt fiel er fünfmal in Folge, ab drei Bewegungen in einer Richtung spricht man von einem Trend. Damit ist noch keine Wende erkennbar, allerdings bezieht sich seine Indikation auf mehrere Monate in die Zukunft und damit fast so lange, wie es der DAX tut.

Im Nachhinein muss man anerkennen, dass der Ifo-Index sein Hoch erreicht hatte, als die gesamte Wirtschaftswelt noch von einem synchronen weltweiten Aufschwung sprach.

 

Die Vorlaufzeit der Dax-Indikation

Selbiges kann man auch vom deutschen Leitindex behaupten, zumindest auf die letzten Jahre bezogen. Der DAX hatte sein Hoch auch schon am 23. Januar 2018 erreicht, im Quartal der allgemeinen Wachstumseuphorie. Die akkumulierten Dax-Gewinne lagen 2017 bei 95,5 Milliarden Euro, 2018 bei 86 Milliarden und 2019 dürften sie nochmals um einiges tiefer liegen. Jetzt scheint er eine kleine Erholung einzupreisen, die sich aber zinsbedingt als ein Strohfeuer entpuppen könnte.

Auf Fünfjahressicht bewegt sich der Index in einer großen Seitwärtsbewegung, antizipierend, dass die großen DAX-Werte aus dem Automobilbereich und dem Maschinenbau ein fundamentales Problem haben. Seltsamerweise scheinen die Autowerte nach Jahren der Verluste um 50 Prozent und mehr ihr Tief erreicht zu haben.

Was könnte man aus den beiden Vorlaufindikationen schlussfolgern? Beim Dax muss man den Donnerstag (EZB-Entscheid) und die Folgetage beobachten, um zu sehen, ob sich der jüngste Dax-Anstieg nicht als Zinsgespenst entpuppt. Beim Ifo-Index sollte man seine nächste Veröffentlichung am 24. September abwarten. Falls er da ein weiteres Mal eine Schrumpfung anzeigt, dürfte es nicht bei einer technischen Rezession bleiben.

 

Fazit

Eine Rezession ist bekanntermaßen nicht seriös vorherzusagen. Weder bezüglich des Zeitpunktes ihres Auftretens, ihrer Stärke und ihrer Dauer. Aber eines konnte man in den letzten Jahrzehnten immer wieder feststellen: Wenn sie durch die statistischen Ämter bestätigt werden – und dies geschieht zumeist mit einem deutlichen Zeitverzug –, so sind sie in den Kurzindizes zumeist schon eingepreist und Schnee von gestern.

Während Haussephasen in den letzen Jahrzehnten um die 8 bis 10 Jahre dauerten, waren die zumeist heftigen Baissephasen nur von kurzer Dauer von eineinhalb, zwei Jahren. Der Grund ist gewiss zu einem großen Teil nachfragebedingt und das liegt an den Ersatzbeschaffungen der Konsumenten.

Ein Beispiel: Der Kfz-Bestand in Deutschland beträgt derzeit 47,1 Millionen Pkw (Durchschnittsalter 9,5 Jahre: Quelle Kraftfahrt-Bundesamt), davon werden sicherlich jährlich um die vier Millionen aus dem Verkehr gezogen, sei es wegen Verkäufen ins Ausland, oder wegen Verschrottung. So entsteht bereits nach wenigen Jahren ein starker Ersatzbedarf.

Im Jahr 2009, bei der stärksten Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg in Deutschland, fiel die weltweite Kfz-Produktion gerade mal um 3,6 Prozent. Sicherlich haben wir derzeit einen stärkeren Umbruch, aber der Ersatzbedarf dürfte bald wieder zu besseren Zahlen führen. Kurzum: Es klingt zynisch, aber je schlechter die Produktionszahlen in einer Wirtschaft ausfallen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kurseinbrüche an der Börse bald vorbei sind.

Das galt auch im Katastrophenzyklus nach 1929, auch hier ging es ab 1932 kurstechnisch wieder bergauf. Es ist wie bei der Euphorie: Wenn die Bild-Zeitung zum Einstieg in den Aktienmarkt trommelt, sollte man aussteigen. Wenn Rezessionsberichte in großer Zahl kommen, schlägt zumeist die Chance für die Mutigen.

Wobei man diese Zeilen nicht so interpretieren soll, dass es mit der Rezession schon gewesen ist, aber im Hinterkopf sollte man das der menschlichen Logik zuwiderlaufende Verhalten der Börsenindizes schon haben.

 

Dax und ifo-Index haben schon seit Monaten die Rezession angekündigt

Foto: Deutsche Börse AG

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Ranzentier

    10. September 2019 15:00 at 15:00

    …wie immer top analysiert…

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Aktienmärkte: Kommt jetzt die Korrektur? Risiko US-Regierungswechsel

Kommt jetzt die Korrektur der Aktienmärkte – in der Woche des lange erwarteten US-Regierungswechsels? Was dafür spricht – und was nicht..

Wolfgang Müller

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am

Kommt jetzt die Korrektur der Aktienmärkte? Nach einer gefühlt ewig langen Phase des Übergangs von der alten auf eine neue US-Regierung, ist es am Mittwoch endlich soweit: Ein neuer Präsident verspricht Versöhnung, Toleranz und Ruhe. Aber wird dies auch für die Finanzmärkte gelten, die so sehr von den Pushfaktoren, wie Stimuli, Helikoptergeld und niedrigen Zinsen profitiert haben? Könnte nicht gerade die Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung für Volatilität sorgen, denn Joe Bidens Programm ist „zunächst“ einmal nicht nur Wall Street-freundlich?

Aktienmärkte: Treibende und bremsende Faktoren

Es gibt Hunderte von Indikatoren, die zur Beurteilung von Wirtschaft und Börse herangezogen werden, aber nur wenig haben große unmittelbare Bedeutung für die Aktienmärkte.

Der wichtigste Faktor ist nach wie vor der monetäre – und von dieser Seite droht zunächst keine Gefahr. Der Zuwachs der Geldmenge in den USA marschiert auf die 7 Billionen Dollar zu (der Zuwachs beträgt 71 Prozent), das frisch gedruckte Geld der Notenbanken (Fed 120 Mrd. Dollar monatlich) mit ihren ständigen Wertpapierkäufen läuft auf die 10 Billionen Dollar zu. Die Rettungspakete bekommen mit der Ankündigung von Joe Bidens Regierungsprogramm einen weiteren Schub, den die Börsen allerdings schon eingepreist haben.

Geblieben sind allerdings auch die große Euphorie bestimmter Anlegergruppen, die ungesunde Call-Spekulation, die Übertreibungen bei Nebenwerten (Russell 2000) sowie die Spekulationsblasen zum Beispiel in Wasserstofffirmen oder im Bereich der Elektromobilität. Vor allem auch bei der Hyperspekulation mit Penny-Stocks, um nur drei Beispiele zu nennen.

Ebenso die langfristig bedeutsamen Indikatoren, wie der Buffett-Indikator, der Shiller-Index, die ungesunden Abstände der Indizes von ihren Aufwärtstrendlinien und Weitere, auf die ich genau vor einer Woche hingewiesen habe. It doesn’t matter, until it matters.

Die Long-Spekulation im Langfristvergleich

Investoren und Aktienmärkte: alle sind long!

Was kurzfristig die Aktienmärkte sehr belastet und bereits zu einer viertägigen Querbewegung der Indizes geführt hat, war der Renditeanstieg der 10-jährigen US-Treasury bis auf 1,18 Prozent. Diese ist aber nach einem Eingreifen der Federal Reserve wieder auf 1,087 Prozent gefallen. Auch wenn die Zinsen noch sehr niedrig sind, genügen hier schon geringe weitere Anstiege, um zu einer Belastung des Aktienmarktes zu werden.

Die Zinskurve in den USA versteilt sich, erkennbar an der Differenz zwischen der 2- und 10-jährigen Staatsanleihe. Was den Banken zupass kommt, durch das ewige Thema der Fristentransformation, aber eher nicht dem Gesamtmarkt.

Die Saisonalität spricht einmal mehr für eine Korrektur, wie in dem ewigen Chart eindeutig sichtbar.

Aktienmärkte und Saisonalität

Was sich weiter im fast neutralen Bereich befindet, ist der Fear&Greed-Index mit seinen 60 Punkten. Belastend hingegen die Cash-Quote der Fonds, die noch sehr niedrig ist, erst bei einem größeren Rückschlag könnte sich diese wieder ausweiten.

Wie könnte sich die Übertreibung an den Aktienmärkten abbauen?

Dies geht natürlich stets über zwei Wege. Zum einen über eine harte und schnelle Korrektur der Aktienmärkte – und zum anderen über eine längere Seitwärtsphase. Aufgrund der hohen Call-Spekulation in Verbindung mit der hohen Wertpapierkredite (Margin Debt) ist eher von Ersterem auszugehen. Was machen die Märkte heute, an einem Feiertag in den USA – Martin Luther King Day?

Wahrscheinlich gibt es ab mittag wieder einmal Sparflamme an den europäischen Börsen, ohne die Wall Street. Es wird aber weiter Unsicherheit herrschen, wegen der Inaugurationsfeier von Joe Biden. Da man aber Unruhen bereits jetzt schon fast 14 Tage im Voraus entgegenplanen kann, wird Washington gesichert werden wie Fort Knox, mit Zehntausenden von Soldaten, Polizisten, Sicherheitskräften und Geheimdienstmitarbeitern. Die Großmacht USA wird Bilder wie am 6. Januar für die Welt verhindern wollen. Und was so lange bekannt ist, wie mögliche Unruhen am 20. Januar? Das Unheilvolle ist immer das Überraschende, insbesondere für die Aktienmärkte.

Der Fortgang beim Weltprojekt Impfung

Auch wenn gerade das Thema Impfstoffversorgung in aller Munde ist, übersieht man die Geschwindigkeit, wie rasch die Impfkurve nach oben geht. Obwohl es eigentlich erst um die Jahreswende so richtig losging, gab es bereits fast 40 Millionen Impfungen. Voran die USA mit über 12 Mio., China über 10 Mio., Großbritannien über 4 Mio., Israel über 2,2 Mio., selbst Deutschland hat rasch die Einmlillionengrenze überschritten.

Klar sind die Kapazitäten noch begrenzt, aber nach BioNTech, Moderna, Gamaleya und Sinovac gibt es noch so viele Firmen, die kurz vor der Zulassung stehen und ihre Produktion hochfahren. AstraZeneca, Cansino, Sinopharm (beide China), Vector (RUS), Bhanat (IND), Johnson&Johnson und viele andere, es gibt immer noch 200 Impfstoffprojekte, die versuchen auf den Markt zu kommen, um das große Geschäft zu machen.

Wenn man sich die Milliarden Impfdosen, die schon die ersten Firmen auf den Markt bringen wollen betrachtet (ursprünglich 12,6 Milliarden Dosen von nur 10 Firmen, Pfizer hat gerade angekündigt die Produktion 2021 von 1,3 auf 2 Milliarden Dosen erhöhen zu wollen), kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es in der zweiten Jahreshälfte bereits ein Überangebot an Impfstoffen geben wird, den berühmten Schweinezyklus.

Beträgt nicht der Anteil der unter 15-Jährigen an der Weltbevölkerung von 7,7 Milliarden 26 Prozent, allein in Afrika sind es 41 Prozent und damit viele, die gar nicht geimpft werden (können), auch aus finanziellen Gründen?

Beispiel USA: Hier wird man bereits noch in dieser Woche offiziell die schreckliche Zahl von 25 Millionen Infizierten erreichen, aber was ist mit der Dunkelziffer, wenn diese nur den sehr niedrigen Faktor drei oder vier beträgt? Joe Biden hat angekündigt bereits in den ersten hundert Tagen seiner Amtszeit 100 Millionen Amerikaner impfen lassen zu wollen, es sollen viele Firmen staatlich gezwungen werden mitzuarbeiten. Würde es dann nicht bereits im Frühjahr vorbei sein mit den großen Infektionszahlen, zumal man nicht vergessen darf, dass es bis dahin auch noch weiter Millionen Infizierte geben wird, die bis dahin die Krankheit durch haben? Dann aber vorrangig Junge, weil die Älteren bereits geimpft sind.

Zur Börse: Klar wird ein Lockdown durch Joe Biden die Aktienmärkte kurzfristig belasten, aber auf welchen Zeitraum blickt denn der Markt, doch nicht auf das Frühjahr? Auch die Sicht, dass sich die Wirtschaftserholung in 2021 durch die Mutation nach hinten verschieben werde, ist eine börsenunspezifische. Die Erholung wird dann eben stärker ausfallen, der Nachholbedarf größer. Hat nicht das Ifo-Institut erst berichtet, dass das „nicht ausgegebene“ Geld in Deutschland bereits 100 Milliarden Euro erreicht hat?

Fazit

Längerfristig wird das neue Regierungsprogramm der Wall Street und den Märkten nicht zu sehr schaden, das zeigt die Vergangenheit, wenn man sich die Performance der Märkte seit dem Zweiten Weltkrieg betrachtet. Das Big Money hat noch zu jeder Zeit seinen Einfluss auf Regierende durchgesetzt und zu sehr ist die Gesellschaft in den USA auf ihren Konsum und ihren Aktienmarkt angewiesen. Kein Präsident wird eine Umschichtung von Wall Street zu Main Street durchsetzen können, wenn die Masse der Senatsmitglieder selbst große Aktienvermögen besitzen, wenn die Altersvorsorge (Pensionskassen) so sehr von den Kapitalmärkten abhängig ist – anders als in Deutschland.

Aber kurz- und mittelfristig könnten die Pläne der neuen Regierung schon für Unsicherheit sorgen, für Volatilität, im Hinblick auf Verschuldung, Inflation und Kapitalmarktzinsen. Noch ist die Auswahl für die großen Kapitalsammelstellen noch sehr einseitig, aber was würde passieren, sollten sich die allgemeine Kapitalmarktzinsen auch nur ein weiteres halbes Prozent nach oben bewegen? Zukunftsmusik? Klar wird die Notenbank verbal und praktisch dagegen ankämpfen, die große Wende wird nicht gleich kommen, aber einen weiteren „Free Lunch“ für die vielen Neuspekulanten wird es 2021 vermutlich nicht noch einmal geben. An den Börsen klappt selten eine Geschichte zweimal hintereinander. Wird der 20. Januar mit all seinen Auswirkungen nicht erst einmal Luft aus der Spekulationsblase an den Märkten lassen, weil man wochenlang Zeit hatte, die Erwartungen einzupreisen? Die kommenden Wochen sind geradezu einladend für eine Phase des Abbaus von Euphorie, das frische Geld ist an den Märkten angekommen, die Unerfahrenen werden nicht schnell genug reich und dann kommen erst einmal Gewinnmitnahmen. Dies war in den letzten fünf Jahren fast immer der Fall, bis auf den Januar 2019, aber da gab es eine Sondersituation wegen Fed-Chef Jerome Powell und seiner zinspolitischen 180-Grad-Wende.

Wird der US-Regierungswechsel zu einer Korrektur der Aktienmärkte führen?

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Finanznews

Lockdown, Märkte – und Realität! Videoausblick

Markus Fugmann

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Bislang haben die Märkte den Lockdown ignoriert: man geht davon aus, dass mit den Impfungen das Problem früher oder später komplett erledigt ist. Wenn dem wirklich so wäre, dann würen die aktuellen Bewertungen vielleicht sogar Sinn machen – aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Erholung der Wirtschaft so stark ausfällt wie erhofft, ist eher gering. Vilemehr zeichnet sich ein härterer und verlängerter Lockdown ab, während zugleich die Impfungen bislang weit unter den Erwartungen bleiben. Und so entsteht eine Lücke zwischen den Erwartungen der Märkte und der Realität – und das obwohl die neuesten Zahlen einen klaren Trend zeigen: die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus sinkt..

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DAX daily: Die Stimmungslage könnte kippen – Wochenausblick

Stefan Jäger

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Nach der Euphorie-Welle der letzten Wochen trübt sich die Stimmung der Dax-Anleger zunehmend ein. Damit dürfte auch die Rekordjagd erst einmal beendet sein. So langsam scheinen die Anleger zu realisieren, dass die Corona-Pandemie trotz des Fortschritts durch die Impfkampagne noch lange nicht eingedämmt ist und die bereits eingepreiste Wirtschaftserholung noch länger auf sich warten lässt. Auf Jahressicht sehen die Anleger aktuell sogar mehr Risiken als Chancen – hier mehr dazu.

In dieser Woche steht erneut eine Verschärfung und Verlängerung der Corona-Lockdowns im Fokus. Das gilt sowohl für Deutschland, wo bereits am Dienstag über schärfere Maßnahmen diskutiert werden soll, als auch für die USA. Dort hat der zukünftige Präsident Biden angekündigt schnellstmöglich auf die Zuspitzung der Lage zu reagieren. Die aktuellen Unsicherheiten haben die Investoren dazu verleitet einen Teil ihrer zuvor angehäuften Gewinne mitzunehmen. Ob sich die Gewinnmitnahmen in dieser und den kommenden Wochen ausweiten, hängt von zwei Faktoren ab. Einerseits von den Entscheidungen, wie es rund um den Lockdown weitergeht, andererseits von der Bilanzsaison, die in den nächsten Wochen an Fahrt aufnimmt.

Nach dem starken Jahresauftakt verlor der Dax in der vergangenen Woche knapp 2% und entfernt sich weiter von seinem Rekordhoch bei 14.131 Punkten. Allein am Freitag verbuchte der deutsche Leitindex einen Verlust von 200 Punkten (-1,44%) und schloss bei 13.787. In dieser Woche sollten die Anleger auf den Bereich bei 13.600/500 achten. Dort ist der Index zunächst abgesichert, allerdings droht ein Rutsch bis zur runden 13.000er Marke, wenn die Unterstützung gebrochen wird. Auf der Oberseite ist der Dax fürs Erste bei 14.000 gedeckelt.

News und fundamentale Daten

In der abgelaufenen Woche haben besonders die Daten aus den USA enttäuscht, die Arbeitsmarktdaten sowie die Einzelhandelsumsätze sind miserabel ausgefallen. Dementsprechend dürfte das Augenmerk der Investoren wieder verstärkt auf den Fundamentaldaten liegen. Zuerst richtet sich der Blick nach China, wo in der Nacht gewichtige Wirtschaftsdaten veröffentlicht wurden. Die Zahlen für das vorläufige Bruttoinlandsprodukt (Q4) sowie der Industrieproduktion sind positiv ausgefallen. Das BIP liegt mit einem Wachstum von 6,5% über der Prognose von 6,1%, auch die Industrieproduktion ist mit 7,3% besser als erwartet ausgefallen (Prognose 6,9%, vorher 7,0%).

Für die hiesige Konjunktur sind die ZEW-Daten am Dienstag und der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe am Freitag von Interesse und könnten Auswirkungen auf den Dax haben. Zudem richten die Anleger ihre Augen am Donnerstag auf die Europäische Zentralbank, dann steht erneut eine Zinsentscheidung an. An dem derzeitigen Zinsniveau gibt es nichts zu rütteln, zudem werde sich die EZB hüten Anzeichen einer restriktiven Geldpolitik zu äußern. Allerdings ist auch nicht mit neuen geldpolitischen Lockerungen zu rechnen, nachdem die EZB im Dezember bereits ihr Anleihekaufprogramm um 500 Milliarden ausgeweitet hatte.

Am Montag ist der Dax größtenteils auf sich allein gestellt, da die US-Börsen aufgrund des Martin Luther King Day geschlossen sind. Ab Dienstag geht dann die neue Berichtssaison weiter, vor allem mit Quartalszahlen aus dem Bankensektor von Goldman Sachs und Bank of America. Zusätzlich berichtet das Medienunternehmen Netflix über das abgelaufene Quartal. Im Laufe der Woche sehen wir dann noch die Zahlen von Morgan Stanley, Intel, IBM und vielen anderen Unternehmen. Am Mittwoch steht zudem die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten und seine Rede im Mittelpunkt. Die Einführung könnte von landesweiten Ausschreitungen überschattet werden.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Die Schwäche zum Ende der letzten Handelswoche könnte sich auch in dieser Woche fortsetzen. Im Tageschart hat sich nämlich ein Trendumkehrmuster gebildet (island reversal), erst ein Anstieg über 14.000 würde das Bild wieder aufhellen. Im frühen Handel notiert der Dax bereits etwas tiefer. Ein Unterschreiten der 13.711 könnte den Dax zum Freitagstief bei 13.670 führen. Dort sollte der Index Halt finden, ansonsten dürfte sich der Abwärtstrend fortsetzen. Die nächste Unterstützungszone befindet sich bei 13.600 und 13.560. Dieser Bereich ist auch entscheidend für die Entwicklung in den nächsten Tagen. Hält die Zone, dann könnte es zunächst wieder aufwärts gehen, rutscht der Dax jedoch darunter, dann dürfte sich die Korrektur ausweiten. Dann wäre mit einem Anlaufen des Unterstützungsbereichs bei 13.450 zu rechnen.

Hält sich der Dax über der 13.670, dann könnte zunächst eine Erholung einsetzen. Bei 13.773 wartet das Nachthoch, darüber liegt die vorherige Unterstützung bei 13.800, die jetzt als Widerstandszone agiert. Dort könnte der Dax bereits wieder den Rückwärtsgang einlegen. Oberhalb von 13.810 wäre noch Luft bis 13.868 und  13.892 (61,8% Retracement). Ein Anstieg über das 61er Retracement würde sogar weiteres Aufwärtspotenzial freisetzen.

Der Börsen Jäger

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Dax daily: Tages- und Wochenausblick - H4-Chart - kippt die Stimmung?

Dax Unterstützungen (US):

13.711 – Punkt 2 Bodenbildung (H1)

13.670 – Tagestief 15.01.

13.600/630 – US-Zone

13.566 – Tagestief 05.01.

13.450 – ehemals WS / US

Dax Widerstände (WS):

13.795 – ex Allzeithoch

13.868 – vormals US

13.948 – mehrfacher WS / US

13.988 – offenes Gap 14.01.

14.000 – psychologische Marke

14.049 – Gap 08.01.

Disclaimer

Die hier angewandte fundamentale und technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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