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Rezession – Dax, ifo und die Anleger

Wenn Rezessionsberichte in großer Zahl kommen, schlägt zumeist die Chance für die Mutigen..

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Die Wirtschaftszahlen für Deutschland verschlechtern sich nach wie vor – eine technische Rezession in Deutschland gilt als nahezu sicher, nach einem Minus des Wachstums in Q2 und weiter fallenden Produktions- und Exportzahlen in Q3. Erst gestern kamen neue Wirtschaftsdaten zum Mittelstand und Markus Fugmann sprach dabei von der näherrückenden Rezession, die vor Monaten noch kaum einer vorausgesehen hatte.

Nicht ganz, denn Ifo-Index und auch Dax in seiner geglätteten Form geben schon lange Hinweise auf eine Rezession, allerdings auf eine sehr milde.

 

Rezession – Beispiel Ifo-Index

Der Ifo-Index gilt als besonders aussagekräftiges Prognoseinstrument, schließlich geben 9000 Unternehmenschefs Auskünfte über Ihre Firma und zwar zur Lage und zu den Aussichten. Die Ergebnisse sind, historisch betrachtet, um Längen besser als die von Analysten.

Der Ifo-Index hatte sein Hoch bereits Ende 2017 mit 105 Punkten erreicht und fällt seither tendenziell bis auf aktuell 94,3 Punkte im August 2019, dem tiefsten Stand seit 2012. Allerdings steht er damit noch erheblich höher als im Rezessionsjahr 2009, wo er im Jahresdurchschnitt gerade noch bei 85 Punkten notierte. Zuletzt fiel er fünfmal in Folge, ab drei Bewegungen in einer Richtung spricht man von einem Trend. Damit ist noch keine Wende erkennbar, allerdings bezieht sich seine Indikation auf mehrere Monate in die Zukunft und damit fast so lange, wie es der DAX tut.

Im Nachhinein muss man anerkennen, dass der Ifo-Index sein Hoch erreicht hatte, als die gesamte Wirtschaftswelt noch von einem synchronen weltweiten Aufschwung sprach.

 

Die Vorlaufzeit der Dax-Indikation

Selbiges kann man auch vom deutschen Leitindex behaupten, zumindest auf die letzten Jahre bezogen. Der DAX hatte sein Hoch auch schon am 23. Januar 2018 erreicht, im Quartal der allgemeinen Wachstumseuphorie. Die akkumulierten Dax-Gewinne lagen 2017 bei 95,5 Milliarden Euro, 2018 bei 86 Milliarden und 2019 dürften sie nochmals um einiges tiefer liegen. Jetzt scheint er eine kleine Erholung einzupreisen, die sich aber zinsbedingt als ein Strohfeuer entpuppen könnte.

Auf Fünfjahressicht bewegt sich der Index in einer großen Seitwärtsbewegung, antizipierend, dass die großen DAX-Werte aus dem Automobilbereich und dem Maschinenbau ein fundamentales Problem haben. Seltsamerweise scheinen die Autowerte nach Jahren der Verluste um 50 Prozent und mehr ihr Tief erreicht zu haben.

Was könnte man aus den beiden Vorlaufindikationen schlussfolgern? Beim Dax muss man den Donnerstag (EZB-Entscheid) und die Folgetage beobachten, um zu sehen, ob sich der jüngste Dax-Anstieg nicht als Zinsgespenst entpuppt. Beim Ifo-Index sollte man seine nächste Veröffentlichung am 24. September abwarten. Falls er da ein weiteres Mal eine Schrumpfung anzeigt, dürfte es nicht bei einer technischen Rezession bleiben.

 

Fazit

Eine Rezession ist bekanntermaßen nicht seriös vorherzusagen. Weder bezüglich des Zeitpunktes ihres Auftretens, ihrer Stärke und ihrer Dauer. Aber eines konnte man in den letzten Jahrzehnten immer wieder feststellen: Wenn sie durch die statistischen Ämter bestätigt werden – und dies geschieht zumeist mit einem deutlichen Zeitverzug –, so sind sie in den Kurzindizes zumeist schon eingepreist und Schnee von gestern.

Während Haussephasen in den letzen Jahrzehnten um die 8 bis 10 Jahre dauerten, waren die zumeist heftigen Baissephasen nur von kurzer Dauer von eineinhalb, zwei Jahren. Der Grund ist gewiss zu einem großen Teil nachfragebedingt und das liegt an den Ersatzbeschaffungen der Konsumenten.

Ein Beispiel: Der Kfz-Bestand in Deutschland beträgt derzeit 47,1 Millionen Pkw (Durchschnittsalter 9,5 Jahre: Quelle Kraftfahrt-Bundesamt), davon werden sicherlich jährlich um die vier Millionen aus dem Verkehr gezogen, sei es wegen Verkäufen ins Ausland, oder wegen Verschrottung. So entsteht bereits nach wenigen Jahren ein starker Ersatzbedarf.

Im Jahr 2009, bei der stärksten Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg in Deutschland, fiel die weltweite Kfz-Produktion gerade mal um 3,6 Prozent. Sicherlich haben wir derzeit einen stärkeren Umbruch, aber der Ersatzbedarf dürfte bald wieder zu besseren Zahlen führen. Kurzum: Es klingt zynisch, aber je schlechter die Produktionszahlen in einer Wirtschaft ausfallen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kurseinbrüche an der Börse bald vorbei sind.

Das galt auch im Katastrophenzyklus nach 1929, auch hier ging es ab 1932 kurstechnisch wieder bergauf. Es ist wie bei der Euphorie: Wenn die Bild-Zeitung zum Einstieg in den Aktienmarkt trommelt, sollte man aussteigen. Wenn Rezessionsberichte in großer Zahl kommen, schlägt zumeist die Chance für die Mutigen.

Wobei man diese Zeilen nicht so interpretieren soll, dass es mit der Rezession schon gewesen ist, aber im Hinterkopf sollte man das der menschlichen Logik zuwiderlaufende Verhalten der Börsenindizes schon haben.

 

Dax und ifo-Index haben schon seit Monaten die Rezession angekündigt

Foto: Deutsche Börse AG

Ein Kommentar

Ein Kommentar

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    Ranzentier

    10. September 2019 15:00 at 15:00

    …wie immer top analysiert…

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Finanznews

Aktienmärkte: Absturz und Trendbrüche! Marktgeflüster (Video)

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Das war ein heftiger Tag für die Aktienmärkte: der Dax -4%, auch die Wall Street tief im Minus. Dabei waren die Aktienmärkte gewarnt: Anleihemärkte, Devisenmärkte und Rohstoffe hatten das kommende Unheil angezeigt – aber man wähnte sich aufgrund der Notenbanken unverwundbar und hatte sich viel zu weit von der Realwirtschaft entkoppelt. Während in Europa die Furcht vor der Coronavirus-Pandemie herrscht, belastet die Wall Street zusätzlich, dass Bernie Sanders nach neuesten Umfragen durchaus Sieg-Chancen gegen Trump hätte – und Sanders wäre der Albtraum für die Herren des Geldes im Wall Street-Casino! Erholungen sind nun gut möglich, dürften aber nach oben „gedeckelt“ sein, solange sich das Virus so schnell in vielen Ländern verbreitet..

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Aktien

Markus Koch aktuell mit Special-Video zu den stark fallenden Aktienkursen

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Zusätzlich zu seinem täglichen Video vor der Markteröffnung in New York spricht Markus Koch aktuell in einem Special LIVE Video über die stark fallenden Aktienkurse. Der Dow 30 fällt nämlich aktuell 800 Punkte. Ist das nur eine ganz normale und gesunde Korrektur?

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Aktienmärkte werden kollabieren, warnt JP Morgan

Über den Weg des größten Schmerzes für die Aktienmärkte

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An den Aktienmärkten lautete das Motto im Grunde seit Oktober 2019, als kurz zuvor die US-Notenbank Fed ihre Geldpolitik auf ultraexpansiv (Anleihekäufe, massive Intervention im Repo-Markt) gestellt hatte: diesmal ist alles anders! Bewertungen würden keine Rolle mehr spielen, nur die Liquidität und damit der monetäre Faktor seien ausschlaggebend für die Kursentwicklung vor allem an der Wall Street. Daherauch  seien die parabolisch steigenden Kurse eben eine „Fahnenstange mit Substanz“. Wirklich? Vor letztem Donnerstag, als die Aktienmärkte der Wall Street plötzlich (ohne Nachrichten) schärfer korrigierte, waren alle herömmmlichen Parameter auf extremen Niveaus.

Es reichten der letzte Donnerstag und Freitag sowie der heutige vorbörsliche Abverkauf, um den Dow Jones, das Lieblingsbaromter von US-Präsident Trump für seine eigene Leistung, sogar ins Negative zu drücken seit Jahresbeginn. Seltsam, dass Donald Trump aktuell nicht über den Dow Jones tweetet..

Im Fokus steht natürlich das Cornavirus und dessen rapide Ausbreitung vor allem in Italien und Südkorea – die Sorge vor einem globalen Abschwung und Stillstand wie in China, ja die Angst vor einer Art „Wuhanisierung“ auch andere Länder, wächst.

Und dass die Aktienmärkte diese Gefahr trotz der bisherigen Kursverluste seit Donnerstag nicht annähernd eingepreist haben – angesichts nach wie vor nicht großer Entfernungen von den Allzeithochs vieler Aktienmärkte – ist evident. Die Investoren sind weitgehend ungehedged – die einzige Absicherung scheint bei einigen Investoren lediglich eine Wette auf einen steigenden Goldpreis zu sein. Selten, so könnte man daher sagen, trifft ein schwarzer Schwan die meisten Player am Markt unvorbereiter als derzeit!

Die Börse aber geht meist den Weg des größten Schmerzes – und der größte Schmerz für die meisten Investoren lag während der heißen Phase des Handelskriegs in steigenden Kursen. Nun aber, nachdem der Handelskrieg scheinbar beigelegt und viele Investoren sich daher voll auf der Long-Seite positioniert haben, ist der Weg des größten Schmerzes eindeutig in fallenden Kursen zu finden.

Genau davor warnt nun Marko Kolanovic von JP Morgan – der alles anders als ein notorischer Bär ist, eher im Gegenteil. Mitte letzter Woche schrieb Kolanovic („global head of macro quantitative and derivatives strategy“ bei JP Morgan) an die Kunden der Bank:

“Bonds, momentum stocks, and low volatility stocks rallied – pushing the valuation spread between defensive and cyclical stocks to a level 2x worse than during the peak of the late-’90s tech bubble. The bubble we are describing is expressed in equity factors … We caution investors that this bubble will likely collapse, i.e. this time is not ‘different.“

Diesmal also ist wohl doch nicht alles anders, so Kolanovic. Im folgnden Video von CNBC zeigt Kolanovic, welche Aktien besonders gefährdet sind – und welche eben eher nicht:

Stehen die Aktienmärkte zumindest vor einem kurzfristiger Kollaps?

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