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Rezession – deutsche Automobilindustrie in der Zange

Deutschland in der Rezession: Im Fokus ist dabei die deutsche Automobilindustrie, die seit 2015 bereits mit der Krise kämpft

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Das dritte Quartal endete gestern – und sehr wahrscheinlich wird Deutschland damit offiziell in einer Rezession sein. Im Fokus ist dabei die deutsche Automobilindustrie, die seit 2015 bereits mit der Krise kämpft. War es zuerst ein unternehmensspezifisches Problem infolge der Dieselmanipulationen, kam anschließend der Umbruch in den Antriebssystemen mit riesigen Umstrukturierungskosten – und jetzt nicht zuletzt die weltweite Konjunkturschwäche mit einer Rezession in Deutschland, initiiert durch den großen Handelskrieg. So ist es auch kein Wunder, dass die Kurse der Automobilkonzerne seit vier Jahren um 40 bis 50 Prozent gefallen sind – und dies in einer Phase, wo der Dax sich auf Höhen über 13 500 Punkte emporgeschwungen hat.

Rezession und die Entlassungswellen in der Automobilindustrie

Während bei den Automobilherstellern die Umstrukturierungen (noch) ohne große Entlassungen und Werksschließungen vonstatten gehen sollen – man versucht es über den Abbau von Überstunden, Altersteilzeit, Frührente und das Nichtverlängern von Zeitverträgen – so sieht es bei den Zulieferern schon deutlich kritischer aus, wird dort die Rezession immer greifbarer.

Bei Continental, ZF und Bosch wurden größere Entlassungen (Conti 20.000  in 10 Jahren) angekündigt, es sei nicht mehr möglich, den Umbruch ohne Werkschließungen zu bewerkstelligen. Ursache ist natürlich der Elektromotor, der aus wesentlich weniger Teilen besteht, als der aufwändige Dieselmotor. Getriebe, Hochdruckpumpen und Einspritzanlagen werden immer weniger gebraucht.

 

Rezession und das Deutschland-Problem

Während die Zahl der global verkauften Autos nur leicht sinkt, ist die Produktion hierzulande eingebrochen. Der Rückgang in den ersten sieben Monaten des Jahres betrug bereits zwölf Prozent auf nur noch gut 2,8 Millionen Kfz. Für das Gesamtjahr gehen die Mannen um Professor Dudenhöffer in seinem Center Automotive Research (CAR) von 4,7 Millionen Pkw aus. Die Bremsspuren sind schon überdeutlich, schließlich waren es im Jahr 2016 noch fast sechs Millionen Fahrzeuge. Pessimistische Manager in der Branche rechnen schon mit einem Rückgang der Jahresproduktion auf unter vier Millionen Pkw.

Das Problem in Deutschland wird auch von den unsicheren Rahmenbedingungen verstärkt (Ladestationen, Fahrverbote, Steuererhöhungen). Wer hat in seinem Umfeld keinen Bekannten, der sich nicht noch überlegt, welchen Fahrzeugtyp er sich anschaffen bzw. leasen soll, Benziner, Hybrid, vielleicht doch noch letztmalig einen Diesel oder bereits ein „Kurzstrecken-Elektro-Kfz?

 

Die Prognose des Center Automotive Research (CAR)

Eine Berechnung des in den Medien sehr präsenten Professor Dudenhöffer geht davon aus, dass die Elektromobilität bis 2030 fast 234.000 Jobs in Deutschland kosten wird. Zwar sollen circa 109.000 neue Arbeitsplätze in der Entwicklung und Produktion von Teilen für Elektroantriebe entstehen, die Gesamtzahl der Beschäftigten in Deutschlands Schlüsselbranche dennoch bis 2030 von rund 834.000 auf dann nur noch 709.000 fallen.

Dies setzt aber voraus, dass in zehn Jahren bereits zwei Drittel der in Deutschland produzierten Fahrzeuge reine Elektroautos sein werden.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank hat gerade in einem Kommentar in der FAZ noch einmal auf die Bedeutung des Automobilsektors in Deutschland hingewiesen: „18 Prozent aller Warenexporte entfallen direkt auf den Autosektor, 75 Prozent der Luxusfahrzeuge sind deutscher Herkunft, VW ist der größte Automobilhersteller der Welt, 40 Prozent aller deutschen Forschungs- und Entwicklungsausgaben entfallen auf diesen Bereich und die Löhne liegen 30 Prozent über dem Durchschnitt der gesamten Industrie“, so David-Folkerts-Landau. Der Umbruch ist zweifelsohne sehr bedeutsam für die Auto-Nation Deutschland. Aber sind die Wachstumsraten weltweit, trotz der Klimasorgen, wirklich passé? Steht vor allem die Autoindustrie vor einer dauerhaften Rezession?

 

Das Wachstum in den Emerging Markets und der Ersatzbedarf

Derzeit gibt es bereits 1,3 Milliarden Kfz auf der Welt, im Jahr 2010 wurde erst die Ein-Milliardengrenze überschritten. Jährlich werden derzeit ca. 83 Millionen Fahrzeuge produziert, allein im Jahr 2019 ist man bereits wieder bei 60 Millionen angelangt. Bis 2030 wird ein Anstieg des Kfz-Bestands auf 1,6 Milliarden Kraftwagen (Pkw, Busse, LKWs) erwartet, allein der asiatische Raum wird sich trotz der Umweltprobleme nicht aufhalten lassen.

Die Prognosen für 2050 liegen „jenseits von gut und böse“, so dass ich sie hier gar nicht erwähnen möchte. Während die Fahrzeugdichte in Deutschland und den USA bei 570 bis 650 Kfz pro 1000 Einwohner liegt, beträgt das Verhältnis in China gerade mal 15 Prozent. Zusätzlich altern auch die Fahrzeuge in den Emerging Markets, so dass es auch dort einen Ersatzzyklus gibt.

A propos China: Das Riesenreich ist allein zu einem Viertel an der weltweiten Fahrzeugproduktion beteiligt, leidet aber derzeit an der einen oder anderen Überinvestition.

Wird unter diesen Voraussetzungen die Rezession in der Automobilindustrie wirklich sehr lange andauern? Während der Finanzkrise 2009 war die weltweite Automobilproduktion in einem Jahr um 2,6 Prozent gefallen.

 

Fazit

Es gibt in Deutschland laut Kraftfahrtbundesamt derzeit 47,1 Millionen Personenkraftwagen. Auch wenn es in den Großstädten eine Verkehrswende geben sollte und immer mehr Bewohner auf das eigene Auto verzichten werden, so ergibt sich über kurz oder lang dennoch ein gewaltiger Ersatzbedarf im Autoland Deutschland.

Denn von diesen 47,1 Millionen in Deutschland zugelassenen Pkw wiesen am 1. Januar 2019 rund 40 Prozent ein Alter von 10 und mehr Jahren auf. Der Anteil der zugelassenen Fahrzeuge mit einem Alter von unter 2 Jahren lag wie im Vorjahr bei 13,5 Prozent. Das Durchschnittsalter betrug 9,5 Jahre.

Geht man von einem Austausch der Pkw durch Verschrottung und Verkäufen ins Ausland in Höhe von 8 bis 10 Prozent pro Jahr aus, so wird deutlich, dass es kaum einen jahrelangen Kaufboykott geben kann – die Frage ist nur, welche Form der persönlichen Mobilität gewählt wird.

Die Probleme der deutschen Autoindustrie sind aus meiner Sicht folgende: Werden die chinesischen Käufer von deutschen Pkw wieder „zurückkehren“ und bauen die Deutschen die richtigen Autos, die in der Folge nachgefragt werden? Der Abgesang auf die deutsche Automobilindustrie scheint mir derzeit etwas zu heftig auszufallen, eben wegen des Ersatzbedarfs und der unglaublichen Markentreue deutscher Käufer.

Auch wenn eine Rezession kommt, der Automobilsektor hat schon viel vorweggenommen. Man beachte die Automobilaktien: desto deutlicher der Produktionsrückgang, desto stärker die kommende Wende. Außer die Welt verzichtet künftig auf das Automobil?

 

Die deutsche Autoindustrie in der Rezession

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Übelkeit

    1. Oktober 2019 11:53 at 11:53

    „So ist es auch kein Wunder, dass die Kurse der Automobilkonzerne seit vier Jahren um 40 bis 50 Prozent gefallen sind – und dies in einer Phase, wo der Dax sich auf Höhen über 13 500 Punkte emporgeschwungen hat.“

    Ihr betont doch immer wieder euren hohen Qualitätsanspruch an euch selbst. Der DAX Performanceindex spiegelt nicht die Kursbewegungen wieder. Zumindest nur auf kurzer Zeitebene. Er wird in den Mainstream Medien verwendet um zu zeigen wie toll doch der DAX ist. Die Realität der Kursbewegungen werden im DAX Kursindex angezeigt. Würden alle Marktteilnehmer ihre Dividenden direkt reininvestieren wären diese Indizes identisch. Das ist offensichtlich nicht der Fall. Die Dividenden verzerren das Bild, daher spiegelt der Performance Index auch nicht die Kurse der Einzelaktien in längeren Zeitebenen wieder.

    Wenn ihr Qualität bieten wollt nehmt den DAX Performance Index komplett raus. Nur weil alle meinen die Erde ist eine Scheibe ist diese Annahme dennoch falsch.

  2. Avatar

    Wolfgang M.

    1. Oktober 2019 12:07 at 12:07

    @Übelkeit. Mit Verlaub. Ich habe schon in mehreren Artikeln und Kommentaren auf die unsinnigen Vergleiche zwischen Kurs- und Performance-Dax hingewiesen. Ersterer steht noch unter seinem Höchststand des Jahres 2000. Aber was hat das mit dem Artikel zu tun? Die Automobilwerte haben auch nach Herausrechnen der gezahlten Dividenden seit 2015 massiv verloren. Es ging auch um etwas anderes.
    Gruß

    • Avatar

      Übelkeit

      1. Oktober 2019 13:35 at 13:35

      Im Fließtext klingt es so, als ob nur die Automobilwerte schlecht performt hätten, obwohl der Index zeitgleich ja so gut da stand.

      Wenn man sich andere Titel ansieht (Bayer, Thyssen, …) Dann sieht man dass das eben grundsätzlich nicht passt.

      Und ich weiß das ihr das Thema angesprochen habt. Aber es ist das eine das Problem zu erkennen, das andere es auch konsequent zu leben. Das bezieht sich nicht nur auf die Stelle im Fließtext sondern auch auf die vielen Videos.

      Es ist wie ein Tacho in km/h und Schilder in mph. Lieber Aufklärungsarbeit leisten. Man stelle sich mal einen Supercrash vor mit 95% Verlust. Im Performance Index kann man sich die Welt ja dann schöner malen als sie im Depot ist. ;)

      Bitte als konstruktive Kritik verstehen.

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