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Europa

Rezession – Deutschland schon mitten drin?

„Die Eurozone hat eine masochistische Tendenz, nur in einer Krise zu handeln.“

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Befindet sich Deutschland bereits in einer technischen Rezession? Und was macht eigentlich die deutsche Regierung?

Am Mittwoch wurde vom statistischen Bundesamt das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal 2019 bekannt gegeben. Es fiel wie erwartet um 0,1 Prozent. Aber vieles deutet darauf hin, dass sich Deutschland bereits in einer technischen Rezession, sprich in einem Schrumpfungsprozess über zwei Quartale befindet.

 

Die Anzeichen für eine Rezession

Nachdem das Schrumpfen des deutschen BIP im 2. Quartal nun amtlich ist, achtet man natürlich auf die Indikatoren in Q3. Und die deuten derzeit auf eine weitere Abschwächung hin. Im Juli sanken sowohl die Auftragseingänge in der Industrie als auch der Ifo-Geschäftsklimaindex bei den Unternehmen, welcher im Industriebereich auf das niedrigste Niveau seit der Finanzkrise 2009 gefallen ist.

Nach Angaben des Konjunkturchefs des Ifo-Instituts, Professor Timo Wollmershäuser, zeigt sich auch im Dienstleistungsbereich, der die Gesamtkonjunktur noch über Wasser hielt, eine zunehmende Abwärtstendenz bei Geschäftslage und Erwartungen. „Die Industrieschwäche strahlt allmählich auf andere Wirtschaftsbereiche aus“, so der Ökonom wörtlich.

Und ein Ende der schon seit einem Jahr anhaltenden Schwäche der Industrie sei nicht zu erkennen.

 

Und was macht die Bundesregierung?

Angela Merkel scheint sich wieder einmal auf ihre Politik des Aussitzens zu fokussieren. Auch wenn es oft angebracht ist, nicht hektisch auf jede Entwicklung zu reagieren, erscheint dies in der jetzigen Lage nicht ungefährlich, denn eine Rezession kann sich auch zu einer tiefen Wirtschaftskrise entwickeln – mit Massenarbeitslosigkeit und Firmenpleiten. Dabei gäbe es Vorschläge genug für Stimuli, die einen wirtschaftlichen Schub entfachen könnten. Steuersenkungen für Bürger und Unternehmen, Infrastrukturprogramme, Verkehrswende, Digitalisierung und so weiter und so fort…!

 

Fazit

Man darf gespannt sein, woher der Wind wehen soll, der das endgültige Abgleiten, in Deutschland wie auch in Europa, in eine Rezession verhindern soll.

In New York ist man sogar entsetzt über den Attentismus in Europa, der sich angesichts der sich verschärfenden wirtschaftlichen Lage breitmacht: Analysten von Bloomberg bemerkten hierzu in einer Studie: „Die Eurozone hat eine masochistische Tendenz, nur in einer Krise zu handeln.“

Und auf die Spitze getrieben: „Europe is walking naked !“

Auch wenn man das amerikanische Wirtschaftshandeln sehr kritisch betrachtet: An dieser Aussage ist etwas dran, das Beispiel Bankenrekapitalisierung nach der Finanzkrise lässt grüßen.

 

Die Jubelstimmung in Deutschland ist verflogen, eine Rezession wahrscheinlich

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Marko

    16. August 2019 11:31 at 11:31

    Aber, die EZB ist nun mal die Notenbank Nummer 1, daran führt kein Weg vorbei – Dies dürfte, spätestens jetzt, allen (hoffentlich) klar sein… ?

    Jetzt muss man den masochistischen Brexit abwarten, und dann : sehen wir weiter…

    Und der Donald, natürlich… was soll man dazu sagen.. ?

    Müll…

    https://www.onvista.de/news/trump-handesstreit-wird-sehr-kurz-und-habe-fantastischen-handelsdeal-fuer-die-briten-++-roche-wichtige-zulassung-erhalten-++-nvidia-ueberraschende-quartalszahlen-265689525

    „Trump lockt die Briten mit „fantastischem Handelsabkommen““

    Wie fantastisch wäre es denn, wenn mir GB „auseinander-fliegt“ und das nach „Strich-und-Faden“ ?

    Was kann ich mir für ein Trump`sches Handelsabkommen kaufen … ? Nichts ! – Genau !

  2. Avatar

    sabine

    16. August 2019 15:54 at 15:54

    Zitat: „Wie fantastisch wäre es denn, wenn mir GB „auseinander-fliegt“ und das nach „Strich-und-Faden“?“
    – Wunschgedanken?
    – Beleidigt wegen EU-Austritt?
    – Feststellung von wirschaftlichen Zusammenhängen?
    Das letztere wär eine Diskussionsgrundlage.

  3. Avatar

    Ranzentier

    16. August 2019 16:38 at 16:38

    @Herr Müller: „mit Massenarbeitslosigkeit und Firmenpleiten“…Massenarbeitslosigkeit braucht keiner, aber wie schon oft auf FMW genannt, gehört es dazu, das ineffiziente Unternehmen pleite gehen…das bedarf es schon…also müssen wir das aushalten, auch wenn es nicht schön ist…ein kurzfristiges Konjunkturprogramm kann man jederzeit schnell aus der Taufe heben…aber wenn man jetzt zuckt und die Wirtschaft ankurbelt profitieren auch die USA und das wäre zum jetzigen Zeitpunkt das falsche Zeichen bzgl. weiterer Drohungen Trumps…also muss man hier noch etwas warten und aussitzen…

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Europa

Bruttoinlandsprodukt für 2020: Statistisches Bundesamt präsentiert erste Daten

Claudio Kummerfeld

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am

Deutschland Flagge

Laut vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten ist das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland (anhand vorläufiger Berechnungen) im Gesamtjahr 2020 um 5,0 Prozent gesunken. Die deutsche Wirtschaft sei somit nach einer zehnjährigen Wachstumsphase im Corona-Krisenjahr 2020 in eine tiefe Rezession geraten, ähnlich wie zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Der konjunkturelle Einbruch fiel aber im Jahr 2020 den vorläufigen Berechnungen zufolge insgesamt weniger stark aus als 2009 mit -5,7 Prozent.

Grafik zeigt Bruttoinlandsprodukt im Verlauf seit dem Jahr 2005

BIP-Zahlrenreihen

Hier einige aktuelle Aussagen der Statistiker im Wortlaut:

Corona-Krise traf Industrie und Dienstleistungsbereiche hart – nur das Baugewerbe legte zu

Die Corona-Pandemie hinterließ im Jahr 2020 deutliche Spuren in nahezu allen Wirtschaftsbereichen. Die Produktion wurde sowohl in den Dienstleistungsbereichen als auch im Produzierenden Gewerbe teilweise massiv eingeschränkt.

Im Produzierenden Gewerbe ohne Bau, das gut ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmacht, ging die preisbereinigte Wirtschaftsleistung gegenüber 2019 um 9,7 % zurück, im Verarbeitenden Gewerbe sogar um 10,4 %. Die Industrie war vor allem in der ersten Jahreshälfte von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen, unter anderem durch die zeitweise gestörten globalen Lieferketten.

Besonders deutlich zeigte sich der konjunkturelle Einbruch in den Dienstleistungsbereichen, die zum Teil so starke Rückgänge wie noch nie verzeichneten. Exemplarisch hierfür steht der zusammengefasste Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe, dessen Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 6,3 % niedriger war als 2019. Dabei gab es durchaus gegenläufige Entwicklungen: Der Onlinehandel nahm deutlich zu, während der stationäre Handel zum Teil tief im Minus war. Die starken Einschränkungen in der Beherbergung und Gastronomie führten zu einem historischen Rückgang im Gastgewerbe.

Ein Bereich, der sich in der Krise behaupten konnte, war das Baugewerbe: Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung nahm hier im Vorjahresvergleich sogar um 1,4 % zu.

Massiver Rückgang der in- und ausländischen Nachfrage

Auch auf der Nachfrageseite waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich sichtbar. Anders als während der Finanz- und Wirtschaftskrise, als der gesamte Konsum die Wirtschaft stützte, gingen die privaten Konsumausgaben im Jahr 2020 im Vorjahresvergleich preisbereinigt um 6,0 % zurück und damit so stark wie noch nie. Die Konsumausgaben des Staates wirkten dagegen mit einem preisbereinigten Anstieg von 3,4 % auch in der Corona-Krise stabilisierend, wozu unter anderem die Beschaffung von Schutzausrüstungen und Krankenhausleistungen beitrug.

Die Bruttoanlageinvestitionen verzeichneten preisbereinigt mit -3,5 % den deutlichsten Rückgang seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Dabei legten die Bauinvestitionen entgegen diesem Trend um 1,5 % zu. In Ausrüstungen – das sind vor allem Investitionen in Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurden im Jahr 2020 dagegen preisbereinigt 12,5 % weniger investiert als im Vorjahr. Die Investitionen in sonstige Anlagen – darunter fallen vor allem Investitionen in Forschung und Entwicklung – fielen ersten Schätzungen zufolge preisbereinigt um 1,1 %.

Die Corona-Pandemie wirkte sich auch auf den Außenhandel massiv aus: Die Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen gingen im Jahr 2020 erstmals seit 2009 zurück, die Exporte preisbereinigt um 9,9 %, die Importe um 8,6 %. Besonders groß war der Rückgang der Dienstleistungsimporte, was vor allem am hohen Anteil des stark rückläufigen Reiseverkehrs lag.

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Europa

Industrieproduktion hat Corona-Lücke fast aufgeholt

Claudio Kummerfeld

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Zahnräder

Die Industrieproduktion in Deutschland (Produktion im Produzierenden Gewerbe) hat die Corona-Lücke fast aufgeholt. Sie ist im November im Vergleich zu Oktober um 0,9 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute veröffentlicht hat. Im Jahresvergleich ist es ein Minus von 2,6 Prozent. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie, war die Produktion im November 2020 saison- und kalenderbereinigt noch 3,8 Prozent niedriger. Der Chart, der bis 2012 zurückreicht, zeigt die Industrieproduktion als blaue Linie. Hier sieht man für Februar 2020 einen Indexwert von 102,9 Punkten, und im November von 99.

Chart zeigt Verlauf der Industrieproduktion seit 2012

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone Dezember: Fünfter Monat in Folge Deflation

Claudio Kummerfeld

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am

Geldmünzen mit Taschenrechner

Die Verbraucherpreise in der Eurozone wurden soeben für den Monat Dezember als Erstmeldung von Eurostat veröffentlicht. Sie sind um 0,3 Prozent rückläufig. Damit sehen wir auf europäischer Ebene nun den fünften Monat in Folge deflationäre Preise! Wie gestern auch in Deutschland, so sehen wir im Eurozonen-Gesamtschnitt heute auch eine kleinere Preissteigerung bei Lebensmitteln als in den Vormonaten. Jetzt sind es nur noch +1,4 Prozent, nach vorher +1,9 Prozent, 2,0 Prozent usw. Dies sorgt zusammen mit -6,9 Prozent bei den Energiepreisen für einen negativen Gesamtschnitt.

Details der Verbraucherpreise im Dezember

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