Folgen Sie uns

Allgemein

Rezession: Der Herbst gibt Deutschland den Rest!

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Wie stark saisonale Faktoren die Wirtschaft beeinflussen, wird oft unterschätzt. Egal ob Einzelhandel, Tourismus, Gastronomie, Bau oder Landwirtschaft – die Effekte sind deutlich spürbar. In diesem Jahr kommt die Konjunktur in Deutschland ohnehin schon geschwächt aus dem Sommer und befindet sich wahrscheinlich bereits in der Rezession.

Rezession - kaputtes Industriegebäude
Marodes Gebäude. Symbol für eine Wirtschaftskrise beziehungsweise Rezession. Foto: pixabay / Inactive account – ID 12019

Rezession trifft auf Herbst und Winter

Heute am 23. September begann um 9:50 Uhr der Herbst in Deutschland und auf der gesamten Nordhalbkugel. Die Bestätigung dafür, dass sich nun auch die ökonomische Großwetterlage in Deutschland massiv abkühlt, wurde uns bereits um 9:30 Uhr in Form des Einkaufsmanager-Index für die Gesamtwirtschaft präsentiert, doch dazu später mehr.

Zunächst werfen wir einen Blick auf den saisonalen Effekt, den die verschiedenen Jahreszeiten mit sich bringen. Vielen geläufig dürfte der Begriff Frühjahrsbelebung im Zusammenhang mit der Konjunktur sein. Nachvollziehbarerweise profitieren viele Branchen von wärmeren Temperaturen. Es gibt wieder mehr Freizeitaktivitäten, die Reiselust steigt und die Bauaktivität nimmt deutlich zu. Die Cafés stellen wieder Servicekräfte ein und selbst Auto- und Motorradhändler freuen sich über mehr Umsatz, ebenso wie die Baumärkte und Gartencenter. Bis Ende September wirkt dieser saisonale Effekt positiv. Dies gilt auch für den Arbeitsmarkt und damit den Konsum, die momentan noch stärkste Stütze für die deutsche Konjunktur.

Spiegelbildlich dazu stellt sich die Situation im Herbst und Winter dar: In den Statistiken kann man diverse Belege dafür finden, dass die Wirtschaft ab dem vierten Quartal signifikant an Dynamik verliert. Die oben beschriebenen Effekte der Frühjahrsbelebung kehren sich dann um. Die folgende Grafik der Arbeitsagentur zeigt exemplarisch das Saisonmuster der Arbeitslosenzahl für 2001. In dem Jahr wuchs die deutsche Volkswirtschaft um 1,7 Prozent:

Rezession - Saisonalität am Arbeitsmarkt

Der Anstieg der Arbeitslosenzahlen ab Oktober ist deutlich zu erkennen. Natürlich ist ein Jahr allein nicht repräsentativ, zumal das Jahr geprägt war von dem Platzen der New-Economy-Blase an den Aktienbörsen. Im Jahr 2002, einem Jahr wirtschaftlicher Stagnation so wie aktuell, stieg die Arbeitslosenzahl von Oktober bis Februar von 4,15 Mio. auf 4,65 Mio. um 500.000 an, nachdem sie den gesamten Sommer über gesunken war. Interessant ist das Jahr 2003, das dem kommenden Jahr 2020 entsprechen könnte: Damals befand sich die deutsche Wirtschaft in der Rezession und schrumpfte um 0,7 Prozent. Die Zahl der Erwerbslosen stieg pünktlich ab Oktober an. Bis zum Februar 2004 gingen saison- und rezessionsbedingt 780.000 Stellen verloren. Auch für die Jahre davor und bis 2018 lässt sich dieses Muster in den Statistiken nachweisen.

In diesem Jahr trifft die Herbst-/Winter-Abkühlung auf eine sich bereits seit Quartalen verstärkende Abwärtsdynamik in der deutschen Wirtschaft und vor allem der Industrie.

Einkaufsmanagerindex zeigt volle Kante Richtung Rezession

Besorgniserregend dabei ist, dass die besonders saisonabhängige Dienstleistungskomponente bereits seit Anfang Juni, also schon den gesamten Sommer über, rückläufig ist. Der Diffusionsindex für den Servicesektor sank in dieser Zeit von 55,8 auf aktuell 52,3 Punkte – was immer noch leichte Expansion bedeutet (über 50). Es ist aber keine gewagte Prognose, dass auch der tertiäre Wirtschaftssektor der Industrie im Herbst in die Rezession folgen wird.

Fazit

Wenn sich das saisonale Muster der wirtschaftlichen Abkühlung in diesem Jahr erneut zeigt, was äußerst wahrscheinlich ist, dann werden sich die rezessiven Tendenzen im Herbst und Winter nochmals verstärken. Entweder, die Fiskalpolitik steuert jetzt schnell und massiv dagegen oder der Absturz der deutschen Konjunktur wird sehr heftig. Zu beachten ist, dass von der legislativen Initiierung eines Konjunkturstimulus bis zum Wirkeintritt in der Realwirtschaft sechs bis neun Monate ins Land gehen. Da sowohl der Eintritt des verarbeitenden Gewerbes in die Rezession als auch die saisonale Abkühlung der Gesamtwirtschaft bereits bekannte Fakten sind, fragt man sich ernsthaft, worauf das politische Berlin in seiner Realitätsblase noch wartet? Das jüngst beschlossene Klimapaket kann ein wirksames Konjunkturpaket jedenfalls nicht ersetzen. Letzteres muss jetzt endlich oberste Priorität gewinnen.

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

Avatar

Veröffentlicht

am

Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

weiterlesen

Allgemein

Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

weiterlesen

Allgemein

Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen