Folgen Sie uns

Anleihen

Rezession – heute das Signal vom US-Anleihemarkt!

Wann kommt eine Rezession – und kann man sie vorhersagen? Blickt man auf die Geschichte der Finanzmärkte, lautet die Antwort: ja!

Avatar

Veröffentlicht

am

Wann kommt eine Rezession – und kann man sie vorhersagen? Blickt man auf die Geschichte der Finanzmärkte, lautet die Antwort: ja, man kann sie vorhersagen. Genauer: die Anleihemärkte sagen regelmäßig korrekt das Eintreten einer Rezession voraus! Mithin sind also die US-Anleihemärkte ein viel besserer Prognostiker als jeder Volkswirt..

Bekanntlich ist die Zinskurve in den USA weitgehend invertiert, sprich: für Anleihen mit kürzerer Laufzeit erhalten Käufer mehr Rendite als beim Kauf von Anleiihen mit längerer Laufzeit. So lag heute morgen die Rendite für eine 3-Monate laufende US-Anleihe derzeit bei 2,01%, die Rendite der 10-jährigen US-Anleihe jedoch nur bei 1,65%. Und das ist schon deshalb ungewöhnlich, weil naturgemäß die Risiken bei längeren Laufzeiten für den Investor eigentloch höher ist, schlicht weil der Zeitraum länger ist, in dem etwas „schiefgehen“ kann.

Wenn die Zinskurve so eindeutig invertiert ist wie derzeit, dann kann das eigentlich nur zweierlei bedeuten: die Märkte erwarten einen Zinssenkungszyklus, weswegen die kürzer laufenden Anleihen höher rentieren als länger laufende Anleihen, weil letztere von diesem Zinssenkungszyklus stärker betroffen sind. Oder es bedeutet: es kommt eine Rezession!

Nun gibt es zwei maßgebliche Zinskurven, auf die US-Investoren besonders achten wenn es um das Thema Rezession geht: erstens die 3-momatige und die 10-jährige US-Anleihe (deren Renditen schon viele Wochen invertiert sind), und zweitens die 2-jährige und die 10-jährige US-Anleihe. Letztere steht derzeit besonders im Fokus, weil auch sie nun kurz davor ist, zu invertieren, sprich die 2-jährige US-Staatsanleihe mehr Rendite bringt als die 10-jährige. Gestern lag der Spread, also die Renditedifferenz der beiden Anleihen, nur noch minimal über Null, nämlich bei acht Basispunkten (0,08%).

Womit wir wider beim Thema Rezession wären. Denn sämtlichen der letzten sieben Rezessionen in den USA in den letzten 50 Jahren ging eine Invertierung der Zinskurve der 2-jährigen und der 10-jährigen Anleiherendite voraus:

Der spread der 2-jährigen und der 10-jährigen gibt zuverlässig Aufschluß über das Eintreten einer Rezession
(Chart: https://www.gurufocus.com/yield_curve.php)

Daher blicken die US-Finanzmedien nun mit Argusaugen auf die Zinskurve gerade dieser beiden Anleihen. Und wahrscheinlich blickt gerade auch die mit ehemaligen Goldman Sachs-Mitarbeitern gesprickte Trump-Administration (vor allem US-Finanzminister Mnuchin) auf diese drohende Invertierung und hat daher gestern das Signal gegeben, dass man vor einer Eskalation des Handelskriegs doch zurück schreckt mit der Aufschiebung von Zöllen für zentrale Produktgruppen wie Smartphones, die besonders wichtig sind im Weihnachtsgeschäft. Denn es macht schon ein Unterschied für die ohnehin hoch verschuldeten US-Konsumenten, ob sie ein iPhone für 1000 Dollar verschenken oder eines für durch Zölle im Preis auf 1100 hochgesetzte iPhones.

Und: wenn eine Rezession kommt, wird es für Trump schwer, wieder gewählt zu werden – „it´s the economy, stupid“, wußte schon Bill Clinton wenn es um die Chancen ging, eine Wahl zu gewinnen.

Das Siganl nun für die Rezession ist soeben eingetreten: erstmals seit 2007 invertieren die 2-jährige und die 10-jährige US-Anleihe – good luck, Donald:

 

 

Die Wall Street fürchtet eine Rezession und blickt daher gebannnt auf die Anleihemärkte

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    14. August 2019 12:29 at 12:29

    Das ist jetzt vielleicht eine reichlich dumme Frage, aber besteht bei einer negativen Zinsstrukturkurve eigentlich auch eine Invertierung oder wie liest man das genau ? Weil der Chart für die deutsche Kurve sieht eigentlich nicht invertiert aus.

    • Avatar

      BrettonWood

      14. August 2019 15:28 at 15:28

      Sobald es ein – vor der Zahl hat muss man Spiegelverkehrt denken, damit man die Inverierung erkennt.

      Grösser oder positiver ist in dem Falle näher bei 0.00

      Wenn eine 10 Jährige -0.1 gibt und eine 2 Jährigen -1% dann gibts keine Invertierung, da die 10 Jährige ‚besser‘ rentiert (oder besser gesagt weniger kostet) als die 2 Jährige.

      Umso länger die Laufzeit umso tiefer der Negativzins dann ist keine Invertierung gegeben, also genau das umgekehrte wie bei positiven Zinsen da sollte bei der längsten Laufzeit auch die grösste Zahl stehen.

      Wenn wir aber (wie jetzt aktuell)
      -.01 % auf die 2 Jährige
      -1 % auf die 10 Jährige haben dann ist das ebenfalls eine invertierte Zinskurve….

      • Avatar

        Marcus

        14. August 2019 16:27 at 16:27

        Liegt das Geheimnis quasi darin sich das alles spiegelverkehrt vorzustellen ? Die Erklärung ist logisch, danke @BrettonWood.

    • Avatar

      Robert Schröder

      14. August 2019 15:52 at 15:52

      @ Marcus

      Wo kann man denn vergleichbare Grafik zu Deutschland einsehen?

      • Avatar

        Marcus

        14. August 2019 16:25 at 16:25

        Auf investing.com unter Bonds finde ich ist das ganz gut dargestellt.

  2. Pingback: Aktuelles und Interessantes vom 14. August 2019 | das-bewegt-die-welt.de

  3. Avatar

    BrettonWood

    14. August 2019 15:19 at 15:19

    Die 10 Jährige Bundespbligation CHF macht aktuell täglich neue Rekordtiefsstände wir sind nun ganz knapp vor -1% auf eine 10 Jährige, ich denke -1% wird noch diese Woche durchbrochen. Invertierungen der Zinskurven gibts in der Schweiz auch schon für Retailkunden, eine 5 Jährige Festhypothek ist günstiger als die Liborhypo. Die 10 Jährige ist noch 0.02% über dem Liborsatz & die 2 Jährige und 3 Jährige Festlaufzeit ist auch bereits invertiert.

    Bald gehts auf in den ruinösen Preiskampf bzw da sind wir schon bald wird es auch in der Schweiz negative Zinsen auf Hypotheken geben die ersten Institutionellen konnten solche Geschäfte schon schliessen:
    https://www.handelszeitung.ch/invest/erste-kantonalbanken-gewahren-kredite-mit-negativzinsen

    Es brechen alle Dämme…

  4. Avatar

    Diesel

    14. August 2019 17:27 at 17:27

    Danke @Markus! Eine sehr gute Quelle

  5. Avatar

    Diesel

    14. August 2019 17:40 at 17:40

    @BrettonWood Der Stein scheint ins Rollen gebracht worden! Bin auf das Ergebnis gespannt…

  6. Avatar

    barthez72

    14. August 2019 19:52 at 19:52

    ochh , solange man die 0 Achse nach Belieben verschieben kann läuft et doch. :-))
    Und liebe Leute biite vergesst nicht ,dass der Interbanken total gestört ist und von den ZB´s übernommen wurde.
    mfg

  7. Avatar

    barthez72

    14. August 2019 19:58 at 19:58

    ups, Interbankenmarkt natürlich.sorry,aber hier geht am Meereshorizont gerade der Vollmond hoch,immer diese Magnetfelder……… tststs

  8. Avatar

    Marko

    14. August 2019 22:34 at 22:34

    Also sind somit die Anleihemärkte „gottgleich“ …
    ? Das ist doch die Aussage ?

    O.k. gehen wir mal von einer Rezession aus, nur dann würden die Anleihemärkte steigen und die Zinsen fallen. Ins Negative, das da eine noch viel massivere Differenz entstünde, zwischen dem Markt und dem Anleihemarkt ist offenbar egal..

    Das würde bedeuten , das „Giralgeld“, bzw. der Geldumlaufkreis würde besteuert werden..

    Na dann, holla, die Waldfee.. 😀

    Mit Minus-Zinsen beim giralgeld bzw. / plus Zinsen für die Kreditnehmer, müsste man aber dann auch bei den Krediten rechnen müssen/können/dürfen ?

    Jeder nimmt Kredite auf und gut ist.. ! Wer das bezahlt.. ? der Sparer !

    Oder habe ich da etwas falsch verstanden.. ? die Banken geben Ihre zu bezahlenden negativen Einlagezinssätze an die Giralgeldbesitzer weiter, über Minuszinsen und die Menschen , die Kredite zahlen müssen , sei es wegen eine Immobilie , da bleibt alles beim Alten… ?

    Wieso soll „nur“ der deutsche Staat keine Zinsen bezahlen, wieso nicht Plus-Zinsen für Kredite für alle ? 😀

    Wenn die Banken konsequent sind, müssen die Banken auf Kredite 0 % Zinsen anbieten, egal auf was ! (bei sicheren Kunden sogar positiv – Zinsen auf Kredite ! )

    Ob das so schlau wäre, sei mal dahingestellt ? 😉 😀

    • Avatar

      BrettonWood

      15. August 2019 06:47 at 06:47

      Diese Utopien sind ein guter Indikator wo der Markt steht. Warum nicht Minuszinsen für alle? Also diese Antwort sollte man sich selbst geben können. Wenn man negativ Zinsen auf den Konten zahlen muss lassen die Leute eben das Geld nicht mehr auf der Bank, gerade die Deutschen oder Schweizer nicht, den diese sind Nettosparer und nicht Nettoschuldner, das heisst der negative Effekt auf eine Volkswirtschaft die Nettosparer sind ist grösser als der positive das ändert sich dann wenn man Nettoschuldner ist wie die Amis, dann ist der positive Effekt gross, da die Last die alle tragen müssen in Form von Negativzinsen auf den Aktiven geringer ist als die Kreditzinsen die ich erhalte (im Total). Volkswirtschaften die Nettosparer sind würden in der Folge:
      Noch mehr in Sachwerte gehen
      Geld von den Konten abziehen

      Nun haben die Banken ein Problem die kurzfristigen Gelder die Sie mit Negativszinsen belasten schwinden, weg in die Aktien, Immobilien, Edelmetallmärkte und gleichzeitig stehen langfristige Kostenblöcke von Krediten welche Zinskosten auslösen, so funktioniert die Fristentransformation nicht, das Eigenkapital schwindet in 0, nichts in den megativen Bereich (3-5% sind rasch weg) und die Banken müssen mit Staatsgeld unterlegt werden, da sie die langfristigen Pflichten nicht mehr erfüllen können.

      Das grosse Institutionelle mit der digitaliserung neu die Möglichkeit haben, zB Hypothekendarlehen direkt zu vergeben ggf über eine Serviceplattform führt dazu das noch ein Hauptbereich parallel am Wegbrechen ist für die Banken.

      Auch wenn es natürlich nicht wahr ist, hat halt ein Staat immer die bessere Benität als ein Einzelner, auch Griechenland hat die bessere Bonität wie du und ich, daher müssen die auch kaum oder keine Zinsen zahlen und wir bezahlen immer noch mehr oder weniger die gleichen Zinsen.

      Wobei auch dies wird sich ändern, aber nicht aus dem von dir beschriebenen Mechanismus, sondern aus dem Ruinösen Preiskampf heraus, wenn man nur noch, wenn auch wenig Geld zB mit Hypotheken verdienen kann, dann werden die Anbieter den Markt bzw Ihre Marge mit immer tieferen Angeboten zerstören. Es ist ja besser wenn ich eine Hypothek zu 0.01 verleihe als der EZB -0.4 zu zahlen, und da ist es auch noch besser eine Hypothek zu geben für -0.1 als -0.4

      Am Schluss steht immer die Frage was ist die Alternative, das Problem ist das die Banken kaum langfristige Gelder halten und nur wenig EK haben, das ist schon bei positiven Zinsen immer eine Herauaforderung.

      Die Bank hat immer nur 5% des Geldes wirklich verfügbar das Sie allen Leuten schuldet. Desshalb ist ein bankrun auch gefährlich gut von ganzen existierenden Geld (Giral& Bar) sind Weltweit gerade mal ca 3% als Münzen und Noten tatsächlich verfügbar der Rest existiert sowieso nur im Computer, 97% der Geldmenge M0 ist nicht mehr oder weniger als ein Bitcoin, alleine ein digitaler Eintrag. Bargeld ist insofern bereits selten.

      Wenn es jun negative Zinsen gibt für Schulden dann ist dass das sichere Ende, die Verschuldung wird dann auf in Niveau gehoben welche man nie mehr bedienen kann. Stell dir mal vor du müsstest ka nur genügend Kredit aufnehmen und du würdest jedes Jahr soviel Geld bekommen wie du heute Lohn hast….wer soll den noch arbeiten? So Funktioniert das halt einfach nicht….wer soll dieses Geld erwirtschaften? Niemand genau es kann gar niemand mehr erwirtschaften da niemand mehr arbeitet Kredit halten reicht zum Leben….das gibt Hyperinflation den die Geldmenge kann nur Gedruckt werden….

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Anleihen

Fed wird die Zinsen vorerst nicht weiter senken

Avatar

Veröffentlicht

am

Von

Ein Kurzkommentar zur US-Notenbank Fed vor der heutigen Zinsentscheidung von Thorsten Polleit

Der US-Leitzins befindet sich aktuell in einer Bandbreite von 1,50–1,75 Prozent, und es ist sehr wahrscheinlich, dass der Rat der US-Zentralbank (Fed) ihn auf seiner heutigen Sitzung unverändert lässt. (Die Entscheidung wird um 20:00 Uhr bekannt gegeben.)

Die Fed hat die Federal Funds Target Rate in 2019 bereits drei Mal gesenkt (am 31. Juli, 18. September und 30. Oktober, jeweils um 0,25 Prozentpunkte). Diese Zinsschritte waren die Reaktion auf:

(1) eine befürchtete Konjunkturverlangsamung, vor allem aufgrund der anhaltenden US-China-Handelsstreitigkeiten und

(2) die wiederholten Aufforderungen von US-Präsident Donald J. Trump, die Notenbank solle endlich die Zinsen absenken und damit die Wirtschaft beleben.

Zinsen zu niedrig

Doch weder die Daten zur US-Wirtschaftslage noch die zur Inflationsentwicklung haben in den letzten 12 Monaten eine weitere Zinsreduktion empfohlen.

Im Gegenteil: Der US-Leitzins ist – gemessen an allen Bewertungsmaßstäben – zu niedrig, und er müsste eigentlich angehoben werden; das weiß man vermutlich auch in der Fed.

Daher werden die Notenbankräte mit ihren Kommentaren vorerst wohl versuchen, weitere Zinssenkungserwartungen aus den Märkten zu vertreiben.

Mit ihren bisherigen Zinssenkungen hat die Fed sprichwörtlich aufs Gaspedal getreten: Sie hat die Fed die Kredit- und Kapitalkosten weiter künstlich abgesenkt und die Vermögenspreisinflation angeheizt.

Das belebt zwar die Konjunktur, provoziert jedoch Überkonsum, Fehlinvestitionen und Schuldenexzesse, die Ungleichgewichte im Finanz- und Wirtschaftssystem aufbauen und die Wahrscheinlichkeit für erneute krisenhafte Erschütterungen erhöhen.

Positive Perspektive für Gold

Es ist vermutlich die Sorge vor einer „geldpolitischen Überdosis“, einhergehend mit einer heruntergestuften Rezessionswahrscheinlichkeit für die Weltwirtschaft, die die weltweiten Anleihemärkte jüngst dazu gebracht hat, eine leichte „Korrektur“ zu vollziehen:

Seit etwa Spätherbst haben die Langfristzinsen angezogen. Beispielsweise liegt die Rendite für zehnjährige japanische Staatsanleihen wieder leicht über der Nulllinie. Der langfristige Abwärtstrend der Zinsen wird dadurch jedoch noch nicht gebrochen.

Der jüngste Preisrückgang des Goldes (am 23. September erreichte er 1.525,3 USD/oz) auf etwa 1.460 USD/oz dürfte insbesondere eine Reaktion auf die voranstehend genannte Zinsmarktbewegung sein. Das sollte sich jedoch bald schon als eine kurzlebige Preisreaktion erweisen.

Denn die Zinsen werden dies- und jenseits des Atlantiks niedrig bleiben beziehungsweise ihren Abwärtstrend fortsetzen – die Schuldenlasten sind längst zu groß geworden, als dass die Zinsen wieder steigen könnten.

Im Jahr 2020 – einem Präsidentenwahl – ist es aus unserer Sicht zudem recht wahrscheinlich, dass die Fed dem politischen Druck erneut nachgibt und die Zinsen weiter senkt.

Ein aus unserer Sicht wahrscheinliches Szenario ist, dass die Fed ihren Zins am 17.–18. März 2020 und am 9.–10. Juni 2020 um jeweils 0,25 Prozentpunkte absenkt wird.

Schlechte Nachrichten also für Sparer. Schon jetzt erleiden die bei Banken gehaltenen Sicht-, Termin- und Sparguthaben eine reale (d. h. nach Abzug der Inflation) Null- oder gar Negativverzinsung.

Für langfristig orientierte Anleger bietet es sich daher an, Goldanstelle von Termin- und Spareinlagen zu halten. Gold kann nicht durch die Zentralbankpolitik entwertet werden. Es trägt zudem auch kein Zahlungsausfallrisiko wie Bankguthaben.

Die Fed wird die Zinsen unverändert lassen

weiterlesen

Anleihen

Repo-Markt: Cash Crunch wegen Hedgefunds?

Wie die Fed den Kollaps von großen Hedgefunds verhinderte

Avatar

Veröffentlicht

am

Sind extrem stark gehebelte Hedgefunds die Ursache gewesen für das Chaos (Cash Crunch) am amerikanischen Repo-Markt? Ein Bericht der BIS (Bank for International Settlement; zu deutsch „Bank für Internationalen Zahlungsausgleich“), gewissermaßen die Notenbank der Notenbanken, legt das nahe. Am 16.September waren die Zinsen am US-Geldmarkt massiv nach oben geschossen – erste Erklärungen lauteten damals: US-Banken müssten Steuern bezahlen und gleichzeitig hätten die USA große Volumina an Anleihen auf den Markt gebracht.

Das mögen Faktoren gewesen sein, so die BIS, aber das reiche als Erklärung eben nicht aus („Yet none of these temporary factors can fully explain the exceptional jump in repo rates“). Aber vieles hängt gleichwohl mit der immensen Neuverschuldung der Trump-Administration zusammen, die vor allem kürzer laufende Staatsanleihen emittiert, um eben diese Neuverschuldung zu refinanzieren.

Und es sind vier große US-Banken, die sich mit diesen neu auf den Markt gebrachten Anleihen vollgesogen haben. Warum? Weil die Fed ab Oktober ihre Bilanz reduzierte, was die überschüssigen Cash-Reserven, die die großen Banken bei der Fed angelegt hatten (und die in Relation zur Bilanzsumme der Fed stehen), praktisch überflüssig machte. Die Zinsen für diese Cash-Reserven (IOER, interest rate on excessive reserves) sanken unter die Zinsen, die am Repo-Markt erhältlich waren. Bei Repo-Geschäften hinterlegen Institutionen, die sich Geld leihen, Staatsanleihen oder als extrem sicher geltende Unternehmensanleihen als Sicherheit für einen kurzfristigen Kredit – der Cash-Verleiher gibt dann am nächsten Tag die als Sicherheit einbahaltenen Anleihen zurück und bekommt dafür das ausgeliehene Cash plus Zinsen wieder zurück.

Mit anderen Worten: es wurde für große Banken attraktiver, als Geld-Verleiher am Repo-Markt aufzutreten als die überschüssigen Reserven bei der Fed zu hinterlegen, weil am Repo-Markt mehr Zinsen zu vereinnahmen waren:

„After the Federal Reserve started to run down its balance sheet in October 2017, reserves contracted, quickly but in an orderly way as intended. Alongside, banks‘ holdings of US Treasuries increased, almost trebling between end-2013 and the second quarter of 2019. As repo rates started to increase above the IOER from mid-2018 owing to the large issuance of Treasuries, a remarkable shift took place: the US banking system as a whole, hitherto a net provider of collateral, became a net provider of funds to repo markets. The four largest US banks specifically turned into key players: their net lending position (reverse repo assets minus repo liabilities) increased quickly, reaching about $300 billion at end-June 2019“.

Vor allem die großen vier US-Banken wurden also zentrale Player am Repo-Markt, indem sie dort lukrativ Geld verliehen gegen die Sicherheit von (Staats-)Anleihen:

„Concurrent with the growing role of the largest four banks in the repo market, their liquid asset holdings have become increasingly skewed towards US Treasuries, much more so than for the other, smaller banks. As of the second quarter of 2019, the big four banks alone accounted for more than 50% of the total Treasury securities held by banks in the United States – the largest 30 banks held about 90%“.

Die großen US-Banken bauten also ihr Bestände an US-Staatsanleihen deutlich aus, während gleichzeitig ihre bei der Notenbank liegenden Cash-Reserven abnahmen – damit schrumpfte die frei verfügbare Liquidität jener vier großen Banken, die sie bisher vorwiegend am Repo-Markt verliehen hatten.

Als dann im August 2019 die US-Schuldenobergrenze ausgesetzt wurde, bediente sich das US-Finanzminsterium zwischen Mitte August und Mitte September bei den bei der Notenbank hinterlegten Reserven, um die schwindenden Cash-Bestände wieder aufzufüllen – sie entzog also damit dem Markt in großem Umfang Liquidität.  Während also die Banken immer mehr Staatsanleihen horteten und ihre Cash-Reserven dadurch schmolzen (was ihre Neigung, Cash zu verleihen, verringerte), brauchte der US-Staat schlicht Liquidität, die er damit dem Markt entzog.

Repo-Markt und Hedgefunds

Und nun kommen die Hedgefunds ins Spiel! Diese waren seit dem Jahr 2017 offenkundig extrem aktiv am Repo-Markt als Geld-Leiher unterwegs. Sie hinterlegten also Anleihen, um dafür Cash zu bekommen – und mit diesem geliehenen Cash betrieben sie offenkundig Arbitrage-Geschäfte, indem sie Preisdifferenzen zwischen den am Cash-Markt für Anleihen bezahlten Kursen und Derivaten ausnutzten, um damit eine (geringe) Marge zu erzielen.

Mit den geliehenen Geldern wiederum kauften sie neue Staatsanleihen, die sie wiederum als Sicherheit am Repo-Markt hinterlegten – um damit dann wieder neue Anleihen zu kaufen und so weiter und so weiter. Als Gegenpart bei dieesen Geschäften traten offenkundig amerikanische Geldmarktfonds (MMF, money market funds) auf, die die Anleihen als Sicherheit annahmen und dafür Cash verliehen an diese Hedgefunds:

„Shifts in repo borrowing and lending by non-bank participants may have also played a role in the repo rate spike. Market commentary suggests that, in preceding quarters, leveraged players (eg hedge funds) were increasing their demand for Treasury repos to fund arbitrage trades between cash bonds and derivatives. Since 2017, MMFs have been lending to a broader range of repo counterparties, including hedge funds, potentially obtaining higher returns.“

Diese Geldmarktfonds hatten zuvor starke Zuflüsse erlebt an Geldern, weil viele Investoren glaubten, dass in den SA eine Rezession bevor stünde und daher in vermeintlich sicheren Geldmarktfonds ihre Mittel parken wollten. Als diese Konjunktur-Sorgen dann aber wieder schwanden, erwarteten die Geldmarktfonds offenkundig, dass wieder Mittel abgezogen werden würden von diesen Investoren – weshalb sie offenkundig mit der Verleihung von Cash deutlich zurückhaltender wurden:

„During September, however, quantities dropped and rates rose, suggesting a reluctance, also on the part of MMFs, to lend into these markets . Market intelligence suggests MMFs were concerned by potential large redemptions given strong prior inflows“.

Faktisch musste also die Fed eingreifen, um einen Kollaps am Repo-Markt zu verhindern. Besorgniserregend ist dabei besonders, dass offenkundig hoch gehebelte Hedgefunds mittels Arbitrage-Geschäften mitmischten – und plötzlich vor dem Nichts standen, weil Liquidität und Cash plötzlich extrem teuer wurden. Gleichwohl besteht täglich ein Refinanzierungs-Bedarf für diese Hedgefonds – und hätte die Fed nicht eingegriffen, wären diese Hedgefunds (vor allem wohl Citadel, Millenium und Point 72) aus Mangel an Liquidität vermutlich kollabiert. Das weckt Erinnerungen an den Kollaps des Hedgefunds LTCM in den späten 1990er-Jahren.

Und das wiederum zeigt: die Dinge gehen so lange gut, bis sie eben nicht mehr gut gehen. Wohl dem, der eine Fed als Retter hat!

Die Fed trat am Repo-Markt als Retter auf

weiterlesen

Anleihen

Schulden: Der Auslöser der nächsten Krise

Über einen Brandbeschleuniger, den auch die US-Notenbank Fed nicht beseitigen kann

Avatar

Veröffentlicht

am

Jetzt hat auch der Präsident der Notenbank von Dallas, Robert Kaplan, darauf hingewiesen: Die Entwicklung am US-Anleihemarkt mit einem massiven Anstieg der Schulden der Unternehmen hat eine gefährliche Situation geschaffen, über die man in verantwortlichen Kreisen nicht mehr hinwegsehen kann. Die (schlechte) Qualität und auch Quantität der Unternehmensanleihen hat eine solche Dimension angenommen, dass es selbst ohne eine US-Rezession schon zu einer Krise im Junkbond-Sektor kommen kann, mit weitreichenden Folgen für die Kapitalmärkte.

Markus Fugmann hat gestern in seinem Webinar die Sachlage anhand von vielen Fakten und aktuellen Charts sehr ausführlich erläutert. Wer sich ernsthaft mit der Entwicklung der US-Märkte befasst, wird nicht umhin kommen, die dort sichtbare Blasenbildung genau zu verfolgen. Ein Einbruch im Highyield-Sektor könnte aufgrund der extrmen Höhe der Schulden der Auslöser für die nächste große Korrektur an den Märkten sein. Auch wenn man vorsichtig sein soll mit allerlei Crashpropheterie: nach der Dotcom-Bubble 2000 und der Hypotheken-Bubble 2007 könnte die Junkbonds-Bubble die nächste große Krise auslösen. War es in der Finanzkrise die große Hebelung der Geldverleiher, die die Krise auslösten, so dürfte die nächste Krise durch die massiven, nicht mehr tragfähigen Schulden der Unternehmen ausgelöst werden!

Die abnehmende Qualität der Schulden von US-Unternehmen

Wie gestern im Webinar dargestellt, hat die Entwicklung der Schulden von US-Unternehmen seit der Finanzkrise schon extreme Züge angenommen:

Der massive Ansteig der Unternehemnsschulden wird ein Problem für die Geldpolitik

Dabei geht es nicht so sehr um die Gesamtsumme der Verschuldung in Höhe von 10 Billionen Dollar, es ist mehr die Qualität der Schulden der Unternehmen, die sich nur noch knapp über dem Non-Investmentgrade-Bereich befinden. Diese haben sich seit 2009 schlichtweg verdreifacht.

Wo liegt jetzt hier das große Problem? Anders als bei den Staatsanleihen kann die US-Notenbank im Bereich der Unternehmen nicht so einfach ein weiteres Quantitative Easing-Programm (QE4) auflegen, um die Renditen der Schulden zu drücken. Nach meinem Kenntnisstand fehlt hierfür die gesetzliche Grundlage für eine solche Geldpolitik.

Bei einer Abschwächung der US-Konjunktur und der derzeit zu beobachtenden Verschlechterung der Unternehmensmargen könnten die US-Ratingagenturen gezwungen sein, die Bonität der Unternehmen abzustufen. Das bedeutet vom BBB-Bereich auf Junkbond-Niveau, was in der Dimension gewaltige (negative) Auswirkungen nach sich ziehen muss: Große Kapitalanleger wie Versicherungen und Pensionsfonds dürfen diese Risikobonds dann eben nicht in ihren Portfolios halten – man müsste sie auf den Markt werfen (sprich verkaufen).

Doch welche Investoren würden diese bonitätsschwachen Titel kaufen und das in Milliardenhöhe? Der perfekte Sturm am Anleihemarkt, der sich durch das Anschwellen der US-Staatsverschuldung auf 23 Billionen demnächst sowieso in Daueranspannung befinden dürfte.

Es ist die Kombination von immer tieferen Leitzinsen, einer schuldenfinanzierten Steuererreform und einer Aktienrückkauforgie der Unternehmen (5,3 Billionen Dollar seit 2009, vielfach schuldenfinanziert), die in manchen Teilen der US-Wirtschaft zu einer Zombiefizierung des Unternehmenssektor geführt hat. Wie in vielen Beiträgen bei FMW, insbesondere auch von Hannes Zipfel dargelegt, vertragen die Vereinigten Staaten keine höheren Zinsen mehr. Zinsanstiege würden von mehreren Seiten sofort mehrere Blasen anstechen. Die der hoch verschuldeten Konsumenten und eben die im Webinar dargestellte Blase im BBB-Unternehmenssektor. Deshalb auch der beständige Ruf Donald Trumps an die Fed die Zinsen zu senken – am besten auf null.

Die Verspannungen am Repo-Markt

Die ganze Wirtschaftswelt rätselt über die Ursache, warum die US-Notenbank jetzt schon über Monate hinweg Unsummen von Dollar in den Overnight Market pumpt, um den Interbankensektor am Laufen zu halten. Bereits seit dem 16. September 2019, als die „Overnight Repo Rate“, also der Zinssatz, zu dem sich Banken gegen Sicherheiten Geld leihen, auf 10 Prozent hochgeschossen war, fünfmal höher als die Tage zuvor. Man relativierte das zunächst als einmaligen Engpass, aber nur um in der Folge sogar nicht nur „Übernacht-Sicherheiten“ für die Banken auszugeben, sondern sogar vierzehntägige.

Bereits über 70 Mal hat die Fed mit ihrer Geldpolitik jetzt schon den Markt manipuliert, um die Zinsen tief und damit den Interbankenmarkt am Leben zu erhalten. Man nimmt Treasuries und Mortgage Backed Securities entgegen und gibt dafür die begehrten Dollars aus. Täglich bis zu 200 Milliarden Dollar. Banken trauen sich nicht mehr über den Weg, wie es Analysten bezeichnet haben. Aber was ist der Grund? Warum funktionieren die Märkte nicht mehr?

Wird befürchtet, dass die Bond-Bubble platzt? Oder sind die Mortgage Backed Securities (MBS, Hypotheken-besicherte Wertpapiere) das Problem?

Fazit

Das Problem der schlechten Bonität der Unternehmensanleihen am Ende eines schon über 10 Jahre andauernden Wirtschaftsaufschwungs ist unübersehbar geworden. Wie könnte es gelöst werden? Durch ein Anziehen der Konjunktur mit Wachstumsraten von über drei Prozent, wie es US-Präsident Trump vorschwebt? Aber wie realistisch ist das? Hinzu kommt das ungeklärte Thema Repo-Markt. Die Federal Reserve kennt die Ursache, genauso wie einzelne US-Geschäftsbanken auch. Dummerweise werden die Gegenparteien der Repo-Geschäfte erst mit einer Verzögerung von zwei Jahren veröffentlicht. Für den Kleinanleger dürfte das Wissen dann eindeutig zu spät kommen.

Auf alle Fälle werden US-Regierung und die US-Notenbank versuchen, einen Einbruch an den Kapitalmärkten, besonders im Wahljahr 2020, so lange wie möglich hinauszuschieben. Wie lange wird das möglich sein? Dies steht, wie auch die Frage nach dem Auftreten der Rezession, wie immer in den (Wirtschafts-)Sternen.

Die immensen Schulden sind das große Risiko für die Finanzmärkte

weiterlesen


Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen