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Rezession – heute das Signal vom US-Anleihemarkt!

Wann kommt eine Rezession – und kann man sie vorhersagen? Blickt man auf die Geschichte der Finanzmärkte, lautet die Antwort: ja!

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Wann kommt eine Rezession – und kann man sie vorhersagen? Blickt man auf die Geschichte der Finanzmärkte, lautet die Antwort: ja, man kann sie vorhersagen. Genauer: die Anleihemärkte sagen regelmäßig korrekt das Eintreten einer Rezession voraus! Mithin sind also die US-Anleihemärkte ein viel besserer Prognostiker als jeder Volkswirt..

Bekanntlich ist die Zinskurve in den USA weitgehend invertiert, sprich: für Anleihen mit kürzerer Laufzeit erhalten Käufer mehr Rendite als beim Kauf von Anleiihen mit längerer Laufzeit. So lag heute morgen die Rendite für eine 3-Monate laufende US-Anleihe derzeit bei 2,01%, die Rendite der 10-jährigen US-Anleihe jedoch nur bei 1,65%. Und das ist schon deshalb ungewöhnlich, weil naturgemäß die Risiken bei längeren Laufzeiten für den Investor eigentloch höher ist, schlicht weil der Zeitraum länger ist, in dem etwas „schiefgehen“ kann.

Wenn die Zinskurve so eindeutig invertiert ist wie derzeit, dann kann das eigentlich nur zweierlei bedeuten: die Märkte erwarten einen Zinssenkungszyklus, weswegen die kürzer laufenden Anleihen höher rentieren als länger laufende Anleihen, weil letztere von diesem Zinssenkungszyklus stärker betroffen sind. Oder es bedeutet: es kommt eine Rezession!

Nun gibt es zwei maßgebliche Zinskurven, auf die US-Investoren besonders achten wenn es um das Thema Rezession geht: erstens die 3-momatige und die 10-jährige US-Anleihe (deren Renditen schon viele Wochen invertiert sind), und zweitens die 2-jährige und die 10-jährige US-Anleihe. Letztere steht derzeit besonders im Fokus, weil auch sie nun kurz davor ist, zu invertieren, sprich die 2-jährige US-Staatsanleihe mehr Rendite bringt als die 10-jährige. Gestern lag der Spread, also die Renditedifferenz der beiden Anleihen, nur noch minimal über Null, nämlich bei acht Basispunkten (0,08%).

Womit wir wider beim Thema Rezession wären. Denn sämtlichen der letzten sieben Rezessionen in den USA in den letzten 50 Jahren ging eine Invertierung der Zinskurve der 2-jährigen und der 10-jährigen Anleiherendite voraus:

Der spread der 2-jährigen und der 10-jährigen gibt zuverlässig Aufschluß über das Eintreten einer Rezession
(Chart: https://www.gurufocus.com/yield_curve.php)

Daher blicken die US-Finanzmedien nun mit Argusaugen auf die Zinskurve gerade dieser beiden Anleihen. Und wahrscheinlich blickt gerade auch die mit ehemaligen Goldman Sachs-Mitarbeitern gesprickte Trump-Administration (vor allem US-Finanzminister Mnuchin) auf diese drohende Invertierung und hat daher gestern das Signal gegeben, dass man vor einer Eskalation des Handelskriegs doch zurück schreckt mit der Aufschiebung von Zöllen für zentrale Produktgruppen wie Smartphones, die besonders wichtig sind im Weihnachtsgeschäft. Denn es macht schon ein Unterschied für die ohnehin hoch verschuldeten US-Konsumenten, ob sie ein iPhone für 1000 Dollar verschenken oder eines für durch Zölle im Preis auf 1100 hochgesetzte iPhones.

Und: wenn eine Rezession kommt, wird es für Trump schwer, wieder gewählt zu werden – „it´s the economy, stupid“, wußte schon Bill Clinton wenn es um die Chancen ging, eine Wahl zu gewinnen.

Das Siganl nun für die Rezession ist soeben eingetreten: erstmals seit 2007 invertieren die 2-jährige und die 10-jährige US-Anleihe – good luck, Donald:

 

 

Die Wall Street fürchtet eine Rezession und blickt daher gebannnt auf die Anleihemärkte

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    14. August 2019 12:29 at 12:29

    Das ist jetzt vielleicht eine reichlich dumme Frage, aber besteht bei einer negativen Zinsstrukturkurve eigentlich auch eine Invertierung oder wie liest man das genau ? Weil der Chart für die deutsche Kurve sieht eigentlich nicht invertiert aus.

    • Avatar

      BrettonWood

      14. August 2019 15:28 at 15:28

      Sobald es ein – vor der Zahl hat muss man Spiegelverkehrt denken, damit man die Inverierung erkennt.

      Grösser oder positiver ist in dem Falle näher bei 0.00

      Wenn eine 10 Jährige -0.1 gibt und eine 2 Jährigen -1% dann gibts keine Invertierung, da die 10 Jährige ‚besser‘ rentiert (oder besser gesagt weniger kostet) als die 2 Jährige.

      Umso länger die Laufzeit umso tiefer der Negativzins dann ist keine Invertierung gegeben, also genau das umgekehrte wie bei positiven Zinsen da sollte bei der längsten Laufzeit auch die grösste Zahl stehen.

      Wenn wir aber (wie jetzt aktuell)
      -.01 % auf die 2 Jährige
      -1 % auf die 10 Jährige haben dann ist das ebenfalls eine invertierte Zinskurve….

      • Avatar

        Marcus

        14. August 2019 16:27 at 16:27

        Liegt das Geheimnis quasi darin sich das alles spiegelverkehrt vorzustellen ? Die Erklärung ist logisch, danke @BrettonWood.

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      Robert Schröder

      14. August 2019 15:52 at 15:52

      @ Marcus

      Wo kann man denn vergleichbare Grafik zu Deutschland einsehen?

      • Avatar

        Marcus

        14. August 2019 16:25 at 16:25

        Auf investing.com unter Bonds finde ich ist das ganz gut dargestellt.

  2. Pingback: Aktuelles und Interessantes vom 14. August 2019 | das-bewegt-die-welt.de

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    BrettonWood

    14. August 2019 15:19 at 15:19

    Die 10 Jährige Bundespbligation CHF macht aktuell täglich neue Rekordtiefsstände wir sind nun ganz knapp vor -1% auf eine 10 Jährige, ich denke -1% wird noch diese Woche durchbrochen. Invertierungen der Zinskurven gibts in der Schweiz auch schon für Retailkunden, eine 5 Jährige Festhypothek ist günstiger als die Liborhypo. Die 10 Jährige ist noch 0.02% über dem Liborsatz & die 2 Jährige und 3 Jährige Festlaufzeit ist auch bereits invertiert.

    Bald gehts auf in den ruinösen Preiskampf bzw da sind wir schon bald wird es auch in der Schweiz negative Zinsen auf Hypotheken geben die ersten Institutionellen konnten solche Geschäfte schon schliessen:
    https://www.handelszeitung.ch/invest/erste-kantonalbanken-gewahren-kredite-mit-negativzinsen

    Es brechen alle Dämme…

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    Diesel

    14. August 2019 17:27 at 17:27

    Danke @Markus! Eine sehr gute Quelle

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    Diesel

    14. August 2019 17:40 at 17:40

    @BrettonWood Der Stein scheint ins Rollen gebracht worden! Bin auf das Ergebnis gespannt…

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    barthez72

    14. August 2019 19:52 at 19:52

    ochh , solange man die 0 Achse nach Belieben verschieben kann läuft et doch. :-))
    Und liebe Leute biite vergesst nicht ,dass der Interbanken total gestört ist und von den ZB´s übernommen wurde.
    mfg

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    barthez72

    14. August 2019 19:58 at 19:58

    ups, Interbankenmarkt natürlich.sorry,aber hier geht am Meereshorizont gerade der Vollmond hoch,immer diese Magnetfelder……… tststs

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    Marko

    14. August 2019 22:34 at 22:34

    Also sind somit die Anleihemärkte „gottgleich“ …
    ? Das ist doch die Aussage ?

    O.k. gehen wir mal von einer Rezession aus, nur dann würden die Anleihemärkte steigen und die Zinsen fallen. Ins Negative, das da eine noch viel massivere Differenz entstünde, zwischen dem Markt und dem Anleihemarkt ist offenbar egal..

    Das würde bedeuten , das „Giralgeld“, bzw. der Geldumlaufkreis würde besteuert werden..

    Na dann, holla, die Waldfee.. 😀

    Mit Minus-Zinsen beim giralgeld bzw. / plus Zinsen für die Kreditnehmer, müsste man aber dann auch bei den Krediten rechnen müssen/können/dürfen ?

    Jeder nimmt Kredite auf und gut ist.. ! Wer das bezahlt.. ? der Sparer !

    Oder habe ich da etwas falsch verstanden.. ? die Banken geben Ihre zu bezahlenden negativen Einlagezinssätze an die Giralgeldbesitzer weiter, über Minuszinsen und die Menschen , die Kredite zahlen müssen , sei es wegen eine Immobilie , da bleibt alles beim Alten… ?

    Wieso soll „nur“ der deutsche Staat keine Zinsen bezahlen, wieso nicht Plus-Zinsen für Kredite für alle ? 😀

    Wenn die Banken konsequent sind, müssen die Banken auf Kredite 0 % Zinsen anbieten, egal auf was ! (bei sicheren Kunden sogar positiv – Zinsen auf Kredite ! )

    Ob das so schlau wäre, sei mal dahingestellt ? 😉 😀

    • Avatar

      BrettonWood

      15. August 2019 06:47 at 06:47

      Diese Utopien sind ein guter Indikator wo der Markt steht. Warum nicht Minuszinsen für alle? Also diese Antwort sollte man sich selbst geben können. Wenn man negativ Zinsen auf den Konten zahlen muss lassen die Leute eben das Geld nicht mehr auf der Bank, gerade die Deutschen oder Schweizer nicht, den diese sind Nettosparer und nicht Nettoschuldner, das heisst der negative Effekt auf eine Volkswirtschaft die Nettosparer sind ist grösser als der positive das ändert sich dann wenn man Nettoschuldner ist wie die Amis, dann ist der positive Effekt gross, da die Last die alle tragen müssen in Form von Negativzinsen auf den Aktiven geringer ist als die Kreditzinsen die ich erhalte (im Total). Volkswirtschaften die Nettosparer sind würden in der Folge:
      Noch mehr in Sachwerte gehen
      Geld von den Konten abziehen

      Nun haben die Banken ein Problem die kurzfristigen Gelder die Sie mit Negativszinsen belasten schwinden, weg in die Aktien, Immobilien, Edelmetallmärkte und gleichzeitig stehen langfristige Kostenblöcke von Krediten welche Zinskosten auslösen, so funktioniert die Fristentransformation nicht, das Eigenkapital schwindet in 0, nichts in den megativen Bereich (3-5% sind rasch weg) und die Banken müssen mit Staatsgeld unterlegt werden, da sie die langfristigen Pflichten nicht mehr erfüllen können.

      Das grosse Institutionelle mit der digitaliserung neu die Möglichkeit haben, zB Hypothekendarlehen direkt zu vergeben ggf über eine Serviceplattform führt dazu das noch ein Hauptbereich parallel am Wegbrechen ist für die Banken.

      Auch wenn es natürlich nicht wahr ist, hat halt ein Staat immer die bessere Benität als ein Einzelner, auch Griechenland hat die bessere Bonität wie du und ich, daher müssen die auch kaum oder keine Zinsen zahlen und wir bezahlen immer noch mehr oder weniger die gleichen Zinsen.

      Wobei auch dies wird sich ändern, aber nicht aus dem von dir beschriebenen Mechanismus, sondern aus dem Ruinösen Preiskampf heraus, wenn man nur noch, wenn auch wenig Geld zB mit Hypotheken verdienen kann, dann werden die Anbieter den Markt bzw Ihre Marge mit immer tieferen Angeboten zerstören. Es ist ja besser wenn ich eine Hypothek zu 0.01 verleihe als der EZB -0.4 zu zahlen, und da ist es auch noch besser eine Hypothek zu geben für -0.1 als -0.4

      Am Schluss steht immer die Frage was ist die Alternative, das Problem ist das die Banken kaum langfristige Gelder halten und nur wenig EK haben, das ist schon bei positiven Zinsen immer eine Herauaforderung.

      Die Bank hat immer nur 5% des Geldes wirklich verfügbar das Sie allen Leuten schuldet. Desshalb ist ein bankrun auch gefährlich gut von ganzen existierenden Geld (Giral& Bar) sind Weltweit gerade mal ca 3% als Münzen und Noten tatsächlich verfügbar der Rest existiert sowieso nur im Computer, 97% der Geldmenge M0 ist nicht mehr oder weniger als ein Bitcoin, alleine ein digitaler Eintrag. Bargeld ist insofern bereits selten.

      Wenn es jun negative Zinsen gibt für Schulden dann ist dass das sichere Ende, die Verschuldung wird dann auf in Niveau gehoben welche man nie mehr bedienen kann. Stell dir mal vor du müsstest ka nur genügend Kredit aufnehmen und du würdest jedes Jahr soviel Geld bekommen wie du heute Lohn hast….wer soll den noch arbeiten? So Funktioniert das halt einfach nicht….wer soll dieses Geld erwirtschaften? Niemand genau es kann gar niemand mehr erwirtschaften da niemand mehr arbeitet Kredit halten reicht zum Leben….das gibt Hyperinflation den die Geldmenge kann nur Gedruckt werden….

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Warum die Zinsen in den USA dieses Jahr auf null fallen

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Statue of Liberty in New York

Aus diesen Gründen werden auch die Zinsen in den USA, wie in Europa und in Japan bereits geschehen, bis zum Ende des Jahres auf null fallen.

Der Trend der Zinsen Richtung null ist bereits voll im Gange

Entgegen der Erwartung vieler Marktteilnehmer kommt es nicht zu einer dauerhaften Versteilerung der US-Zinsstrukturkurve mit steigenden Renditen für länger laufende Staatsanleihen, wie ich gestern in einem Artikel bereits erläuterte. Es ist eher wahrscheinlich, dass sich ein anderes, typisches Muster wiederholt: Zunächst kommt es zu einer kurzfristigen Invertierung der Zinsstrukturkurve, die die Notenbank zwingt, die Leitzinsen zu senken. Anschließend versteilert sich die Zinsstrukturkurve und relativ kurze Zeit später fallen die Zinsen über alle Laufzeiten erneut ab.

Dieses Muster war bereits in früheren Zinszyklen, wie z. B. ab den Jahren 2001 und 2006 beobachtbar. Der generelle Trend bei den Zinsen (gelbe gestrichelte Linie) ähnelt ohnehin einer absteigenden Sinuskurve. Extrapoliert man diese, kommt man in naher Zukunft auf ein über alle Laufzeiten gegen null tendierendes Zins-Niveau. Da der Weg in Anbetracht der ohnehin schon nominal niedrigen Zinsen bis dort hin nicht mehr sehr weit ist, könnte bereits zum Jahresultimo das im US-Dollar-Raum Realität werden, was in Japan, der Schweiz, in der Eurozone und vielen anderen Währungsräumen bereits Realität ist: Zinsen auf oder unter null.

Zinsen in den USA - kurzfristig vs langfristig

Das US-Zinsniveau folgt dem globalen Megatrend

Angesichts von negativ verzinsten Anleihen in Höhe von aktuell 11,5 Billionen US-Dollar weltweit ist die Annahme, dass die Zinssätze in den USA in Kürze wieder steigen werden, unrealistisch. Noch vor fünfeinhalb Jahren, also Mitte des Jahres 2014, war dieses Phänomen der negativ verzinsten Anleihen völlig unbekannt. Vor genau einem Jahr befand sich das Volumen negativ verzinster Anleihen weltweit noch bei 8,3 Billionen US-Dollar (am 23. Januar 2019). In der Spitze stieg dieses Niveau bereits auf 17,0 Billionen US-Dollar an (am 28. August 2019). Nun steigen diese Volumina erneut und liegen im zweistelligen Billionenbereich (die Amerikaner sagen „Trillions“).

Da die USA über ein Spitzen-Rating verfügen und der US-Dollar nach wie vor die Weltleitwährung darstellt, mit der man am Weltmarkt alles Wichtige kaufen kann, wird so lange Geld in nominal sichere US-Staatsanleihen fließen, bis auch deren Zinsen mindestens bei null, wenn nicht sogar darunter liegen. Diese globale Zinsarbitrage ist ein Garant für weiter sinkende Renditen bei US-Staatsanleihen und dementsprechend weiter steigenden Kursen bei diesen Papieren.

Die US-Notenbank Fed hat keine andere Wahl, als die Zinsen weiter zu senken

Die Tatsache, dass die Weltleitwährung US-Dollar nach wie vor höhere Zinsen bietet als andere Währungsräume, versetzt die US-Notenbank (Fed) in eine ähnliche Lage, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB). Letztere hat erst in dieser Woche erneut bekräftigt, dass man an seiner ultralaxen Geldpolitik inklusive Negativzinsen festhalten werde, auch und vor allem im Interesse der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der eidgenössischen Wirtschaft, die andernfalls durch einen zu hohen Wechselkurs stark negativ beeinträchtigt wäre.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
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Anleihen

Warum die Zinsen schon wieder fallen

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Hauptgebäude der Federal Reserve in Washington DC

Trotz des wieder aufkeimenden Konjunkturoptimismus sendet der Markt für US-Staatsanleihen ein gegenteiliges Signal zum Thema Zinsen. Was ist der Grund dafür?

Die Zinsen in den USA gehen schon wieder nach Süden

Eigentlich wollte die US-Notenbank mit den im Oktober letzten Jahres gestarteten Käufen kurzlaufender Staatsanleihen („Non-QE“-Programm) zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: zum einen die Entlastung des mit Staatsanleihen überfluteten US-Repo-Marktes und zum anderen die Versteilerung der US-Zinsstrukturkurve (Langfristzinsen höher als Kurzfristzinsen). Beide Effekte kommen ganz klar dem Bankensystem zugute, das über Anteilsbeteiligung an der Fed of New York, die für die operative Umsetzung des „Non-QE“ zuständig ist, einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Entscheidungen der privaten Niederlassung des US-Reserve-Systems hat.

Doch wie ich bereits in einem früheren Artikel vermutet hatte, wird aus dem zweiten Teil des Plans nichts, wie die aktuelle Entwicklung der US-Zinsen bestätigt. Die hohe Nachfrage heimischer und internationaler Investoren sorgt dafür, dass die Zinsen in den USA auch am langen Ende der Kurve wieder sinken und sich dementsprechend die Zinsstrukturkurve erneut verflacht, was die Kreditmargen der Geschäftsbanken schmälert.

Betrug die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen Anfang Januar noch ca. 1,95 Prozent, so sind es aktuell mit 1,764 Prozent bereits knapp 19 Basispunkte weniger. Die Kurzfristzinsen verharren mit 1,55 Prozent (Dreimonatszins) am unteren Ende des US-Leitzinsbandes von aktuell 1,5 – 1,75 Prozent (Fed Funds Rate). Der Chart signalisiert bei den Langfristzinsen eine Top-Bildung, die den kurzen Ausreißer nach oben schon wieder beenden könnte.

Zinsen für US-Staatsanleihen - Chart seit Anfang 2019

Trotz des wieder spürbar zunehmendem Konjunkturoptimismus (außer bei den CEOs der Konzerne) und der anhaltenden Euphorie an den US-Aktienmärten, wird der „Sichere Hafen“ US-Staatsanleihen von den Marktteilnehmern wieder vermehrt angefahren.

Der wesentliche Grund für die sinkenden Zinsen in den USA

Schaut man sich die globale Zinslandschaft an, dann fällt es schwer, bei akzeptablem Bonitätsrisiko noch Jahreskupons mit einer Eins vor dem Komma zu finden. In der Eurozone sind beispielsweise bis auf die zehnjährigen Staatsanleihen Italiens, Portugals und Griechenlands alle anderen Staatsanleihen nominal negativ verzinst. Und selbst die drei Südländer mit positiven Anleihekupons bieten deutlich weniger Zinsen als die US-Staatsanleihen. Kein Wunder also, dass auch europäisches Kapital auf der Suche nach risikolosem Passiveinkommen US-Bonds präferiert. Das Gleiche gilt für die Japaner.

Schlechte Zeiten für die Zinsmargen der US-Banken

Für die Profitabilität des Kreditgeschäfts der US-Banken ist die erneute Verflachung der US-Zinsstrukturkurve eine schlechte Nachricht. Die Differenz zwischen der Ausleihrate bei der US-Notenbank und der Verleihrate für Kredite an Kunden schmilzt schon wieder auf historisch niedrige Niveaus zusammen. Mit 0,4 Prozent Zins-Spread lässt sich im Kreditgeschäft kein Blumentopf gewinnen, zumal der Wettbewerb der Banken um potenzielle Schuldner in den USA weiter zunimmt. Die Zinsen am langen Ende der Zinsstrukturkurve gelten als Benchmark für Immobilien-, Automobil-, Studenten- oder Konsumdarlehen. Lediglich im Kreditkartengeschäft sind die Margen noch auskömmlich (dank Wucherzinsen im zweistelligen Prozentbereich).

Zinsen Strukturkurve für die USA

Fazit und Ausblick

In Anbetracht der globalen Zinswüste bei gleichzeitig weltweit sprudelnder Quellen frischer Notenbankliquidität wundert es nicht, dass das renditesuchende Kapital den Hafen ansteuert, wo es bei relativ geringem Bonitätsrisiko (S&P-Rating für die USA : AA+) noch Zinsen mit einer Zahl größer null vor dem Komma zu holen gibt. Darüber hinaus setzt sich der langfristige, auch wesentlich von der globalen Überschuldung erzwungene Abwärtstrend weiter fort. Da man dem Rentenmarkt mehr ökonomische Intelligenz, als dem Aktienmarkt zutraut, da sich hier mehr Profis tummeln (so jedenfalls die These), folgt der Markt diesem Trend unbeirrt. Wohlwissend, dass die US-Notenbank in Anbetracht der Explosion des US-Defizits langfristig ohnehin den Großteil der Staatsverschuldung, analog zu Japan, aufkaufen und die Zinsen auf null senken wird.

Solange die Inflation kein Problem darstellt, bleiben Staatsanleihen der USA daher auch für Privatanleger als Absicherungsinstrument fürs eigene Portfolio attraktiv. Neben einer laufenden Verzinsung steigen die Kurse besonders dann stark an, wenn die Aktienmärkte irgendwann einmal heftiger korrigieren sollten und von Aktien in diesen „Sicheren Hafen“ umgeschichtet wird. Das den US-Bonds innewohnende Währungsrisiko sollte man zusätzlich mit einer adäquaten Portion Gold im Portfolio absichern, da das gelbe Edelmetall ebenfalls als „Sicherer Hafen“ gilt und zudem negativ zum US-Dollar korreliert (Gold steigt i. d. R., wenn der US-Dollar vs. Euro fällt).

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Anleihen

Rendite – Anleihen der Südländer als Objekt der Begierde

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Die Politik der Europäischen Zentralbank bringt viele Investoren in Anlagenotstand: Vor allem Großinstitutionelle, die nach ihren Anlagerichtlinien verpflichtet sind, Anleihen zu kaufen (und zu halten) und daraus die Rendite für ihre Verpflichtungen zu erwirtschaften. Mittlerweile ist das fast ein Ding der Unmöglichkeit, denn die letzten, mehr und mehr auslaufenden und gut rentierlichen Langläufer müssen demnächst ersetzt werden. Zusätzlich ist die EZB seit November weiter als Aufkäufer mit 20 Milliarden Euro pro Monat tätig und sorgt für eine Verknappung des Angebots.

Rendite: Der Drang in den Süden

Der Kampf um Rendite ist sehr gut an den Daten der elektronischen Handelsplattform Tradeweb erkennbar: Ende Dezember notierten 56 Prozent aller ausstehenden Staatsanleihen der Euro-Zone leicht im Minus. In Deutschland waren es über 80 Prozent, in Spanien 45 Prozent und selbst im hochverschuldeten Italien 25 Prozent. Damit verbessert die Zentralbank unwillkürlich die Situation der Staatsschulden in verschiedenen Staaten der EU-Zone und betreibt damit Staatsfinanzierung, auch wenn sie es niemals so bezeichnen würde. Die südeuropäischen Staatsanleihen sind gefragter denn je, wie es die jüngsten Anleiheauktionen beweisen, der Run in den Süden geht weiter. Beispiele:

Für eine neue, zehn Milliarden Euro schwere 10-jährige Staatsanleihe aus Spanien gab es mit 50 Milliarden Euro die höchste bisher verzeichnete Nachfrage eines europäischen Staates bei einer Auktion. Ähnlich hoch war auch die Nachfrage nach einer italienischen 30-Jährigen – 47 Milliarden Euro – , man gab sich mit sieben Milliarden Euro zufrieden. Investoren glauben an die Zuverlässlichkeit der EZB und spekulieren darauf, dass es infolge der weiteren Käufe durch die Zentralbank bald zu einer Verknappung des Angebotes kommen könnte.

Anders die Situation in Deutschland: Wie bereits berichtet, gab es bei der Emission neuer 10- und 30-jähriger Staatsanleihen eine so genannte Unterdeckung, was bedeutet, dass die Nachfrage nach den Nullkupon-Anleihen geringer war, als das Angebot.

In Summa entsteht durch diese Käufe der Investoren mit ihrem Kampf um Rendite eine absurde Divergenz zwischen Risiko und Ertrag bei Anleihen nach früheren Maßstäben. Demzufolge hat der (Fast)-Pleitestaat Griechenland auch niedrigere Zinsen als der (vermeintlich) sicherste Schuldner der Welt – die USA.

Der aktuelle Vergleich der Renditen für die 10-Jährigen lautet: Griechenland 1,402 Prozent – USA 1,794 Prozent.

Die Effekte der bisherigen Bilanzausweitung der EZB auf die Rendite

Das ständige Intervenieren am Markt für Anleihen durch die EZB hat trotz fallender Zinsen in den letzten Jahren doch noch zu recht ansehnlichen Renditen der Bonds geführt. Grund hierfür ist natürlich der Kursanstieg von Anleihen, der selbst beim Sturz in den negativen Verzinsungsbereich stattfindet.

In den vergangenen fünf Jahren konnten Anleger mit Staatsanleihen der Euro-Zone noch 2,5 Prozent pro Jahr verdienen, bei Unternehmensanleihen mit vernünftigem Rating waren es auch noch 2,3 Prozent. Auf Sicht der ganzen Dekade betragen diese Erlöse sogar durchschnittlich 4,3 Prozent bei EU-Staatsanleihen, beziehungsweise 4,1 Prozent bei Unternehmensanleihen.

Die Zinsen sind weiter gefallen, mit Nullkupons und Renditen im Minusbereich.

Aber der Minuszins schafft mehr und mehr Probleme, wie die schwedische Zentralbank mit ihrer Leitzinsanhebung ganz klar zum Ausdruck gebracht hat.

Und hiermit verschärft sich das Problem mit der Zinssituation in Europa.

Fazit

Aus den oben angeführten Überlegungen ergibt sich sehr anschaulich die Zwangslage für die europäische Notenbank im Hinblick auf ihre Anleihekäufe. Die Kurse liegen absonderlich hoch, die Zinsen ebenso niedrig aber damit wird auch sofort erkennbar, was passieren würde, sollte sich die Zentralbank als Käufer am Markt zurückziehen oder sogar ihre Bilanz zurückführen. Ein sofortiger Sprung bei der Rendite für viele Länder wäre die Folge, die Zinsbelastung schösse in die Höhe.

Damit wird klar: Die Anleihen der EZB dürften nie mehr am Markt auftauchen, sondern werden irgendwann einfach ausgebucht werden, um einen Finanzierungskollaps der Staaten zu verhindern. Man muss nur nach Japan blicken, wo die Bank of Japan schon die Hälfte der Staatsschulden in den eigenen Büchern hält. Unmöglich diese wieder am Markt loszuwerden. Das große Experiment der Notenbanken. Wohin wird es irgendwann führen? In Vertrauensverlust und Inflation?

Auf der Jagd nach Rendite kaufen Investoren südeuropäische Anleihen

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