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Tiefpunkt im Markt noch nicht erreicht Rezession: Investmentbanken skeptisch gegenüber Aktien – TINA zu TARA

Rezession: Investmentbanken skeptisch gegenüber Aktien - TINA zu TARA

Wegen hoher Renditen sowie einer möglichen Rezession bleiben Investmenthäuser wie Goldman Sachs und BlackRock skeptisch gegenüber Aktien. Der verschärfte Straffungskurs der US-Notenbank Fed hat zuletzt abermals zu Turbulenzen am Aktienmarkt geführt. Ausgelöst wurden diese durch den dritten großen Zinsschritt von 75 Basispunkten in Folge sowie den falkenhaften Aussagen von Jerome Powell. Die Fed will an ihrer straffen Gangart festhalten, ungeachtet eines Wirtschaftsabschwungs. Daher rechnet der Markt seit der letzten Fed-Sitzung mit einem längeren Zinserhöhungszyklus als noch zuvor. Der restriktive Kurs der Fed hat zudem einen Höhenflug bei den Renditen der Staatsanleihen ausgelöst, wodurch es wieder eine Alternative zu Risikoanlagen wie Aktien gibt.

Rezession: Goldman Sachs und BlackRock pessimistisch für Aktien

Laut Bloomberg sind Goldman Sachs und BlackRock auf kurze Sicht pessimistischer gegenüber Aktien und warnen, dass die Märkte das Risiko einer globalen Rezession noch nicht vollends eingepreist haben. Die Strategen von Goldman weisen auf die steigenden Realrenditen als großen Gegenwind hin und stufen Aktien in ihrer globalen Allokation für die nächsten drei Monate auf Untergewichten zurück, während sie Cash weiterhin übergewichten. BlackRock rät den Anlegern indessen, „die meisten Aktien zu meiden“, und fügt hinzu, dass sie Aktien der Industrieländer taktisch untergewichten.

„Das derzeitige Niveau der Aktienbewertungen spiegelt das Rezessions-Risiko möglicherweise nicht vollständig wider und sollte weiter sinken, um einen Tiefpunkt im Markt zu erreichen“, schrieben Goldman-Strategen, darunter Christian Mueller-Glissmann, in einer Notiz vom Montag. Die von Goldman geschätzte Rezessionswahrscheinlichkeit ist nach dem jüngsten Ausverkauf am Anleihenmarkt auf über 40 % gestiegen, was historisch gesehen auf ein erhöhtes Risiko für einen Aktienrückgang hindeutet.

Ähnliche Befürchtungen werden auch von Morgan Stanley und JPMorgan geäußert, nachdem Zentralbanker von den USA bis Europa ihre Entschlossenheit zur Inflationsbekämpfung bekräftigt hatten, was in den letzten Tagen zu einem freien Fall der weltweiten Aktienkurse führte. Eine Atempause scheint kaum in Sicht zu sein, auch wenn der MSCI World Index seit seinem Höchststand Mitte September aufgrund des Anstiegs der Renditen und des US-Dollars mehr als 8 Billionen Dollar an Wert verloren hat.

Wir sehen keine „weiche Landung“, bei der die Inflation schnell auf das Zielniveau von 2 % zurückkehrt, ohne die Wirtschaft dabei zu erdrücken“, schrieben die Strategen des BlackRock, darunter Jean Boivin und Wei Li, am Montag in einer Mitteilung. „Das bedeutet kurz- und mittelfristig mehr Volatilität und Druck auf Risikoanlagen wie Aktien.“

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Von TINA zu TARA

Lange Zeit galt das Mantra TINA (There Is No Alternative) an den Aktienmärkten, dies hat sich jedoch durch den rasanten Anstieg der Renditen geändert.

Da die Volatilität an den Aktienmärkten weiter zunimmt, bleibt JPMorgan Asset auch vor dem vierten Quartal bei seiner Untergewichtung von Aktien. Das Unternehmen bevorzugt Investment-Grade-Kredite gegenüber Junk Bonds, schrieb Sylvia Sheng, Global Multi-Asset Strategist, am Dienstag und rechnet mit einem schleppenden Wachstum in den USA und einer Rezession in Europa in den nächsten 12 Monaten, meldet Bloomberg aktuell.

Ein globales Rezessionswahrscheinlichkeitsmodell von Ned Davis Research stieg kürzlich auf über 98%, was ein „schweres“ Rezessionssignal triggert. Nur bei früheren akuten Abschwüngen, wie 2020 und 2008-2009, war die Wahrscheinlichkeit derart hoch, so das Research-Unternehmen.

Die Tage des TINA-Mantras für Aktien sind vorbei, schreiben die Goldman-Strategen. Während die sinkenden Renditen die Attraktivität von Aktien seit der globalen Finanzkrise erhöht hätten, seien die Anleger nun mit TARA (There Are Reasonable Alternatives) konfrontiert. Anleihen erscheinen derzeit attraktiver und dienen in einem schwierigen Marktumfeld als sicherer Hafen, schrieben sie.

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Vom Mantra TINA zu TARA – taktisch defensiver nach kräftigem Ausverkauf von Anleihen

Goldman unterstreicht damit die pessimistische Einstellung, nachdem die US-Strategen letzte Woche ihr Jahresendziel für den S&P 500 Index von 4.300 auf 3.600 gesenkt haben. In ähnlicher Weise haben die Europa-Strategen, darunter Sharon Bell, ihre Ziele für die regionalen Aktienindizes gesenkt und ihre Prognose für das Wachstum des Gewinns pro Aktie im Jahr 2023 für den Stoxx Europe 600 Index von Null auf -10% herabgestuft, so Bloomberg.

Sowohl der S&P 500 als auch der Stoxx Europe 600 beendeten den Handel am Montag auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2020. „Dieser Bärenmarkt hat noch nicht seinen Tiefpunkt erreicht“, schrieben Bell und ihre Kollegen am Montag in einer separaten Notiz über europäische Aktien.

FMW/Bloomberg



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