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Rezession – keine Reaktion beim Dax?

Wolfgang Müller

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am

Eine Rezession in Deutschland wird immer wahrscheinlicher: Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von Deutschland dürfte im dritten Quartal abermals gefallen sein, darauf deutet nicht nur der Ifo-Index hin, der mit drei Bewegungen in einer Richtung eine sehr signifikante Prognosequalität besitzt und im August schon den fünften Monat in Folge gefallen ist. Auch hat das DIW-Konjunkturbarometer mit dem tiefsten Stand seit sieben Jahren einen Rückgang der deutschen Wirtschaft im aktuellen Quartal mit minus 0,2 Prozent quantifiziert – die technische Rezession wäre per definitionem erfüllt. Seltsamerweise reagiert der deutsche Leitindex nicht auf das sich abschwächende Wachstum.

 

Den Konjunkturabschwung gut vorhergesagt

Erinnern wir uns: Als der DAX am 23. Januar 2018 sein Allzeithoch mit 13 599 Punkten erreichte, sprach man unisono von einem synchronen, weltweiten Wirtschaftsaufschwung. Der Dax fing an in Schüben zu fallen, während kaum ein Prognosehaus noch bis in den Sommer hinein Wolken am Konjunkturhimmel sichtete. Das Dax-Tief kam dann Ende Dezember mit knapp 10300 Punkten, als alle Welt in Rezessionsangst erstarrte. Die Wirtschaftsdaten folgten dem Dax, allerdings in gebührendem Abstand, so dass bereits in Q3 2018 eine kleine Schrumpfung bekanntgegeben werden musste.

Jetzt, im Sommer 2019, wo der Dax an seinem 200-Tagesdurchschnitt entlang mäandert, wurden die Unternehmensdaten der 30 Daxkonzerne für das erste Halbjahr analysiert. Mit folgenden Ergebnissen:

So wie der Ifo-Index, der im November 2017 sein Hoch in dem seit dem Jahr 2009 laufenden Konjunkturzyklus erreicht hat, so liegen die höchsten Unternehmensgewinne auch schon fast zwei Jahre zurück. Im ersten Halbjahr 2019 sind bei über 20 Industrieunternehmen im DAX die Gewinne stark eingebrochen.
In der Summe schrumpften die Betriebsgewinne der Dax-Unternehmen um 28 Prozent und die Nettogewinne um circa 20 Prozent. Dies bei zumeist noch steigenden Umsätzen, die Gewinne hingegen waren bei zwei Drittel der Konzerne rückläufig.

Zahlreiche Gewinnwarnungen von BASF, BMW, Continental, Daimler u.a. deuten daraufhin, dass sich dies auch im zweiten Halbjahr nicht stark ändern wird. Bei manchen Unternehmen ging es mit der Liquidität schon stark an die Substanz, so dass einige Dividendenversprechen aus Reserven generiert werden mussten.

In der Gesamtbetrachtung des ersten Halbjahrs kann man zu dem Schluss kommen, dass die enttäuschende Entwicklung des Dax seit Anfang 2018 einen sehr realen betriebswirtschaftlichen Hintergrund hatte.

 

Warum aber fällt der Dax trotz wahrscheinlicher Rezession nicht weiter?

Die scheinbare Stabilität des Index ist gewiss zu einem Teil auf die unglaublich kapitalverzehrende Situation auf den Geldmärkten zurückzuführen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem in den Medien nicht für ein Engagement in Dividendentiteln geworben wird. Zudem erwarten die Investoren anscheinend keine größere Rezession auf Halbjahressicht. Man glaubt nicht an die Eskalation im Handelskrieg mit weiteren – echten und nicht nur angedrohten Eskalationen – infolge der kommenden US-Wahlen und an eine massive Unterstützung der Volkswirtschaften in Ost und West durch konzertierte Aktionen der Notenbanken.

Also nochmal an so etwas wie ein konjunkturelles Strohfeuer, aber an keinen „Mid-Cycle“, wie es die US-Notenbank bezeichnet hat. Dafür wiegen auch die strukturellen Probleme in der Eurozone zu schwer. Man scheint darauf zu setzen, dass der große Einbruch dann nicht mehr zu verhindern ist, wenn die Notenbanken ihr Zinspulver endgültig verschlossen haben.

Die schwersten Krisen gehen fast immer von der Finanzwirtschaft aus und der Bankenkenner, Dr. Markus Krall, wird nicht müde zu betonen, dass die Erosion der Bankengewinne in eine schwere Krise münden werden, wenngleich ich so meine Zweifel habe, dass man eine Krise so lange im Voraus und so präzise voraussehen kann.

Die neue EZB-Chefin heißt Christine Lagarde, die ehemalige IWF-Direktorin, die mit Milliarden Dollar Argentinien und Griechenland vor dem Untergang bewahrt hat und die sicherlich nicht tatenlos zusehen wird, wie die europäische Bankenbranche die Welt so rasch in eine tiefe Rezession reißt.

 

Trotz einer sich abzeichnenden Rezession bleibt der Dax stabil

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Hesterberg

    29. August 2019 12:03 at 12:03

    Werter Herr Müller, Kurse mäandern nicht. Ich weiß, dass Ihnen dieses Wort gut gefällt, es ist aber unpassend, weil Kursverläufe nie eine Ähnlichkeit mit einem Mäander haben.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      29. August 2019 12:45 at 12:45

      @Hesterberg. Okay, ich werde das Wort nicht mehr verwenden, aber das Dahinschlängeln eines Flusses, scheinbar ohne klare Richtung, erschien mir als Metapher einfach zu passen. Aber es gibt bestimmt bessere Formulierungen.
      Viele Grüße

  2. Avatar

    Übelkeit

    29. August 2019 12:16 at 12:16

    Analysiert doch einfach den Kursindex und nicht den durch Dividendenverzerten Performance-Index mit 0 Aussagekraft.

  3. Avatar

    franko33

    29. August 2019 13:35 at 13:35

    Hallo Herr Müller,

    danke noch einmal für Ihren Beitrag.
    Wie die meisten der Beiträge von finanzmarktwelt trifft dies zum größten Teil
    auf eine Gemeinde,die sich mit Finanzen und Weltpolitik beschäftigt und oft
    auch sehr viel Interesse mitbringt.
    Die kommenden Ereignisse tragen nicht dazu bei vor den Wählern hier in Deutschland
    als „der große Macher“dazustehen.Es wird bis zur allerletzten Minute „Schöne Neue Welt“
    gepredigt.Kompetenzen zu zeigen,können wir nicht erwarten.
    Beispiel:Vor der Lehmankrise wußten „Leute vom Fach“ schon Monate vorher,daß es so kommt.
    In der Nacht des Zusammenbruchs war in der Schaltzentrale in Berlin nahezu jeder Verantwortliche in nackter Panik.Was passiert: Man ruft den vermentlich passenden Staatssekretär zusammen mit Herrn Ackermann,der dann seine Agenda durchbringt.
    Wie oft zitiert – nur der Crash bringt die Lösung.Wir sind als Menschen so gepolt
    erst nach einer Katastrophe zu handeln.Ich hoffe als Optimist auf eine gute Lösung (??)

  4. Avatar

    Beobachtet

    29. August 2019 15:14 at 15:14

    Es mehren sich die Anzeichen für eine weniger heile Börsenwelt.
    Letzte Woche: Blackrock sagt die Notenbanken seien ausgeschossen,
    Heute: Die UBS gibt erstmals seit 2012 Verkaufsempfehlungen für Aktien,
    Zeitungsbericht: Die UBS wettet gegen Donald Trump, ( kann man googeln)
    Wird interessant sein ob es Nachahmer gibt u.das Schneeballsystem rückwärts auch läuft.

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Gold & Silber, nächster Rush nach…

Rüdiger Born

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Gold und Silber erhitzen die Gemüter, das war schon immer so und zwar völlig zu recht. Doch jetzt gibt es neuen Grund, denn eine neue schnelle Bewegung steht an. Ob diese allerdings allen Marktteilnehmern schmecken wird und wie man als Händler auf diese Bewegung sinnvoll reagieren kann, wollen wir uns in diesem Beitrag einmal genauer anschauen, denn die Wahrscheinlichkeiten stehen hier aktuell recht günstig.

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Dax: Euphoire abgebaut, die Rally kommt ins Stocken

Immer wieder startet der DAX im Minus, rauscht noch ein wenig tiefer, um sich dann im Tagesverlauf wieder zu erholen. Die Euphorie läßt nach

Stephan Heibel

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am

Wir befinden uns weiterhin in der Verarbeitung der Kursgewinne der vergangenen Wochen: Wie angekündigt pendelt der DAX kräftig hin und her, wenngleich diese Bewegung im Wochenvergleich mit +0,8% kaum zu sehen ist.

Immer wieder startet der DAX im Minus, rauscht noch ein wenig tiefer, um sich dann im Tagesverlauf wieder zu erholen. Ich vermute, dass Gewinnmitnahmen zum Börsenstart zunächst für Verunsicherung sorgen, so dass sich ein Abwärtstrend verstärkt, bis dann langfristig optimistisch gestimmte Anleger Aktien einsammeln, denen sie eine rosige Zukunft ausmalen.

So ist das Anlegersentiment diese Woche leicht gegenüber der Vorwoche angestiegen (+0,8 auf 2,0). Auch die Selbstzufriedenheit konnte leicht auf 2,5 zulegen.

Den größten Sprung gab es bei der Zukunftserwartung, die um 1,9 auf 2,8 angesprungen ist. Die Bullen haben also wieder klar die Oberhand. Und besser noch, sie wollen ihre optimistische Überzeugung auch durch Käufe zum Ausdruck bringen: Die Investitionsbereitschaft ist auf 1,4 gestiegen.

Damit hat die Seitwärtsbewegung im DAX der vergangenen zwei Wochen die Partylaune, den Überschwang beseitigt. Eine positive Grundstimmung bleibt. Für die Zukunft sehen Anleger nach diesen zwei Wochen der Bereinigung wieder positiver. Damit haben wir eine konstruktive Entwicklung im Anlegersentiment. Die Euphorie ist abgebaut, es besteht jedoch auf der anderen Seite noch kein Druck für bald steigende Kurse. Die Situation ist derzeit als neutral zu bezeichnen.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger stieg erstmals seit September über Null an: Erstmals spekulieren wieder mehr Anleger auf steigende Kurse, als dass man sich gegen Kursverluste absichert.

Profis, die sich über die Eurex absichern, haben ihre Put-Positionen hingegen hochgefahren: Das Put/Call-Verhältnis zeigt eine gestiegene Absicherungstätigkeit der Profis an.

Dies steht im Widerspruch zu den US-Anlegern, deren Put/Call-Verhältnis weiterhin extrem niedrig ist: In den USA spekuliert man offensichtlich auf eine Fortsetzung der Rallye.

US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote sogar auf das höchste Niveau der vergangenen zwei Jahre gehievt: Über Hebelprodukte ist die Investitionsquote auf 113% des verwalteten Kapitals gestiegen.

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger steht bei 8% und zeigt einen nur noch leichten Bullenüberhang auf. Seit November ist der Bullenüberhang somit von 28% kontinuierlich zurückgegangen. Ein ähnliches Bild gibt auch die AAII-Umfrage unter Privatanlegern der USA wider. Das Bärenlager erhält Zulauf, wenngleich auf niedrigem Niveau.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 67% eine neutrale Marktverfassung an.

Dax: Interpretation des Sentiments

Sowohl in Deutschland als auch in den USA haben wir eine deutliche Stimmungsabkühlung gesehen, während gleichzeitig der Zukunftsoptimismus angestiegen ist. Eigentlich eine gute Voraussetzung für den nächsten Kursanstieg. Es ist in meinen Augen daher nur die Frage, wann die Rallye beim Dax wieder aufgenommen wird, nicht ob.

Doch das „wann“ lässt sich schwer beantworten. Die USA haben die Amtsübergabe ihres Präsidenten erfolgreich hinter sich gebracht. Nun könnte man meinen, die Aktienmärkte sprengen die Ketten, in die sie zuvor gelegt worden waren.

Doch es wäre nicht das erste Mal, dass mit „sell the news“ Anleger zunächst Kasse machen, bevor die Rallye wieder aufgenommen werden kann. Und nach den exorbitanten Kursgewinnen der vergangenen Wochen und Monate kann dieser Prozess der Gewinnmitnahmen noch ein wenig länger dauern.

Somit bleibt die Grundaussage der vergangenen Wochen weiter bestehen: Stop Loss Marken sollten beachtet werden. An schwachen Tagen können Sie ihre Lieblinge einsammeln. Doch es gibt noch keinen Grund zur Eile.

Die Euphorie im Dax ist abgebaut

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Aktienmärkte: Ich werde bullisch – schnell verkaufen! Marktgeflüster (Video)

Wenn die Wirtschaft anspringt, dann müssen auch die Aktienmärkte steigen! Deshalb werde ich jetzt extrem bullisch – Aktien steigen immer!

Markus Fugmann

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Die Konjunktur in den USA brummt, wie heutige Daten zeigen – also werde ich jetzt bullisch für die Aktienmärkte! Denn wenn die Wirtschaft anspringt, dann müssen auch die Aktienmärkte steigen, oder? Dazu kommt jetzt auch noch der Stimulus in den USA – besser geht nicht! Und nächste Woche werden Apple, Facebook und Tesla ihre Zahlen berichten – das wird sicher extrem bullisch werden, denn die tollen Zahlen sind bestimmt noch nicht ausreichend eingepreist, oder? Ausserdem: Aktien steigen immer – das zeigt schon der Blick in die Geschichte! Und heute ist Janet Yellen als Finanzministerin bestätigt worden – können Sie sich an einen einzigen Tag erinnern, an dem die Aktienmärkte gefallen sind, als Yllen noch Fed-Chefin war? Eben..

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