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Europa

Rezession: Versteckt steigende Arbeitslosigkeit namens „Kurzarbeit“

Claudio Kummerfeld

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Kurzarbeit heißt was? Dass mit staatlichen Geldern Menschen in Betrieben gehalten werden können, die sonst eigentlich arbeitslos sein würden. Vor allem während der Finanzkrise im Jahr 2008 war das für die deutsche Volkswirtschaft eine sinnvolle Maßnahme, weil die Arbeiter nach dem Ende der Rezession natürlich gebraucht wurden, und die Betriebe ihre Produktion wieder gut hochfahren konnten. Um zu schauen, wie sehr die offenkundig gerade beginnende Rezession auf den Arbeitsmarkt durchschlägt, hatten wir uns schon vor vier Wochen im monatlichen Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit die Details angeschaut. Dort war zu lesen, dass die Kurzarbeit („Konjunkturelles Kurzarbeitergeld“) im Monat Mai bei 41.000 Personen lag.

Kurzarbeit mit steigenden Zahlen?

Heute lesen wir im vor drei Stunden veröffentlichten Bericht der Agentur, dass es im Mai 47.000 Personen gewesen sein sollen. Also gab es jetzt eine Aufwärts-Korrektur der Mai-Zahl. Heute wird die Juni-Zahl mit 45.000 gemeldet. Wird sie dann in vier Wochen auch weiter nach oben revidiert? Denn gerade in den letzten Monaten haben ja zahlreiche Industrieunternehmen Entlassungen angekündigt. Man darf davon ausgehen, dass in dem Zusammenhang auch die Kurzarbeit stark zugenommen hat. Im folgenden Chart sieht man übrigens die Kurzarbeit seit dem Jahr 2013. Seit einem Jahr ist die Tendenz deutlich steigend.

Kurzarbeit Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit steigt

Und sonst? Das offizielle Arbeitsmarktbarometer der Agentur-Tochter IAB ist schon seit zehn Monaten rückläufig. Und jetzt fängt auch die Arbeitslosenquote langsam an zu steigen. Wie stark sie steigen wird? Vor allem der Demografiewandel (mit deutlich weniger nachrückenden jungen Menschen am Arbeitsmarkt) könnte eventuell einen kräftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit abbremsen. Dass Unternehmen derzeit froh sind überhaupt noch jemanden zu finden, kann man immer deutlich an einem Fakt sehen. Die Zahl der Leih- und Zeitarbeiter geht dramatisch zurück. Schauen Sie dazu in der folgenden Grafik ganz rechts unten auf den Minus-Balken. Alle Wirtschaftsbereiche nehmen im Jahresvergleich stark zu (Stand Juni), aber die Arbeitnehmerüberlassung verliert 104.000 Stellen. Also greifen die Arbeitgeber zu und ziehen die Leiharbeiter lieber rüber in feste Anstellungsverhältnisse.

Arbeitsmarktstatistik Details August

Zurück in die Arbeitslosigkeit können diese „abgebauten“ Leiharbeiter nicht gerutscht sein. Denn zum Beispiel die aktuellste Arbeitslosenzahl zeigt, dass die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich immer noch rückläufig ist, aktuell im August um 31.468 Personen. Die Arbeitslosenquote liegt im August bei 5,1% nach 5,0% im Juli und 4,9% im Juni. Im August 2018 waren es 5,2%. Die tatsächliche Arbeitslosenquote (alle versteckten Arbeitslosen mit einbezogen) liegt bei 6,9%. Vor einem Jahr waren es noch 7,0%. Also, aktuell steigt die offizielle Arbeitslosenzahl leicht an von 2,28 auf 2,32 Millionen im Monatsvergleich. Aber der große Rezessionsbelegt ist das noch nicht. Noch.

Arbeitsmarktdaten August

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Einkaufsmanager – Lage mau, aber Optimismus wegen Impfstoff

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für November) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Konjunktur:

Gesamtindex: 52,0 (Prognose war 50,4; Vormonat war ,)

Verarbeitendes Gewerbe: 57,9 (Prognose war 56,5; Vormonat war 58,2)

Dienstleistung: 46,2 (Prognose war 46,3; Vormonat war 49,5)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 49,1 für Gewerbe (Prognose war 50,1; Vormonat war 51,3) und mit 38,0 für Dienstleistung (Prognose war 37,7; Vormonat war 46,5) veröffentlicht worden.

Zu den Daten aus Deutschland kommentiert Phil Smith von Markit, das die Umfrage ausgeführt hat:

„Wie erwartet wirkten sich die neuerlichen Lockdown-Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie negativ auf die deutsche
Wirtschaft aus. Die aktuellen PMI-Vorabschätzungen zeigen, dass der Servicesektor aktuell wieder so tief in der Krise steckt wie im Mai.
Die Widerstandskraft der Industrie, die vor allem von den Exportsteigerungen nach Asien profitierte, bekräftigt uns allerdings in der Annahme, dass ein möglicher Abschwung im vierten Quartal 2020 deutlich schwächer ausfallen dürfte als im ersten Halbjahr. Die positiven Nachrichten um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs verliehen der Stimmung unter den deutschen Unternehmen jedenfalls Auftrieb, von denen viele jetzt auf eine Rückkehr zur Normalität in den nächsten zwölf Monaten hoffen. Dies dürfte auch den jüngsten Daten zum Arbeitsmarkt zu Gute gekommen sein, die zeigen, dass sich die Lage in der Industrie der Stabilisierung weiter angenähert hat und die Beschäftigung im Servicesektor weiter gestiegen
ist.“

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Europa

Verbraucherpreise in Eurozone dritten Monat in Folge in Deflation – Zweiteilung des Kontinents

Claudio Kummerfeld

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Geldbörse in der Klemme

Die europäische Statistikagentur Eurostat hat heute die ausführlichen und endgültigen Ergebnisse für die Verbraucherpreise im Oktober veröffentlicht. Mit -0,3 Prozent im Jahresvergleich hängen sie nun den dritten Monat in Folge in der Deflation (Vormonate -0,3 Prozent und -0,2 Prozent). Auffällig bleibt wie in den Vormonaten, dass Osteuropa zu großen Teilen eine Art Deflations-Abwehr darstellt. Wo einige Länder noch nicht den Euro haben, ist Inflation klar erkennbar – oft sogar mehr als deutlich. So hat die Gesamt-EU im Oktober auch einen Wert von +0,3 Prozent hingelegt. Man muss es sich mal vorstellen. Länder wie die Slowakei, Rumänien, Tschechien, Ungarn und Polen liefern Steigerungen der Verbraucherpreise zwischen +1,6 Prozent und 3,8 Prozent (siehe rechter Teil der Grafik).

Grafik zeigt Veränderungen der Verbraucherpreise pro Land

In den Details für die Eurozone sieht man: Die Verbraucherpreise für Lebensmittel legen zu, jetzt mit einer Steigerungsrate von +2,0 Prozent. Die Energiepreise ziehen mit -8,2 Prozent den Schnitt weiterhin kräftig nach unten. Aber auch die Dienstleistungen sind mit schuldig mit nur noch +0,4 Prozent, wo man noch im Juni Steigerungsraten über 1 Prozent sah. Hier schlägt wohl auch die deutsche Mehrwertsteuersenkung zu Buche, die seit Juli in Kraft ist. Aber abwarten. Ab Januar, wenn die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland wieder rückgängig gemacht wird, dürften die Verbraucherpreise wieder auf die Null-Linie kommen – auch für die Eurozone?

Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise

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Europa

Autozulassungen in EU im Oktober schwach? Die Statistik kann täuschen

Claudio Kummerfeld

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Autos auf Parkplatz

Die Autozulassungen zeigen für Oktober eine Konjunkturschwäche dank des zweiten Corona-Lockdowns? Na ja, das kann man auch anders sehen. Im Oktober wurden laut heutiger Meldung des europäischen Automobilverbands ACEA in der EU 953.615 Autos zugelassen. Das sind 7,8 Prozent weniger als im Oktober 2019, wo noch 1.034.669 Autozulassungen registriert wurden.

Aber: Man schaue bitte vier Wochen zurück, wo ACEA Daten für die Autozulassungen im September meldete. Da waren es nämlich nur 933.987 Zulassungen. Also gab es von September auf Oktober einen Zuwachs von 20.000 Autozulassungen. Es ist also ein aktuell spürbares Wachstum vorhanden. Das ist wichtig, weil die Coronakrise normale saisonale Zyklen derzeit aushebelt. Momentan ist eher wichtig, dass die Zahlen von Monat zu Monat ansteigen, als Zeichen einer aktuellen Nachfrage-Erholung.

Normalerweise schwören wir bei FMW auf die Zahlen für den Jahresvergleich. In diesem Fall kann man das Jahresminus im Oktober auf die starken Zahlen für die Autozulassungen im Oktober 2019 zurückführen, die das jetzige Ergebnis schwach erscheinen lassen. In der folgenden Grafik finden Sie die Datenübersicht der heutigen Veröffentlichung. Übrigens: Im viel aussagekräftigeren Zeitraum Januar-Oktober 2020 im Vergleich zu Januar-Oktober 2019 sind die Autozulassungen in der EU immer noch um 26,8 Prozent rückläufig. Die extrem harten Corona-Monate aus dem Frühjahr wirken halt immer noch nach.

Datenblatt zeigt Autozulassungen in der EU im Oktober

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