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Das größte Problem ist nicht mehr nur die Inflation Rezession: Warum die aktuelle Rally nur eine Bärenmarktrally ist

Rezession: Warum die aktuelle Rally nur eine Bärenmarktrally ist

Trotz der zunehmenden Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft in den USA und Europa schrumpft und auf eine Rezession zusteuert, befinden sich die Aktienmärkte, allen voran der Dax, erneut in einer Bärenmarkt-Rally. Der deutsche Leitindex beendete die erste Börsenwoche im neuen Jahr mit einem Plus von rund 5 %, während sich die US-Indizes durch einen Endspurt am Freitag noch in die Gewinnzone gerettet haben. Technisch gesehen ist zwar nur noch der Nasdaq (-34%) im Bärenmarkt, andere Indizes wie der S&P (-19%), Dow Jones (-9%) oder Dax (-10%) notieren inzwischen unter der Schwelle von minus 20 Prozent. Dennoch weisen die meisten Indizes weiterhin eine negative Tendenz auf.

Geht es nach einigen Experten wie beispielsweise dem renommierten Vermögensverwalter Jens Ehrhardt, er erwartet im ersten Halbjahr eine deutliche Aktienbaisse, und dem Top-Analysten von Morgan Stanley, Michael Wilson, der im vergangenen Jahr den Einbruch an den Aktienmärkten korrekt vorausgesagt hatte, dann dürfte der Weg für Aktien steinig bleiben. Beide Experten gehen davon aus, dass die Unternehmensgewinne in den nächsten Monaten deutlich zurückgehen und die Wirtschaft dies- und jenseits des Atlantiks in eine Rezession rutscht. Als Hauptbelastungsfaktor nennen sie die aggressive Zinspolitik der US-Notenbank Fed im Kampf gegen die hohe Inflation.

US-Arbeitsmarktbericht löst Rally aus

Die Inflationsdaten aus Deutschland und dem Euroraum sowie der US-Arbeitsmarktbericht haben die Börsianer zum Ende der Woche in Freudentaumel versetzt. Schaut man sich die Arbeitsmarktdaten jedoch genauer an, so fällt auf, dass neben den 223.000 neugeschaffenen Stellen, erwartet waren nur 200.000, die Arbeitslosenquote von 3,7 auf 3,5 % gesunken ist. Einzig das nachlassende Lohnwachstum hat schließlich eine Rally ausgelöst. Unter dem Strich präsentiert sich der Arbeitsmarkt in den USA immer noch robust, trotz der jüngsten Kündigungswelle bei vielen Tech-Unternehmen.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass sich der Arbeitsmarkt weiter abkühlen muss, also die Fed immer noch Spielraum hat, den restriktiven Kurs fortzusetzen. Die aktuelle Rally ist also eher technisch als fundamental begründet. Sowohl der technologielastige Nasdaq als auch der marktbreite S&P 500 hatten vor der Veröffentlichung der Daten starke Unterstützungszonen erreicht. Im Nasdaq 100 ist vor allem die Zone zwischen 10.700 und 10.500 Punkten wichtig, während im S&P 500 der Bereich um 3.800/3.780 Punkten eine entscheidende Zone darstellt. Genau an diesen Marken erfolgte dann auch die Umkehr. Die laufende Bärenmarkt-Rally könnte den Nasdaq bis 11.500/700, den S&P bis 4.000/030 und den Dax bis 15.000 Punkte bringen, bevor es anschließend wieder stramm abwärts geht.

Im Kampf gegen die Inflation nimmt die Fed eine Rezession in Kauf

Da die US-Notenbank die Inflation als größte Gefahr für die US-Wirtschaft einschätzt, hat sie schon mehrfach betont, im Kampf gegen die Teuerung eine Rezession in Kauf zu nehmen. Glaubt man den Aussagen der Währungshüter, so wird die Fed an ihrem Zinskurs festhalten. Zwar wird sie keine Jumbo-Zinsschritte mehr verkünden, dennoch dürfte sie in den drei kommenden Sitzungen die Zinsen jeweils um mindestens 25 Basispunkte erhöhen, eventuell sogar um 0,5 Prozentpunkte. Die Auswirkungen der aggressiven Zinspolitik werden Unternehmen in den nächsten Quartalen zu spüren bekommen. Aufgrund höherer Finanzierungskosten würden selbst operativ stabile Unternehmen weniger Gewinn erwirtschaften.

Trotz der Freude über den jüngsten Rückgang der Inflation in der Eurozone dürfte die EZB unter Druck bleiben. Im Euroraum fiel die Teuerungsrate von 10,1 % im November auf 9,2 % im Dezember und in Deutschland von 10,0 auf 8,6 %. Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn die Inflationsrate hierzulande fiel aufgrund der Dezember-Soforthilfe deutlich niedriger aus als in den Vormonaten. Im Euroraum ist die Inflationsrate zwar gesunken, aber die Kernrate, ohne Energie und Nahrung, stieg von 5,0 auf 5,2 %. In der Breite sehen wir also immer noch einen Zuwachs der Inflation.

Die Rezession wird zum Problem

Manche Frühindikatoren, wie die inverse Zinskurve, aber auch die jüngsten Konjunkturdaten, sei es aus den USA, Deutschland, Europa oder China deuten auf eine baldige Rezession hin. Beispielhaft dafür sind der Einbruch der Auftragseingänge in Deutschland und der Absturz des so wichtigen Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen in den USA in der vergangenen Woche. Das zeigt, dass die Weltwirtschaft anfängt nachzulassen. In diesem Fall hilft es auch nicht, dass die Inflation zurückgeht, die durch starke Preiserhöhungen von Unternehmen bisher größtenteils abgefedert wurde. Am Ende des Tages ist eine Rezession das größere Problem für die Aktienmärkte.

Wir haben ein Umfeld, in dem die durchschnittlichen Zinsen viel höher, die Wachstumsrate viel niedriger und Aktien immer noch hoch bewertet sind. Der Druck auf die Gewinnspannen nimmt demnach zu und die schwächere Nachfrage erhöht das Risiko einer Stagflation. Es ist davon auszugehen, dass die Gewinnrevisionen, die uns jetzt erwarten, noch nicht genügend in die Aktienkurse eingepreist sind.

Bärenmarkt-Rally: Jetzt in Aktien einsteigen?

Angesichts des schwachen Börsenjahres 2022 mit deutlichen Verlusten an den Aktienmärkten könnte man meinen, dass jetzt ein günstiger Zeitpunkt für den Einstieg in Aktien gekommen sei. Doch aus den genannten Gründen scheint es noch verfrüht zu sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass es an den Börsen nochmal bergab geht und der Bärenmarkt eine Weile andauert, ist groß.

Wenn wir in eine Übertreibungsphase kommen und der Dax über 15.000 Punkte ansteigt, dann dürfte es sehr interessant werden den Index zu verkaufen. Nach dem Anstieg von rund 2.750 Punkten seit Ende September ist besondere Vorsicht geboten. Auf die aktuelle Bärenmarkt-Rally kann jederzeit ein weiterer kräftiger Kurseinbruch folgen. Aktuell dürfte es wohl zu spät sein, mittelfristige Long-Positionen aufzubauen. Die Aktienmärkte sind aufgrund der Tatsache, dass wir während einer Rezession von fallenden Unternehmensgewinnen ausgehen müssen, sehr hoch bewertet.

Aber die Rezession wird nicht ewig dauern. Während einer Rezession dürfte sich der Bär zwar auf dem Parkett breit machen, mit Blick auf das zweite Halbjahr könnte aber das antizyklische Signal zum Einstieg kommen. Denn wenn ein Ende der restriktiven Geldpolitik und eine Stabilisierung der Konjunktur erkennbar wird, dürften sich interessante Anlagemöglichkeiten bieten.

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