Die Aktien von Rheinmetall, Renk und Hensoldt symbolisieren sozusagen den Expansionsdrang der deutschen Rüstungsindustrie, ausgedrückt in Börsenkursen. Seit Jahresanfang sind diese Aktien um sensationelle 225 %, 320 % und 206 % angestiegen. Europa rüstet auf. Der Krieg wurde durch Donald Trump nicht beendet, wie er es eigentlich versprochen hatte. Jetzt hat die Branche aber womöglich einen neuen großen Schub erhalten.
Vorgestern sprach Donald Trump bei der UN. Wichtig waren seine Aussagen zum Ukraine-Krieg. Die Ukraine könne den Krieg gegen Russland gewinnen, und sogar ihre Gebiete zurückerobern. Er machte seine Unterstützung für die Ukraine klar, und er sagte auch, die NATO solle russisches Jets beim nächsten Mal abschießen, wenn sie in den NATO-Luftraum eindringen. Warum das für Rheinmetall, Hensoldt und Renk eine „gute“ Nachricht ist? Trump signalisiert damit klar (sinngemäß): Putin hat auf Trumps Drängen hin NICHT den Krieg beendet, also erhöht Trump den Druck, in dem er der Ukraine massiv unter die Arme greift. Der Westen wird also noch stärker aufrüsten und an Kiev liefern.
Dieser Ausblick bedeutet offenkundig weiter gut laufende Geschäfte für die Rüstungsindustrie. Und Russland sendet keinerlei Signale, dass der Krieg gegen die Ukraine bald beendet werden könnte. Europa dürfte also weiterhin massiv Rüstungsgüter an die Ukraine liefern, und vor allem dürfte Europa weiter massiv für den Eigenschutz aufrüsten. Die NATO will Russland klar machen, dass man dagegen hält, und auch keine Grenzverletzungen an der NATO-Grenze zulässt. Also sind Rüstungsgüter der deutschen Konzerne weiterhin mehr als gefragt.
Natürlich kann jederzeit aus dem Nichts ein Signal aus Moskau kommen, dass der Krieg beendet wird – und die Kurse von Rheinmetall, Renk und Hensoldt stürzen dann ab? Auch das ist ein mögliches Szenario – aber wie gesagt, Putin gibt bislang keinerlei Signale für ein baldiges Kriegsende. Auch sind die Rüstungsaktien hoch bewertet, Rheinmetall zum Beispiel mit einem 2025er-KGV von 67, und für 2026 liegt die Erwartung bei 45. Viel der Aufrüstungs-Euphorie ist also längst in den Kursen enthalten, und die Unternehmen müssen Umsätze und Gewinne erst noch liefern, die die Börsianer längst eingepreist haben. Großes Rückschlagpotenzial ist also jederzeit vorhanden, während Trumps Aussagen die Euphorie für die Rüstungsindustrie erst einmal neu angefacht haben.
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