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Meine Meinung Risk Off-Stimmung: Futter durch Anthropic, KI-CAPEX, US-Jobs, Krypto, Warsh

Risk Off-Stimmung an der Börse! Dafür kann man fünf Faktoren identifizieren: Die Warsh-Nominierung, KI-Ausgaben, US-Jobs, Krypto, Anthropic.

Börsenkurse
Grafik: user15338606-Freepik.com

Der globale Kapitalmarkt ist diese Woche zunehmend im sogenannten Risk Off-Modus. Nach Risk On (man wagt hohe Risiken und kauft Aktien und Krypto) sucht man nun sichere Häfen. Aber was außer dem Anleihemarkt bleibt da noch übrig? Gold und Silber sind seit Wochen auch fast schon reine Spekulationsobjekte, und bieten keinen klassischen Gegentrade mehr an? Zumindest nicht aktuell! Im Chart sehen wir, dass Aktien, Silber und Krypto seit Tagen im Abwärtstrend sind. Nachfolgend biete ich meine Sichtweise, welche Faktoren aktuell die Marktstimmung belasten.

Gleichzeitig fallende Kurse bei Aktien, Silber und Krypto zeigen Risk Off-Stimmung am Markt

KI-CAPEX – Monströse Zahlen verursachen Risk Off-Stimmung

CAPEX – die Investitionsausgaben der Mega-Tech-Konzerne in den USA stehen diese Woche im Fokus der Anleger. Erst Mittwoch Abend meldete Alphabet, man werde in diesem Jahr 175 bis 185 Milliarden Dollar ausgeben, bei Erwartungen von 120 Milliarden Dollar. Und gestern folgte Amazon mit 200 Milliarden Dollar CAPEX-Aussicht für 2026, bei bisherigen Erwartungen von 146 Milliarden Dollar. Damit wollen die BIG 4, also Meta, Microsoft, Amazon und Alphabet, in diesem Jahr 650 Milliarden Dollar für Investitionsausgaben aufbringen, was wohl zum allergrößten Teil in KI-Rechenzentren fließen wird! Im letzten Jahr wurden höhere KI-Ausgaben zeitweise von Anlegern positiv aufgenommen. Aber im Augenblick sind diese Aussichten eine Belastung, was den Risk Off-Modus der Anleger befeuert. Man zweifelt, ob die hohen Ausgaben durch ausreichend hohe Einnahmen abgedeckt werden können. Und man weiß ja noch nicht, welcher der Anbieter in diesem großen Rennen als Verlierer aus dem Rennen gehen wird.

Anthropic schockiert Software-Aktien

Am Dienstag schockte der Anbieter Anthropic mit seinem neuen KI-Automatisierungstool die Börsianer. Es gab deutliche Kursverluste bei Aktien aus dem Bereich Software, Finanzen und Asset Management. Niemand kann im Augenblick sagen, welche Geschäftsmodelle und welche Unternehmen durch die neuen Angebote von Anthropic hinweggefegt werden. Aber der Risk Off-Modus am Gesamtmarkt wird durch diese disruptive Aussicht verstärkt. Unsicherheit zieht in den Markt, Anleger und Vermögensverwalter müssen überlegen, auf welches Pferd sie nicht mehr setzen können.

Warsh-Nominierung Auslöser für Risk Off

Am 30. Januar nominierte Donald Trump Kevin Warsh als neuen Chef der Federal Reserve. Weniger Drang zu sinkenden Zinsen als gedacht? Und Warsh könnte sich auf die Schrumpfung der Bilanz der Zentralbank konzentrieren, was große Mengen an Liquidität aus dem Gesamtsystem ziehen würde. Diese Aussicht sorgte für den Auftakt beim Crash von Silber und Gold. Und es ist völlig unklar, wie die ersten Äußerungen von Kevin Warsh ausfallen werden. Hawkish, oder wird er doch konsequent dovish agieren, wie Donald Trump es wünscht? Diese Unsicherheit bei vielen angesehenen Wall Street-Größen in Sachen Warsh ist auch ein großer Faktor für das aktuelle Risk Off-Umfeld am Markt.

Krypto-Crash

Kryptowährungen zerlegen sich seit Tagen regelrecht. Am Aktienmarkt stehen reale Werte hinter den Aktienkursen und man kann Bewertungen ermitteln. Aber bei Krypto sieht es anders aus. Psychologie spielt eine große Rolle. Die Krypto-Kurse crashen derzeit immer weiter, Bitcoin lag heute Nacht im Tief bei gut 60.000 Dollar. Offenbar gibt es immer noch (oder schon wieder) Zocker, die bei Krypto gehebelt agieren, und bei weiter fallenden Kursen dann vom Markt gefegt werden. Sich rasch leerende Brokerkonten sorgen für Zwangsliquidierungen, wodurch sich der Absturz noch beschleunigt. Diese Krypto-Katastrophe befeuert eindeutig das Risk Off-Umfeld. Aktien fallen, Krypto fällt, Gold und Silber bieten aktuell keinen klaren Gegensatz als sicherer Fluchthafen.

US-Arbeitsmarkt

Die immer noch gut laufende US-Konjunktur war noch vor Tagen eine Stütze für den Aktienmarkt. Aber gestern gab es mehrere Datenmeldungen, die zeigen, dass sich die Wolken am amerikanischen Arbeitsmarkt verdunkeln. Die von Unternehmen angekündigten Entlassungen im Januar stiegen im Jahresvergleich um 118 %, der schlechteste Januar-Wert seit der Finanzkrise. Auch stieg die Zahl neuer Anträge auf Arbeitslosenhilfe, und deutlich weniger offene Jobs sind in den USA ausgeschrieben. Eine Belastung für die Anleger, die dank gut laufender US-Konjunktur auch einen weiter steigenden Aktienmarkt sehen.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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