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Mega-Woche bringt die Entscheidung Risk On Trade bei Aktien – nun heißt es „Hopp oder Top“

Risk On an den Märkten! Aktien steigen, Gold verliert kräftig. Xi und Trump bringen die Entlastung im Handelskrieg? Aber da ist noch mehr!

Chart zeigt die aktuelle Bewegung hin zu Risk On bei Aktien und Gold

Bei Profi-Anlegern kommt es manchmal zu großen Umschichtungen, je nach Stimmungslage. Oft schichten Computerprogramme nach voreingestellten Vorgaben um. Höheres Risiko (Rezession, Geopolitik etc) sorgt für Flucht in Schweizer Franken, Dollar, Staatsanleihen, und vor allem Gold! Das nennt man Risk Off. Man nimmt Risiko aus den Büchern, verkauft Aktien. Risk On bedeutet das Gegenteil. Risiken lösen sich vermeintlich oder tatsächlich in Luft auf. Man verkauft Gold, und schichtet um in Aktien, und zunehmend oft auch in Krypto.


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Risk On: Raus aus Gold, rein in Aktien

Diese Bewegung, die „Aktivierung“ des Risk On-Modus, sehen wir jüngst. Im Chart haben wir es so dargestellt: Die negative Korrelation zwischen US-Aktien und Gold ist vor allem beim Sprung von Freitag auf Montag früh glasklar erkennbar (Pfeile im Chart). Seit Freitag Mittag bis jetzt sind US500 CFD und US100 CFD (US-Gesamtmarkt und Techaktien) um 115 und 600 Punkte gestiegen. Eine eindeutige Bewegung hin zu mehr Risiko.

Die Gründe: Erst wurde die US-Inflation am Freitag Mittag niedriger gemeldet als erwartet, was die Zinssenkungshoffnungen anfacht. Und übers Wochenende wurde klar, dass die Verhandlungen zwischen den USA und China im Handelsstreit vorangehen, und dass es wohl eine Einigung geben wird. Wie tiefgründig diese Einigung sein wird? Erstmal scheint das die Anleger nicht zu interessieren. Die Euphorie ist groß, seit gestern früh hat man auf Risk On umgeschaltet, Aktien werden gekauft, Gold noch stärker verkauft als ohnehin schon. Der Dax wird links liegen gelassen. Warum in „langweilige“ europäische Aktien investieren, wenn kurzfristig bei US-Aktien viel mehr Action vorzufinden ist?

Und Gold? Seit dem Allzeithoch bei 4.381 Dollar am Montag letzter Woche läuft bereits die große Korrektur bis jetzt auf 3.908 Dollar. Erst gab es die technische Korrektur, das „Ausatmen“ nach einem total überkauften Goldmarkt. Dann noch die Entspannung im Handelskrieg übers Wochenende, die Risk On in den Vordergrund rückt, und damit die Abwärtsbewegung bei Gold noch verstärkt!

Hopp oder Top

Nun haben die Anleger sich quasi entschieden. Man geht volle Kraft auf Risk On, volle Kraft ins Risiko! Der Profi-Anleger weiß, welches Risiko er gerade zu diesem Zeitpunkt eingeht. Denn schon am morgigen Mittwoch stehen Quartalszahlen an von Meta, Microsoft und Alphabet, sowie die Zinsentscheidung der Federal Reserve. Und am Donnerstag treffen sich Xi Jinping und Donald Trump, um vermeintlich eine Einigung im Handelskrieg zu verkünden. Dazu noch Quartalszahlen von Apple und Amazon. Alles kann gut gehen, es kann aber auch viel oder einiges schief gehen. Zum Beispiel Big Tech-Konzerne, die die extrem hohen Erwartungen enttäuschen. S&P 500 und Nasdaq 100 auf Rekordhochs, Erwartungen so hoch, dass ma man sie nicht mehr greifen kann. Trump, Xi, Powell und die Konzerne müssen liefern, um die Erwartungen zu erfüllen. Sonst droht ein Absturz bei Aktien, ein rasches Umschalten von Risk On in den Risk Off-Modus. Falls das geschieht, könnte auch die Abwärtsbewegung bei Gold gestoppt werden.



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld

Claudio Kummerfeld hat langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.

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4 Kommentare

  1. Interessiert sich wirklich noch jemand für rückblickende Quartalszahlen (mal abgesehen von der Frage, von wem und wie die errechnet werden und wie viel Gemauschel da im Spiel ist, sie hinzubiegen…)? Wie viele Anleger haben denn zuletzt auf die verfehlten Umsätze von Tesla erschüttert reagiert? Weitaus mehr publicity bekommen doch die vollmundigen Versprechungen in die Zukunft hinein (ungeachtet dessen, wie nahe deren Einlösung bevorsteht und ob überhaupt jemals; es reicht die Vision „Wird schon noch…“). Und noch viel ausschlaggebender wirkt, was Trump kurzentschlossen postet oder über Bessent ausrichten lässt. Wurde z.B. die Geschäftstätigkeit von Intel ab September schlagartig so viel profitabler? Von Meme Stocks gar nicht zu reden… (Wenn man z.B. Opendoor Technologies googelt, kommen erstmal seitenweise Trading-Informationen, ehe überhaupt die Webseite dieses Unternehmens angezeigt wird, die simpler programmiert ist als vergleichsweise Immoscout…).

  2. Das sieht mehr nach „brain off“ aus, als nach „risk on“. Die letzten Geldreserven und verflüssigtes Gold werden nun in die Aktienmärkte gesteckt. In der laufenden Aufwärtsbewegung, mit Melt-up Charakter, Geld vom Tisch zu nehmen, schadet sicherlich nicht. Was Gold gerade geschieht, könnte in nächster Zeit auch den Aktien passieren. Vorher wird sich Herr Fugmann nicht trauen aus dem Urlaub zurückzukehren. Mit dem Goldabsturz alleine, wird er sich sicherlich nicht zufrieden geben :-)

  3. P.S. Ach was „hopp“ – da wird nichts runterfallen. Man kann vielmehr den Eindruck gewinnen, dass Abverkäufe mittlerweile mit dem (möglicherweise teils Insider-abgesprochenen) Kalkül von Nase-vorn-Gewinnmitnehmern erfolgen, um nachfolgend im „Sale“ zu Hauf Sonderangebots-Nachkäufer anzulocken, denen sonst die immerfort steigenden Preise womöglich allmählich zu teuer geworden wären und die vor lauter Schnäppchenjäger-Begeisterung die Kurse neuerlich wunderbar in die Höhe treiben. Wallstreetler, Magnificants und der Trump-Clan werden alles daran setzen, die Märkte nicht einstürzen zu lassen, wo man sich so schön an ein tägliches Nasdaq-Plus von mindestens 1% gewöhnt hat. Ich fürchte, notfalls auch mit betrügerischem Manövrieren, denn: Wer würde es durchschauen? Die Börsenaufsichtsleute dürften längstens selber soweit als Aktieneinkäufer mitbeteiligt sein, dass sie für ihr Teil auch wenig Aufdeckungsabsicht haben. Rechenprozedur- und Anzeige-Algorithmen lassen sich ja auch umprogrammieren, damit es wieder passt…
    Die altmodischen „Fundamentalisten“ unter den Anlegern sind doch im wahrsten Sinne überholt von reinen Spekulanten, die sich größerenteils nicht einmal mehr dafür interessieren, was ein Unternehmen überhaupt herstellt oder vertreibt, sondern sich einfach vom Hören-Sagen, Konzernnamensnennungen und anziehenden Diagramkurven/-zahlen leiten lassen. Moralisches bleibt ohnehin außen vor.
    Das läuft wie in Grimms Märchen von des Kaisers neuen Kleidern mit viel „Ahhh!“ und „Ohhh!“ – nur mit dem Unterschied, dass die Infragesteller (wie das Kind im Märchen) lauthals überstimmt werden. Wenn man die Grundlagen beleuchten wollte, müsste man ja längst stutzig geworden sein: Denn wie kann es zusammengehen, dass trotz gestiegener Materialbeschaffungspreise und Handelsbeschränkungen die Inflation in USA angeblich gelinde bleibt, gleichwohl die Gewinnmargen der meisten Firmen den Verlautbarungen nach weiter steigen – was allenfalls mit Personalreduktions-Kosteneinsparungen erklärlich wäre, denen jedoch wiederum vorgebliche Robustheit des Arbeitsmarktes gegenübersteht (auch wenn Sorgen um den Arbeitsmarkt andererseits gerne als drängender Vorwand für mehrfach nötige Zinssenkungen hergenommen werden, die – weniger ernst als mehr vorfreudig angepeilt – meiner Einschätzung nach letzten Endes kaum dem Arbeitsmarkt zugutekommen werden, sondern mehr verbilligten Pump fürs Mitspielen an den Aktien- und Kryptomärkten bedienen werden).

    Ahhh- dazu gleich hier die vorhin gelesene Überschrift, die ins Dopaminsystem zielt:

    Supercomputer-Offensive: US-Energieministerium und AMD starten Milliardenpartnerschaft

    > Jeden Tag eine neue KI-Überflieger-Nachricht! Und noch dazu pünktlich vor den dieser Tage bevorstehenden KI-Betreiber-Fortschrittsausblickmeldungen die jüngsten Atomkraftoffensive-Verträge der US-Regierung, auf dass keine/r mehr (auch Fugi nicht) anzweifeln möge, ob die all die gigantischen Rechenzentren, in denen sich irrsinnige Kreditsummen amortisieren sollen, genug Strom zum Rechnen bekommen….
    Wie viel Kuchen soll da denn noch verteilt werden, wo sich immer mehr immer größere Stücke abschneiden wollen? > Das ist die moderne Fassung der Schlaraffenland-Utopie: Was hungernden Menschen die Vorstellung von unbegrenzter Schlemmerei war, ist den physisch Wohlernährten die unendliche Geldzuflussbegehr. Unglaublich, wie in alles und jedes Milliarden hineingeschmissen werden können – jeden Tag neue Ansagen zu Superdeals mit Superinvestments und Supergewinnaussichten!

    1. @Karola
      Gut aufgepasst! So läufts. Diesmal ist alles anders. Und das meine ich mit etwas mehr Überzeugung als ich sie noch vor ein oder 2Jahren aufgebracht hätte. Es geht nur um Algos!!!! Der Rest sind Mitläufer oder Beifang. So lange die Mehrzahl „glaubt“, läuft es weiter… Gibt es denn etwas, was den Glauben ins Wanken bringen kann?

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