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Rivian und Lucid – die Neuen stehlen Tesla die Show

Ein Tesla-Elektroauto an einer Ladestation

Tesla kennt inzwischen jeder Börsianer. Und der Börsenwert? Der ist längst weit weg von Gut und Böse. Mit 1,06 Billionen Dollar ist Tesla (ohne genau auf den letzten Dollar zu achten) so viel Wert wie alle etablierten Autobauer zusammen. Dabei hat Tesla nur einen minimalen Marktanteil am globalen Autoabsatz. Und bei der Geschwindigkeit, mit der Volkswagen und andere etablierte Konzerne in den Markt für Elektroautos drängen, ist mehr als ungewiss, ob diese Euphorie bei Tesla ewig so weiter gehen kann. Und als wäre das noch nicht genug, sind zuletzt in den USA die Elektroautohersteller Lucid und Rivian neu hinzugekommen, und machen Elon Musk jetzt noch mehr Konkurrenz. Noch schlimmer, sie stehlen Tesla ein Stück weit die Show – und genau das ist es ja, wovon Tesla ja vor allem lebt.

Tesla zuletzt mit Schub und Absturz

Bevor wir auf Lucid und Rivian schauen, nochmal ein Blick auf Tesla. Natürlich wächst man stark, gerade mit neuen Standorten in den USA, aber auch hierzulande in Brandenburg. Ab dem 25. Oktober erlebte die Tesla-Aktie ihren letzten gigantischen Schub, nachdem der Autovermieter Hertz verkündete, dass man 100.000 Tesla-Autos bestellt habe. Daraufhin legte die Aktie einen Sprint hin von 910 auf 1.240 Dollar. Bis jetzt ist sie wieder auf 1.063 Dollar zurückgekommen. Denn Elon Musk ließ sich tagelang Zeit mit der Info, dass die Bestellung noch gar nicht unter Dach und Fach sei. Aber gut. Abgesehen davon ist es wirklich eine Börsenbewertung von aktuell 1,06 Billionen Dollar, die in keiner gesunden Relation steht, wenn man auf die Marktkapitalisierungen von Toyota, GM oder Volkswagen blickt.

Denn unbegrenzt wachsen kann Tesla wohl kaum, um mit realem Autoabsatz zu dieser Bewertung aufzuschließen. Nur mal als Vergleich: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei VW für 2021 liegt geschätzt bei 6,6. Bei Tesla liegt das geschätzte KGV bei 259. Die folgende Grafik zeigt eindrucksvoll, wie Tesla (wenn es nach dem Börsenwert geht) alle anderen hinter sich lässt – Rivian und Lucid sind übrigens an der Börse inzwischen auch unter den 10 größten Autoherstellern zu finden, ohne nennenswert Autos zu verkaufen – so sieht die Einpreisung der Zukunft in Börsenkursen aus!

Rivian hat einen großen Pluspunkt

US-Elektroautobauer Rivian ging erst vorgestern an die Börse. Schon jetzt hat die Firma einen Börsenwert von sagenhaften 120 Milliarden Dollar. Bei einem IPO-Preis von 78 Dollar und einem ersten Börsenkurs von 106,75 Dollar lag der Schlusskurs gestern Abend bei 122,99 Dollar. Die Börsianer preisen den Erfolg von Rivian schon mal vorab in die Kurse ein. Denn mit bereits 9.500 Mitarbeitern hat man schon seinen E-Pick-up rausgebracht, und auch soll ein elektrischer SUV ab Ende des Jahres ausgeliefert werden. Der Große Pluspunkt für Rivian ist aber, dass Amazon mit 20 Prozent am Unternehmen beteiligt ist. Und nicht nur das – Amazon hat an Rivian einen Auftrag erteilt für 100.000 elektrische Lieferwagen.

Ab Ende 2022 soll die Auslieferung der Bestellungen an Amazon beginnen, und 2030 abgeschlossen sein. Amazon beschert Rivian also auf Jahre hinweg Umsätze, und Amazon als Großaktionär profitiert gleichzeitig davon. In 2022 könnte der Umsatz von Rivian bei 8 Milliarden Dollar liegen – da wäre ein realer Bezug vorhanden zur aktuellen Börsenbewertung von 120 Milliarden Dollar. Aber erstmal muss produziert und verkauft werden – die Börsenbewertung ist ja jetzt bereits vorhanden. Wie man bei Tesla sieht – so ein Boom in einer euphorisierten Aktie kann lange anhalten. Nun muss Rivian erstmal zeigen, dass man auch in der Realität liefern kann. Aber für den Moment, da stiehlt Rivian Tesla die Show.

Lucid glänzt ebenfalls

Auch der hochpreisige Elektroautobauer Lucid aus den USA glänzt inzwischen mit einem Börsenwert von 72,7 Milliarden Dollar. Die Aktie konnte vor allem ab dem 28. Oktober gut ansteigen, weil da der Auslieferungsstart der ersten produzierten Elektroautos begann. Mit 69.900 Dollar sind die Autos von Lucid in der Basisversion eher etwas für Kunden mit einer dickeren Brieftasche. Spannend wird es am Montag – dann präsentiert Lucid nämlich seine Quartalszahlen. Man könnte vermuten, dass der Autobauer im Zuge dieser Präsentation vielleicht auch Neuigkeiten zu Kundennachfrage und Verkäufen bekanntgibt. Die Aktie sollte man im Blick behalten.

Euphorie bei Tesla zuende? Kommen jetzt Rivian, Lucid und die „alten“ Konzerne?

Lucid und Rivian stehlen in den letzten Tagen und Wochen Tesla die Show, auch wenn die Hertz-Verkündung der Großbestellung bei Tesla für Furore sorgte. Mehr Euphorie und Kurspotenzial könnte für Anleger in nächster Zeit bei diesen beiden neuen Anbietern zu vermuten sein. Aber man bedenke stets, wie unsicher die Lage ist, denn beide sind neu am Markt, und können noch nicht mit großvolumigem Autoabsatz aufwarten. Hinzu kommt mittelfristig für Tesla das Problem dazu, dass die alten etablierten Autobauer wie Volkswagen und viele andere massiv in das Geschäft mit Elektroautos vorstoßen. Das Drängen der Umweltschutzaktivisten aus Verbrennern auszusteigen, verstärkt den Drang Richtung E-Autos massiv. Auch wenn Kritiker Tesla schon seit Jahren tot sagen, und die Aktie immer weiter und weiter und weiter gestiegen ist. Mehr als 1 Billion Dollar Börsenwert bei einem überschaubaren Marktanteil, und dann noch diese heraufziehende Konkurrenz, die in großen Schritten aufholt – kommt irgendwann der ganz große Knall für die Tesla-Aktie, wenn man sich doch mal überlegt, was eine wirklich faire Bewertung der Aktie sein könnte?



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1 Kommentar

  1. Dank der umfangreichen, einfachen und zuverlässigen Ladestationen von TESLA, die Supercharger, ist TESLA in einer äußerst komfortablen Situation. Wer selbst kein Elektroauto fährt, kann es einfach nicht beurteilen, was imminent wichtig ist, nämlich zuverlässiges Schnellladen – Punkt!

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