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Robinhood zahlt 65 Millionen Dollar Strafe – es gibt keine Gratis-Trades für Kunden!

Beispielfoto für Onlinetrading - Robinhood zahlt Strafe

Schon mal gehört? Ohne Gebühren Derivate handeln! Ohne Gebühren an der Börse handeln? Ist das nicht toll? Nur wovon lebt eigentlich ein Supermarkt, wenn er vom Endkunden exakt die selben Preise verlangt, für den er die Ware beim Großmarkt eingekauft hat? Schon komisch. In den USA ist seit einiger Zeit das Traden ohne Gebühren groß in Mode. Besonders neumodische Trading Apps sind voll in Mode. Ganz vorne spielt die App „Robinhood“ mit.

Keine Gebühren, wow, da kann man schon mit allerkleinsten Beträgen drauf los orgeln mit Aktien, rein, raus, rein, raus. Früher hieß es noch „Hin und her macht Taschen leer“. Aber jetzt? Paradies? Nix da. Es gibt nirgendwo einen Free Lunch. Gerade Millionen von Kleinstanlegern kamen in der Coronakrise sogar mit staatlichen Hilfsgeldern für den Lebensunterhalt neu an die Börse. Gezockt wurde wortwörtlich mit den Schecks für den Lebensunterhalt. Bei Gebühren in Höhe von 0 Dollar kann man dann ja auch mit Mini-Ordergrößen zocken?

Seit geraumer Zeit ist klar, wie Robinhood und Co Geld verdienen. Man schließt Verträge mit den großen Abwicklungs-Brokern, welche die Börsentransaktionen der Robinhood-Kunden letztlich an der Börse ausführen. Robinhood ist lediglich eine Art Erstkontakt für den Kunden. Seine Order wird über die Robinhood-App zum tatsächichen Broker weitergeleitet, und von da an die Börse. Robinhood bekommt vom Broker Kickback-Zahlungen dafür, dass man die Kundenorders an genau diesen Broker weiter routet. Denn der Broker führt die Kundenorders nicht zu den bestmöglichen Kursen aus. Hier entstehen bei den Kursspannen Gewinne für die Broker, mit denen sie Robinhood bezahlen.

Der Kunde sieht nur, dass er offiziell keine Gebühr zahlt. Dass er für seinen Trade eine schlechtere Ausführung bekommt als bei anderen Brokern mit Gebühr, bemerkt er gar nicht. Hauptsache auf der Abrechnung steht „Gebühr 0“. Diese Praxis hat die US-Börsenaufsicht SEC jetzt offiziell bei Robinhood für die Jahre 2015 bis 2018 festgestellt. Dafür hat Robinhood jetzt laut ganz frischer Mitteilung der SEC zugestimmt 65 Millionen Dollar Strafe zu zahlen.

Laut SEC hat Robinhood in diesem Zeitpunkt irreführende oder unterlassende Angaben gegenüber seinen Kunden darüber gemacht, wie der Anbieter hauptsächlich sein Geld verdient – nämlich für die Weiterleitung der Kundenorders an einen bestimmen ausführenden Broker (“payment for order flow“). Die SEC schreibt wortwörtlich, dass die Aufträge der Robinhood-Kunden zu Börsenpreisen ausgeführt wurden, die weit schlechter für die Kunden waren als bei anderen Brokern. Fälschlicherweise habe Robinhood zwischen Oktober 2018 und Juni 2019 dann auch noch behauptet, dass die Ausführungsqualität der Orders genauso gut oder besser als die bei anderen Brokern.

Nicht dass hier Missverständnisse aufkommen. Diese Praxis ist nicht illegal. Aber gegenüber den Kunden zu verschleiern, wie man die „gebührenfreien“ Trades ermöglicht, und nicht klar zu sagen dass die Ausführungen mies sind, das war das Problem! Hier Teile der Aussagen der SEC im Wortlaut:

“Robinhood provided misleading information to customers about the true costs of choosing to trade with the firm,” said Stephanie Avakian, Director of the SEC’s Enforcement Division. “Brokerage firms cannot mislead customers about order execution quality.”

“Robinhood failed to seek to obtain the best reasonably available terms when executing customers’ orders, causing customers to lose tens of millions of dollars,” said Joseph Sansone, Chief of the SEC Enforcement Division’s Market Abuse Unit. “Today’s action sends a clear message that the Commission will not allow brokers to ignore their obligations to customers.”

“There are many new companies seeking to harness the power of technology to provide alternative ways for people to invest their money,” added Erin E. Schneider, Director of the SEC’s San Francisco Regional Office. “But innovation does not negate responsibility under the federal securities laws.”

Without admitting or denying the SEC’s findings, Robinhood agreed to a cease-and-desist order prohibiting it from violating the antifraud provisions of the Securities Act of 1933 and the recordkeeping provisions of the Securities Exchange Act of 1934, censuring it, and requiring it to pay a $65 million civil penalty. Robinhood also agreed to retain an independent consultant to review its policies and procedures relating to customer communications, payment for order flow, and best execution of customer orders, and to ensure that Robinhood is effectively following those policies and procedures.



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