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Rocket Internet geht von der Börse – Desaster für Aktionäre der ersten Stunde!

Claudio Kummerfeld

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am

Rocket Internet hat heute sein Delisting verkündet. Die Aktien des Unternehmens sollen also von der Börse verschwinden. Dabei zeigt sich Rocket Internet äußerst großzügig (Satire) gegenüber den Aktionären bei seinem Angebot. Zitat auszugsweise aus der heutigen Meldung des Unternehmens:

Die Angebotsgegenleistung in bar (ohne Erwerbsnebenleistung) wurde gemäß dem volumengewichteten durchschnittlichen inländischen Börsenkurs der Rocket Internet-Aktien während der letzten sechs Monate vor Bekanntgabe des Angebots (der „6-Monats-Durchschnittskurs“) berechnet und entspricht insofern dem gesetzlichen Mindestpreis. Diesen hat die Gesellschaft aufgrundöffentlich verfügbarer Informationen auf EUR 18,57 je Rocket Internet-Aktie festgesetzt.

18,57 Euro soll es also geben. Gestern zum Schlusskurs (also vor der heutigen Veröffentlichung) ging die Aktie bei 19,44 Euro aus dem Handel, und aktuell sind es 18,83 Euro. Der Emissionspreis der Aktie beim Börsengang im Jahr 2014 lag bei 42,50 Euro. Im Chart sieht man den Kursverlauf der Rocket Internet-Aktie seit der Emission. Was für ein Desaster. Und dass der CEO Oliver Samwer jetzt nicht mal die Hälfte anbietet, was die Erstzeichner damals hinlegten – tja, wie kann man das bezeichnen? Eine Desaster-Bilanz für Herrn Samwer!

Verlauf der Rocket Internet-Aktie seit dem Jahr 2014

Die drei Samwer-Brüder halten über ihre Firma „Global Founders GmbH“ noch 45,11 Prozent an Rocket Internet. Das heute verkündete Rückkaufangebot für Aktionäre gilt aber nicht für diese Anteile der Samwers. Am 24. September soll dieses Delisting auf einer Hauptversammlung beschlossen werden. Die einfache Mehrheit der anwesenden Stimmen dürfte bei dem Anteil der Brüder kaum ein Problem sein. Die sonstigen freien Aktionäre haben die Wahl, das Angebot anzunehmen, oder Aktionär zu bleiben. Dann hätten sie aber zukünftig das Problem, dass es keinen liquiden Börsenplatz gibt, wo sie ihre Aktien mal eben schnell zu Geld machen können. Der Kleinaktionär, der von Anfang an dabei war, oder auch danach zu höheren Kursen gekauft hatte, darf dazu (nett formuliert) durchaus eine bitterböse Meinung haben. Er wird quasi aus der Aktie gedrängt, und das zum (wie Rocket Internet es selbst sagt) „gesetzlichen Mindestpreis“. Danke für Nichts, dürfte das Motto vieler Kleinaktionäre lauten? Und was ist die offizielle Begründung, warum Rocket Internet sich vom Acker macht? Zitat:

Das Delisting erfolgt vor dem Hintergrund, dass nach Überzeugung von Vorstand und Aufsichtsrat der Gesellschaft Rocket Internet als nicht börsennotiertes Unternehmen besser positioniert ist. Die Nutzung des öffentlichen Kapitalmarkts als Finanzierungsmöglichkeit als wesentlicher Grund einer Börsennotierung ist nicht mehr erforderlich und ein hinreichender Zugangzu Kapital ist auch außerhalb der Börse gesichert. Außerhalb der Börse wird es der Gesellschaft außerdem möglich, sich unabhängig von temporären Umständen, auf denen der Fokus des Kapitalmarkts liegt, besser auf eine langfristige Entwicklung zu konzentrieren.

Hier nur einige der heutigen Kommentare im Netz zum Delisting von Rocket Internet. Die Meinungen fallen (ohhh Wunder) ziemlich einseitig aus. Herr Samwer macht sich mit seinem Rückzug von der Börse zu diesem sensationellen gesetzlichen Mindestpreis bei den Börsianern keine neuen Freunde. Aber braucht er die?

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Rocket Internet Chef Oliver Samwer
Oliver Samwer im Jahr 2013. Oliver Samwer – NOAH Conference – London 2013 – Dan Taylor – Heisenberg Media-14 Foto: Heisenberg Media from Vienna, Austria CC BY 2.0

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Koch

    1. September 2020 17:07 at 17:07

    So geht Aktienkultur in Deutschland!There is no Alternative.Weiter so mit Negativzinsen und Aktienbetrug und ihr werdet eueren verdienten Sturm auf die Bastille auch in D erleben!

    • Avatar

      Dreamtimer

      2. September 2020 07:31 at 07:31

      „Ihr werdet eueren verdienten Sturm auf die Bastille auch in D erleben!“

      Das sind ganz andere Leute, die man beim Plündern der Supermärkte antreffen wird, eher so vom Format: Arbeit ist Scheiße, plündern ist easy, da braucht man keinen Ausbeuter-Boss und kriegt alles kostenlos. In den USA ist übrigens gerade ein Buch erschienen, dass das so darlegt.

      „Aktienkultur“ ist da schon der gehobene Standard. Allerdings kassieren die Aktionäre ohnehin nur das Geld, dass die Zentralbanken rauspumpen, um ihre illusionären Inflationsziele zu erreichen. Der Sinn des Aktionärs besteht darin, die Wirtschaft vor ihren Rettern zu retten. Man sollte nicht auf das Aktienkasino schimpfen. Es ist der letzte Damm vor der Geldflut der Zentralbanken. Würde diese die Realwirtschaft erreichen, erst dann würde die Katastrophe eintreten.

  2. Avatar

    Marcus

    1. September 2020 17:08 at 17:08

    Schrott bleibt eben Schrott! @Roland/Sven: Das hätten Sie verhindern können! Sie kaufen doch alles wo Aktie draufsteht weil es nur bergauf geht. Ist Ihnen das Geld ausgegangen?

  3. Avatar

    bidref

    1. September 2020 18:01 at 18:01

    Hört auf die Gurus:
    Ihr Deutschen seid viel zu wenig in Aktien investiert. Euer Festgeld bringt keine Renditen.
    Hauptsache Rendite – Vorzeichen egal!

  4. Avatar

    thinkSelf

    1. September 2020 18:22 at 18:22

    Das war doch absehbar, da genau das von Anfang an das Geschäftsmodell de Brüder war. Und da sag noch einer man müsse Geld verdienen um Reich zu werden. Die Samwers haben bewiesen, das das auch mit Pleiten funktioniert.
    Mein Mitleid mit den Aktionären hält sich daher in Grenzen.

  5. Avatar

    Lumpi

    1. September 2020 20:23 at 20:23

    Alles was nach Tech schmeckt wird eben gekauft und wenn es verpackte Hundescheisse ist. Solche Firmen erinnern an die Jahrtausendwende. Ich erinnere mich an eine Firma die den Aktienkurs künstlich hochtrieb und dann wegen Burnout am Hoch verkaufte. Die beschissenen Anleger bezahlten dann noch die Krankheitskosten des neuen Mehrfachmillionärs.Homm hat es gesagt, Lug und Betrug ist die Regel, die Ehrlichen sind die dummen Ausnahmen.Die immer risikofeindliche deutsche Aktienkultur hat somit wieder eine Bestätigung ihrer Richtigkeit erhalten.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Impfstoff-Montag 3.0

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Den dritten Montag in Folge veröffentlicht ein Pharmahersteller einen konkrete Impfstoff-Meldung.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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SAP nach Kurssturz antizyklisch kaufen? – Werbung

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Lieber Börsianer,

das war nicht das Gelbe vom Ei, liebe SAP! Während die US-Konkurrenz in den Coronazeiten mit Cloud und anderen digitalen Anwendungen punktet, tritt die europäische Branchengröße auf der Stelle. Unter dem Strich sank der Umsatz um 4 %, während der operative Gewinn sogar um 12 % schrumpfte.

Offensichtlich sind die schwachen Quartalszahlen keine Eintagsfliege. So hat man die Umsatz- und Gewinnprognosen auch für die Jahre 2021 und 2022 gleich nach unten korrigiert. In der Folge erlebte die Aktie einen mächtigen Ausverkauf und verlor zeitweise über 20 % ihres ursprünglichen Wertes. Das kommt einem mittelprächtigen Erdbeben gleich.

Wo hakt es bei der SAP, warum kann das Unternehmen aus Walldorf zunächst nicht an die starken Wachstumsraten der vergangenen Jahre anknüpfen? Ich sehe drei Faktoren:

1)
Negative Währungseffekte: Die Dollarschwäche bzw. Eurostärke hat die Gewinnentwicklung spürbar belastet. Die US-Konkurrenz hingegen profitiert vom weichen Dollar.

2)
Das Covid-Virus: Die Software-Palette des Unternehmens ist nur eingeschränkt Corona-fest. Ein Beispiel: Mit der SAP-Software Concur planen die Unternehmenskunden der SAP Dienst- und Geschäftsreisen ihrer Mitarbeiter. Es bedarf keiner besonderen Erklärung: Diese Anwendung war in diesem Jahr kein Verkaufsknüller, sondern schlichtweg überflüssig.

3)
Schwächen in der Cloud: Aus der Branche hört man, dass SAP derzeit Defizite im Cloud-Geschäft hat. Die Kunden streben in die Cloud, allein SAP konnte nicht immer liefern. Hier gilt also: US-Konkurrenten wie Oracle und Salesforce haben hier die Nase vorne. Deshalb schwächelt das Neugeschäft der SAP.

Gleichwohl haben die Investoren – wie so oft – das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Der Kursrücksetzer war zwar notwendig, aber in seiner Dimension stark übertrieben. SAP verfügt über eine treue Kundenbasis. Rund 74 % des Umsatzes beruhen auf langfristigen Software-Verträgen. Mit anderen Worten: Das Unternehmen wird auch künftig gut verdienen und verfügt über die Mittel, um den technologischen Rückstand im Cloud-Geschäft wettzumachen.

Trotzdem: Kurzfristig ist die SAP-Aktie sicherlich noch kein Kauf. Wie gesagt es wurde schon Porzellan zerschlagen und Vertrauen verloren. Das deutsche Software-Unternehmen muss sich also nun…..

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Achtung Trader: Deutsche Börse führt „Xetra Trade-at-Close“ ein

Claudio Kummerfeld

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Achtung Trader! Ab 24. November bietet die Deutsche Börse für Trades über Xetra eine neue Handelsmöglichkeit an, die „Xetra Trade-at-Close“ Order. Sie bietet laut aktueller Aussage der Deutschen Börse eine zusätzliche Möglichkeit für Handelsteilnehmer zum offiziellen Schlusskurs zu handeln. Der Service steht dann für alle Wertpapiere im Xetra-Handel zur Verfügung. Hier die Details zu dem neuen Angebot im Wortlaut von der Deutschen Börse:

„Schlussauktionen gelten als Säule der Marktstabilität und des Anlegerschutzes. Sie bündeln die Liquidität pro Wertpapier zu einem Zeitpunkt und gewährleisten eine effiziente Preisbildung unter Berücksichtigung aller relevanten Informationen. Xetra Trade-at-Close adressiert die wachsende Nachfrage nach Orderausführungen am Ende des Handelstages“, sagt Michael Krogmann, Geschäftsführer der Frankfurter Wertpapierbörse.

Der neue Service bietet verschiedene Vorteile: Mit Xetra Trade-at-Close können Marktteilnehmer Aufträge auch nach Ende der Schlussauktion auf Xetra eingeben. Sie profitieren davon, zu einem festen Preis zu handeln, ohne an der Preisbildung in der Schlussauktion teilzunehmen. Außerdem erhalten sie eine zusätzliche Möglichkeit, Positionen vor Ende des Handelstages zu schließen und dabei mit zusätzlicher Liquidität im börslichen Handel zu interagieren.

Wird die Option Trade-at-Close für eine Order ausgewählt, werden Aufträge, die in der Schlussauktion nicht ausgeführt wurden, automatisch in die Trade-at-Close-Phase übertragen. Während der Trade-at-Close-Phase können auch neue Orders eingegeben werden. Der Schlusskurs wird vor allem von Buy-side-Kunden wie Pensionskassen oder Investmentfonds zur Berechnung von Portfoliorenditen, zur Bewertung von Investmentfonds und als Grundlage für viele Derivategeschäfte verwendet.

Xetra-Bildschirme der Deutschen Börse
Xetra-Bildschirme. Foto: Deutsche Börse AG

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