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Rocket Internet geht von der Börse – Desaster für Aktionäre der ersten Stunde!

Rocket Internet hat heute sein Delisting verkündet. Die Aktien des Unternehmens sollen also von der Börse verschwinden. Dabei zeigt sich Rocket Internet äußerst großzügig (Satire) gegenüber den Aktionären bei seinem Angebot. Zitat auszugsweise aus der heutigen Meldung des Unternehmens:

Die Angebotsgegenleistung in bar (ohne Erwerbsnebenleistung) wurde gemäß dem volumengewichteten durchschnittlichen inländischen Börsenkurs der Rocket Internet-Aktien während der letzten sechs Monate vor Bekanntgabe des Angebots (der „6-Monats-Durchschnittskurs“) berechnet und entspricht insofern dem gesetzlichen Mindestpreis. Diesen hat die Gesellschaft aufgrundöffentlich verfügbarer Informationen auf EUR 18,57 je Rocket Internet-Aktie festgesetzt.

18,57 Euro soll es also geben. Gestern zum Schlusskurs (also vor der heutigen Veröffentlichung) ging die Aktie bei 19,44 Euro aus dem Handel, und aktuell sind es 18,83 Euro. Der Emissionspreis der Aktie beim Börsengang im Jahr 2014 lag bei 42,50 Euro. Im Chart sieht man den Kursverlauf der Rocket Internet-Aktie seit der Emission. Was für ein Desaster. Und dass der CEO Oliver Samwer jetzt nicht mal die Hälfte anbietet, was die Erstzeichner damals hinlegten – tja, wie kann man das bezeichnen? Eine Desaster-Bilanz für Herrn Samwer!

Verlauf der Rocket Internet-Aktie seit dem Jahr 2014

Die drei Samwer-Brüder halten über ihre Firma „Global Founders GmbH“ noch 45,11 Prozent an Rocket Internet. Das heute verkündete Rückkaufangebot für Aktionäre gilt aber nicht für diese Anteile der Samwers. Am 24. September soll dieses Delisting auf einer Hauptversammlung beschlossen werden. Die einfache Mehrheit der anwesenden Stimmen dürfte bei dem Anteil der Brüder kaum ein Problem sein. Die sonstigen freien Aktionäre haben die Wahl, das Angebot anzunehmen, oder Aktionär zu bleiben. Dann hätten sie aber zukünftig das Problem, dass es keinen liquiden Börsenplatz gibt, wo sie ihre Aktien mal eben schnell zu Geld machen können. Der Kleinaktionär, der von Anfang an dabei war, oder auch danach zu höheren Kursen gekauft hatte, darf dazu (nett formuliert) durchaus eine bitterböse Meinung haben. Er wird quasi aus der Aktie gedrängt, und das zum (wie Rocket Internet es selbst sagt) „gesetzlichen Mindestpreis“. Danke für Nichts, dürfte das Motto vieler Kleinaktionäre lauten? Und was ist die offizielle Begründung, warum Rocket Internet sich vom Acker macht? Zitat:

Das Delisting erfolgt vor dem Hintergrund, dass nach Überzeugung von Vorstand und Aufsichtsrat der Gesellschaft Rocket Internet als nicht börsennotiertes Unternehmen besser positioniert ist. Die Nutzung des öffentlichen Kapitalmarkts als Finanzierungsmöglichkeit als wesentlicher Grund einer Börsennotierung ist nicht mehr erforderlich und ein hinreichender Zugangzu Kapital ist auch außerhalb der Börse gesichert. Außerhalb der Börse wird es der Gesellschaft außerdem möglich, sich unabhängig von temporären Umständen, auf denen der Fokus des Kapitalmarkts liegt, besser auf eine langfristige Entwicklung zu konzentrieren.

Hier nur einige der heutigen Kommentare im Netz zum Delisting von Rocket Internet. Die Meinungen fallen (ohhh Wunder) ziemlich einseitig aus. Herr Samwer macht sich mit seinem Rückzug von der Börse zu diesem sensationellen gesetzlichen Mindestpreis bei den Börsianern keine neuen Freunde. Aber braucht er die?

Rocket Internet Chef Oliver Samwer
Oliver Samwer im Jahr 2013. Oliver Samwer – NOAH Conference – London 2013 – Dan Taylor – Heisenberg Media-14 Foto: Heisenberg Media from Vienna, Austria CC BY 2.0



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6 Kommentare

  1. So geht Aktienkultur in Deutschland!There is no Alternative.Weiter so mit Negativzinsen und Aktienbetrug und ihr werdet eueren verdienten Sturm auf die Bastille auch in D erleben!

    1. „Ihr werdet eueren verdienten Sturm auf die Bastille auch in D erleben!“

      Das sind ganz andere Leute, die man beim Plündern der Supermärkte antreffen wird, eher so vom Format: Arbeit ist Scheiße, plündern ist easy, da braucht man keinen Ausbeuter-Boss und kriegt alles kostenlos. In den USA ist übrigens gerade ein Buch erschienen, dass das so darlegt.

      „Aktienkultur“ ist da schon der gehobene Standard. Allerdings kassieren die Aktionäre ohnehin nur das Geld, dass die Zentralbanken rauspumpen, um ihre illusionären Inflationsziele zu erreichen. Der Sinn des Aktionärs besteht darin, die Wirtschaft vor ihren Rettern zu retten. Man sollte nicht auf das Aktienkasino schimpfen. Es ist der letzte Damm vor der Geldflut der Zentralbanken. Würde diese die Realwirtschaft erreichen, erst dann würde die Katastrophe eintreten.

  2. Schrott bleibt eben Schrott! @Roland/Sven: Das hätten Sie verhindern können! Sie kaufen doch alles wo Aktie draufsteht weil es nur bergauf geht. Ist Ihnen das Geld ausgegangen?

  3. Hört auf die Gurus:
    Ihr Deutschen seid viel zu wenig in Aktien investiert. Euer Festgeld bringt keine Renditen.
    Hauptsache Rendite – Vorzeichen egal!

  4. Das war doch absehbar, da genau das von Anfang an das Geschäftsmodell de Brüder war. Und da sag noch einer man müsse Geld verdienen um Reich zu werden. Die Samwers haben bewiesen, das das auch mit Pleiten funktioniert.
    Mein Mitleid mit den Aktionären hält sich daher in Grenzen.

  5. Alles was nach Tech schmeckt wird eben gekauft und wenn es verpackte Hundescheisse ist. Solche Firmen erinnern an die Jahrtausendwende. Ich erinnere mich an eine Firma die den Aktienkurs künstlich hochtrieb und dann wegen Burnout am Hoch verkaufte. Die beschissenen Anleger bezahlten dann noch die Krankheitskosten des neuen Mehrfachmillionärs.Homm hat es gesagt, Lug und Betrug ist die Regel, die Ehrlichen sind die dummen Ausnahmen.Die immer risikofeindliche deutsche Aktienkultur hat somit wieder eine Bestätigung ihrer Richtigkeit erhalten.

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