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Rohstoffe: Beginn eines Superzyklus, oder doch Peak Commodities?

Rohstoffe - goldene Zeiten voraus?

Stehen Rohstoffe am Beginn einer Mega-Hausse – oder ist das Beste bereits vorbei?

Zunächst war Bauholz (Lumber) das große Thema, dann Kupfer mit seinem Sprung über die 10.000 Dollar, jetzt ist es der Ölpreis, der sich seinen 2018-er Hochs nähert. Mittlerweile gibt es schon die ersten größeren Korrekturen und wenn man sich manche Terminpreise für 2022 betrachtet, könnte man schon den Eindruck gewinnen, dass die Reopening-Story den großen Anteil am Preisanstieg hat. Hier ein paar Daten zu einzelnen Rohstoffen.

Rohstoffe: Warum steigt Dr. Copper nicht weiter?

Der Frühzykliker schlechthin, Kupfer, hat seit 2020 eine rasante Rally hingelegt, von unter 5000 Dollar im Coronatief bis auf 10.700 Dollar im Mai 2021. Davor bewegte sich der Preis in den Jahren 2017 bis 2019 um die 6500 Dollar.

Jetzt kommen die Preise zurück, Kupfer verzeichnete die vorletzte Woche mit minus 8,6 Prozent den größten Wochenverlust seit Beginn der Corona-Pandemie. Aktuell steht man bei 9333 US-Dollar. Dabei ist dieser Rohstoff von zentraler Bedeutung für das Vorhaben Klimaneutralität, für den automobilen Umbau und für zahlreiche Infrastrukturprogramme.

Für ein Elektroauto benötigt man mit 60-80 Kilogramm etwa fünfmal so viel wie für einen Verbrenner, bei einer Windturbine sind es gar fast 5 Tonnen des unerlässlichen Stromleiters und bei den Offshorekabeln sind es gar 120 Kilogramm – pro Meter. Schon vor ein paar Wochen habe ich mich gewundert, dass die Terminkontrakte für Kupfer für die Zukunft billiger wurden – Backwardation genannt.

Berg- und Talfahrt bei Lumber

Die Entwicklung von Bauholz in den USA zeigt, wie schnell man in einigen Bereichen auf Knappheit und hohe Preise am Markt reagiert. Nach einer Verfünffachung der Preise binnen eines Jahres jetzt schon ein Rutsch von über 50 Prozent. Das ist keine technische Gegenbewegung mehr. Man versucht die Fertigungsketten auszuweiten (durch eine seltene Verdienstmöglichkeit), Verbraucher verschieben ihre Vorhaben und es gibt Substitution.

Lumber fällt - Zeichen für Schwäche der Rohstoffe?

Das schwarze Gold

Der wohl spannendste Blick auf die Rohstoffe gilt wieder einmal der Entwicklung der Rohölpreise.

Nicht nur wegen seiner riesigen Bedeutung für den Alltag – es gibt immer noch 1,3 Milliarden Pkw mit Verbrennungsmotor auf der Welt -, der Rückkehr zu alten Verkehrs- und Reisegewohnheiten, sondern auch wegen der staatlichen Bestrebungen zur Absenkung des CO2-Verbrauchs und damit zum Ersatz des fossilen Brennstoffs.

Vor Jahresfrist hatten sich die OPEC-Staaten zu einer Förderkürzung von 42 auf 32 Billionen Barrel pro Tag geeinigt, bei einem gleichzeitigen Kollaps der Schieferölförderung in den USA. Jetzt wird wieder gefahren, fast schon wie in alten Zeiten. Die IEA schätzt bereits für den Juni, dass die Tagesförderung wieder auf 96 Millionen Barrel gestiegen ist, nicht mehr weit weg von der Schallmauer der 100 Millionen Fass/Tag.

Ergebnis: Der Preis für amerikanisches Öl WTI nähert sich bereits wieder der Marke von 75 Dollar. Vor einem Jahr lag man noch bei 20 Dollar, unvergessen der 20. April mit dem Extrempreis für einen Ölkontrakt von minus 37,63 Dollar.

Öl - bald bei 100 Dollar?

Das ist die Gegenwart, aber was zeigen die Terminkontrakte?

Entgegen der üblichen Verteuerung für künftige Lieferungen, die immer höher liegen je weiter diese in der Zukunft liegen (Lagerkosten), werden diese derzeit billiger. Der Kontrakt mit Fälligkeit Januar 2022 kostet 69 Dollar, für ein halbes Jahr später noch 66 Dollar. Noch ist man seitens der OPEC-Staaten sehr diszipliniert, auch haben die US-Fracker ihre Bohrlöcher nicht in alten Größenordnungen geöffnet. Nicht zuletzt sollte die Ölnachfrage zurückgehen, eine Automobilfirma nach der anderen beschließt das Ende der Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren.

Fazit

Die Frage nach dem neuen Superzyklus der Rohstoffe ist  sehr zentral, denn sie spielt eine große Rolle für die Höhe der dauerhaften Inflation. Den letzten Superzyklus erlebten wir vor 20 Jahren, als der große Aufstieg Chinas begann, mit gigantischen Infrastrukturprogrammen und einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von etwa zwei Billionen Dollar bis auf über 14 Billionen in der heutigen Zeit. Aber China, der mit Abstand größte Nachfrager nach Rohstoffen, tritt derzeit auf die Bremse. Nicht zu vergessen die Entwicklung des Ölpreises, der über viele Jahrzehnte der große Preistreiber bei Rohstoffen gewesen ist, allein schon aufgrund des gigantischen Volumens von bis zu 100 Millionen Barrels Öl pro Tag. Aber wie weit sind wir trotz der 75 Dollar noch von den dreistelligen Notierungen der Jahre 2011 bis 2014 entfernt oder gar von den 147 Dollar im Jahr 2008?

Der neue Superrohstoff sind Daten, bei Chips herrschen die großen Engpässe, die nicht in Windeseile behoben werden können. Allerdings gibt es auch hier Planungen von 29 neuen Chipfabriken in mehreren Ländern und bereits in naher Zukunft. Allein der weltgrößte Produzent TSMC aus Taiwan will 100 Milliarden Dollar investieren, Intel plant in Deutschland mehrere Fabriken hochzuziehen und hofft auf große Staatsgelder. Ein anderer Zyklus.

Ergo: Natürlich spricht eigentlich Vieles für einen neuen Superzyklus der Rohstoffe, aber warum fallen die Preise für viele künftige Rohstoffkontrakte?



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