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Rohstoffe: Der neue Super-Zyklus? Kurzfristig aber überhitzt

Derzeit ist überall die Rede von einem neuen Superzyklus für Rohstoffe. Klingt sehr logisch nach einem Jahrzehnt gedämpfter Preise und der ersten Phase nach einer Rezession. Verbunden mit der Hoffnung auf Infrastrukturprogramme in den USA, dem Wiederaufbaufonds in Europa und natürlich dem großen Projekt „Neue Seidenstraße“ in China. Aber ist die allgegenwärtige mediale Thematisierung nicht ein Anzeichen dafür, dass es vielleicht demnächst zu einer Verschnaufpause bei den steigenden Notierungen für Rohstoffe kommen könnte? Denn wann wird eine Entwicklung in den Medien einmal angekündigt und anschließend erfolgt erst die Marktreaktion? Ziemlich selten.

Die Gründe für einen Boom der Rohstoffe

Es geht wie bei der COVID-19-Infektionskette von Ost nach West: Einige Volkswirtschaften aus dem neuen RCEP-Verbund Asiens (Regional Comprehensive Economic Partnership) laufen schon wieder mit Wachstumsraten fast wie vor der Pandemie, die Störungen der Lieferketten allein lassen schon die Preise klettern, Stichwort Frachtkosten. Hinzu kommt der Trend zu erneuerbaren Energien, ob Elektromoblität, Solar- und Windkraft, allein der Kupfermehrbedarf in einem Stromer ist riesig. Die Produzenten der Rohstoffe haben natürlich auf den weltweiten Lockdown im Frühjahr 2020 reagiert und Investitionen zurückgefahren. Jetzt sieht man aber auch im Westen Licht am Ende des Tunnels, allein die gewaltigen Stimuluspakete bringen für Inflationssorgen, denen man sich mit Rohstoff-basierten Investitionen entgegenstellen kann. Ein abgeschwächter Dollar gegenüber manchen Währungen verbilligt zudem den Kauf der Rohstoffe, die zum Großteil auf Dollar-Basis gehandelt werden. Gut für China, den größten Nachfrager für Rohstoffe.

An der Wall Street spricht man bereits von einem neuen Rohstoff-Superzyklus, wie er weiland zwischen 2003 und 2011 vorherrschte.

Die Rohstoff-Terminmärkten sind preislich schon einmal vorgeprescht, die Rohstoffaktien sollten folgen.

Die Rohstoffentwicklung im einzelnen – Kupfer

Kupfer klettert auf 9-Jahreshoch, so lautete eine Schlagzeile am Dienstag im Börsenfernsehen. Dr. Copper ist nicht nur ein Metall, sondern ein Indikator für die Weltwirtschaft und daher einer der wichtgisten Rohstoffe. Bereits im Sommer 2020 hatte der Preis angezogen, aber nicht nur aus konjunkturellen Gründen. Das Industriemetall ist zentraler Bestandteil der Energiewende und der Plan der neuen Regierung für einen Green Deal (Umfang zwei Billionen Dollar) gab noch einen weiteren Schub. Kupfer kletterte jüngst auf 8400 Dollar, fast schon 50 Prozent über den Stand vom Februar 2020. Erste Häuser sehen schon den Rekord von 9600 Dollar aus dem Jahre 2010 wackeln. Elektrifizierung und Infrastruktur lenken den Investorenblick auf Bergbauunternehmen, Minenaktien, praktisch auf das ganze Spektrum

Rohöl

Das ehemals schwarze Gold hat eine wilde Talfahrt während Corona hinter sich gebracht, liegt aber jetzt schon um 25 Prozent seit Jahresanfang vorne. Die Preiskapriolen des letzten Jahres zählten zu den Extrema an den Börsen und reihen sich unter Kategorie ein: Gibts nicht, gibts nicht.

Nach dem ruinösen Preiskampf zwischen Russland und Saudi-Arabien war der Markt infolge des Corona-bedingten Nachfrageeinbruchs im April 2020 auf minus 37 Dollar gefallen. Durch die Bedeutung der Rohölnotierung für die Staatshaushalte einigten sich die OPEC plus zu disziplinierten Förderkürzungen, der Preis für Brent ist auf 60 Dollar, der für WTI auf 63 Dollar gestiegen. Nach dem Ende der Corona-Beschränkungen im Verkehr glauben einige Analysten bereits wieder an ein Erreichen der Schallmauer bei der Förderung von 100 Millionen Barrel pro Tag. Noch ist der Anteil der Elektrofahrzeuge zu klein. Aber gibt es deshalb gleich ein Comeback der Ölindustrie? Lange war von einer Insolvenzwelle der Ölfracker in den USA gewarnt worden und einem Ausfall der Junk Bonds. Inzwischen erholt sich auch diese Branche etwas.

Der Öldienstleister Baker Hughes spricht von 400 neuen Bohrtürmen in den USA, was immerhin schon die Hälfte der Anzahl von der Zeit kurz vor Corona bedeutet. Eine Besonderheit bei der Ölförderung: Im Gegensatz zu Rohstoffminen lässt sich die Kapazität der Ölversorgung sehr rasch nach oben schrauben.

Platin und Silber

Der heimliche Superstar der Rohstoffe ist derzeit Platin. Auf knapp 1300 Dollar stieg der Preis für das Edelmetall Platin, von 600 Dollar im Frühjahr letzten Jahres, auf den höchsten Stand seit sechs Jahren und damit deutlich stärker als Gold.

Natürlich profitiert das Element von seiner Verwendung in Fahrzeugkatalysatoren sowie in Brennstoffzellen. Das Thema Wasserstoff-Technonologie ist derzeit „heiß“ – sollte sich die Technik im Transportverkehr durchsetzen, wird es großen Bedarf geben.

Nicht weniger heiß war in den vergangenen Wochen die Spekulation um das Edelmetall Silber mit den Aktionen der RobinHooder – FMW berichtete ausführlich darüber. Der Anstieg auf 29 Dollar pro Unze war zwar nur von kurzer Dauer, aber mit über 26 Dollar hat sich das kleine Edelmetall, neben Gold, von seinem Coronatief von 12 Dollar auch mehr als verdoppelt. Silber hat neben seiner Funktion in der Schmuckindustrie, als Anlagevehikel, eben auch seine Bedeutung in der Industrie.

Der Branchenverband „The Silver Institute“ spricht von einer Steigerung der Industrie- und der physischen Investmentnachfrage seit Jahresbeginn um elf Prozent, auf ein Acht-Jahreshoch.

Agrarrohstoffe

Was war das für ein monatelanges Hin und Her zwischen China und Donald Trump im fast schon vergessenen Handelsdeal, der sich schlussendlich auf einen Landwirtschaftsdeal reduziert hatte? Und was wurde daraus? China hatte zugesichert 40 bis 50 Milliarden Dollar an Weizen und Soja von amerikanischen Landwirten zu kaufen. Dann kam Corona und die Asiaten kauften Sojaprodukte aus Südamerika. Dort kam es aus Wettergründen (El Nino) zu schlechten Ernten, die Exporte fielen im Januar um 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch der Preis für Soja ist mittlerweile stark gestiegen (um 40 Prozent), auf das höchste Niveau seit sieben Jahren. China benötigt Soja für die neue Schweineaufzucht. Bekanntermaßen musste man wegen der grassierenden Schweinepest über 100 Millionen Schweine töten. Schweinefleisch hat einen besonderen Stellenwert für die chinesische Bevölkerung, die Nachfrage im Land nach dem Futtermittel ist entsprechend groß.

Die Warnzeichen

Eine warnende Stimme stammt von der Commerzbank, in Gestalt des Chefvolkswirts, Dr.Jörg Krämer:

„Seit dem Tief im Frühjahr haben sich die Preise von Industrierohstoffen fast verdoppelt.“ Er bezweifelt, dass dies tatsächlich der Start eines Superzyklus sein. Die Produktion übersteige in vielen Bereichen schon die Nachfrage. Ein Teil der Rally für Rohstoffe sei auch durch Spekulation verursacht.

Nach dieser Beurteilung dürfte die Erholung der Weltwirtschaft nicht von langer Dauer sein.

Fazit

Wieder stellt sich die Frage, wie viel von den zu erwartenden Steigerungen bei den Preisen für Rohstoffe schon in den Charts enthalten ist? Sollte es sich um einen jahrelangen Superzyklus handeln, könnte es natürlich noch lange Zeit in Richtung Norden gehen. Aber Börsen blicken stets sehr weit in die Zukunft und so ist anzunehmen, dass die derzeitigen Preise auf die Lage auf den Herbst diesen Jahres ausgerichtet sind. Die Förderer der Rohstoffe richten sich so schnell es möglich ist auf die neue Nachfragesituation ein, was bei vielen Rohstoffen sehr aufwändig ist, anders bei heruntergefahrenen Bohrstationen im Ölbereich.

Wie erwähnt, es macht etwas stutzig, dass das Thema Rohstoffe in den Wirtschaftsnachrichten so dominiert, der Bloomberg Commodity Index hat zudem sein Vor-Corona-Niveau schon um 10 Prozent übertroffen. Allerdings steht er mit seinen 85 Punkten noch meilenweit unter seinem Höchststand von 238 Punkten im Jahr 2008.

Rohstoffe im Super-Zyklus?



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1 Kommentar

  1. Ja klar nachdem nun Alles dank Gratisgeld hochgetrieben wurde, ( auch viel wertloses Zeug) ist es nur logisch, dass wirklich reale Sachen ,die auch ( wie Bittercoin ) ? in der Menge begrenzt sind , steigen. Natürlich wird auch das wellenartig gehen.Aber ich denke dass.z.B. SELTENE ERDEN dank dem Elektroboom bessere Chancen haben als „selten dumme Luftaktien „ oder Kryptoscheisse.Das Erdöl wird sicher nicht durch die Decke schiessen, denn Corona wird den Tourismus noch eine Weile beschäftigen

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