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Rom aktuell als Gefahr für den Euro und die Renditen der eigenen Schulden

Es gibt noch immer keine „neue“ Regelung zwischen der EU-Kommission, den einzelnen Mitgliedsstaaten und der neuen Regierung in Italien für den Fall, dass neue Boote mit Flüchtlingen in den eigenen Häfen einlaufen. Das scheint die Regierung zunehmend zu nerven. Denn schließlich kommen immer noch neue Boote an, und man hatte seinen Wählern eine knallharte Abschottung versprochen.

Jüngst gab es die bizarre Situation, dass ein Schiff der italienischen Küstenwache mit Flüchtlingen in einen italienischen Hafen einlief – der Innenminister höchstpersönlich verhinderte aber, dass die Menschen von Bord gelassen wurden. Wohl auf Druck des Koalitionspartners konnten sie inzwischen doch von Bord. Doch der Unmut steigt, und so landet er nun auch in Brüssel.

Welches Druckmittel wäre aus italienischer Sicht besser geeignet als die Beratungen für den gesamten EU-Haushalt für den Zeitraum von 2021 bis 2027. Sie finden aktuell in Brüssel statt. So kündigte der italienische Premier Conte am Wochenende an, man prüfe bei den aktuellen Verhandlungen in Brüssel sein Veto einzulegen. Man wolle blockieren, so die Wortwahl. Das ist deswegen so bedeutend, weil der EU-Haushalt einstimmig beschlossen werden muss.

Auch heißt es aktuell aus Rom, dass man zur Kenntnis nehme, dass der Geist der Solidarität nicht in konkrete Taten umgesetzt werde. Nur ein gemeinsamer Wirtschaftsraum, das sei zu wenig. Es ist klar, was das bedeutet: Italien stimmt dem Haushalt nur zu, wenn die anderen EU-Mitgliedsstaaten fest zusagen dauerhaft alle in Italien ankommenden Flüchtlinge bei sich aufzunehmen. Denn die Regierung in Rom hat immer wieder klar gemacht, dass man keine Flüchtlinge mehr aufnehmen wolle/werde.

Der Streit ist also vorprogrammiert. Diese Woche kann also aus Italien noch einiges an Ärger auf Brüssel abstrahlen. Das könnte wiederum den Euro schwächen, wenn ein drohendes Veto zeigt, wie einfach die EU lahmgelegt werden kann. Und letztlich wäre da natürlich die Verschuldung Italiens. Jedes Mal, wenn in den letzten Wochen und Monaten Chaostage in Rom angesagt waren (in der Regierung und durch die Regierung), kletterte die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen nach oben.

Alles, was als Risiko für die Rückzahlung von Staatsschulden angesehen wird, erhöht ruckartig die Risikoprämie für neue Käufer dieser Staatsschulden. Also steigt die Rendite. Ganz frisch ist dies noch nicht passiert – aber wer Szenarien antizipiert, könnte genau dieses Thema im Auge behalten, und somit auch die Rendite der italienischen Staatspapiere.

Mit 3,16% notiert die Rendite aktuell über dem Niveau der USA (eine unglaubliche Leistung bei Nullzinsen in Europa und ständig steigenden Zinsen in den USA). Wie der Chart zeigt, war die Rendite vor knapp zwei Wochen und auch im Juni schon mal so hoch wie jetzt. Geht man als Charttechniker an diesen Renditeverlauf heran, könnte ein Ausbruch nach oben bevorstehen, und dann wären weitere drastische Folge-Anstiege denkbar. Es bedarf nur eines tatsächlichen Vetos oder einer konkreteren Ankündigung hierzu aus Rom, damit Bewegung in die Kurse kommt.

Italien

Italien Salvini
Der italienische Innenminister Matteo Salvini macht am meisten Druck in Sachen Flüchtlinge. Foto: Attribution: Presidenza della Repubblica



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2 Kommentare

  1. Glückwunsch zum Porsche, Herr Fugmann ;-)

    1. Ach was, Herr Fugmann würde doch nur einen Tesla fahren :-)

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