Praktisch wortgleich posteten heute Vormittag reihenweise die offiziellen Partei-Accounts und unzählige führende Politiker von Linke, Grünen und SPD, dass sie nicht mehr auf X posten werden. Man verlässt die Plattform. Man wird sich zukünftig wohl auf Bluesky als neue Plattform konzentrieren. Es war eine konzertierte Aktion der drei Parteien. Nicht mal haben sich einzelne Personen die Mühe gegeben, eigenständige Sätze für ihren Abschied zu formulieren. Man nutzte exakt die selben Texte. Fast schon gruselig.
Man hätte fast schon denken können, ein Hacker hätte sich zahlreicher Konten bemächtigt und dort überall die selbe Message reinkopiert. Die SPD geht sogar soweit, dass sie zum Abschied das Retweeten ihres letzten Tweets nicht mehr zulässt, und dass man den Tweet auch nicht mehr in Presseartikel einbetten kann. Traurig. Man soll diese Message also nicht verbreiten dürfen?
Medienberichte zeigen, dass es eine von allen drei Parteien geplante Aktion war, die auf einer Initiative der Grünen-Geschäftsführerin Pegah Edalatian basierte. SPD, Grüne und Linke hatten sich darauf geeinigt, „ein Zeichen zu setzen“. Man nutzt den Hashtag #WirVerlassenX, der auch heute Abend noch trendet. Er erzielt also heute eine große Aufmerksamkeit auf X.
Was ist der Vorwurf gegenüber X? In quasi allen Abschieds-Tweets ist der Wortlaut so ziemlich der selbe: „X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken. Politische Debatten leben vom Austausch, der Menschen erreicht & informiert. X hingegen fördert zunehmend Desinformation. Deswegen bespielen wir diesen Account nicht mehr.“
Dazu kann man anmerken: Man fördert den Austausch, in dem man davon rennt, und sich zurückzieht auf Bluesky, wo nur ein Bruchteil der Nutzerzahl vorhanden ist, wovon auch nur ein Bruchteil aktiv ist? Es ist ein offenes Geheimnis: Bluesky ist quasi das Social Network für die links-grüne Szene. Wenn sich diese drei Parteien und ihre Führungskräfte jetzt dorthin zurückziehen, werden sie zukünftig mit sich selbst reden! Das Schlimme dabei: Bei lauter Applaus und null Gegenrede wird man glauben, dass all die Menschen da draußen die selbe Meinung haben wie man selbst – weil man ja nur Zuspruch erhält.
Gewiss, auf X wie auf allen anderen Plattformen sind auch jede Menge Spinner und Pöbler unterwegs. Die kann man aber einfach blockieren. Und Fake-News? Dazu gibt es bei X das geniale Mittel der Community Notes, die gut funktionieren. Der wahre Grund für den Rückzug dürfte sein (so meine Meinung): Man kann den Widerspruch, die Kritik von liberal konservativen Menschen nicht ertragen, den man auf X in großem Umfang erlebt. Und dazu noch das „Desaster“, dass das „eigene Kind“ der linken Szene Twitter, einst die Wiege des links-grünen Mikro-Bloggings, vom „bösen Elon Musk“ gekauft und in den „Hort der Finsternis“ verwandelt wurde. So darf man wohl die Gedankenwelt des links-grünen Blocks zusammenfassen.
Ich beschreibe diese Blockbildung von Linken, Grünen und SPD schon seit Jahren in Kommentaren. Aber deutlicher als heute konnte es nicht sein. Drei Parteien verlassen in einer konzertierten Aktion mit gleich lautenden Texten ein ganzes Soziales Netzwerk. Mehr Beweis braucht man wohl kaum, um von einem rot-rot-grünen Block zu sprechen. Bei der Abgeordnetenhaus-Wahl in Berlin in diesem Jahr dürfte dieser Block wohl die Mehrheit schaffen – die Stadt Berlin wird es massiv zu spüren bekommen.
Diese drei Parteien sind bei Thema X quasi an ihrem Weltbild gescheitert. In dieser Welt ist man selbst der Gute, der Richtige, derjenige, der auf der richtigen Seite steht. Von daher kann man nicht verstehen, wie sich überhaupt jemand erdreisten könnte, Kritik zu üben. Man kann es einfach nicht verkraften, und flieht daher in seine Wohlfühloase namens Bluesky. Dort erhält man nur Lob und muss keine Kritik mehr ertragen. Und natürlich labelt man seine Flucht als wichtiges Zeichen, als Kampf für eine gesittete Debattenkultur. So einfach kann man seine eigene, gute Erzählung schaffen.
Was fällt Ihnen auf, wenn sie diese beiden Tweets lesen? Exakt der selbe Wortlaut. Neue Einheitsfront Linke und Grüne? Inhaltlich abgesehen vom Ukraine-Krieg sind die beiden eh kaum unterscheidbar. #WirVerlassenX #Linke #Grüne pic.twitter.com/4ufTqDmaHh
— Claudio Kummerfeld (@ClaudioFMW) May 4, 2026
X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken. Politische Debatten leben vom Austausch, der Menschen erreicht & informiert. X hingegen fördert zunehmend Desinformation. Deswegen bespiele ich diesen Account nicht mehr. #WirVerlassenX
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— Franziska Brantner (@fbrantner) May 4, 2026
X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken. Politische Debatten leben vom Austausch, der Menschen erreicht & informiert.
X hingegen fördert zunehmend Desinformation. Deswegen nutze ich diesen Account nicht mehr. #WirVerlassenX
(1/2)— Katharina Dröge (@katdro) May 4, 2026
X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken. Politische Debatten leben vom Austausch, der Menschen erreicht & informiert. X hingegen fördert zunehmend Desinformation. Deswegen bespiele ich diesen Account nicht mehr. #WirVerlassenX
(1/2)
— Felix Banaszak (@fbanaszak) May 4, 2026
X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken. Politische Debatten leben vom Austausch, der Menschen erreicht & informiert.
X hingegen fördert zunehmend Desinformation. Deswegen nutze ich diesen Account nicht mehr. (1/2)#WirVerlassenX— Britta Haßelmann (@BriHasselmann) May 4, 2026
X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken. Politische Debatten leben vom Austausch, der Menschen erreicht & informiert. X hingegen fördert zunehmend Desinformation. Deswegen bespielen wir diesen Account nicht mehr.#WirVerlassenX
(1/2)— Die Linke (@dieLinke) May 4, 2026
X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken. Politische Debatten leben vom Austausch, der Menschen erreicht & informiert. X hingegen fördert zunehmend Desinformation. Deswegen bespiele ich diesen Account nicht mehr. #WirVerlassenX
— Jan van Aken (@jan_vanaken) May 4, 2026
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Das ist die nächste Eskalationsstufe in Sachen Meinungsfreiheit (nur meine ist richtig), Zerschlagung der Reste von Debatte, Ausgrenzung. Psychologisch betrachtet heißt solch ein Verhalten Projektion. Historisch betrachtet Vorstufe zur Diktatur.
Die journalistischen Leitplanken des Medienstaatsvertrags gelten auch für die digitalen Medien. Deren Einhaltung kontrolliert die Rundfunkkommission der Länder, die nicht alles kann.
Ich lese ja ganz gerne Mal hier bei finanzmarktwelt und schätze auch den Herr Kummerfeld für seine Artikel, aber hier ist er leider deutlich übers Ziel hinausgeschossen.
Dieser Artikel sollte eindeutig als persönliche Meinung gekennzeichnet werden!
NIcht nur, dass er deutlich seine Abneigung gegen die politische Linke zum Ausdruck bringt (was als Meinung völlig okay ist), wird hier auch gegen eine souveräne Entscheidung gewettert, die nichts mit objektiven Journalismus zu tun hat. Besonders im Hinblick auf die zunehmende Rechtsradikaliesierung auf X, teils durch Elon Musk selbst befeuert, die diamentral zur politischen Ausrichtung der drei Parteien steht und auch der Diskussion um digitale Souveränität in den letzten Monaten, kann gegen diese Entscheidung – objektiv betrachtet – nichts eingewendet werden. Gleichwohl kann man natürlich bezweifeln, ob Bluesky und digitale Souveränität zusammen gehen.
Finanzmarktwelt wirft oft einen anderen Blick auf die Geschehnisse an den Märkten und den Hintergründen abseits vom Mainstream. Das ist meistens gut und interessant, manchmal merkwürdig und ab und zu auch mal skuril. Die Politik gehöhrt oft dazu, weil sie Teil des Geschäfts ist. Man sollte es aber tunlichst unterlassen seine eigenen politischen Meinungen einfließen zu lassen, denn sie tragen nichts zu seriösem Journalismus bei.
Also zukunftig bitte solche Artikel eindeutig als Meinung kennzeichnen!
Ist doch klar, dass dies die Meinung des Autors ist – steht doch sogar in der Beschreibung („Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.“).
Diese Mär von der zunehmenden Rechtsradikalisierung ist auch so albern. Das Problem ist doch eher, dass die Meinungen der im Durchschnitt nach Wählerwillen zehnprozentigen Parteien eben nicht die Mehrheit darstellt. Anstatt das anzuerkennen, wird jede abweichende Meinung als rechtsradikal geframt. In meinen jungen Jahren hat die CDU ähnliche Thesen wie jetzt die AfD rausgehauen („Kinder statt Inder“), da hat niemand wegen eine vorgeblichen Rechtsradikalität rumgejammert, das war unschön, aber eben eine Meinungsäußerung.
Die Dikursqualität ist der Gesellschaft einfach abhanden gekommen, stattdessen wird moralisiert ohne Ende. Die Aussage, dass gegen diese „Entscheidung – objektiv betrachtet – nichts eingewendet werden“ kann, unterstützt genau diese moralisierende Haltung, und ist gleichzeitig Ausdruck der vorherrschenden Doppelmoral. Man beklagt angeblichen mangelnden Austausch auf X, um gleichzeitg zu Bluesky umzuziehen, einem Medium in dem sofort Blocklisten herumgereicht werden, um gezielt andere Meinungen auzuschließen – wer das nicht klar erkennt und kritisiert, scheint selbst Probleme mit der Objektivität zu haben.
„X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken.“ Das Chaos hat die Politik und deren verknüpften Medien selber zu verantworten. Egal von welchem Flügel.
Ich stimme hier error und vor allem Gabriele in diesem Punkt zu:
Die Meinungen werden nicht mehr getauscht. Das ist ein Problem.
Ich beobachte u.a. in eher (deutlich) grün orientierten Medien die Kommentarspalten schon so wie hier beschrieben.
Es wird geframt. Aber das größte Ding ist, dass man sich in Meinungsblasen bewegt und sich ständig gegenseitig bestätigt, somit man noch überzeugter ist.
Im Allgemeinen werden die Anderen gerne als „“dümmlich“ eingestuft.
Schwierig.
Ich habe versucht einige Posts zu den Gaskraftwerken abzusetzen, also einfach:
Habeck 12,5GW, nun Reiche 12,5GW
So ist die Rechtfertigung für einen Feldzug?
Echte Argumente kommen da leider selten, es herrscht emotionale Aufgeladenheit. Und man könnte meinen, da duckt man sich geschlossen weg und keift wild rum.
Soviel dazu. Es ist ein Problem, die Spaltung ist nicht zwischen Rechts und Links. Die ist meiner Meinung nach zwischen Rechts und Grün.
Aber das habe ich Hrn. Kummerfeld schon x mal gepostet, dass die alle über einen Kamm geschert werden. Womöglich hat er gar nicht so unrecht, ich wünsche mir in der Tat eine SPD die wirklich für einen starken Sozialstaat eintritt und zwar für die Arbeiter, eine angebliche Klimapartei haben wir ja schon.
Von daher hoffe ich die bocken in Bezug zu Sozialkassenkürzungen wo es nur geht. Mal echt, was können denn die Arbeiter dafür, dass die die Kassen mit Fehlkalkulationen aus der Kassenfremde in Schieflage bringen. Das ist schlechte Politik und zwar alle der letzten 10 Jahre in einen gemeinsamen Sack, da haben sie die richtigen zusammen.
Wer profitiert? Auch das ist klar!
Und wer der Meinung ausweicht anstatt sich ihr zu stellen ist nicht nur feige. Das ist auch ein Bärendienst.