Rüstung dürfte immer mehr zum entscheidenden Faktor werden, um die Konjunktur in Deutschland zu „retten“. Nachfolgend zeigen wir einen Überblick zum aktuellen Boom und zur bisherigen Enttäuschung beim Sondervermögen für Infrastruktur.
Rüstung stützt deutsche Konjunktur
Ende August kam die Meldung: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt war im zweiten Quartal um „sensationelle“ 0,3 % im Vergleich zum ersten Quartal angestiegen, nach vorheriger Erstmeldung von +0,2 %. Zahlreiche doch recht regierungsfreundliche Journalisten brachen auf Social Media regelrecht in Jubel aus, dass es jetzt so richtig aufwärts gehe mit der deutschen Konjunktur. Dabei muss man es doch eigentlich anders rum sehen. Bei den enormen schuldenfinanzierten Anstrengungen vor allem bei der Infrastruktur ist dieser BIP-Anstieg viel zu gering. Aber die Rüstung bietet zunehmend Anlass zur Hoffnung, zumindest für die nächsten Jahre sozusagen eine Art Sonderkonjunktur zu entfachen, die vorübergehend die Stimmung aufhellt, und in der deutschen Volkswirtschaft für positive Folgeeffekte sorgt.
Schon in dieser Meldung vom 25. August für das BIP nannten die staatlichen Statistiker die Verteidigungsausgaben als einen der wichtigsten Gründe für den BIP-Anstieg. Dann folgten am 4. September Daten zu den jüngsten Auftragseingängen für die deutsche Industrie, ein Plus von 13 % im Jahresvergleich. Aber ohne Sonderfaktoren wäre es ein Minus gewesen. Die Details offenbarten, dass Großaufträge bei Schiffen, Flugzeugen und Militärfahrzeugen den Anstieg bei den Aufträgen auslösten. Wegen eines außergewöhnlich hohen Volumens an Großaufträgen vor allem im Schiff-, Schienenfahrzeug- und Flugzeugbau hat sich der Auftragseingang in diesem Bereich gegenüber dem Vormonat mehr als verdoppelt mit +126,4 %.
Aus Volkswagen in Osnabrück wird Rüstungsschmiede
Anfang dieser Woche kam eine gute Nachricht für die Mitarbeiter des Volkswagen-Werks in Osnabrück, wo die Autoproduktion im nächsten Jahr auslaufen wird. Das Land Niedersachsen und der israelische Finanzinvestor Aurelius übernehmen das Werk. Gut drei Viertel der Arbeitsplätze können wohl erhalten werden. Der Standort soll zu einem „Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen“ entwickelt werden. Als erstes Projekt sollen Luftverteidigungssysteme des israelischen Iron-Dome-Herstellers Rafael produziert werden.
Raketen aus Sachsen
Heute gibt es eine frische Meldung, die neue Jobs im Bereich Rüstung nach Sachsen bringen soll. Das US-israelische Verteidigungs-Start-up Covenant plant die Serienproduktion eines Langstrecken-Marschflugkörpers mit hoher Nutzlast in einem neuen Werk in Sachsen, so meldet es Bloomberg. Der bodengestützte Marschflugkörper „Anthem“ von Covenant kann einen Sprengkopf von mehr als 200 Kilogramm (440 Pfund) tragen, teilte das Unternehmen in einer Erklärung mit.
Das neue Werk des Unternehmens in Sachsen erstreckt sich über rund 10.000 Quadratmeter und liegt in der Nähe des Flughafens Leipzig, einem militärischen Logistikzentrum. Nach Angaben von mit der Angelegenheit vertrauten Personen soll der Standort im ersten Quartal 2027 die ersten Raketen an mindestens zwei europäische Kunden ausliefern.
Covenant gibt an, bis Ende nächsten Jahres an seinem Standort in Sachsen 1.000 Raketen bauen zu können, und hat sich eine eigenständige europäische Lieferkette gesichert. „Deutschland verfügt über eine außergewöhnlich starke industrielle Basis“, sagte Covenant-Präsidentin Abby Denburg gegenüber Bloomberg News. „Zwar durchläuft die Automobilbranche derzeit einen Strukturwandel, doch jahrzehntelange Exzellenz in der Fertigung hat genau das Know-how geschaffen, das wir benötigen.“
Eine zweite Produktionslinie in Texas wird nahezu die gleiche Kapazität haben. Ein kleinerer Standort im Norden Israels wird jährlich 2.000 Einheiten produzieren, teilte das Unternehmen mit. Sowohl der deutsche als auch der US-amerikanische Standort sollen langfristig mehr als 5.000 Marschflugkörper pro Jahr produzieren – etwa so viele Raytheon-Tomahawk-Raketen, wie die USA vor dem Iran-Krieg in ihrem gesamten Bestand hatten.
Immense Steigerung der Verteidigungsausgaben im Bundeshaushalt
Die Prognosen der Bundesregierung für den Bundeshaushalt bis 2030 zeigen die gewaltigen Dimensionen der Ausgaben für das Segment Rüstung. Für die Verteidigung sind im Einzelplan des Bundesverteidigungsministeriums 2027 rund 109,8 Milliarden Euro vorgesehen. Hinzu kommen die Ausgaben aus dem Sondervermögen Bundeswehr. Der Verteidigungsetat soll – nach Verausgabung der Mittel im Sondervermögen – auf 153,9 Milliarden Euro 2028, 162,9 Milliarden Euro 2029 und 183,7 Milliarden Euro 2030 steigen. Die von der Schuldenregel ausgenommene Kreditaufnahme für das Segment „Verteidigung, Zivil- und Bevölkerungsschutz, Nachrichtendienste, IT-Sicherheit und die Unterstützung völkerrechtswidrig angegriffener Staaten“ soll von 85,4 Milliarden Euro 2027 auf 151,8 Milliarden Euro 2030 steigen. Der weit überwiegende Teil geht natürlich in den Bereich Rüstung.
Ernste Zweifel an Wirksamkeit des Sondervermögens Infrastruktur
Ein Jahr nach dem Inkrafttreten ist der große Konjunkturboom, den das Sondervermögen für Infrastruktur auslösen sollte, immer noch nicht eingetreten. Laut gestriger Aussage von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil wurden von den 500 Milliarden Euro auf Pump bislang 50 Milliarden Euro ausgegeben. „Die Bagger rollen. Brücken und Schienen werden repariert, Schulen, Kitas, Krankenhäuser werden saniert, Feuerwehrhäuser, Sportplätze und bezahlbare Wohnungen neu gebaut“, so sagte es Klingbeil voller Stolz.
Dabei sind große Zweifel angebracht. Denn im März meldete das ifo-Institut, dass die aufgenommenen Gelder für das Sondervermögen Infrastruktur zu unglaublichen 95 % zweckentfremdet wurden. Also keine zusätzlichen Ausgaben für Brücken, Straßen oder Digitalnetze, sondern Stopfen von Haushaltslöchern. Damit schiebt man die Konjunktur nicht an. Auch wenn man annehmen darf, dass die Zweckentfremdung inzwischen deutlich gesunken ist: Das Programm erstreckt sich über zwölf Jahre, und die Inflation und steigende Baukosten bei großer Nachfrage nach Bautätigkeit dürften dafür sorgen, dass die jährlichen tatsächlichen Infrastruktur-Investitionen eher gering ausfallen. Zumal von den 500 Milliarden Euro 100 an die Bundesländer gehen (zum Stopfen von Haushaltslöchern?), und weitere 100 in den Klimafonds. Also bleiben nur 300 Milliarden Euro für noch 11 Jahre zum Ausgeben. Runtergebrochen abzüglich Zweckentfremdung, was bleibt da noch übrig? Die Rüstung jedenfalls scheint nach und nach eine vorübergehende Konjunkturstütze zu werden. Aber darauf ausruhen kann man sich nicht.
FMW/Bloomberg
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Dank Putin und Trump wächst die deutsche Wirtschaft – auf Pump. Immerhin kann man davon ausgehen, dass beide das nicht auf Dauer machen werden. Der eine weil er ersetzt wird und der andere, weil ihm die Russen ausgehen werden.
Ganz große Klasse! Die Wirtschaft wächst dank kreditfinanzierter Rüstung! Wer soll die Schulden dann bezahlen? Die Russen, nachdem wir sie überfallen haben? Der nächste Versuch des Sturms auf Moskau? Hoffentlich nicht wieder im Winter!
Gleichzeitig sind wir in Leipzig wieder legitimes Ziel für die Bombenteppiche, nachdem wir hier wieder alles aufgebaut haben.
Ich könnte K….!!!
ist schon erstaunlich, dass das ganz ohne kriegstreiberei funktioniert. sic!
Rüstung hat denselben Effekt auf eine Volkswirtschaft, wie das herstellen und abbrennen eines Feuerwerks.
Nur bei einem Feuerwerk sind die Instandhaltungskosten bis zum abbrennen, nicht so hoch.
Was wurde eigentlich für die 100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr aus dem Jahre 2022 gekauft?
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
Die Rheinmetalle- Aktie sieht das aber nicht so optimistisch, ( Aktien bewerten die Zukunft ? ) Dieser Titel hat sich innert eines Jahres gerade halbiert und das mit den vielen Kriegen !
Rüstungsinvestitionen sind unter den unproduktiven Investitionen die schädlichsten Investitionen, nach einigen Jahren veraltet oder sie richten bei Krieg viel Schaden an und am Schluss gibt’s noch hohe Entsorgungskosten.Es gibt nur eine Nation weltweit die mit Rüstung und Krieg Gewinne macht, das sind die Amis, sie verheizen mit Stellvertreterkriegen fremde Soldaten und verkaufen die Waffen.
Rüstungsausgaben sind keine Investitionen, sondern Konsum, so wie bsw Geld für Renten. Und wenn jetzt überflüssige Fabriken von VW zur Produktion von Waffen umgewidmet werden, wird auch klar, warum das gemacht wird. Die Chinesen wollen nicht mehr – sie selber stellen jetzt bessere Autos her – also muss der Steuerzahler ran. Das erklärt dann auch warum überraschend die Sozis in Niedersachsen und die Gewerkschaften ihren Widerstand gegen die Plöne von VW eingestellt haben.
Im Prinzip halte ich das nicht für falsch, denn die Zeit als Deutschland Exportweltmeister sein konnte, geht zu Ende. Die USA erhöhen die Zölle und die Chinesen machen die Dinge jetzt selber. Was bleibt dann noch übrig? Mehr Konsum in Deutschland. Allerdings wird man sich das vielleicht noch 5 Jahre leisten können, dann nicht mehr. Egal, dann wird jemand anderes in der Regierung sein.
Hallo @ Nur der Ami kanns
Daraus machen die Amis auch gar kein Geheimnis.
Imperien können nur auf Kosten der Vasallen aufrecht erhalten werden.
Imperien können nicht alle Kriege selbst führen.
Deutschland mit seiner Industrie und Russland mit seinen Rohstoffe wären, wenn sie zusammen arbeiten würden, eine echte Bedrohung für das Imperium USA.
Und darin, das zu verhindert, sind die Strategen der USA Spitzenklasse.
Sie reden den Deutschen ein, dass der Russe sie bedroht, obwohl er in mehr als 4 Jahren keine 20 % der Ukraine erobert hat.
Jetzt redet Pistorius den Leuten ein, dass die Russen viele Waffen bunkern, für den großen Angriff gegen Deutschland.
Vor 4 Jahren war es genau das Gegenteil.
Den Russen würden nach Wochen die Waffen ausgehen.
Heute produzieren sie also mehr Waffen als im Ukraine- Krieg benötigt, bunkern noch Waffen und sind drittgrößter Waffenlieferant der Welt(!?)
Wäre die Ukraine nicht mit hunderte von Milliarden mit Waffen aus dem Westen beliefert worden, dann wäre das Kriegsende schon 2022 in Istanbul mit einem Friedensvertrag beendet worden.
Jetzt geht es weiter bis zum letzten Ukrainer.
Und das nur, weil die europäischen Politiker sich nicht eingestehen wollen, dass die Ukraine den Krieg schon lange verloren hat.
Man muss kein Millitärexperte sein um zu wissen, dass die Ukraine einen Krieg gegen die größte Atommacht der Welt nicht gewinnen kann.
Bisher hat Russland diesen Krieg mit anezogener Handbremse geführt.
Nachdem sie auch zunehmend im Hinterland angegriffen werden (was natürlich legitim ist) werden die Russen versuchen im kommenden Winter die Ukraine ins Mittelalter zu bomben.
Mit den dann zu erwartenden Flüchtlingsströmen.
Was ist eigentlich, wenn die Russen die von ihnen beanspruchten Gebiete räumlich erobert haben?
Wenn dann noch keine ernsthaften Friedensverhandlungen stattfinden, wird der Vormarsch wohl weitergehen.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
Ein „alter“ Hase kommt zum Gemüsehändler: „At du Waffen?“ Der Gemüserhändler: „At du Waffenschein?“
Meine Oma sagte früher immer:
Wer hätte das gedacht?
Heute kann ich sagen:
Wer hat das nicht gedacht?
Schau dir „AUFGEFLOGEN: Panzer versprochen, Pensionen finanziert! | Schattenhaushalt 2026“ auf YouTube an
https://youtu.be/RJviqN_AJZA?is=RtUnQ4lZk8fAYX7I
Während das Sondervermögen verblassen wird, um damit Haushaltslöcher zu stopfen, werden die Steuern erhöht.
Und dann werden neue Sondervermögen benötigt.
Usw.
Bis zum Lastenausgleich.
Ist alles im Grundgesetz schon geregelt.
Selbst die Entschädigung der Impfopfer.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut