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Ruhe vor dem Sturm: Morgen Show Down zwischen Brüssel und Italien?

Redaktion

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Italien hatte fristgerecht sein Haushaltsbudget an die EU-Kommission übersandt. Die dort erwähnten 2,4% Neuverschuldung liegen innerhalb der 3%-Verschuldungsgrenze der Maastricht-Regeln. Aber weil die Vorgänger-Regierung in Rom mit 0,8% Neuverschuldung geplant hatte, uns sie jetzt verdreifacht werden soll, ist man in Brüssel offenbar mehr als wütend. Aber, wie wir es schon geschrieben hatten: Rom bleibt unter den 3%, von daher ist formal doch alles in Ordnung.

Dennoch gilt es als ziemlich sicher, dass die EU-Kommission möglicherweise schon morgen den Haushalt ablehnen wird, wenn zum Beispiel auch diverse Fragen nicht vernünftig (aus Sicht Brüssels) beantwortet wurden. Zum Beispiel geht es darum, warum die neue Regierung die Warnungen der Haushaltswächter des eigenen Parlaments ignoriert hat. Schon morgen könnten die Offiziellen in Brüssel (Juncker, Moscovici, Oettinger) öffentlich verkünden, dass die Regierung in Rom doch bitte ihren Haushaltsplan überarbeiten soll.

Wenn das geschieht, ist die Reaktion aus Rom vorprogrammiert. Die Bürokraten in Brüssel, diese Diktatoren, diese nicht demokratisch legitimierten Unterdrücker, von denen werden wir uns nicht sagen lassen, was wir tun sollen… so oder ähnlich werden wohl Salvini und Co reagieren. Denn sie haben ihren Bürgern Grundeinkommen uvm versprochen. Das geht nur mit deutlich mehr Schulden. Die Regierung in Rom wird aller Voraussicht nach auch nach diesem Drängen aus Brüssel bei ihrem Plan bleiben.

Und dann? Dann könnte Brüssel den Haushaltsplan Italiens offiziell ablehnen. Was würde das in der Realität bedeuten? Die EU-Kommission hätte das Druckmittel von Sanktionen, welche aber nur von der Kommission vorgeschlagen werden. Beschließen darf die Sanktionen letztlich nur der Europäische Rat. Es ist stark anzunehmen, dass tatsächliche monetäre Sanktionen nicht durchgesetzt werden, weil man wüsste, dass man damit den „Volkszorn“ der Bürger in Italien gegen Brüssel nur noch verstärken wird. Die Solidarisierung zwischen Regierung und Bevölkerung in Italien würde nur noch zunehmen nach dem Motto „seht her, die in Brüssel wollen uns knechten, das lassen wir uns nicht gefallen“.

Der Europäische Rat könnte von Italien eine Einlage von 0,2% bezogen auf das BIP verlangen. Diese Einlage kann im Laufe des Verfahrens in ein Bußgeld umgewandelt werden, welches nicht an Rom erstattet werden muss. Aber man bedenke: Eine Krähe hakt der anderen kein Auge aus. Spanien und Portugal waren vor nicht all zu langer Zeit Sünder, und wurden sogar offiziell verurteilt. Man setzte die zu zahlende Strafe einfach runter auf 0 Euro. Fertig aus, so einfach war das.

Es ist kaum anzunehmen, dass Portugal und Spanien im Europäischen Rat nun Italien anders behandeln werden. Und gerade das „böse“ Deutschland wird sich bei einer eventuellen Abstimmung kaum dazu durchringen, dass Brüssel eine Geldstrafe aus Rom absaugen soll. Mehr Zündstoff könnte man der populistischen Regierung in Rom nicht geben. Also womöglich wieder eine Verurteilung eines Sünders mit einer Strafe in Höhe von 0 Euro?

Was könnte der ganze Streit für Anleger bedeuten, die nicht gerade in italienischen Schuldpapieren aktiv sind? Man hatte es in den letzten Wochen mehrmals gesehen. Die Nervosität rund um Italien strahlte auch auf den Dax aus. Also: Wenn die Renditen in Italien wieder durch die Decke knallen, sollte das auch die Angst in den gesamten europäischen Kapitalmarkt zurückbringen, weil das gesamte europäische Haus wackelt.

Übrigens: Neben dem Zank zwischen Brüssel und Rom steht am Freitag eine Neubewertung Italiens durch S&P an. Das dürfte ebenfalls extrem wichtig sein. Die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen, die am letzten Freitag noch bei 3,76% lag, ist heute auf 3,47% zurück gekommen. Wir meinen aber: Es könnte die Ruhe vor dem Sturm sein. Eine Garantie auf den Sturm ist das natürlich nicht!

Italien
© European Union, 2017 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Mauro Bottaro

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    22. Oktober 2018 18:27 at 18:27

    Moody’s stuft Italien herab und die Bondrenditen fallen. War mir heute morgen unverständlich, aber so langsam wird mir klar: Es ist die Ruhe vor der Ruhe, der Sturm wird irgendwann kommen, aber nicht morgen und nicht übermorgen und er wird nicht von Italien ausgelöst werden.

  2. Avatar

    Gixxer

    22. Oktober 2018 22:50 at 22:50

    Dass das was in Italien abgeht ein starkes Stück der neuen Regierung ist, ist mir klar, aber sie halten mit dem Entwurf die 3% ein, wie hier auch geschrieben. Ich frag mich, wie man da die Ablehnung begründen will. Das kann ja nichts werden. Von EU-Seite aus. Man kann nur ruhig alles hinnehmen oder aber massig Öl ins Feuer gießen.

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

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