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Ausfallraten bei Krediten höher als gedacht? Russland: Banken stehen offenbar auf wackligen Füßen

Offenbar haben große Banken in Russland über mögliche staatliche Rettungsgelder gesprochen. Aber noch sei es nicht so weit.

Hochhäuser in Moskau
Hochhäuser in Moskau. Foto: gerain0812-Freepik.com

Wirken sich jahrelanger Krieg und westliche Sanktionen auf Dauer doch deutlich negativ auf die russische Volkswirtschaft aus? Zunehmende Schieflagen bei Unternehmen würden sich in immer mehr Kreditausfällen zeigen, was Banken in Russland irgendwann in Schwierigkeiten bringen würde. Dazu gibt es aktuelle Aussagen aus Moskau.

Führungskräfte einiger der größten Banken Russlands haben hinter verschlossenen Türen diskutiert, im Falle weiter wachsender notleidender Kredite auf Jahressicht staatliche Rettungsgelder zu beantragen, so Bloomberg News. Weiter wird berichtet: Mindestens drei von der Zentralbank als systemrelevant eingestufte Banken in Russland haben laut aktuellen und ehemaligen Verantwortlichen sowie internen Unterlagen, die Bloomberg News einsehen konnte, eine mögliche Rekapitalisierung innerhalb der nächsten zwölf Monate erwogen.

Die Institute haben demnach intern erörtert, wie sie im Bedarfsfall Unterstützung durch die Zentralbank anstreben würden. Grundlage dieser Szenarien ist — laut den Personen und Dokumenten — eine pessimistischere Einschätzung ihrer Kreditqualität, die deutlich von den offiziell veröffentlichten Daten abweicht.

Die informierten Personen, die um Anonymität baten, sagten, ein Antrag auf Staatshilfen hänge von einem weiteren Anstieg notleidender Kredite auf Jahressicht ab. Die Diskussionen innerhalb der Branche hätten jedoch bereits an Dringlichkeit gewonnen. Auf dem Papier erscheint das Bankensystem in Russland stabil, mit soliden Gewinnen trotz gestiegener Ausfallraten bei Unternehmenskrediten und Verbraucherdarlehen — bei einem Leitzins von fast 20%. Die offiziell gemeldeten Ausfallquoten liegen unter früheren Krisenniveaus.

Die Zentralbank hat den Instituten jedoch geraten, sich auf Kreditrestrukturierungen zu konzentrieren, anstatt das volle Ausmaß der notleidenden Kredite offen auszuweisen. Die russische Zentralbank reagierte nicht auf eine schriftliche Bitte um Stellungnahme.

Zentralbankgouverneurin Elvira Nabiullina erklärte am 2. Juli auf einem Finanzforum in St. Petersburg, das System sei “gut kapitalisiert” und verfüge über Kapitalreserven von 8 Billionen Rubel (102 Milliarden Dollar). “Als Bankenaufsichtsbehörde sage ich mit voller Verantwortung, dass diese Bedenken absolut unbegründet sind”, sagte sie.

Die Zentralbank hat angekündigt, dass sie bei Bedarf makroprudenzielle Kapitalpuffer freigeben könnte, um Banken in Russland zeitweise niedrigere Kapitalquoten zu erlauben. Diese Maßnahme würde den Druck begrenzen, solange Verluste im Rahmen der Puffer bleiben.

Offiziell lag der Anteil notleidender Unternehmenskredite zum 1. April bei 4%. Bei unbesicherten Verbraucherkrediten mit mehr als 90 Tagen Rückstand lag die Quote bei 10,5%. Dennoch wächst unter Bankmanagern die Sorge über die weitere Entwicklung.

“Es ist bereits klar, dass es nicht einfach werden wird”, sagte Herman Gref, CEO der staatlichen Sberbank, auf der Hauptversammlung im vergangenen Monat. Die Kreditqualität verschlechtere sich, und Unternehmen müssten ihre Schulden zunehmend restrukturieren. “Ich hoffe, dass wir wie immer gemeinsame Pläne finden werden, um diese schwierigen Zeiten zu überstehen”, sagte er.

Bei der VTB, der zweitgrößten Bank in Russland, erreichte der Anteil notleidender Verbraucherkredite im Mai 5% und belief sich auf 377 Milliarden Rubel, so der stellvertretende Aufsichtsratschef Dmitri Pianov laut einem Bericht der Zeitung Vedomosti vom 1. Juli.

Der Wert stieg seit Jahresbeginn um 1,2 Prozentpunkte. Pianov zufolge könnte die Quote bis 2026 auf 6 bis 7% steigen, liege damit aber noch unter dem Höchststand von 8 bis 10% zwischen 2014 und 2016.

Hohe Zinssätze und wachsende Unsicherheit belasten die Kundschaft, erklärten Führungskräfte zweier systemrelevanter Banken, die anonym bleiben wollten. Zwar gebe es derzeit ausreichende Reserven und Finanzspritzen im Falle einer Krise, doch das wahre Ausmaß der Lage könne verborgen bleiben, da viele Daten nicht öffentlich seien, so einer der Informanten.

Russland hat in der Vergangenheit umfangreiche Maßnahmen zur Stabilisierung des Bankensektors ergriffen. 2017 steuerte die Zentralbank über 1 Billion Rubel zur Rettung der Institute Otkritie, Promsvyazbank und B&N Bank bei — ein Schritt, den sie als notwendig zur Sicherung der Finanzstabilität bezeichnete.

Zur Umsetzung solcher Maßnahmen wurde im selben Jahr der Konsolidierungsfonds für den Bankensektor gegründet. Er dient der Rekapitalisierung und Sanierung von Banken, die unter dem Druck notleidender Kredite stehen.

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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3 Kommentare

  1. Ja, mit dem Problem werden die russischen Banken nicht alleine sein.
    Ist nur die Frage, ob bei etwa 30 % Staatsverschuldung, in der eigenen Währung, es dem Staat besonders schwer fällt, die Banken mit Krediten (in der Form von frisch gedruckten Rubel) zu versorgen.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  2. Ach, @Helmut
    wie herrlich beruhigend dein Glaube an die russische Schuldenmagie! Es ist wirklich süß, wie du die knackig niedrige Staatsverschuldung wie eine magische Allzweckwaffe gegen jede finanzielle Realität ins Feld führst. Leider hat dir offenbar niemand verraten, dass in Russland die Zeitrechnung stehen geblieben ist: Dort glaubt man offenbar, die Höhe der Verschuldung sei noch das größte Problem – als hätte Zinsen und Haushalt niemand auf dem Schirm.

    Kleiner Tipp: Wenn allein schon die Schuldzinsen mittlerweile rund 6–8 % des Staatshaushalts fressen und jede neue Rettungsschirme für die Banken fast schon automatisch in den Ruin führen, dann hilft auch eine „vergleichsweise niedrige“ Verschuldungsquote wie aus der BRICS-Werbung nicht mehr weiter. In Deutschland nimmt man für diesen Prozentsatz vielleicht das Geld für Bildung oder mal ein paar Straßenreparaturen in die Hand – in Russland verpulvert man es schlicht fürs Stopfen von Zinsschulden und Bankenlöchern.

    Aber hey, träum ruhig weiter von der wundersam billigen Staatsbrieftasche Putins. Vielleicht zahlen am Ende einfach alle russischen Großbanken ihre Kreditausfälle in Rubel zurück – Hauptsache, der Schuldendienst kann noch über neue Anleihen finanziert werden, am besten mit 18 % Zinsen und variablem Randgruppen-Optimismus. Das gibt dann ein richtig schönes Haushaltskarussell – dumm nur, dass am Ende nicht der Westen oder die „Konjunktur“ das Problem sind, sondern das ein System ist, bei dem der Staat seine Banken nicht mal mehr retten kann, ohne sich gleichzeitig wirtschaftlich zu strangulieren.

    Fazit: Deine Theorie funktioniert wunderbar – vorausgesetzt, man blendet Zinslast, Haushalt, Wirklichkeit und Mathematik konsequent aus. Hut ab vor so viel ökonomischer Naivität

  3. Finanzausschuss
    Bei 30 % Staatsverschuldung ist das kein Problem.

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