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Russland erwartet verschärftes Budgetdefizit

Der Staatshaushalt in Russland wird wegen geringerer Öl- und Gaseinnahmen und hoher Ausgaben ein erhebliches Defizit aufweisen.

Grafik: Inna-Zueva5-Freepik.com

Finanzielle Probleme für Russland! Zu Jahresbeginn wird der russische Staatshaushalt aufgrund geringerer Öl- und Gaseinnahmen und hoher Vorauszahlungen für Ausgaben ein erhebliches Defizit aufweisen. Das prognostizierte der stellvertretende Finanzminister Wladimir Kolitschew und verwies auf die niedrigen Ölpreise im Januar.


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Russland gewöhnte sich, dass es sich nicht gewöhnt

Da es in den vergangenen Jahren üblich gewesen sei, öffentliche Aufträge, die im Haushaltsgesetz festgelegt sind, im Voraus zu bezahlen, seien im Januar und Februar hohe Ausgaben zu verzeichnen. „Dadurch entsteht rein optisch ein großes Defizit zu Jahresbeginn. Aber wir dachten, alle hätten sich daran gewöhnt. Und im Prinzip wird sich die Entwicklung in diesem Jahr wiederholen, allerdings wird sie sich aufgrund der noch niedrigeren Öl- und Gaseinnahmen im Vergleich zum Vorjahr etwas verschärfen“, erklärte Kolitschew Interfax zufolge am 21. Januar.

Außerdem erwartet Kolitschew, dass „die Ölpreise im Januar niedrig bleiben, was zu einem Einnahmeausfall im Öl- und Gassektor führen wird.“ Die Einnahmeausfälle im Öl- und Gassektor würden im Staatshaushalt im Januar voraussichtlich 230 Milliarden Rubel betragen. Diese Angabe habe das Finanzministerium zu den geplanten Devisen- und Goldverkäufen vom 16. Januar bis 5. Februar gemäß den Haushaltsbestimmungen gemacht.

Defizit über Plansoll

Nach Angaben des Finanzministeriums beliefen sich die Einnahmen des Staatshaushalts im Jahr 2025 auf 37,3 Billionen Rubel, während die Ausgaben 42,9 Billionen Rubel betrugen. Daraus ergab sich ein Defizit von 5,6 Billionen Rubel bzw. 2,6 Prozent des BIP. Ursprünglich war das Haushaltsgesetz für 2025 mit einem deutlich geringeren Defizit von 0,5 Prozent des BIP verabschiedet worden. Im Juni jedoch verdreifachte sich das Defizit aufgrund sinkender Öl- und Gaseinnahmen auf 1,7 Prozent. Erfüllung des Bundeshaushalts Januar bis Dezember 2025 (vorläufige Daten) in Milliarden Rubel.

Daten zu Einnahmen und Ausgaben des Staates in Russland
**vorläufige Schätzung
Quelle: Russisches Finanzministerium am 19. Januar 2026

Der größte Verlust der Staatseinnahmen geht auf das Konto der Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor. Sie gingen 2025 gegenüber 2024 knapp 24 Prozent zurück. Schlugen sie einst mit 50 Prozent in den Haushaltseinnahmen zu Buche, umfassten sie im letzten Jahr darin nur noch einen Anteil von knapp 23 Prozent.

Dem hielt Kolitschew entgegen, dass die Einnahmen außerhalb des Öl- und Gassektors im Jahr 2025 stärker als im Herbst beschlossen auf insgesamt 28,8 Billionen Rubel gegenüber den geplanten 27,9 Billionen Rubel gestiegen seien. „Dies ist eine positive Entwicklung; wir erwarten ohnehin, dass die Einnahmen außerhalb des Öl- und Gassektors in diesem Jahr noch schneller wachsen werden. Dies ist sowohl auf die Maßnahmen zur Steuerreform als auch auf die Änderungen des Steuersystems zurückzuführen“, sagte er.

Verlustausgleich durch Steuern und Wohlfahrtsfonds

Zusätzliche Einnahmen aus der der Mehrwertsteuererhebung würden im zweiten Quartal sichtbar sein. „Da die Mehrwertsteuer vierteljährlich erhoben wird, wird sich die Erhöhung ab dem zweiten Quartal stärker auf die Einnahmen auswirken. Im ersten Quartal wird im Wesentlichen die Steuer für das vierte Quartal des Vorjahres entrichtet“, erklärte Kolitschew.

Die Mehrwertsteuer gilt offenbar als eine Art Allzweckwaffe gegen Verluste in der Exportwirtschaft. Dass die Öl- und Gaseinnahmen deutlich niedriger ausfallen könnten als prognostiziert, hält Kolitschew für möglich. Wir werden das, wie in dieser Regelung festgelegt, aus dem Nationalen Wohlfahrtsfonds ausgleichen“, sagte der stellvertretende Minister.

China und Gold sorgen für liquide Mittel

Der Nationale Wohlfahrtsfonds belief sich laut Finanzministerium zum 1. Januar 2026 auf 13,4 Billionen Rubel und ist im Vergleich zum Vormonat um 156,1 Milliarden Rubel gestiegen. Insgesamt hätten sich die Vermögenswerte des Fonds im Jahr 2025 gegenüber Jahresbeginn um mehr als 1,3 Billionen Rubel erhöht, berichtete Kommersant am 19. Januar.
Die liquiden Mittel des Wohlfahrtfonds bei der Zentralbank Russlands seien in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 um 355 Milliarden Rubel auf 4,2 Billionen Rubel gestiegen.

Der Anteil des chinesischen Yuan an diesen Mitteln habe 58,2 Prozent der Anteil nicht zugeordneten Goldes 41,7 Prozent und der Anteil des Rubels 0,01 Prozent betragen. Hieran wird deutlich, dass der Handel mit China und Goldverkäufe der Zentralbank für liquide Mittel im Fonds und Staatshaushalt sorgen. Mit Schattenmanövern, die Ausgaben am Haushalt vorbei kaschieren, ist zugleich zu rechnen, um Ergebnisse besser aussehen zu lassen als sie sind.

China belastet Russland

Dazu hat die Abhängigkeit von China ihren Preis. Im letzten Jahr importierte China mit 101 Millionen Tonnen 7,1 Prozent weniger Rohöl aus Russland und gab dafür 49,7 Milliarden US-Dollar und somit 20,4 Prozent weniger als 2024 aus. Darüber informierte die chinesische zentrale Zollbehörde jüngst im Januar. Demgegenüber legten Chinas Ölimporte aus Saudi-Arabien um 2,6 Prozent auf 81 Millionen Tonnen zu.

Im vergangenen Jahr erhöhte China außerdem seine Importe von Pipelinegas aus Russland um 17,1 Prozent auf 9,41 Milliarden US-Dollar. Die LNG-Importe umfassten 9,8 Millionen Tonnen und markierten einen Rekordanstieg von 18,3 Prozent. Wertmäßig spiegelt sich das Rekordergebnis jedoch nicht wider. Fast 5 Milliarden US-Dollar brachte China für die Rekordmenge auf, was 0,06 Prozent unter dem Preis von 2024 liegt.

Sowohl beim Öl als auch LNG wirkten sich Sanktionen aus. Sorgten sie beim Öl dafür, dass China von anderen Lieferanten wie Saudi-Arabien und Irak mehr Öl abnahm, sind die Importe von sanktioniertem LNG offenbar ein gängiges Mittel, um kostengünstig größere Mengen einzuführen. Beides mindert die russischen Öl- und Gaseinnahmen und belastet die Bilanz von Unternehmen und Staatshaushalt.



Über den RedakteurJosephine Bollinger-Kanne

Dr. Josephine Bollinger-Kanne ist Expertin für Energiewirtschaft, Energiepolitik und internationale Wirtschaftsbeziehungen. Sie ist als freie Journalistin tätig.

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3 Kommentare

  1. Über die aktuelle russische Goldförderung und deren Vermarktung liest man nirgends etwas.

  2. Für ein Land, das sich fast 4 Jahre im Krieg befindet, in dem gegen die Waffenlieferungen der gesamten Nato angegangen werde muss, gegen Hunderte von Milliarden Unterstützung des Kriegsgegners, gegen Tausende von Sanktionen, Beschlagnahmung von Hunderten von Milliarden, ist es erstaunlich, dass das zu erwartende Haushaltsdefizit so niedrig ist.

    …USA: Das Haushaltsdefizit der US-Bundesregierung im Fiskaljahr 2025 belief sich laut ersten Daten auf rund 1,8 Billionen US-Dollar. Dies entspricht etwa 6,2 % des BIP. Die Staatsschuldenquote (Federal debt held by the public) steigt weiter an.
    Deutschland: Prognosen deuten darauf hin, dass das gesamtstaatliche Defizit aufgrund gestiegener Investitionen (Verteidigung, Infrastruktur) steigen könnte. Einige Analysen erwarteten ein Defizit von über 3 % des BIP, während andere auf ein gesamtstaatliches Defizit von etwa 2,6 % bis 3,1 % im Jahr 2025 schließen.
    Österreich: Der Fiskalrat erwartet für 2025 ein gesamtstaatliches Budgetdefizit von 4,4 % des BIP. Hauptgründe sind hohe Ausgaben für Pensionen, Gesundheit und Zinsen…

    https://www.google.com/search?q=Budgetdefizit+westlicher+staaten+2025&num=10&sca_esv=3a7bfe1ca1db5972&sxsrf=ANbL-n5S6r9DBBMAeAL2eOOcpgKF3bQ3Tw%3A1769140446173&ei=3vByaZuxCrD4kdUPuf25uAQ&ved=0ahUKEwibmOje4aCSAxUwfKQEHbl-DkcQ4dUDCBE&uact=5&oq=Budgetdefizit+westlicher+staaten+2025&gs_lp=Egxnd3Mtd2l6LXNlcnAiJUJ1ZGdldGRlZml6aXQgd2VzdGxpY2hlciBzdGFhdGVuIDIwMjUyCBAAGIAEGKIEMggQABiABBiiBDIFEAAY7wUyBRAAGO8FSP4iUNcHWL4fcAF4AZABAJgByQGgAfUGqgEFMC40LjG4AQPIAQD4AQGYAgagAsAHwgIKEAAYsAMY1gQYR8ICBRAhGKABwgIEECEYFcICBRAhGJ8FmAMAiAYBkAYIkgcFMS40LjGgB7odsgcFMC40LjG4B7YHwgcFMi00LjLIBy-ACAA&sclient=gws-wiz-serp

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  3. Hallo Oska

    Russland festigte 2024 seine Position als einer der weltweit führenden Goldproduzenten mit einer geschätzten Minenproduktion von rund 310 Tonnen.
    Also etwa 40 Milliarden.
    Wenn Russland Gold verkauft, dann hauptsächlich an China, Naher Osten oder Türkei.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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