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Russland hat im „Kalten Krieg“ am Anleihemarkt einen Fehler gemacht

FMW-Redaktion

Zum ersten Mal seit dem Start der westlichen Sanktionen vor 3 Jahren hat Russland am internationalen Kapitalmarkt wieder eine Anleihe ausgegeben. Die Aktion verlief aber in einem Fiasko, das aber hätte verhindert werden können. Man wollte zeigen: Wir sind noch da, die Anleger wollen unsere Anleihen kaufen! Und der Witz ist: Wahrscheinlich hätten westliche Fonds auf der Suche nach Rendite dem lieben Herrn Putin seine Anleihen umgehend aus der Hand gerissen, wenn das US-Finanzministerium nicht mit einem virtuellen Zeigefinger eingeschritten hätte.

Jede Bank weiß: Verärgert man die USA, bekommt man dortigen Kapitalmarkt so richtig Probleme – z.B. Schweizer Banken können davon ein Lied singen. Von daher ist die Beschwerde des Kreml gar nicht mal so weit weg geholt, dass „der Westen“ diese Anleiheemission torpediert habe. Es handelte sich hierbei aber wohl eher um eine Art passiven & vorauseilenden Gehorsam der Finanzbranche. Jeder weiß: USA + EU haben Sanktionen gegen Moskau am Laufen. Wer sich da z.B. als US-Großbank an der russischen Anleiheemission beteiligt (was nicht Teil der Sanktionen gewesen wäre), verliert vielleicht irgendwann in Zukunft rein zufällig seinen Status als zugelassene Bank für die Erstemission von US-Staatsanleihen? Nur so eine Idee… aber auch abseits der Folgen, die allen bekannt sind, wiesen die USA darauf hin, dass eine Teilnahme an dieser russischen Emission gegenläufig zur Außenpolitik der USA sein würde – die EU drückte sich diesbezüglich (wie immer) etwas netter aus und bat darum aufmerksam zu sein, ob mit der Teilnahme an dieser Emission die Sanktionen indirekt beeinträchtigt werden könnten. Denn in der Tat könnte der Kreml so eingenommene Devisen an Unternehmen weiterleiten, die auf der Sanktionsliste stehen.

Und so kam es, wie es kommen musste. Letzte Woche wollte Moskau um die 3 Milliarde Euro platzieren. Man braucht hierfür üblicherweise in dem entsprechenden Währungsraum Abwicklungsstellen und Banken, die die Emission durchführen und die Papiere auch virtuell verwahren. Aber im gesamten „Westen“ fand sich ohhhh Wunder niemand. Wobei doch jeder weiß: Die Banken würden nur zu gerne solch ein Geschäft machen, wo man fett Gebühren absahnen kann, weil Russland die Emission braucht. Weder eine Verwahrstelle noch abwickelnde Banken in Europa oder den USA ließen sich für die Anleihe finden. So wurden es am Ende nur 1,6 Milliarden Euro, die Russland am Anleihemarkt platzieren konnte.

Wohlgemerkt: Ohne den Druck durch vor allem die US-Regierung auf die westliche Finanzindustrie, die nicht ohne den Finanzplatz USA kann, hätten wohl viele Banken liebend gerne den Russen bei der Platzierung geholfen, das kann man nur noch mal betonen! Aber so ist das Image-Desaster für den Kreml perfekt. Eine Anleiheemission konnte nicht in gewünschter Höhe platziert werden. Auch der Zinssatz musste erhöht werden um Investoren anzulocken – für 10 Jahre Laufzeit gibt es 4,75% Rendite. Mangels westlicher Abwicklung mussten die Investoren diese Anleihen bei der russischen „National Settlement Depository“ hinterlegen lassen. Platziert wurde die Anleihe gezwungenermaßen über die russische Staatsbank VTB, die auf der Sanktionsliste des Westens steht.

Der Kreml tat nun was getan werden musste. Eigentlich hätte ein Zeichnungsvolumen von 7 Milliarden Dollar vorgelegen (vielleicht stimmt das ja auch?) – viele ausländische Investoren seien darunter gewesen. Welche Investoren das gewesen seien, konnte weder das russische Finanzministerium sagen, noch ist in Bankenkreisen bekannt, welche großen Anleiheinvestoren Teil einer Zeichnungssumme von 7 Milliarden waren. Aber gut, immerhin wurden 1,60 Milliarden Euro eingenommen. Also wird doch irgendwer direkt in Moskau gekauft haben. Nach unserer Meinung hat Putin (na gut, der macht wohl nicht alles persönlich) einen wichtigen Fehler gemacht: Wenn man weiß, dass Transaktionen in Euro und in US-Dollar wohl von den dahinterstehenden Staaten massiv behindert werden (aufgrund der Sanktionen), warum versuche ich dann in diesen Währungsräumen Anleihen zu platzieren? Russland hat sich doch auch in Sachen Ölverkäufe an China angenähert. Dann hätte man doch gleich die Anleihe in Yuan begeben können. Groß genug ist der chinesische Kapitalmarkt allemal! Ist auch nur ein Beispiel, soll ja keine Handlungsempfehlung für Herrn Putin sein…



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3 Kommentare

  1. Hallo erst mal.Herr Putin,macht keine Fehler,zumindest nicht grössere&gravierende!Er dürfte um einiges abgezockter sein,als all die anderen US-Marionetten!Diejenigen,welchen es gelungen ist an dieser Emission irgendwie teilzunehmen,werden ernten,wenn der nächste US-Präsident mit Ihm wieder glänzende Geschäfte zuungunsten der wesentlich aggressiveren Schlitze macht!Die devote Wirtschaftsmacht Deutschland wird dann wieder in die Röhre schauen.IM Erika lacht sich dann als Chefin am East River ins sozialistische Fäustchen. Warum ist Deutschland trotz seiner überragenden Fähigkeiten eigentlich immer blöd wie Brot?(nur Redewendung,da Brot=Leben!)

  2. Jab . was will Putin mit 3mrd wenn grade der Ölpreis hoch kommt .
    Das war eine Sonde . ein Späher .
    Zukünftige Investoren vorsortieren .

    1. STEVEN. JA SO IST ES WOHL.

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