Der erlahmte Schiffsverkehr in der Straße von Hormus befeuert in Russland die Aussicht, dass der Sanktionsdruck auf heimische LNG-Kapazitäten abnimmt und Europas Importverbot von russischem LNG ins Wanken gerät. Russische Experten rechnen Eskalation und Gaspreisrally hoch, während China die LNG-Importlücke aus Katar verkraften muss.
Russland sieht Versorgungskrise in Europa
Im Zug des Nahostkonfliktes seien die Gaspreise seit dem Frühjahr um fast 60 Prozent drastisch gestiegen und erreichten am 3. März 780 US-Dollar je 1000 Kubikmeter. Daher tage die Gaskoordinierungsgruppe der Europäischen Kommission, um die Lage der Energieversorgung zu bewerten, berichtete die russische Zeitung Iswestija am 4. März.
Die Lage im europäischen Gassektor könne nur als Krise bezeichnet werden. Denn laut Gas Infrastructure Europe seien die Gasreserven in den unterirdischen Speichern bis zum Vorabend des Nahostkonflikts am 27. Februar auf 30 Prozent gesunken. Dies markiere einen der niedrigsten Werte, Ende Februar verzeichnet wurden. Auf niedrige Speicherstände wies der russische Gaskonzern Gazprom im Lauf des Winters immer wieder hin, um vor Versorgungsengpässen in Europa zu warnen.
Stopp am Golf
Außerdem stellte Katar am 2. März nach iranischen Angriffen auf Energieanlagen, Katar, einer der weltweit größten Gasexporteure, die LNG-Produktion im Werk von Qatar Energy ein. Darüber hinaus gab Majid bin Mohammed al-Ansari, Berater des Premierministers und offizieller Sprecher des Außenministeriums des Emirats, bekannt, dass Katar die Gasförderung auf einer Reihe von Feldern einstellt. Über
Bei alledem beanspruchen die iranischen Revolutionsgarden die vollständige Kontrolle über die Meerenge von Hormus, durch die Experten zufolge rund 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung und eine ähnliche Menge an LNG für Europa und Asien passieren. „Die Straße von Hormus steht derzeit unter der vollständigen Kontrolle der Marine der Islamischen Republik“, erklärte Marinesprecher Mohammad Akbarzadeh in einer Stellungnahme, die die iranische Nachrichtenagentur Fars am 4. März veröffentlichte.
Verbot bei Engpässen aussetzen
Angesichts dieser Lage hält Maria Belowa, Forschungsdirektorin des Beratungsunternehmens Implementa es für denkbar, dass die Europäische Union das Verbot für kurzfristige LNG-Verträge mit Russland ab 25. April 2026 und das Verbot für langfristige Verträge ab 1.Jaaur 2027 verschiebt, sofern sich die Ereignisse für den globalen LNG-Markt negativ entwickeln.
Die Expertin merkte gegenüber Iswestija an, dass die Verbotsregelung Ausnahmen aus Gründen der Energiesicherheit vorsieht. Demnach könnte die Europäische Kommission das Verbot bei plötzlichen Versorgungsengpässen vorübergehend aussetzen, wenn etwa die Gasknappheit am Markt 15 bis 20 Prozent der Nachfrage übersteigt. Weitere EU-Maßnahmen könnten die Einführung von Lieferquoten für verschiedene Verbrauchergruppen im Falle einer Knappheit umfassen.
Wjatscheslaw Mischtschenko, Leiter des Zentrums für Analyse und Entwicklung des Brennstoff- und Energiesektors, meint, dass die EU das Verbot russischer LNG-Lieferungen verschieben oder sogar die Lieferung bestimmter Gasumfänge zulassen könnte. Die Reaktion der russischen Produzenten wird ihm zufolge in diesem Fall gemischt ausfallen. Es werde darum gehen, ob es sich lohnt, „Europa zu helfen, das sich selbst in diese energiepolitische Sackgasse manövriert hat.“ Für ihn ist zugleich klar: „Es gibt derzeit eine Marktlücke für unser Gas in Asien.“
Preisefrage entscheidend
„Das Flüssigerdgas fließt dorthin, wo es den höchsten Preis erzielt, wo mit einem weiteren Preisanstieg zu rechnen ist. Wir haben ein konkretes Beispiel aus dem Frühjahr 2022. Im Falle eines längerfristigen Stopps der LNG-Lieferungen aus dem Persischen Golf könnten die Gaspreise mehrere 1000 US-Dollar je 1000 Kubikmeter erreichen“, machte Belowa die Rechnung auf.
Jekaterina Kosarewa, geschäftsführende Gesellschafterin von VMT Consult, geht davon aus, dass die Gaspreise in diesem Jahr über dem Durchschnitt von 2025 liegen. Kurzfristige Spitzenwerte über 10.000 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas seien dabei zwar möglich, würden aber nicht lange auf diesem Rekordniveau bleiben. Dazu äußerte sie, dass Europa bei einer deutlichen Eskalation des Konflikts keine andere Wahl haben werde, als sich erneut an Russland zu wenden, weil es dann ums Überleben gehe.
„Die EU hat sehr deutlich gemacht, dass sie sich von russischem Öl und Gas lösen will. Doch die Ereignisse der letzten drei bis vier Tage haben die Situation zusätzlich erschwert“, sagte zuvor bereits Norwegens Energieminister Terje Åsland Medienberichten zufolge auf einer Konferenz in Oslo. Wegen der aktuellen geopolitischen Lage ist er der Ansicht, „dass die Debatte neu entfacht wird.“
Russland bietet China noch mehr Öl an
Nach Zahlen des Brüsseler Thinktanks Bruegel lieferte Norwegen 2025 mit 97,1 Milliarden Kubikmetern (31 Prozent) das meiste Gas an die EU. Die USA folgen mit 82,9 Milliarden Kubikmetern (26,4 Prozent) und Algerien mit 38,6 Milliarden Kubikmetern (12,3 Prozent). Die russischen Gasexporte in die EU sanken gegenüber 2024 um 30 Prozent auf 38 Milliarden Kubikmeter, hauptsächlich aufgrund des Stopps des Transits durch die Ukraine. Von den Golfstaaten war Katar der einzige LNG-Lieferant Europas mit einem Anteil von lediglich 8 Prozent an den Gesamtimporten.
Folglich ist die EU vom Stopp der LNG-Produktion von Katar vergleichsweise gering betroffen. China ist dagegen von Öl- und LNG-Lieferungen aus der Golfregion stark abhängig. Besonders seine 30-prozentige Abhängigkeit bei LNG-Importen von Qatar Energy macht das Land verwundbar. Daher hätten chinesische Beamte laut einem Bericht von Bloomberg, der sich auf hochrangige Führungskräfte chinesischer Staatsunternehmen beruft, iranische Beamte dazu gedrängt, große Energieexporteure wie Katar nicht ins Visier zu nehmen.
Offiziell erklärte die Sprecherin vom Außenministerium Mao Ning auf einer Pressekonferenz in Peking am 3. März lediglich: „China fordert alle Parteien dringend auf, die Militäroperationen unverzüglich einzustellen, eine Eskalation der Spannungen zu vermeiden und die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu gewährleisten.“ Auch wenn China wie Russland am Fortbestand des Mullah-Regimes interessiert ist, ist ein Fortbestand einer Hormus-Blockade für das Reich der Mitte inakzeptabel.
Eine Schutzeskorte für Tanker durch den Persischen Golf, wie sie Präsident Donald Trump in Aussicht stellte, mag da ein Rettungsanker sein, den China gern annimmt. Russland profitiert indessen durch eine Gas- und Ölpreisrally, die durch die Schließung der Seestraße am Golf in Gang bleibt. Generös bot der russische Premier Alexander Nowak an, die Öllieferungen an China und Indien zu erhöhen. „Unser Öl ist gefragt. Wenn sie es kaufen, verkaufen wir es“, unterstrich er laut russischen Medien.
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Warum sollte Russland nun Europa beliefern?
Putin wird nun China ein Angebot machen.
Zumal Russland und China eine gemeinsame Grenze haben.
Europa geht so und so den Krebsgang.
Soll er Europa beliefern, dass gegen ihn aufrüstet?
Die Zukunft von Russland liegt in Asien. Ggf. noch einige Rohstoffabkommen in Billionenhöhe mit den USA.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut
@Helmut
An anderer Stelle haben Sie behauptet, Deutschland müsste nur die Nord Stream 2 in Betrieb nehmen, und schon gäbe es Gas zum Schnäppchenpreis 😉
Sie lassen dabei leider außer Acht, dass Russland die bestehenden Leitungen (Nord Stream 1) selbst gedrosselt und gestoppt hat, bevor die Röhren beschädigt wurden.
Insofern sind Ihre Fragen tatsächlich berechtigt: „Warum sollte Russland nun Europa beliefern? Soll er Europa beliefern, dass gegen ihn aufrüstet?“
Bitte seien Sie so nett und erklären uns Lesern diese logischen Dissonanzen.
der Chinanese hat doch Schiffe da gehabt, soll er doch eigene Geleitzüge austellen und Beschützen 🤣🤣🥳
Emma Pénéliau
Ich könnte nun eine Menge zu den Sanktionen schreiben, warum die notwendige Gasturbine erst nicht (ich glaube Schweden) repariert werden konnte und warum die Turbine dann (auch wegen der Sanktionen) nicht von Russland aus Deutschland angenommen werden konnte.
Aber dann gäbe es nur Kommentar- Pingpong.
Nur- warum beliefert denn dann Russland alle Länder mit Öl und Gas, die von den Sanktionen ausgenommen sind?
Ich denke, Russland hat nun alle Hände voll, bzw. Tanker voll zu tun, um China mit Gas und Öl zu beliefern.
Warum soll Russland Länder beliefern, die Russland als Feind ansehen, hunderte Milliarden beschlagnahmt haben, tausende Sanktionen verhängt haben und die Wirtschaft ruinieren wollen?
Da doch lieber ein Land wie China, das jetzt die Hilfe von Russland benötigt.
Es werden hunderte zusätzliche hunderte von Milliarden für die Rüstung ausgegeben.
Und zwar für Kampfpanzer und andere Angriffswaffen.
Laut Baerbock befand sich Deutschland schon vor Jahren mit Russland im Krieg.
VIele Grüße aus Andalusien Helmut
@Helmut
Einerseits schreiben Sie, Deutschland müsste nur die Nord Stream 2 in Betrieb nehmen, und schon gäbe es Gas zum Schnäppchenpreis. Andererseits werfen Sie die Frage auf, ob und warum Russland ein Land wie Deutschland überhaupt beliefern sollte.
Erkennen Sie in Ihrem übereifrigen Schreibzwang noch immer nicht das Paradoxe dieser Scheinargumentation?
Wobei Ihnen womöglich und mir ganz sicher bewusst ist, dass Propaganda nicht zwingend kohärent sein muss 😉
Emma Pénéliau
Haben Sie den gar nicht mitbekommen, wie die Welt sich gerade verändert?
Gas über Nordstream wäre jetzt ein Schnäppchen.
Selbst wenn auch zu Weltmarkt-.Preisen.
War das kurz genug?
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
@Helmut
Das war zu kurz gedacht.
Ihre logischen Dissonanzen schlagen in Kakofonie um 🙉
„Gas über Nordstream wäre jetzt ein Schnäppchen. Selbst wenn auch zu Weltmarkt-.Preisen.“
Weltmarktpreise sind Weltmarktpreise, da gibt es keine Schnäppchen.
Ja @ Emma Pénéliau
Ich habe mir gedacht, dass Sie das nicht verstehen.
Ein ausreichendes Angebot oder ein Überangebot an vorhandener Ware ist sogar eine der häufigsten Ursachen für echte Schnäppchen. Wenn Händler ausreichenden oder zu viel Bestand haben, müssen sie diesen schnell verkaufen, um Lagerkosten (in diesem Fall z. B. LNG-Tanker) zu sparen und Platz für neue Ware zu schaffen.
Das war auch der Grund, warum vor Jahren ganze Schiffsladungen Öl zu einem negativen Preis verkauft wurden.
Ein großes natürliches Gaslager und für den Transport vorhandene 4 Nord-Stream-Pipelines würden den Betreiber dazu veranlassen, den Preis den Marktgegebenheiten anzupassen.
Ich habe z. B. vor einiger Zeit wieder unsere Dieseltanks gefüllt.
Es war genug Diesel im Handel und er kostete in Spanien nur 1,28 Euro.
Eben in Schäppchen.
Dann gibt es natürlich auch die Situation, überhaupt an Ware zu kommen, damit etwas nicht zusammenbricht, wenn die Ware nicht geliefert werden kann.
Etwa wenn ein Chemiekonzern gerdossel werden muss, weil nicht ausreichend Gas vorhanden ist.
Dann kann auch teures Gas ein Schnäppchen sein, weil damit großer Schaden verhindert wird.
Z. B. drehen aktuell LNG-Tanker auf offener See um, weil ein anderer Abnehmer mehr für das Gas bereit ist zu zahlen.
Da Sie aber sowieso über den Dingen stehen und sich die Marktgesetze nach Ihnen zu richten haben, sollten wir es dabei belassen.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
@Helmut
Mir war gar nicht bewusst, dass uns gleich vier Nord Stream-Pipelines zur Verfügung stehen.
Diese exklusiven alternativen Fakten hätten Sie erwähnen sollen, als Sie behaupteten: „Deutschland müsste nur die Nord Stream 2 in Betrieb nehmen, und schon würde es etwa nur 1/3 kosten.“
@Peter x
Dass viel Angebot den Preis drückt, hat Helmut so aber nicht geschrieben – das kam erst als nachträgliche Schadensbegrenzung.
Seine ursprüngliche „Logik“ lautete: „Gas über Nordstream wäre jetzt ein Schnäppchen. Selbst wenn auch zu Weltmarkt-.Preisen.“
Das ist eher ein fantasievolles Rätselspiel als inhaltlich-logische Kohärenz, aus der sich eine Sinnbildung ableiten lässt.
Vielleicht sollte @Helmut sein überbordendes Schreibpensum auf 10 Kommentare pro Tag drosseln und die gewonnene Zeit nutzen, um Erklärungen einzuflechten, die auch jeder Leser ohne Glaskugel verstehen kann.
Zudem bleibt er nach wie vor die Erklärung schuldig, wie genau sich sein „Schnäppchenpreis von 1/3“ eigentlich berechnet. Um den Weltmarktpreis um 67 % zu drücken, müsste über die eine verbliebene Röhre eine enorme Überkompensation der derzeit blockierten Gaslieferungen aus der Golfregion erfolgen.
Ich freue mich auf die konkreten Zahlen, die dieser fundierten Marktanalyse zugrunde liegen – präsentiert von zwei Lesern mit richtig viel „Ahnung vom Markt“ 😉
emma wollte halt auch mal was schreiben 🥳auch wenn Sie keine Ahnung vom Markt hat🤗
Anderen wiederholt „Keine Ahnung“ und “ Nichts verstehen“ zu unterstellen, sagt einiges über sich selbst aus.
naja zumindest sollte jeder verstehen, das viel angebot den preis drückt, oder🤔
Peter x
So ist dass.
Ich habe z. B. nicht ausreichende Kenntnisse um in der Tiefe über Aktien zu diskutieren oder gar mein Geld darin anzulegen.
Also versuche ich es auch erst gar nicht.
Aber Emma Pénéliau muss dann gleich den anderen Kommentar Kakofonie unterstellen, um ihr Unwissen über die Bedeutung “ Schnäppchen“ zu kaschieren.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
Peter x
Ja.
Ich wüsste jetzt aus dem Stand kein Produkt, das bei einem Überangebot teurer wird.
Wenn jetzt (rein theoretisch) alle 4 Nordstream Röhren ans Netz gehen würden, würde der Gaspreis dramatisch fallen.
Alleine die Ankündigung würde die LNG – Preise schon fallen lassen.
Aber- es sollt nicht sein.
Daher geht das rusdische Pipeline-Gas nun nach China.
China kann dann noch günstiger produzieren.
Deutschland kauft das umweltfeindliche Frackinggas. So tut doch jeder was für die Umwelt(!?)
Viele Grüße aus Andalusien Helmut