Die Stahlindustrie in Russland stürzt ab: Exporte brechen weg, Nachfrage sinkt, Verluste steigen. Sanktionen, hohe Zinsen und Überkapazitäten verschärfen die Krise.
Die russische Stahlindustrie befindet sich in der schwersten Krise seit dem Zerfall der Sowjetunion. Produktion, Nachfrage und Erträge fallen gleichzeitig. Selbst die bislang robustesten Konzerne rutschen in die Verlustzone. Was lange als Anpassung an Sanktionen galt, entpuppt sich als struktureller Niedergang.
Russland: Exporte schrumpfen, Inlandsnachfrage bricht ein
Nach dem die Stahlproduktion Im Jahr 2024 um 8,6 Prozent sank, setzte sich dieser Trend im letzten Jahr weiter fort. Nach Angaben der World Steel Association lag die Produktion bis November bei 61,8 Millionen Tonnen. Für das Gesamtjahr rechnet selbst die russische Regierung nur noch mit rund 67 Millionen Tonnen. Damit liegt die Produktion auf dem niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt. Der Inlandsverbrauch bricht noch stärker ein. Severstal meldet für 2025 einen Nachfragerückgang von rund 15 Prozent.
Der wichtigste Grund liegt außerhalb des Landes. Europa war über Jahre der profitabelste Absatzmarkt für russischen Stahl. Autobauer, Maschinenhersteller und Baukonzerne zahlten hohe Preise. Seit Inkrafttreten der EU-Sanktionen ist dieser Markt faktisch verschlossen. Artikel 3G der Sanktionsverordnung blockiert nicht nur Direktlieferungen, sondern auch Umwege über Drittstaaten. Exporte nach Europa spielen praktisch keine Rolle mehr.
Neue Abnehmer in Indien, der Türkei oder im Kaukasus ersetzen diese Volumina nur teilweise. Vor allem aber sinken die Erlöse pro Tonne deutlich. Die Exportmenge ist seit 2021 um rund ein Drittel gefallen. Gleichzeitig steigt der Konkurrenzdruck auf den verbliebenen Absatzmärkten. Rabatte werden dabei zur Regel, die Margen schrumpfen.
Der Binnenmarkt bietet keinen Ausgleich. Die militärische Nachfrage bleibt zwar stabil, aber ihr Umfang liegt jedoch nur bei rund einer Million Tonnen pro Jahr. Das ist wenig im Verhältnis zur Gesamtproduktion. Die zivile Nachfrage fällt dagegen deutlich. Der Wohnungsbau stagniert, Infrastrukturprojekte werden verschoben oder gestrichen. Und der Maschinenbau leidet unter den hohen Finanzierungskosten. Die Automobilindustrie produziert nur noch einen Bruchteil früherer Stückzahlen.
Russland: Finanzierungskosten ersticken Investitionen
Der Leitzins der Zentralbank liegt bei 16 Prozent. Damit verteuern Kredite sich massiv für die Unternehmen. Ein wachsender Teil der Einnahmen fließt in den Schuldendienst. Auf der andren Seite bleiben dadurch Investitionen. Die notwendige Modernisierung der Produktionsanlagen wird aufgeschoben. Diese Kombination trifft eine Branche mit hohen Fixkosten besonders hart. Und damit werden die russischen Stahlhersteller immer weniger konkurrenzfähig.
Die Bilanzen spiegeln das wider. Severstal verzeichnete in den ersten neun Monaten des letzten Jahres einen Gewinneinbruch von 57 Prozent. Der freie Cashflow ist negativ. Als Folge davon wurden die Dividenden erneut ausgesetzt. NLMK, der größte Stahlhersteller des Landes, rutschte bereits 2024 in die Verlustzone und schrieb auch 2025 Verluste. MMK meldete im ersten Halbjahr einen Rückgang des Nettogewinns um fast 90 Prozent. Die Produktion sank zweistellig. Selbst der Marktführer ist nicht mehr stabil.
Besonders kritisch ist die Lage bei hoch verschuldeten Produzenten. Metinvest gilt als größtes Risiko der Branche. Rund 70.000 Beschäftigte arbeiten in Stahlwerken und Kohleminen. Allein im ersten Halbjahr 2025 summierte sich der Verlust auf 445 Millionen Euro. Die Schulden liegen bei rund drei Milliarden Euro. Bei Zinsen von deutlich über 15 Prozent wird der Schuldendienst zur zentralen Belastung. Auch die Industrial Metallurgical Holding schreibt tiefrote Zahlen. Kapazitätskürzungen, Kurzarbeit und Stellenabbau nehmen branchenweit zu.
Putin verbietet Pleiten
Der Staat reagierte im Oktober mit einem Insolvenzmoratorium. Unternehmen dürfen vorübergehend nicht bankrottgehen, selbst bei Zahlungsunfähigkeit. Offiziell dient das der Stabilisierung. Kritiker sehen darin vor allem ein Einfrieren der Probleme. Anders als in westlichen Krisenphasen fehlen begleitende Reformen oder gezielte Hilfsprogramme. Ineffiziente Strukturen bleiben bestehen, Verluste werden nicht bereinigt.
Zusätzlichen Druck erzeugen Importe aus China. Auch wenn die chinesischen Lieferungen mittlerweile wieder zurückgehen, steigern sie ihren Marktanteil. Geliefert werden vor allem Spezial und Edelstähle, die in Russland nicht in ausreichender Qualität verfügbar sind. Das verstärkt den Preisdruck auf heimische Produzenten.
Hinzu kommt die globale Überkapazität. Nach OECD-Angaben entstehen bis 2027 weltweit zusätzliche 165 Millionen Tonnen Stahlkapazität. China spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Preise geraten weiter unter Druck. Während Europa massiv in Dekarbonisierung und neue Technologien investiert, fehlt Russland der Zugang zu Kapital und moderner Technik.
Damit verengt sich der Handlungsspielraum der Branche weiter. Absatz in Schwellenländern, niedrigere Preise und stagnierende Investitionen prägen das Bild. Das Insolvenzmoratorium verschafft Zeit, ersetzt jedoch kein tragfähiges Geschäftsmodell. Aus einer strategischen Schlüsselindustrie wird schrittweise ein Anbieter für den unteren Marktbereich.
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Ja, die Asiaten sind stark am Markt.
Und die Sanktionen wirken sich auch aus.
Auch Deutschland steuert auf ein viertes Krisenjahr zu, mit einem Rückgang der Rohstahlproduktion um 9,3 % bis November 2025 gegenüber dem Vorjahr.
Jüngste Rückgänge: Von 2017 bis 2025 verlor die deutsche Stahlnachfrage etwa 14 Millionen Tonnen.
2023: Die Rohstahlproduktion fiel auf ein 14-Jahres-Tief, unter das Niveau der Finanzkrise.
2024: Die Produktion sank weiter, mit einem Rückgang im ersten Halbjahr 2025 um fast 12 % auf 17,1 Millionen Tonnen.
2025: Es wird mit einem vierten Krisenjahr in Folge gerechnet, wobei die Produktion die 40-Millionen-Tonnen-Grenze deutlich unterschreitet.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
…..Putin macht mobil im ewigen Eis
Frostalarm in Sibiren: Russland setzt erstmals 8 nuklearbetriebene Eisbrecher ein…..Wichtige Projekte und Schiffe:
Projekt 22220 (Arktika-Klasse): Die modernste Generation, gebaut in St. Petersburg (Baltiysky Zavod).
Arktika: In Dienst gestellt 2020, ein Schlüssel zur Durchsetzung der NSR.
Sibir (Sibiri): In Dienst gestellt 2022.
Ural: Vom Stapel gelaufen.
Tschukotka (Chukotka): Eingeweiht im November 2024.
Jakutija (Yakutia): Im Dezember 2022 vom Stapel gelaufen.
Projekt 10510 (Leader-Klasse): Noch größere und stärkere Eisbrecher für die Zukunft, mit zwei RITM-400 Reaktoren.
Rossija (Russia): Soll 2027 fertiggestellt werden. ….Schiffbau Deutschland ?????? Aber nur weil die Schiffe aus Kunststoff sind…..
@Tiffany Traxx
und warum muss dann Putin sein Öl und Gas verscherbeln? Selbst China kauft immer weniger…
https://finanzmarktwelt.de/oelkrise-in-russland-durch-politikversagen-und-krieg-376213/