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Indien fällt als Käufer aus Russland und Iran gehen die Optionen aus – Öl-Rabatte für China

Freie Abnehmer in China haben wohl keine Kapazitäten mehr. Russland und Iran versuchen dort Öl mit steigenden Rabatten loszuschlagen.

Öltanks in China
Öltanks in China. Foto: Qilai Shen/Bloomberg

Zumindest in großen Teilen scheint Indien derzeit als Käufer für Öl aus Russland auszufallen, weil der seit Monaten aufgebaute Druck seitens der USA immens war. Man will Russland zunehmend von Öleinnahmen abschneiden. In Moskau wächst das Haushaltsloch, man bräuchte wohl jeden Dollar. Und Indien ist ein sehr großer Abnehmer, das tut weh! So wird es für Russland noch schwieriger sein Rohöl am Weltmarkt abzusetzen. Daher fokussiert man sich auf Abnehmer in China, wie auch der Iran, der im Augenblick von den USA verstärkt unter Druck gesetzt wird. Ein drohender umfangreicher Militärschlag soll in Sachen Atomabkommen und Menschenrechte Wirkung erzielen. Öl-Sanktionen helfen dabei. Und der Marktmechanismus von Angebot und Nachfrage scheint zu greifen.

Wenn Nachfrager ausfallen (Indien), und viel Angebotsmenge auf weniger Nachfrage trifft, fallen die Preise. Oder anders ausgedrückt: Der Kaufwillige ist in einer glänzenden Verhandlungsposition, und kann die Einkaufspreise drücken, weil der Anbieter kaum noch weiß, wo er seine großen Mengen an Öl absetzen kann. Und so sehen wir, dass Iran und Russland die Rabatte für ihre Ölverkäufe erhöhen, um ihr Rohöl in China loszuwerden. Dies senkt die Einnanhmen dieser Länder. Und vor allem Russland ist von hohen Einnahmen durch Öl und Gas abhängig.

Russland und Iran senken Preise für China

Russische und iranische Ölproduzenten bieten immer größere Preisnachlässe an, da sie um dieselbe begrenzte Gruppe chinesischer Käufer konkurrieren, nachdem Indien sich aus den Käufen zurückgezogen hat. Dazu berichtet Bloomberg: Indiens Importe aus Russland könnten laut einem Szenario von Rystad Energy gegenüber Januar um 40 % auf rund 600.000 Barrel pro Tag zurückgehen. Ein Großteil der verdrängten Ladungen wird nun nach Osten transportiert, was einen Preiskampf mit iranischen Lieferanten auslöst, die seit langem von chinesischen privaten Raffinerien bevorzugt werden.

Russisches Urals-Öl wird laut Händlern, die mit solchen Geschäften vertraut sind, derzeit zu einem Preis von etwa 12 Dollar pro Barrel unter dem ICE-Brent-Preis verkauft, verglichen mit einem Rabatt von 10 Dollar im letzten Monat. Iranisches Leichtöl wird sogar 11 Dollar unter dem globalen Referenzpreis gehandelt, sagten sie und baten darum, nicht namentlich genannt zu werden, da sie nicht befugt sind, mit den Medien zu sprechen. Das ist eine Steigerung gegenüber 8 bis 9 Dollar im Dezember.

Die unabhängigen chinesischen Raffinerien, bekannt als „Teapots”, fungierten in der Vergangenheit als Druckventil des Ölmarktes und nahmen die von anderen gemiedenen Barrel auf. Ihre Kapazität ist jedoch begrenzt, da sie nur etwa ein Viertel der Verarbeitungskapazität des Landes ausmachen und zudem den von der Regierung festgelegten Importquoten unterliegen.

China importiert mehr Öl aus Iran und Russland

Da China nicht in der Lage ist, das überschüssige Rohöl vollständig aufzunehmen, stapeln sich unverkaufte Ölvorräte in asiatischen Gewässern, und Russland und dem Iran gehen die Optionen aus, so die Formulierung von Bloomberg News. Der Kreml war bereits gezwungen, die Produktion zu drosseln, wodurch ihm Mittel für seinen Krieg in der Ukraine entzogen wurden. Der Iran versucht unterdessen, so viel Öl wie möglich zu verschiffen, während er sich auf einen möglichen Angriff der USA vorbereitet.

Chinesische private Raffinerien können nicht viel mehr aufnehmen, da ihre Kapazitäten wahrscheinlich ausgeschöpft sind“, sagte Jianan Sun, Analyst bei Energy Aspects, und verwies auf die sanktionierten Barrel, die sich sowohl in Onshore- als auch in Offshore-Lagern ansammeln. Die großen chinesischen staatlichen Raffinerien haben iranisches Rohöl traditionell gemieden und sich in letzter Zeit auch weitgehend aus dem Handel mit Russland zurückgezogen.

Bislang sieht es so aus, als würde der Iran einen Rückschlag erleiden, während Russland auf dem Markt Fuß fasst. Die Lieferungen von russischem Öl an chinesische Häfen stiegen in den ersten 18 Tagen des Februars auf 2,09 Millionen Barrel pro Tag, wie aus den von Bloomberg zusammengestellten Schiffsverfolgungsdaten hervorgeht. Das ist ein Anstieg von rund 20 % gegenüber Januar und ein Sprung von etwa der Hälfte gegenüber Dezember.

Im Gegensatz dazu hat der Iran laut Kpler in diesem Jahr bisher etwa 1,2 Millionen Barrel pro Tag nach China exportiert, was einem Rückgang von rund 12 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.

Das Datenanalyseunternehmen schätzt, dass sich derzeit fast 48 Millionen Barrel iranisches Öl auf See befinden, gegenüber etwa 33 Millionen Anfang Februar. Der größte Teil des Anstiegs findet im Gelben Meer und in der Straße von Singapur statt. Unterdessen befinden sich rund 9,5 Millionen Barrel russisches Öl in asiatischen Gewässern.

Ein größerer Angriff der USA auf den Iran könnte die Exportfähigkeit des Landes beeinträchtigen, wenn seine Ölanlagen angegriffen werden oder der Transport durch die Straße von Hormus gestört wird. Die USA haben eine Vielzahl von Streitkräften im Nahen Osten stationiert, und obwohl Präsident Donald Trump erklärt hat, dass er ein diplomatisches Abkommen bevorzugen würde, hat er auch gewarnt, dass kein Abkommen für Teheran „sehr schlecht” wäre.

Russische Barrel bergen für chinesische Käufer aufgrund des Optimismus hinsichtlich eines möglichen Waffenstillstands in der Ukraine auch ein „relativ geringeres Risiko” als iranische Ladungen, sagte Lin Ye, Vizepräsident für Ölmärkte bei der Beratungsfirma Rystad Energy.

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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1 Kommentar

  1. Unabhängig von dem indirekten Wirtschaftsterrorismus von seiten des 47. US-Präsidenten Donald John Trump gegen das OPEC+-Mitgliedsland Islamische Republik Iran ist Premierminister Narendra Modi seinen Mitgliedschaften in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und BRICS nicht mehr würdig.

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