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Lichtblick durch Hormus Russland zieht an Notbremse für Ölpreis-Rabatte

Russland muss Öl mit hohen Rabatten auf dem Weltmarkt anbieten. Der Iran-Krieg könnte Abhilfe schaffen. Ein Überblick.

Öl-Fässer
Grafik: Kar881am-Freepik.com

Vizepremier Alexander Nowak kündigte an, dass die Preisabschläge für Rohöl aus Russland (Marke Urals) auf 10 US-Dollar je Barrel sinken sollen. Der Anteil der Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor ist im Haushaltsbudget ihm zufolge von 50 auf 15 Prozent abgestürzt. Das hält er nicht für problematisch, räumte aber Haushaltsrisiken ein. Hoffnung gibt dazu der Tankerstau in der Straße von Hormus.

Russland rekurriert auf Bestzeiten

Die russische Regierung werde sich bemühen, den Preisabschlag für russisches Öl auf etwa 10 US-Dollar pro Barrel zu senken, wie es „in den besten Zeiten der Sanktionen“ der Fall gewesen sei, kündigte Nowak laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax am 27. Februar während einer öffentlichen Sitzung im Sirius-Bildungszentrum an.

„In den besten Zeiten, ich meine schon in der Sanktionsperiode, lag unser Ölabschlag bei ungefähr 10 US-Dollar pro Barrel. Und wir werden uns bemühen, den Wert wieder auf etwa dieses Niveau zu senken. Wir arbeiten in diese Richtung“, bekräftigte der Vizepremier und Präsident Wladimir Putins Mann für zentrale Wirtschaftsbelange in Russland.

Unabhängig von Öl werden

Auf die Frage nach Maßnahmen zur Reduzierung des Haushaltsdefizits aufgrund sinkender Öl- und Gaseinnahmen erklärte er: „Der Anteil der Öl- und Gaseinnahmen liegt derzeit bei rund 15 Prozent, während er vor nicht allzu langer Zeit noch 50 Prozent betrug.“ Es sei sehr wichtig, vom Öl unabhängig zu werden. „Dieses Ziel wurde ebenfalls festgelegt.“

Einen allmählichen Rückgang des Anteils der Öl- und Gaseinnahmen hält Nowak nicht für problematisch. „Die Hauptsache ist, dass das Gesamtvolumen zumindest gehalten wird“, wiegelte er ab, räumte aber ein, dass aufgrund der niedrigeren Ölpreise als in der sozioökonomischen Entwicklungsprognose erwartet „derzeit Haushaltsdefizitrisiken bestehen“.

Sanktionsdruck erhöhte Abschlag

Faktoren wie „der durchschnittliche Brent-Preises und der Preisverfall für Urals“, der teilweise auf die Verlagerung der Produkte auf weiter entfernte Märkte zurückzuführen sei, schlügen zu Buche. Für den Haushalt 2026 hatte das Finanzministerium auf Grundlage der sozioökonomischen Entwicklungsprognose einen Ölpreis von 59 US-Dollar eingepreist, der sich jedoch aufgrund der Rabatte deutlich darunter bewegt.

Nachdem Rosneft und Lukoil im vergangenen Herbst auf die Sanktionslisten der USA und Großbritanniens gesetzt wurden und die USA und Indien, das nach 2022 zu einem der Hauptabnehmer von Öl aus Russland werden sollte, Vereinbarungen zur Reduzierung ihrer Käufe trafen, erreichte der Abschlag für russisches Öl in den Verladehäfen laut Argus-IF 27–29 US-Dollar je Barrel.

Nowak verwies auf verschiedene Möglichkeiten, um Haushaltsdefizite zu decken und sagte: „Defizite können aus verschiedenen Quellen gedeckt werden: entweder aus dem Nationalen Wohlfahrtsfonds, durch Kredite oder durch den Verkauf von Vermögenswerten, was ebenfalls eine Deckungsmöglichkeit darstellt.“

Gegenmittel gegen Haushaltslöcher

Dennoch klafft im Haushalt eine Lücke, die sich nach Analysten von SperbankCIB bei Ölpreisen von 46 US-Dollar im Schnitt und einem starken Rubel durch hohe Zinsen und die gute Konjunktur für Edel- und Buntmetalle auf 7,3 Billionen Rubel verdoppeln kann. Goldverkäufe und der Ausverkauf arktischer Ressourcen wie Flüssigerdgas an China liegen hoch im Trend, um das Staatsschiff auf Kriegskurs zu halten.

Im Februar senkte die russische Zentralbank zudem den Leitzins um 50 Basisprozentpunkte auf 15,5 Prozent und sieht in ihrer mittelfristigen Prognose für 2026 einen Leitzins von 13,5-14,5 Prozent vor. Im letzten Jahr lag dieser bei 19 Prozent und betrug lange Zeit den Spitzenwert von 21 Prozent, um die Inflation in Russland einzudämmen. Allerdings trieben die hohen Leitzinsen Kreditzinsen hoch und belasteten die heimische Wirtschaft.

Die Absenkung der Leitzinsen soll die Wirtschaftstätigkeit im Land ankurbeln, nachdem sich im letzten Jahr die Inflation laut Zentralbank abgeschwächt hatte und die Preissteigerungen im Januar keine Inflationswelle auslöste. Auf Inflationsrisiken durch ein wachsendes Haushaltsdefizit durch ausbleibende Öleinnahmen wies die Zentralbank indes in ihrem Abschlussbericht zur Leitzinssenkung am 26. Februar hin.

Mit mehr Steuern auf gewinnträchtige Industriezweige wie Gold oder Buntmetalle ließen sich nach Ansicht von Analysten Haushaltslöcher ebenfalls stopfen. Damit der Devisen- und Kapitalabfluss begrenzt bleibt, ist ab 1. September eine Begrenzung zur Goldausfuhr durch Privatpersonen geplant, die sich auf Barren mit einem Gewicht von 100 Gramm oder mehr erstrecken soll.

Lichtblick durch Ölpreissteigerung

Die Militärschläge der USA und Israel gegen den Iran schüren Befürchtungen von Versorgungsengpässen durch die Straße von Hormus. Dies löste kräftige Ölpreis-Anstiege aus, die für Russland die Aussicht auf höhere Energieeinnahmen erhöhen und für Entlastung beim Haushalt sorgen.

Medienberichten zufolge legten die Brent-Rohöl-Futures für die Lieferung im Mai am 2. März im frühen Handel an der Londoner ICE-Börse um bis zu 13 Prozent zu und erreichten 82,37 US-Dollar pro Barrel, bevor sie sich wieder auf etwa 79 US-Dollar einpendelten. Im Januar 2025 lagen die Brentpreise zuletzt bei über 82 US-Dollar je Barrel.

Für Russland zählt die Dauer

„Der Ölpreis ist sehr volatil und reagiert auf die Dynamik des Konflikts. Unseren Schätzungen zufolge bestand von Ende Februar bis Anfang März ein hohes Risiko eines Brent-Preisanstiegs auf 80 US-Dollar“, bemerkte hierzu Michail Zeltser, Börsenexperte bei BCS World of Investments, gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Tass. Langfristige Prognosen seien schwierig, aber sollte die Straße von Hormus geschlossen sein, „könnte der Ölpreis vorübergehend dreistellige Werte erreichen.“

Alexej Michejew, Anlagestratege bei VTB My Investments machte hier deutlich, dass ein plötzliches Ende des Konflikts unter den gegenwärtigen Bedingungen das globale Ölmarktgleichgewicht nicht wesentlich beeinträchtigen würde. In diesem Fall würde die gesamte Prämie von 20 US-Dollar im Ölpreis schnell verschwinden, wie es im Sommer 2025 der Fall war, als der Brent-Preis innerhalb von zwei Tagen von 80 auf 65 US-Dollar fiel.

Von der Dauer des Konflikts im Iran hängt demzufolge ab, wie viel Russland an hohen Öl- und Gaspreisen verdienen kann. Ein Absenken der Preisabschläge für Rohöls der Marke Urals erscheint dann nicht mehr ganz so drängend zu sein. Insofern spielt der Tankerstau von Hormus Moskau in die Hände. Auch Indien blickt laut Medien wieder auf Ölimporte aus Russland.



Josephine Bollinger-Kanne
Über den RedakteurJosephine Bollinger-Kanne
Dr. Josephine Bollinger-Kanne ist Expertin für Energiewirtschaft, Energiepolitik und internationale Wirtschaftsbeziehungen. Sie ist als freie Journalistin tätig.
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