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Russlands drastische Zinsanhebung – eine Panikreaktion und ihre Gründe

Gestern verzeichnete der russische Rubel den stärksten Fall seit der Russland-Krise der Jahre 1998/99 – über 10% verlor die Währung. Beosnders bitter: es gibt keinen wirklich offenkundig nachvollziehbaren Grund für die gestrige Panik. Als der Abverkauf des Rubel begann, hatte der Ölpreis sogar eher zugelegt – normalerweise bewegt sich der Rubel relativ parallel zum Preis des Nordseeöls Brent. Manche spekulieren, dass eine der Ursachen das grösste Ölunternehmen Russlands, Rosneft, gewesen sein könnte. Das Unternehmen hatte in der Vorwoche eine Unternehmensanleihe im Umfang von 625 Milliarden Rubel begeben und trat daher möglicherweise als Dollar-Nachfrager im großen Stil auf.

Rosneft jedoch hat dies inzwischen (glaubhaft?) dementiert. In einer dramatischen Nachtsitzung beschloss jedenfalls die russische Notenbank den Zinssatz von 10,5% auf nun 17,0% anzuheben, um den Abverkauf des Rubel zu stoppen. Kurzfristig schien das zu gelingen: Dollar-Rubel fiel unter die 59er-Marke, doch aktuell notiert der Kurs wieder im Bereich 63 und damit nicht viel unter dem gestrigen Panikhoch über der 65er-Marke:

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Was aber ist das eigentliche Problem? Klar, der Ölpreis setzt den Rubel unter Druck. Folge des gefallenen Ölpreises aber ist, dass russische Energieunternehmen weniger Einnahmen, sprich weniger Dollars haben, die dann in Rubel umgetauscht werden könnten und so die russische Währung stützen. Das andere „Problem“ ist, dass Russlands Notenbank offenkundig dazu übergeht, russische Unternehmen zu finanzieren. Sichtbar wurde dies bei der bereits angesprochenen Unternehmensanleihe von Rosneft: Käufer dieser Anleihen können die Anleihe gegen einen dreijährigen Kredit bei der Notenbank tauschen – ein gewinnbringendes Geschäft, weil die Rendite der Rosneft-Anleihe (bis gestern!) höher war als der Zins der Notenbank. Faktisch finanziert damit die Notenbank russische Unternehmen, eine Art QE durch Unternehmensanleihen. Und druckt damit Geld – was wiederum die Rubel-Geldmenge erhöht. Der gestrige Abverkauf dürfte auch darin eine Ursache haben.

Wie auch immer: die Kritik an der Notenbank und ihrer Chefin Elvira Nabiullina wächst. Warum ist sie nicht schon im Tagesverlauf eingeschritten? Zu vermuten ist, dass der Anstoß für die Massnahme aus der hohen Politik Russlands, und nicht von der schwächlich wirkenden Notenbanchefin kamen. Es würde nicht wundern, wenn sie bald abgelöst würde.

Sollte die drastische Zinsanehbung, die für Russlands Wirstchaft auf Dauer nicht durchzuhalten ist, nicht wirken, ist der nächste Schritt die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen. All das hat sich Putin irgendwie anders vorgestellt, als er vor einigen Wochen sagte, dass Russland für einen weiteren Ölpreis-Fall gewappnet sei. Wie man jetzt sieht: Russland war es nicht..



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