Europa

Russlands Wirtschaft stürzt weiter ab

Von Markus Fugmann

Die Beteuerungen Putins und anderer russischer Politiker, dass die Wirtschaft des Landes die Talsohle nun durchschritten habe, sind Legion. Dabei gibt es nur ein klitzekleines Problem: sie haben keinen Anhalt an der Realität, die Zahlen sprechen eine andere Sprache: so fielen im Mai die Einzelhandelsumsätze in Russland den fünften Monat in Folge, im Vergleich zum Vorjahresmonat beträgt der Rückgang herbe 9,2%. Damit sind die Umsätze im Einzelhandel in 2015 insgesamt um 7,7% gefallen – das ist mehr als rezessionsartig, das hat fast Ausmaße eines ökonomischen Absturzes.

Das zeigen auch die starken Rückgänge der Investitionen, die im Mai in Russland im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,7% fielen. Weiter rückläufig sind auch die verfügbaren Einkommen der Russen – und das bei einer Inflation von 15,6% im Mai, wie Zahlen der russischen Notenbank ausweisen. Während also die Einkommen der Russen fallen, steigen gleichzeitig die Preise stark und senken so den Lebensstandard der Russen drastisch. Russlands Firmen reagieren auf den Abschwung mit Entlassungen, Arbeitszeiverkürzungen und Lohnsenkungen – eine klare Abwärtsspirale. Dazu die russische Notenbank klarsichtig:

„According to Bank of Russia estimates, the labour market adjusts to the new conditions mostly through wage decrease and growing part-time employment. These factors, alongside with a decrease in retail lending, will result in further decline in consumer spending“.

Eines der zentralen Probleme ist die austrocknende Kreditvergabe, zumal sich die überwiegend hoch verschuldeten russischen Firmen nicht mehr an den westlichen Kapitalmärkten refinanzieren können. Dazu erneut die Bank of Russia in ihrem Statement vom 15.Juni präzise:

„Fixed capital investments will continue to contract due to economic agents’ negative expectations with regard to the Russian economic outlook and tight lending conditions. Investment demand will also be contained by limited substitution of external sources of funding with domestic ones given shallow Russian financial market and high ruble debt burden.“



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