Anleihen

Sabotiert die Bundesbank die EZB?

Von Markus Fugmann

Goldman Sachs stellt sich die Frage, was hinter dem Crash der deutschen Bundesanleihen in den Vorwochen steckt. Und gibt überraschende Antworten!

Auffällig ist laut Goldman Sachs zunächst einmal, dass die Bundesbank im Rahmen des QE anders vorgeht als andere Zentralbanken der Eurozone: sie kauft viel kürzere Laufzeiten bei deutschen Staatsanleihen als die anderen Notenbanken der Eurozone es bei ihren Anleihen tun. So hat sich die durchschnittliche Laufzeit von Anleihen, die die Bundesbank kauft, von März 8,1 Jahren auf Mai 5,7 Jahre verkürzt. Sprich: die Bundesbank kauft vorwiegend Anleihen mit kürzerer Laufzeit, während die Laufzeiten der Anleihekäufe anderer Notenbanken konstant bei 8,0 Jahren geblieben ist.

Dazu Goldman Sachs:

„But this kind of signal from the key hawk in the Eurosystem – has the potential to undercut the credibility of ECB QE, since it weakens the portfolio balance channel.“

Daraus zieht Goldman den Schluß:

„Buba is intentionally focusing on shorter-dated maturities, unwilling to throw away its cash on the high prices that bond holders will demand for high cash coupon debt (when in fact the central bank should be price agnostic if it had truly „got ECB religion“)“.

Das würde bedeuten: die Bundesbank kauft zwar Anleihen im geplanten Umfang – aber sie weicht klar von der Vorgehensweise der anderen Notenbanken der Eurozone ab – und gefährdet damit das QE-Programm selbst. Dazu wieder Goldman:

„After all, it was supposed to be low yields in core Europe into risk assets. If those yields now rise and become more volatile, such portfolio effects will be lessened.“

Das ist die eine Erklärung. Die andere lautet: der Crash der deutschen Bundesanleihen ist durch die EZB bewußt herbei geführt worden mit dem Ziel, Anleger aus dem sicheren Hafen zu drängen und in risikoreichere assets zu treiben:

„After all, one goal of the ECB QE ought to be to make Europe’s safe haven asset (Bunds) expensive, so that investors get pushed into risky assets like equities and the Euro periphery.“

Wie auch immer die wirkliche Erklärung ist: der Crash der Bundesanleihen ist in hohem Maße seltsam – er hat so ziemlich alle auf dem falschen Fuß erwischt. Ein Schelm, wer Absicht dahinter vermutet!



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2 Kommentare

  1. Goldman und andere vermuten, was sie so gern wollen – vor allem bei der Buba, die sich ja oft schon als konträr zur EZB – völlig zu Recht – geäußert hat.

    Der kleine Anleihecrash im Euroraum ist erklärbar dadurch, daß Lage und Einschätzung zu Euro, Zins und globaler Gewichtung begonnen hatte, sich signifikant zu ändern. Daraus ergäben sich die unterschiedlichsten Aktionen an den betroffenen Märkten, die sich gelegentlich häufeln, resp. Clustern – und damit Irritation bewirken können.

    Im Hintergrund bewegte sich dazu der EuGH mit seiner nun bekannten grundsätzlichen, jedoch (nicht allein) in Deutschland in wesentlichen Teilen unwirksamen Entscheidung.

    Bemerkenswert ist immerhin die klare Unterwerfung der EZB unter herrschendes Recht, welches allerdings von Nation zu Nation unterschiedlich ist (schon deswegen ist der Euro eine wandelnde Leiche), sowie die abgeschlossenen Verträge zu Euroland, die EZB selbst, etc.

  2. Wann werdet ihr verstehen,dass man Geld nicht essen kann?.Erst dann,wenn ihr merkt,dass eine „Währung“die man von Geburt an retten&retten&retten muss,besser bei der“Aktion Mensch“aufgehoben ist.Ich bin sehr sozial eingestellt&habe auch äusserst bewustseinserweiternden Kontakt zu Menschen mit Behinderungen.Eine Pseudowährung,gebe ich jedoch kaltblütig der Euthanasie preis!Scheitert der €uro,dann scheitert €uropa!?Geh endlich nach St.Helena&komme nie mehr zurück.Ein Waterloo reicht uns!

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