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Inflation: Sahra Wagenknecht über die „permanente Enteignung“

Sahra Wagenknecht kann man in der Analyse von Problemen wirklich als hochintelligente Person ansehen, die Zusammenhänge versteht und nüchtern analysiert. Auf der anderen Seite kann man natürlich darüber streiten, ob ihre Lösungsansätze für die klar analysierten Probleme auch gut sind. Im einem aktuellen Video zum Thema Inflation äußert sie sich ausführlich über die Ursachen und präsentiert auch Lösungen.

Sahra Wagenknecht über Gründe für die steigende Inflation

Ich möchte wirklich sagen: Obwohl sie bei den Linken ist, muss man anerkennen, dass Sahra Wagenknecht wirklich einen scharfen ökonomischen Sachverstand hat, und Probleme glasklar analysieren und auch gut verständlich erläutern kann. Und genau so tut sie es im aktuellen Videobeitrag, wo sie die Gründe für die aktuell anziehende Inflation sehr gut erläutert. Man sieht derzeit laut Sahra Wagenknecht eine permanente Enteignung der Mittelschicht durch die deutlich steigenden Preise, während gleichzeitig kein Zins vorhanden sei, der zum Beispiel bei Zinsanlagen die Inflation ausgleichen würde. So verliert das Vermögen der „kleinen Leute“ derzeit in der Tat kräftig an Wert.

Lebensmittel, Strom, Gas – überall sieht man derzeit massiv steigende Preise für die Verbraucher. Früher habe man anhand der Öl-Krise in den 70er-Jahren gesehen, wie man auf der Angebotsseite für massive Inflation sorgen könne. Jetzt sieht man laut den Ausführungen von Sahra Wagenknecht die von der Nachfrageseite erzeugte Inflation. Nicht die Verbraucher mit einer explodierenden Nachfrage würden dafür sorgen. Das jahrelange Gelddrucken der Notenbanken würde nun in den Preisen sichtbar, denn die Explosion von Vermögenspreisen (Rohstoffe, Immobilien, Aktien) schwappe nun auch rüber auf die Alltagsprodukte, die für jeden Verbraucher lebenswichtig sind. Bundesbank-Chef Jens Weidmann trat erst diese Woche von seinem Amt zurück – mutmaßlich weil er nicht gegen die Mehrheitskräfte in der EZB ankommt, die mit Nullzins und Gelddrucken kein Problem haben (hier dazu unser Kommentar).

Intelligente und auch umstrittene Lösungsansätze

Es gibt natürlich Lösungsansätze gegen die steigende Inflation. Gut, die Notenbanken selbst und einige Ökonomen sehen überhaupt gar kein Problem, weil die Preissteigerungen schon in ein paar Monaten wieder deutlich geringer ausfallen sollen. Das DIW sagt sogar, dass nur die Angst vor der Inflation selbst ein Problem sein soll. Sahra Wagenknecht hingegen verweist darauf, dass ein Großteil der Energiepreise in Deutschland durch staatliche Abgaben entstehen, und dass man wie im europäischen Ausland die Inflation aktuell unter anderem bekämpfen könnte, in dem man zum Beispiel Abgaben auf Energieprodukte senkt.

Was kann man noch tun gegen die hohe Inflation? Um die Enteignung der Mittelschicht (Nullzins abzüglich hohe Inflation) zu stoppen, müsste die EZB laut Sahra Wagenknecht endlich ihren „Krisenmodus beenden“ – in dem sie den Leitzins auf ein Niveau anhebt, welches Sparern zumindest einen Ausgleich für die Inflation bietet. Außerdem wirken höhere Zinsen auch tendenziell bremsend auf die Inflation. Sahra Wagenknecht bespricht auch die politische Tolerierung der höheren Inflation, weil sich Staaten so bequem ihrer Schulden entledigen können. Dafür würden sie auf der anderen Seite die Enteignung des Mittelstands in Kauf nehmen, dessen Ersparnisse durch jährliche deutliche Verluste (Nullzins minus Inflation) schrumpfen.

Ein Thema, dass laut Sahra Wagenknecht bei der höheren Inflation nicht beachtet werde, sei die Machtkonzentration von immer größeren Konzernen, vor allem im Dienstleistungsbereich. Man müsse zum Beispiel bei Digitalkonzernen die Macht der Großen brechen. Auch sonst müsste es wieder mehr kleine unabhängige Anbieter geben. Durch sie könne es wieder einen besseren Preiswettbewerb geben, was die Inflation dämpfe. Man müsse dafür sorgen, dass die „Märkte wieder funktionieren“. Für eine Linke eine bemerkenswerte Äußerung, dennoch ist sie natürlich inhaltlich richtig.

Die Superreichen extra besteuern?

Und natürlich, das konnte man nicht anders erwarten – Sahra Wagenknecht fordert, dass die obersten 10 Prozent der Vermögenden zusätzlich besteuert werden sollen (hier das Programm der Linken zu dem Thema). Denn sie hätten in den letzten Jahren einen explosionsartigen Vermögenszuwachs erlebt. So könnte man eine für Entlastung der überschuldeten Staatshaushalte sorgen. Dazu mein Kommentar: Es gehört nun mal zur „Ungerechtigkeit“ einer Marktwirtschaft dazu, dass Menschen unbegrenzt viel Reichtum erwerben können. Und der Staat hat diese Vermögen ja bereits unzählige Male besteuert durch Unternehmenssteuern, Einkommens- und Kapitalertragssteuer. Nimmt man zu viel, fliehen immer mehr Reiche und auch Leistungsträger aus der Mittelschicht ins Ausland.

Es ist nun mal diese „Ungerechtigkeit“ des Reichtums, die eine demokratisch organisierte Marktwirtschaft ertragen muss. Und nochmal: Diese Vermögen wurden ja bereits oft versteuert. Aber gut, ich kann das Argument von Sahra Wagenknecht nachvollziehen – es ist eine Meinung, die man respektieren sollte. Aber die Folge der Abwanderung von Vermögen, Know How und Leistung ins Ausland kann man bereits seit Jahren sehen – diese Flucht würde durch eine massive Vermögensbesteuerung nur noch verstärkt werden.

Beim Klick an dieser Stelle finden Sie interessante Aussagen von Mr Dax Dirk Müller. Seiner Meinung nach ist nicht Russland schuld an der Gas-Krise in Europa, sondern die USA.

Sahra Wagenknecht im Jahr 2018 in der Sendung Maischberger
Sahra Wagenknecht. Foto: © Superbass / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)



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1 Kommentar

  1. Wo ist denn ein Problem bei der Geldflut und Minuszinsen? Fragt man die richtige Klientel die davon profitiert und in Seilschaften in allen besetzten Institutionen für die Weiterführung der aktuellen Finanzierungspolitik der EZB eintritt, ist mit der Geldflut für die Wohlhabenden und massgebenden Ebene die schönste aller Welten eingetreten. Warum bitteschön, soll ein idealer Zustand für Wohlhabenden geändert werden?
    Die kleinen Leute, die sich schon immer mit einem Kreuzchen alle 4 Jahre politisch begnügten und bereits im Schulunterricht überzeugt werden, dass dieses eine Kreuzchen nun die perfekte demokratische Mitbestimmung sei und die Gewählten nur noch ihr Bestes wollen – eben ganz klar ihr Geld und Arbeitskraft, nicht?
    Dass die Schweizer bei allem und jedem auch nach der Wahl mitreden dürfen und damit auch wirtschaftlich unangefochten Weltspitze sind, gehe in DE nicht, da die Bevölkerung zu geringes politisches Wissen habe…

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