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Sahra Wagenknecht – Milliardäre sind inakzeptabel!

„Wie kann man Demokratie so gestalten, dass sich die Interessen der Mehrheit wieder durchsetzen können“, fragt Sahra Wagenknecht

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Sahra Wagenknecht ist einer der Wenigen unter linken Politikern, die zumindest wissen, wovon sie sprechen – so schrieb sie unter anderen im Jahr 2008 das Buch „Wahnsinn mit Methode – Finanzcrash und Weltwirtschaft“, sowie dann 2016 „Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten“.

Sahra Wagenknecht hat sich also tief in die Materie eingearbeitet – insofern sind ihre Aussagen zum Kapitalismus und ihre Vorschläge für eine neue Wirtschaftsordnung durchaus ernst zu nehmen. Sie kritisiert dabei zu Recht die Exzesse des Finanzkapitalismus (Aktienrückkäufe etc.) – und fordert, dass Menschen nicht allein durch die Arbeit anderer Menschen konfortabel leben können, ohne selbst etwas zu tun.

Dementsprechend sei es nicht akzeptabel für eine Gesellschaft, wenn es Milliardäre gibt – und in der Tat stellt sich die Frage, ob es für den Zusammenhalt einer Gesellschaft förderlich ist, wenn manche Menschen so derartig viel mehr verdienen als die Durchschnitts-Bürger. Warum eigentlich nicht hier bestimme Grenzen ziehen, also etwa als Staat verfügen, dass ein Top-Manager nicht mehr als das 100-fache eines Durchschnitts-Einkommens bekommen darf?

Das gilt auch für Renten: so bekommt etwa eine Sekretärin, die 40 Jahre für ein Unternehmen gearbeitet hat, meist kaum mehr als 1000 Euro Rente im Monat, während ehemalige Führungskräfte desselben Unternehmens locker auf sechstellige, manchmal sogar siebenstellige Summen im Jahr an Rentenzahlungen kommen.

Ähnlich ungerecht geht es in Steuerfragen zu: die Sparer werden durch die EZB-Politik sukzessiv enteignet, während viele Unternehmen wie Amazon zwar in Deutschland großartige Geschäfte machen, aber praktisch dafür keine Steuern bezahlen aufgrund der allgegenwärtigen Steuer-Schlupflöcher. Das sei möglich, meint Sahra Wagenknecht, weil die Lobby-Gruppen ganze Arbeit leisteten. Oder die nun kommende Finanztransaktonssteuer mit der Besteurung für Aktien, während Derivate unbesteuert bleiben – an Absurditäten magelt es also nicht, die Wagenknecht benennt.

„Wie kann man Demokratie so gestalten, dass sich die Interessen der Mehrheit wieder durchsetzen können“, fragt Sahra Wagenknecht daher – und dieser Gedanke ist für den Fortbestand einer Demokratie absolut zentral! Sehen Sie dazu das spannende Interview von „Mission Money“ mit der Politikerin:

 

Sahra Wagenknecht über Kapitalismus und Demokratie

Von Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=70104316

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Hesterberg

    18. September 2019 11:59 at 11:59

    Wenn es nur mehr Politiker vom Format einer Sahra Wagenknecht geben würde. Ich halte sie für klug, sie hat hohen Sachverstand, sie scheint vor allem auch einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn zu besitzen und die Fähigkeit zur sachlichen Diskussion. Vor allem erscheint sie mir integer. Und wir lassen unser großartiges Land nun schon seit fast 14 Jahren von einer Person wie Angela Merkel regieren. Hilfe!

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    Übelkeit

    18. September 2019 12:31 at 12:31

    Das Problem an der Globalisierung ist nicht der globale Wettbewerb der Industrie, sondern die Schlupflöcher, welche das Kapital hierbei nutzt.

    Ein Mindestlohn (soviel Geld das es zum Leben reicht) mag zwar durchsetzbar sein. Ein Maximallohn, welcher viel wichtiger wäre ist in unserer globalisierten Welt ein Ding der Unmöglichkeit. Es reicht ein Staat oder Insel, welche außen vor bleibt.

    Erst ein Crash wird das Problem lösen, wenn überhaupt. Bis dahin geht die Vermögenskonzentration im Zeitalter des Geldsozialismus für Superreiche weiter. Das bedeutet weiterer Wohlstandsverlust für breite Bevölkerungsschichten weltweit.

    Auf der anderen Seite konzentrieren die 8 reichsten Menschen soviel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Menschheit. Und die Bankenfamilie Warburgs fehlen gleich komplett in der Forbsliste.

    Schön das man solche Dinge immer anspricht. Beim Mietendeckel zeigt man aber, dass man nichts verstanden hat. Ursache / Symptom und so… Die Linke ist doch mittlerweile auch nur Teil des Systems. CDU/SPD/Grüne sitzen das mit Nebelkerzen aus. AfD reitet auf dem Zug der Symptome ohne die Ursache anzusprechen. Ohne Crash gibt’s keinen Neustart. Die Gelbweste ist nichts für den Michel. Für viele wird sich ihr Weltbild auflösen wie der Kontostand bzw ihr Scheinvermögen.

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    Shong09

    18. September 2019 14:39 at 14:39

    Sehe ich weitestgehend genauso. Allerdings ist ihr Konzept mit der Überführung von großen UN in StiftungsUN und ihre Aussage, diese aber nicht enteignen zu wollen, nicht koheränt. Ferner sagt sie irgendwann wäre das Gründungskapital doch plus Zinseszins zurückgezahlt, dies ist eben stark abhängig vom gewählten Zins und sehe ich dementsprechend ebenfalls ganz klar als Bauernfängerei oder sie versteht es eben selbst nicht. Wobei AM da sicherlich nicht besser wäre.
    Bin schon ganz froh, dass es private UN gibt, in bestimmten Bereichen bei natürlichen Monopolen wie z.B. Netzen und Leitungen bin ich ebenfalls ganz klar für staatliches Unternehmertun, aus dem Wohnungssektor hat sich der Staat unter den alten etablierten Parteien zurückgezogen. EnBW auch ein schönes Beispiel. Es hilft nur eins, Haftung bei Politikern und Mangaern. Sie streichen das Geld dafür ein (sie argumentieren immer damit, sie würden so viel Verantwortung tragen) nur komischerweise landet keiner im Bau oder muss nennenswerte Teile seines Vermögens oder Verdienstes wieder abgeben, wenn er nachweislich gegen seine Pflichten oder sogar Gesetze verstoßen hat. In der Regel wird sogar nicht einmal Klage erhoben -> Generalstaatsanwalt lässt grüßen

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    Roberto

    18. September 2019 15:24 at 15:24

    an alle meine Vorschreiber hier: Das ist also der neue Kommunistische Treffpunkt hier oder was ?
    Wer dieser Frau nach dem mund redet und sie lobt, der wünscht sich auch den reinen kommunismus hier in Deutschland.
    Was für ewig gestrigen sind denn hier vertreten ???
    Wenn sich ein @Hesterberg wünscht das eine Frau wie Wagenknecht regieren sollte, dann hat er wohl die letzten 70 Jahre auf dem Mond gelebt und komplett ignoriert, welche tatsächliche Politik Deutschland bis heirher gebracht hat. Und die Länder die Wagenknechts Politik betrieben haben sind untergegangen. So etwas kann man sich doch nur dann wünschen, wenn man es denen die hart für ihr Geld gearbeitet haben und Risiken auf sich genommen haben nicht gönnt das sie heute mehr haben. Wenn Mut, Risikobereitschaft und Fleiß nicht belohnt werden, dann gute Nacht Deutschland.

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      Hesterberg

      18. September 2019 16:51 at 16:51

      @Roberto
      Sie stecken Frau Wagenknecht und Ihre Vorschreiber in eine Schublade, in die sie nicht hinein gehören. Sie haben sich das Video entweder gar nicht angesehen oder die Aussagen von Frau Wagenknecht nicht verstanden, denn sonst könnten Sie unmöglich solch unzutreffende Schlussfolgerungen ziehen. Sie scheinen auch noch nicht verstanden zu haben, dass die Regierung Merkel in hohem Maße dafür Verantwortung trägt, dass die fleißigen Bürger und Unternehmer unseres Landes immer mehr um ihren jahrzehntelang erarbeiteten Lohn gebracht werden.

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      Michael

      18. September 2019 19:06 at 19:06

      @Roberto
      Dann teilen Sie uns doch auch bitte mit, wie viele Milliardäre (nicht Millionäre) ihren völlig abgehobenen Reichtum durch Mut und Fleiß erworben haben. Und wie viele durch Erbschaft, künstlich aufgeblähte Aktienmärkte, Ausbeutung in Entwicklungs- und Schwellenländern inkl. Kinderarbeit oder dem glücklichen Umstand, dass sie zufällig auf Öl- und Gasressourcen sitzen.

      Warum wünscht sich jeder gleich den Kommunismus, der gewisse Ansichten einer in vielen ökonomischen und gesellschaftlichen Standpunkten durchaus kompetenten, demokratischen und sehr realistischen Frau Wagenknecht teilt? Weil sie in der falschen Partei beheimatet ist?

      Was ist falsch an einer gerechten Steuerpolitik, dem Stopfen von Steuerschlupflöchern und dem demokratischen Wunsch, den Interessen der Mehrheit wieder mehr Gewicht gegenüber einer übermächtigen Minderheiten-Lobby einzuräumen?

      Was haben Steuer-, Verantwortungs- und Straffreiheit und somit letztendlich Narrenfreiheit mit Mut, Risikobereitschaft und Fleiß zu tun? Hat nicht auch der Stahlarbeiter am Hochofen oder der Kumpel in der Zeche hart und fleißig für sein Geld gearbeitet und enorme Risiken auf sich genommen?

      Nach einem derart peinlichen Kommentar sollten Sie sich ernsthaft fragen, wer der „ewig Gestrige“ ist und neben dem Mann im Mond die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte verschlafen hat. Inhaltlich und auch im Hinblick auf die von Ihnen so gerne proklamierten Beleidigungen.

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    Übelkeit

    18. September 2019 17:02 at 17:02

    „Wenn Mut, Risikobereitschaft und Fleiß nicht belohnt werden, dann gute Nacht Deutschland.“

    Dagegen sagt ja auch keiner was. Die Zeiten haben sich jedoch geändert. Der Kapitalismus in seiner jetzigen Form ist am Ende. Vermögen maximal konzentriert. Zinsen im negativen Bereich. Kreative Zerstörung der Marktwirtschaft außer Kraft gesetzt. Nicht weil die Notenbanken das wollen, sondern weil sie keine andere Wahl haben. Hier geht es um das nackte Überleben am Ende eines Zyklus.

    Nachdem WW2, dem größten Konjunkturprogramm des letzten Jahhunders haben alle vom Aufschwung profitiert. Die Zinsen waren noch entsprechen hoch. Das Schuldgeldsystem kommt an sein Ende. Zinsen müssen sinken. Nur irgendwann kommt die Mathematische 0. Durch den Geldsozialismus findet zudem eine Umschichtung statt. Globale Megakonzerne kommen noch oben drauf. Samsung mit 30% des BIP von Südkorea. Steuern zahlen die sowieso nicht. Bei Fabrikbau winken die Länder mit Milliarden.

    Das System ist am Ende. Große Bevölkerungsschichten werden vom Produktivitätszuwachs nicht mitgenommen, da das Finanzkasino schneller wächst als die Realwirtschaft. Den gigantischen Schuldenbergen stehen auch immer Vermögen und Menschen gegenüber.

    Selbst in den USA findet langsam ein Umdenken statt. Und das ist die Folge diese Prozesses der Vermögenskonzentration bzw das der Produktivitätszuwachs ganze Bevölkerungsschichten nicht mehr erreicht. (Sinkende Reallöhne)

    https://app.handelsblatt.com/unternehmen/us-topmanager-abschied-vom-shareholder-mantra-so-reagieren-deutsche-ceos-auf-den-brief-der-us-kollegen/24922396.html

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Cum Ex Warburg-Skandal aktuell: Parteispende der Bank + Strafanzeige

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Bevor wir zur Aktualität kommen, nochmal kurz der Rückblick, was eigentlich der Ausgangspunkt der Story ist. Sie kennen den größten Steuerraub der deutschen Geschichte? Banken und Großinvestoren raubten dem deutschen Steuerzahler Milliarden-Beträge, in dem man Aktien rund um den Zahltag der Dividenden schnell hin und her schob. So wurde für die Finanzämter unklar, wem die Aktien zum Stichtag eigentlich gehörten. In gigantischem Umfang erstatteten die Finanzämter so jahrelang Steuern für Kapitalerträge, die vorher gar nicht gezahlt wurden. Seit geraumer Zeit versucht der deutsche Staatsapparat (zum Beispiel über einen aktuellen Gerichtsprozess) Gelder zurückzubekommen. Hier sitzt auch die „honorige“ Hamburger Privatbank MM Warburg mit auf der Anklagebank.

Letzte Woche (wir berichteten) wurde durch eine Recherche von NDR und „Die Zeit“ bekannt, dass die Hamburger Finanzverwaltung darauf verzichtete zu viel erstatte Steuern in Höhe von 47 Millionen Euro von der MM Warburg zurückzufordern – und das, obwohl Staatsanwaltschaft, die BaFin und das Bundesfinanzministerium die Hamburger Verwaltung darauf hinwiesen, dass man sich das Geld von der MM Warburg zurückholen solle.

Was für ein Skandal! Bekannt wurde durch ein beschlagnahmtes Notizbuch des Bankchefs Olearius auch, dass er sich mit dem ehemaligen Bürgermeister Olaf Scholz sowie weiteren Hamburger SPD-Funktionären traf. Thema: Wie siehts denn derzeit aus in Sachen Steuern (unsere vereinfachte Zusammenfassung). Was für ein Skandal. Der aktuelle Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher (damals als Finanzsenator zuständig), der beruft sich auf das Steuergeheimnis, weswegen er über diesen Fall nicht sprechen könne. Tja, wie praktisch für den lieben Herrn Bürgermeister?

Parteispenden und Strafanzeige

So, und nun kommen wir zu den aktuellsten Infos rund um diesen Themenkomplex. Es kam, wie es kommen musste. Aktuelle Berichte zum Beispiel von der Mopo zeigen, dass die Hamburger SPD von der MM Warburg Bank (zeitlich gut passend) im Jahr 2017 Spenden erhalten hat, genauer gesagt von einem Tochterunternehmen der Bank. Den Großteil der 45.500 Euro habe der Hamburger Kreisverband „Mitte“ erhalten, in dem der wichtige SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs seit geraumer Zeit das Sagen hat. Auch er traf sich übrigens mit dem Warburg-Chef Olearius. Und laut der Welt liegt bei der Staatsanwaltschaft Hamburg inzwischen die Strafanzeige eines Bürgers vor. In diesem Zusammenhang solle auch die Spendentätigkeit der Bank untersucht werden, bestätigte eine Behördensprecherin.

Tja, sicher alles nur ein blöder Zufall, dass die Bank Geld an die SPD rüberschiebt, wo sie darauf hofft, dass die Hamburger Finanzverwaltung ihre Ansprüche gegen die Bank in Höhe von 47 Millionen Euro nicht geltend macht? Und ohhh Zufall, sie hat ihre Ansprüche gegen die Bank einfach nicht geltend gemacht, und inzwischen sind sie verjährt. Korruption? Vetternwirtschaft? Klüngel? Kumpanei? Betrug? Untreue zu Lasten der Steuerzahler? Das sind natürlich alles Schlagwörter, die erst noch bewiesen werden müssen, und derzeit rein spekulativ sind. Es gilt die Unschuldsvermutung, auch für die Herrn von der SPD! Man darf aber sicherlich hoffen, dass auch wirklich unnachgiebig ermittelt wird?

Oder kommt ein Herr wie Olaf Scholz einfach so davon mit einem Spruch nach dem Motto „an die Gesprächsinhalte kann ich mich nicht mehr so genau erinnern“? Der Fairness halber soll erwähnt sein, dass auch die FDP durch die Warburg bedacht wurde mit 25.000 Euro, wie auch die CDU mit 40.000 Euro. Der aktuelle Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher redet sich im aktuellen Interview mit der Mopo völlig raus. Nicht nur, dass er wegen dem Steuergeheimnis überhaupt nicht zum Fall Warburg Stellung nehmen könne. Nein, ganz im Gegenteil. Gerade Hamburg sei beim Kampf gegen die Cum Ex-Betrügereien Vorreiter gewesen, aber so richtig! Man kämpfe voller Kraft gegen diese Betrügereien, und es habe keinerlei politische Einflussnahme auf die Arbeit der Finanzämter gegeben! Wie gesagt, es gilt hier die Unschuldsvermutung.

Als Bürger darf man sich aber natürlich seine eigene Meinung bilden. Wäre es da nicht sinnvoll, dass diese drei Herren von der SPD zügig für Transparenz sorgen, bevor sich zu viele Bürger voreilig ein falsches Bild von der Lage machen? Und zum Abschluss die Frage aller Fragen: Warum nur, ja warum hat die Stadt wissentlich diese 47 Millionen Euro nicht von der Bank zurückgefordert? Werden wir es jemals erfahren? Oder bleibt diese höchst interessante Info für immer und ewig hinter dem Steuergeheimnis verborgen?

Peter Tschentscher von der SPD, verstrickt in den Cum Ex-Skandal?
Hamburgs amtierender Bürgermeister Peter Tschentscher, früher Finanzsenator. Foto: Sven Teschke CC BY-SA 3.0 de

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Sparkasse drängt EZB in die Ecke – und hat Markus Krall recht?

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Banken-Skyline in Frankfurt

Was hat Markus Krall mit Immobilien und Sparkassen zu tun? Dazu gleich noch mehr. Wir erinnern uns. Was hatte Yves Mersch von der EZB vor einer Woche kund getan? Dass man sich einer tatsächlich höheren Inflation bewusst ist (sinngemäß zusammengefasst). Die offiziell berechnete Inflation wäre wohl um 0,2-0,5 Prozentpunkt höher, wenn die Preise für das selbstgenutzte Wohneigentum mit in den Warenkorb für die Inflationsberechnung mit einbezogen werden würde – was man in den USA, Japan und Schweden schon so mache. So weit die Worte von Yves Mersch. Und was tut sich aktuell? Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hat heute für alle angeschlossenen Sparkassen in der Region die Geschäftszahlen für das letzte Jahr veröffentlicht. Und abseits von den Zahlen ist die Rede der Verbandschefin Prof. Dr. Liane Buchholz sehr interessant. Hier ein kleiner, aber entscheidender Auszug aus ihrer Rede.

In den 28 EU-Ländern gab es im vergangenen Jahr eine Inflationsrate von 1,5 %. Experten rechnen damit, dass sie unter Einbeziehung der Immobilienpreise um bis zu 0,5 % steigen würde. 1,5 plus 0,5 sind 2. Die Europäische Zentralbank hätte dann ihr selbstgestecktes Inflationsziel in Höhe von 2 % erreicht. Um es einmal klar und deutlich zu sagen: Sobald die Entwicklung der Immobilienpreise bei der Inflationsberechnung berücksichtigt wird, hat der Null- und Minuszins der Europäischen Zentralbank keine Existenzberechtigung mehr.

Warum wird die EZB hier in die Ecke gedrängt? Ja, gewiss, es ist etwas übertrieben formuliert. Aber wir wollen ja die Dinge mit griffigen Formulierungen klar beim Namen nennen! Alle wissen es, aber niemand sagt es. Die Europäische Zentralbank hält die Zinsen auf Null, damit Länder wie Italien über die Runden kommen – und vor allem, damit die Zombieunternehmen (hier die Begriffserklärung), die nur dank Nullzins noch leben, weiter existieren können. Nur mal angenommen: Passen die Statistiker von Eurostat die Berechnung der Inflation an (Einbeziehung der Immobilien wie gewünscht), und erhöht die EZB ihr Inflationsziel nicht nach oben, müsste man eigentlich sagen: Leute, das 2%-Inflationsziel ist erreicht, wir müssen daher die Zinsen anheben. Aber ja, dann wüsste man, dass Zombies und Staaten wie Italien über die Wupper gehen. Also, darf man auch in Zukunft heilfroh sein, dass die Statistiker die Immobilienpreise womöglich NICHT stärker in die Inflationsberechnung einbeziehen? Wie gesagt… falls doch, hätte die EZB ein echtes Argumentationsproblem, wenn sie ihre Nullzinspolitik dann nicht aufgibt. Und die gute Frau vom regionalen Sparkassen-Verband treibt Eurostat und EZB hier in die Enge. Aber man bedenke, dass die EZB mit Yves Mersch diese Baustelle jüngst selbst aufgemacht hat!

Hat Markus Krall recht?

Sie kennen die Thesen des Bankexperten und Degussa-Chefs Dr. Markus Krall noch nicht? (hier eines seiner Erklär-Videos bezüglich seiner These) Ende 2020 oder Anfang 2021 werde es laut seinen Berechnungen (fundiert erklärt!) zur Kreditkontraktion kommen. Da das (für die Kreditvergabe benötigte) Eigenkapital der Banken schrumpfen werde, komme irgendwann der Punkt, wo sie weniger Kredite vergeben können, was zuerst den Zombieunternehmen die Kreditbasis entziehe, und letztlich zur großen Krise in der Real- und Finanzwirtschaft führen soll. Ob es genau so kommt, wissen auch wir natürlich nicht. Es ist die Theorie von Markus Krall, die er aber fundiert bis ins Detail schlüssig begründen kann (Markus Krall Buch Verzockte Freiheit: Wie die Hybris unserer Eliten die Zukunft unseres Kontinents verspielt).

Er ist der Meinung, dass jedes Jahr, wo die EZB den Geschäftsbanken durch den abgeschafften Zins die Haupteinnahmequelle streitig macht, die Zinsüberschüsse immer weiter schrumpfen, weil die Banken mangels Zinsmarge und dank Geldschwemme der EZB gezwungen werden ihren Kreditkunden immer niedrigere Zinsen anzubieten. Dadurch würden die Zinsüberschüsse der Banken immer weiter schrumpfen, und schrumpfen, und schrumpfen. Selbst nach umfangreicher Bilanzkosmetik sei irgendwann der Punkt erreicht, an dem das Eigenkapital der Banken anfange zu sinken, und dann setze sich die Katastrophe in Bewegung.

Wird es so kommen? Schauen wir uns dazu auch die heutigen Aussagen des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe an. Sozusagen der Blick auf die deutsche Bankenlandschaft im Kleinformat. Man kann die Aussagen so zusammenfassen. Das starke Volumenwachstum federt den strukturellen Ertragsrückgang ab. Also: Obwohl die Zinsmarge schrumpft, kann man „noch“ mit halbwegs soliden Zahlen da stehen, weil das Geschäftsvolumen gestiegen ist, und aus dieser höheren Umsatzmasse auch bei geringerer Marge noch ein akzeptabler Ertrag herausgezogen werden kann. Zitat aus dem Bericht des Verbands:

Der Bestand an Kundenkrediten erreichte insgesamt einen Wert von 97,5 Mrd. € (+4,2 %). Auch bei den Einlagen legten sie zu – um 4,6 % auf 103,6 Mrd. €. Trotz dieses Wachstums sank das Betriebsergebnis vor Bewertung der westfälisch-lippischen Sparkassen von 0,92 % auf 0,87 % der durchschnittlichen Bilanzsumme. Das waren 32 Mio. € weniger als im Vorjahr. Hauptursache waren die geldpolitisch bedingten Einbußen beim Zinsüberschuss (Rückgang um 74 Mio. € bzw. 3,1 %). Die Sparkassen konnten aber die Provisionsüberschüsse wie im Vorjahr erneut um 46 Mio. € bzw. 5,2 % steigern und damit 62 % des wegbrechenden Zinsüberschusses kompensieren.

Also, hat Markus Krall recht? (Markus Krall Buch Der Draghi-Crash: Warum uns die entfesselte Geldpolitik in die finanzielle Katastrophe führt) Das Kerngeschäft (der Zinsüberschuss) bringt weniger Geld ein, und man konnte mit höheren Gebühren und mehr Geschäftsvolumen den Einbußen nur teilweise entgegenwirken. Dies stützt grundsätzlich das Szenario von Markus Krall. Auch hat die Bundesbank heute im Rahmen ihres frisch veröffentlichten Monatsberichts Datenmaterial zu den Kreditkonditionen in Deutschland veröffentlicht. Obwohl der Leitzins der EZB wie angenagelt bei 0,00% liegt, sinken die Zinsen für die Endkunden bei den Banken weiter. Wir möchten dazu sagen: Dies dürfte daran liegen, dass die EZB die Banken mit -0,50% Strafzins belegt, wenn sie das Geld nicht verleihen, sondern bei der EZB bunkern. Und die EZB flutet die Märkte oben drauf noch mit jeder Menge Geld.

Dadurch gibt es insgesamt gesehen einen enormen Druck auf die Banken, den Kunden Kredite aufzudrücken. Und wie wird man seine Produkte (Kredite) los, bei ständig steigendem Angebot, während die Nachfrage nicht mit ansteigt? Richtig, in dem man die Preise senkt, in dem Fall den Zins. Auch das würde das von Markus Krall beschriebene Szenario stützen. Immer weniger Zinsmarge und Zinsertrag für die Banken, und ab einem bestimmten Punkt schrumpfendes Eigenkapital, und von da an schrumpfende Kreditvergabe? (weil geringe Mengen an Eigenkapital als Sicherheit für alle vergebenen Kredite notwendig sind) Nochmal: Wir wissen nicht, ob Markus Krall am Ende wirklich recht hat, oder ob aufgrund zu vieler Variablen in seiner Theorie am Ende alles ganz anders kommt. Aber die Lage bei den Banken scheint sich derzeit weiter zu verschlechtern.

Bundesbank Statistik über Zinsen für Kredite

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China: Warum diese verrückte Wette aufgeht

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Shanghai ist in China das Finanzzentrum

Ein Investment in China in Zeiten wirtschaftlicher Verwerfungen in Folge der Coronavirus-Epidemie klingt abenteuerlich. Warum diese Wette dennoch aufgeht.

Auch die Aktienmärkte in China zeigen sich von Covid-19 unbeeindruckt

In dem Artikel „Keine Panik! Die Notenbanken haben alles im Griff! Oder etwa nicht?“ hatte ich bereits auf die Gründe für das ungewöhnlich deutliche Auseinanderdriften der Realwirtschaft und der Preise an den Aktienmärkten hingewiesen. In den letzten 25 Jahren kommt diese Diskrepanz bereits zum dritten Mal vor: Zunächst während der New-Economy-Blase, anschließend während der Immobilien-Blase in den USA und Südeuropa und nun erneut im Zuge der „Alles-Blase“. Bei der erstgenannten Blase waren es noch technologische Innovationen, flankiert von Maßnahmen der US-Notenbank unter ihrem ehemaligen Fed-Chef Alan Greenspan, die für FOMO und abenteuerliche Bewertungen an den Aktienmärkten sorgten. Bei den letzten beiden Blasen waren es primär die Notenbanken und ihre ultralaxe Geldpolitik, die das FOMO-Phänomen an den Immobilien- und Aktienmärkten auslösten.

Ein ganz aktuelles Beispiel für das Auseinanderdriften von Realwirtschaft und Börsenkurse gab es erst heute Morgen: zu beobachten an Hand der Reaktion des japanischen Aktienmarkts auf den größten Wirtschaftseinbruch im Land der aufgehenden Sonne seit fünf Jahren im Schlussquartal 2019. Das BIP Japans brach auf annualisierter Basis um -6,3 Prozent ein, im Vergleich zum Vorquartal um 1,6 Prozent und damit deutlich stärker als prognostiziert. Die Stimmung im Tokioter Stadtviertel Nihombashi-Kabutochō, dem Sitz der japanischen Börse, hat das nur kurz eingetrübt: Nach einem anfänglichen Mini-Crash erholte sich der 225 Werte umfassende Nikkei Index nahezu ebenso schnell wieder, wie er zuvor gefallen war.

Nikkei 225 Index Chart

Der Grund für die V-förmige Erholung lag jedoch nicht in Japan selbst, sondern in China. Die Aktien in Shanghai schossen über Nacht um 2,3 Prozent nach oben und glichen alle Verluste im Zuge des vorherigen Rekordeinbruchs im Volumen von 664 Mrd. Euro seit Anfang Februar wieder aus.

China Aktienkurse

Die Anleger in China gerieten in Verzückung, nachdem die politischen Entscheidungsträger in Peking erneut Maßnahmen ergriffen, um die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus-Ausbruchs zu lindern. Die chinesische Notenbank (PBoC) senkte die Zinssätze für ihre mittelfristigen Kredite und ebnete den Weg für die Senkung eines wichtigen Schlüsselzinses des Landes, die am Donnerstag bekannt gegeben werden soll. Peking wird zudem Lokalregierungen ermöglichen, noch vor März weitere 848 Mrd. Yuan (112 Mrd. Euro) an neuen Schulden aufzunehmen. Darüber hinaus will Peking „gezielte und schrittweise“ Konjunkturmaßnahmen ergreifen, einschließlich niedrigerer Unternehmenssteuern und der Freigabe weiterer Hilfsgelder für die Provinzbehörden, v. a. in Hubai.

Handelsdeal und monetärer Stimulus

Doch zurück zu meiner Wette: Diese hatte ihren Ursprung in dem „Plastik-Deal“ im Handelskrieg zwischen den USA und China, der zwar zulasten Dritter geht, aber für China durchaus positiv zu werten ist. Zumindest in Hinblick auf eine Unterbrechung der Zolleskalationsspirale zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. In Erwartung sich weiter erholender Aktienkurse in China fasste ich eine Zielallokation von 10 Prozent in meinem global ausgerichteten Wertpapierdepot ins Auge. Am 9. Januar erwarb ich die ersten Tranchen drei verschiedener ETF auf Aktien aus China. Bis Mitte Januar entwickelten sich die Kurse positiv und ich kam nicht dazu, die Positionen weiter aufzustocken. Ab Mitte Januar bröckelte der Markt mit den ersten Meldungen zum Corona-Virus Ausbruch in Wuhan langsam ab. Das eröffnete die Möglichkeit, zwei weitere Tranchen etwas günstiger zu erwerben. Nach der Wiederaufnahme des Handels nach den Neujahrsfeiertagen in China am 3. Februar brach der Markt dann trotz massiver Geldspritzen durch die People´s Bank of China um 8 Prozent ein. Bis zum 11. Februar war dank der Kurseinbrüche die Zielallokation im Portfolio erreicht.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
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