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Sanktionen der USA gegen Russland: geht es in Wahrheit um Öl?

Über Geostrategie – und Sanktionen..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Wer die Politik eines Landes verstehen will, der sollte sich zuerst die Frage nach den geostrategischen Interessen eines Landes stellen! So im Fall Russlands und der Annexion der Krim durch Putin. Warum passierte das? Schlicht weil auch die Ukraine, praktisch der letzte Puffer Russlands gegen die NATO, wegzubrechen drohte. Zahlreiche ehemalige Staaten des Warschauer Pakts hatten sich der NATO angeschlossen und damit Russland weitgehend isoliert – die Russen fühlten sich eingekreist. Daher die schnelle Reaktion Russlands auf die Lage in der Ukraine: man unterstützte die mehrheitlich russischstämmige bzw. russischsprachige Bevölkerung der Ostukraine gegendie westlich orientierte Westukraine und schuf in Sachen Krim Fakten – schließlich drohte der Verlust der russischen Schwarzmeerflotte auf der Krim.

Vökerrechtlich war das, was mit der Krim passiert ist (Referendum und anschließende Annexion) durchaus problematisch – aber aus Sicht der geostrategischen Grundinteressen Russlands nachvollziehbar, wenn das einstige Riesenreich nicht völlig in der Bedeutungslosigkeit verschwinden wollte. Faktisch hat der Westen, haben vor allem die Amerikaner sich nicht die Frage gestellt, welche geostrategischen Interessen Russland hat – und wie es daher wahrscheinlich auf die damaligen Ereignisse in der Ukraine reagieren würde! Die Entwicklung vor allem bezüglich der Krim hat daher vor allem die Amerikaner auf dem falschen Fuß erwischt..

Nun verschärfen die USA die Sanktionen gegen die USA. Worum geht es da wirklich? Florian Homm hat eine These: es gehe um Öl und Gas:

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By Kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40086320

35 Kommentare

35 Comments

  1. Avatar

    tm

    24. August 2018 12:43 at 12:43

    „die Russen fühlten sich eingekreist“

    Das mag so sein, dass man das in Russland so fühlt – mit der Realität hat das nur nichts zu tun. Weißrussland ist treuer Verbündeter, Kasachstan, China, die Mongolei und Nordkorea alles andere als westliche Verbündete. Wo soll da die Einkreisung sein?

    „schließlich drohte der Verlust der russischen Schwarzmeerflotte auf der Krim.“

    Naja, dürften die USA mit dem Argument die Philippinen annektieren? Und wieso weicht Russland nicht auf seine eigenen Schwarzmeerhäfen aus?

    „Die Entwicklung vor allem bezüglich der Krim hat daher vor allem die Amerikaner auf dem falschen Fuß erwischt..“

    Ja, leider. Die aggressive Politik Russland ist nun seit langem bekannt und man hätte schon viel früher aufzeigen müssen, dass diese Konsequenzen hat.

  2. Avatar

    Kritisch

    24. August 2018 14:34 at 14:34

    Leider muss ich mich zu diesem Thema schon wieder äußern, wie bereits gestern. Ich gebe durchaus zu, dass Völkerrechtler durchaus verschiedener Meinung sind und ich möchte mir auch kein Urteil darüber anmaßen. Eine Meinung dazu habe ich aber schon, nachdem ich mich mit diesem Thema und zwar nicht nur der Annexion oder vielmehr Szession sondern auch dem geschichtlichen Hintergrund befasst habe. Aus diesem Hintergrund neige ich doch zur Meinung von Hr. Prof.Dr. jur. Schachtschneider.
    Hier eine Kurzfassung seiner Meinung (die er aber mit jeder Menge anderer Völkerrechtler teilt)und dem Link zur Detailfasssung.
    Grundsätzlich stört mich bei solchen Themen das völlig unkritische „Nachplappern“ von Meinungen unserer Politiker und dem Boulevard. Wenn dann noch gebetsmühlenartig die aggressive Politik der Russischen Föderation im Gegensatz zu den ach so friedliebenden USA (siehe dazu meine gestrigen Kommentare)ins Treffen geführt wird, geht mir einfach der Hut hoch! Für alle die es bis dato noch nicht kapiert haben, der einzige wirkliche Kriegstreiber sind die USA und die müßten eigentlich masssiv und weltweit sanktioniert werden!

    Völkerrecht: Ukraine, Krim, Russland – Annexion oder Sezession?
    von Prof. Dr. iur. Karl Albrecht Schachtschneider
    Kurzfassung:

    Das Selbstbestimmungsrecht der Bürger der Krim kann durch völkerrechtliche Verträge oder die Verfassung der Ukraine nicht aufgehoben werden. Die Krim hatte und hat als autonome Republik jedes Recht, einen eigenen Weg zu gehen und sich von der Ukraine zu separieren. Die Hilfestellung Rußlands beim Sezessionsprozeß der Krim war verhältnismäßig und kein Verstoß gegen das Völkerrecht.
    https://www.wissensmanufaktur.net/krim-zeitfragen/

    • Avatar

      tm

      24. August 2018 15:06 at 15:06

      Naja, schauen wir uns mal an, wie das ablief:

      Abgestimmt wurde zwischen einen Beitritt zu Russland oder einer Rückkeher zur Verfassung von 1992 unter der das Parlament über einen Beitritt hätte abstimmen können. Der Zutritt zum Parlament wurde von russischen Truppen kontrolliert.

      Die Urnen waren durchsichtig und es gab keine Umschläge.

      In Sewastopol haben 474.137 Menschen abgestimmt – die Stadt hat aber inklusive aller Kinder und sonstigen nicht Wahlberechtigten nur rund 385.000 Einwohner.

      Um auf das „offizielle“ Abstimmungsergebnis zu kommen, hätten nicht nur 100% der auf der Krim lebenden Russen dafür stimmen müssen, sondern auch über 60% der dort lebenden Ukrainer und Tartaren.

      Und hier mal eine Karte aller Staaten, die die Annexion anerkannt haben:
      https://katapult-magazin.de/de/artikel/artikel/fulltext/anerkennung-der-krim-annexion/

      Aber klar, der einzige Kriegstreiber sind die USA…. nehmen Sie doch mal die Augenbinde ab.

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        tarob

        24. August 2018 15:25 at 15:25

        Ich habe eher den Eindruck, Sie plappern völlig unkritisch anti-russische Positionen nach…

        • Avatar

          tm

          24. August 2018 15:40 at 15:40

          nö, ich habe ja Argumente genannt. Sie werden nur beleidigend… passt also.

        • Avatar

          tm

          24. August 2018 15:45 at 15:45

          Es ist also anti-russisch Fakten zu nennen… ja das passt zu Putins Autokratie. Hoffentlich falle ich nicht auch irgendwann vom Balkon, wie kürzlich ein kritischer Journalist.

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        Gixxer

        24. August 2018 16:02 at 16:02

        „Aber klar, der einzige Kriegstreiber sind die USA“
        Vielleicht nicht der einzige, aber ein sehr großer und aktiver auf jeden Fall.

        • Avatar

          tm

          24. August 2018 16:11 at 16:11

          mag sein, dass auch die USA nicht immer sauber sind – ich habe ja auch schon oft Stellung bezogen zu Trumps Aufrüstungspolitik. Ändert aber nichts an den russischen Agressionen – man kann ja problemlos beides (und noch mehr wie etwa die Autokratie Erdogans) verurteilen. Tatsächlich dürften sogar die allermeisten Putin-Kritiker auch Trump-Kritiker sein.

      • Avatar

        Andreas

        24. August 2018 16:57 at 16:57

        Wer ernsthaft das Magazin „Katapult“ als Quelle angibt, dem ist nicht mehr zu helfen.

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      tm

      24. August 2018 15:08 at 15:08

      Ich habe eher den Eindruck, Sie plappern völig unkritsich pro-russische Positionen nach.

      ich kann Ihnen die Seite hier empfehlen:
      https://euvsdisinfo.eu/

      Wieso gibt ein so friedliebender Staat eigentlich so viel für Rüstung aus? Mit rund 5% des BIPs übertrifft Russland alle westlichen Staaten bei weitem und finanziert als friedliebender Staat damit mehr Soldaten als Frankreich, Deutschland, Italien, UK und Polen zusammen und verfügt über so viele Panzer wie die gesamte Nato…. dient sicher alles nur der Verteidigung vor der westlichen Aggression.

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        Gixxer

        24. August 2018 16:15 at 16:15

        Und wie sieht es bei Flugzeugträgern aus? Die Russen haben einen. Und die Amis? Meines Wissens sind es 11.

        Ansonsten kann ich ihnen bei den Zahlen nicht widersprechen, aber ich habe es an anderer Stelle schon mal gesagt, 5% des BIPs von Russland ist ein Fliegenschiss im Vergleich zu den Ausgaben der USA (keine Ahnung, wie hoch die prozentual zum BIP sind). In absoluten Zahlen geben die USA aber fast 10-mal so viel für Rüstung aus wie Russland und solange Russland nicht für ihre komplette Rüstungsgüter nur ein Zehntel Kosten hat wie die USA (vielleicht kaufen die es ja im Rüstungs-Discounter), geben die USA mehr Geld aus.

        • Avatar

          tm

          24. August 2018 16:24 at 16:24

          Ja, die USA haben Flugzeugträger.. und?

          Ne, die absoluten Zahlen zu vergleichen, macht doch offenkundig wenig Sinn. Wie gesagt, mit dem ach so bescheidenen Etat finanziert Russland mehr Soldaten als Frankreich, Deutschland, Italien, UK und Polen zusammen und verfügt über mehr Panzer als die gesamte Nato. Das zeigt doch wie irrelevant die Absolutbeträge sind.

          • Avatar

            Gixxer

            24. August 2018 17:20 at 17:20

            Und die Amis finanzieren 11mal so viele Flugzeugträger wie die Russen.

            Wie viele Stützpunkte außerhalb des eigenen Landes hat eigentlich Russland und wie viele die USA?

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            Gixxer

            25. August 2018 13:35 at 13:35

            „Wie gesagt, mit dem ach so bescheidenen Etat finanziert Russland mehr Soldaten als Frankreich, Deutschland, Italien, UK und Polen zusammen und verfügt über mehr Panzer als die gesamte Nato. Das zeigt doch wie irrelevant die Absolutbeträge sind.“
            Keine Ahnung, wo sie diese Zahlen her haben.
            Wenn ihrer Meinung nach aber die Absolutbeträge irrelevant sind, müsste also ein 400 Euro Jobber, der 50% seines Gehaltes im Monat für Essen ausgibt im Vergleich zu einem Millionär, der sagen wir mal 1% seines Vermögens für Essen ausgibt in Saus und Braus leben, während der Millionär kurz vorm verhungern stehen muss.

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        Aag

        26. August 2018 12:48 at 12:48

        Gemessen an der Größe des Landes und die Mehrzahl der Einwohner ist das ein realer Schnitt…
        USA sind Kriegstreiber, Nato sind Kriegstreiber…Deutschland ist das Land welches chemische Stoffe ins Ausland bringt und ihre Waffen in Krisengebieten verteilt damit Terroristen sich befaffnen können…
        Naja zum Glück ist es bald vorbei…

    • Avatar

      tm

      24. August 2018 15:13 at 15:13

      Im Impressum der „Wissensmanufaktur“ (was ein Doppelsprech) wird Pia M. Kästner genannt, die zum Dunstkreis des VTlers Andereaas Popp gehört und die auch gerne mal mit der Rechtsaußen-Ikone Eva Hermann auftritt.

      Der dort und von Ihnen zitierte Staatsrechtler ist Karl Albrecht Schachtschneider, ein Aktivist der Neuen Rechten, der auch mit Jürgen Elsässer und Götz Kubitsche zusammenarbeitet…

      Passt schon, dass Sie auf solche Seiten verweisen müssen.

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    tarob

    24. August 2018 15:16 at 15:16

    Auf den Philippinen leben aber keine 90% Amerikaner…

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      tm

      24. August 2018 15:21 at 15:21

      achso, das Argument war doch aber gar nicht die Bevölkerung, sondern dass Russland dann den Hafen der Schwarzmeerflotte verloren hätte.. Ich entnehme dann mal Ihrer Aussage, dass dieses Argument hinfällig ist.

      Und was die Bevölkerung angeht: Dürfte Erdogan dann ein – von seinen Soldaten „abgesichertes“ – Referendum in Berlin-Kreuzberg durchführen?

      • Avatar

        tarob

        24. August 2018 22:43 at 22:43

        Auf gar kein Fall, warum auch, Berlin-Kreuzberg war ja weder ein Teil des Osmanisches Reiches noch ein Teil der späteren Republik Türkei. Berlin-Kreuzberg war auch niemals ein administratives Geschenk eines in Deutschland geborenen türkischen Presidenten an die BRD.
        Außerdem verbietet auch keiner in B-Kreuzberg lebenden Türken ihre Sprache zu sprechen, ihr Fernsehnen zu schauen, ihre Zeitungen zu lesen. Es zwingt sie niemand fremde Hymnen zu singen und deutsche Kriegsverbrecher zu huldigen.
        Die Tatsache, dass die „Revolutionäre“, auf Aufforderung der Krimer-Regierung, diese Garantien (in BRD elementare MENSCHENRECHTE), genauso wie die Garantie einer weiterbestehenden Autonomie nicht geben wollten, und die Entscheidung über rasche Aufkündigung der Pacht für über zwei Jahrhunderte dort stationierten Schwarzmeerflotte, hat Russland zum handeln bewegt.
        Wer nimmt schon heutzutage dem NATO-Mitglied und beinah EU-Mitglied der Türkei die Besetzung Nordzyperns mit Massenexekutionen, Vergewaltigungen, Massakern, Vertreibungen und über Tausend Toten übel.

  4. Avatar

    Hobby– Historiker

    24. August 2018 15:22 at 15:22

    @Kritisch, Sie haben Recht, Zuviele haben eine putinkritische Brille auf, während Viele mit Putin nicht einmal reden wollten ,hat man mit dem Superdemokraten Erdogan Deals gemacht u.viele wollten die Türkei sogar in die EU aufnehmen.
    Mal ein Frage an die Putin– Gegner,
    Hat in den letzten Hundert Jahren Russland einmal Deutschland angegriffen ? u. umgekehrt ? Wenn der Westen d.h. die NATO nach dem Zerfall der Sowietunion dem dezimierten Russland an jeder Ecke noch einen NATO Stützpunkt installiert , muss man nicht staunen ,wenn sich Russland wehrt.

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      tm

      24. August 2018 15:39 at 15:39

      Was ist denn nun Ihr Argument? Weil Hitler Russland überfallen hat, ist Putins Russland nicht aggressiv?

      Russland wwehrt sich wogegen? Dass ein paar ehemalige Sowjetrepubliken so schnell sie konnten der Nato beigetreten sind? Die sehen sich doch nun voll bestätigt – die Ukraine hatte Pech. Ihrer Meinung nach dürften Staaten wie Lettland oder Polen also nicht selbst entscheiden, welchen Bündnissen sie beitreten, weil Russland das stören könnte.. weil.. ja weswegen eigentlich? Was stört Russland daran, dass z.B. Estland Nato-Mitglied ist? Dürfen sich diese winzigen Staaten nicht viel mehr vom riesigen, militaristischen Nachbarn bedroht fühlen als umgekehrt?

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        Gixxer

        24. August 2018 16:08 at 16:08

        Ich glaube der amerikanische Außenminister Baker war es damals, der der Sowjetunion Nach der Wiedervereinigung versichert hat, dass die NATO sich keinen Inch nach Osten ausdehnen wird.
        Und was geschah in den kommenden Jahren?
        Also ich würde das schon als Einkreisung empfinden.

        Man kann jetzt argumentieren, dass die Staaten dies alle ja so wollten. Aber dann hätte man im Interesse eines friedlichen Zusammenlebens nein sagen müssen. Auch wenn diese Staaten außerhalb der NATO gewesen wären, hätte man gute Geschäfte mit ihnen machen können und sich auch in Sachen Verteidigungspolitik irgendwie annähern und zusammenarbeiten können.

        • Avatar

          tm

          24. August 2018 16:39 at 16:39

          Ne, das hat er nicht. Das ist so eine Legende, die gerne verbreiter wird. Wie sollte er das auch verbindlich zuzsagen? Und die Sowjetunion gab es doch dann kurze Zeit später auch nicht mehr.

          Also Sie meinen wirklich, die westlichen Staaten hätten etwa Polen oder Litauen die Aufnahme in EU und Nato verweigern sollen, weil das Russland viele Jahre später stören könnte? Dann wären diese Staaten, insbesondere die baltischen Republiken, der russischen Aggression also schutzlos ausgeliefert. Aber stimmt, dann hätte Russland ja gar keinen Grund aggressiv zu sein, ne is klar.

          Kennen Sie den Begriff des „nahen Auslands“? Das ist so ein Euphemismus aus dem Kreml, der die vermeintlich legitime russische Interessenspähre kennzeichnet und zeigt schön, wieviel der Kreml von souveränen, demokratischen Nachbarstaaten hält.

      • Avatar

        KRITISCH

        24. August 2018 16:15 at 16:15

        @tm! Also, mein letzter Versuch ihre Scheuklappen ein wenig zur Seite zu rücken!
        TEXAS: Annektiert durch USA
        PUERTO RICO: Annektiert durch USA
        HAWAII: Annektiert durch USA
        Hier ein Link zu einem Beitrag der FAZ zur angeblichen Annektion der Krim, die keine ist und war. Auch wenn es ihnen nicht passt.http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-krim-und-das-voelkerrecht-kuehle-ironie-der-geschichte-12884464.html
        Ein weiterer Bericht mit einer Schlussfolgerung des IGH (Inetrnationaler Gerichtshof Den Haag) im Zusammenhang mit der Trennung des KOSOVO von SERBIEN.

        Konkurrierendes Recht

        Nun geht es also um eine Ab­wä­gung der Wer­tig­keit mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren­der Rechts­gü­ter in­ner­halb des Be­zugs­rah­mens ei­nes Ge­set­zes oder so­gar um den grund­le­gen­den Kon­flikt zwi­schen Recht und Wer­ten ins­ge­samt, wie er mit ei­ni­ger Re­gel­mä­ßig­keit z.B. auch zwi­schen welt­li­chen Rechts­nor­men und re­li­giö­sen Ge­bo­ten zu ent­ste­hen pflegt.

        Laut ei­nem Rechts­gut­ach­ten des IGH (In­ter­na­tio­na­ler Ge­richts­hof in Den Haag) vom 22.07.2010 zur Se­zes­sion des Ko­so­vo von Ser­bien im Jah­re 2008 (ge­gen den Wil­len Ser­biens) kennt das In­ter­na­tio­na­le Recht „kein Verbot von Un­ab­hän­gig­keits­er­klä­run­gen“. Da­raus kann man den Rück­schluss zie­hen, dass das Selbst­be­stim­mungs­recht der Völ­ker im Ver­gleich zur ter­ri­to­ria­len Un­ver­sehrt­heit ei­nes Staa­tes of­fen­bar als hö­her­wer­ti­ge­res Rechts­gut an­zu­se­hen ist.

        Da die Sach­ver­hal­te bei der Se­zes­sion der Krim von der Ukraine ver­gleich­bar sind, liegt es nahe, in beiden Fällen zu der­sel­ben Be­wer­tung zu ge­lan­gen. Der Völker­recht­ler Claus Kreß ist al­ler­dings der Auf­fas­sung, dass die Sezession einer Provinz oder Region ohne die mili­tä­ri­sche Einfluss­nahme eines Fremd­staates erfolgen, also aus eigener mili­tä­ri­scher Kraft oder unter Dul­dung des be­ste­hen­den Staates durch­gesetzt werden müsse.

        Sowohl im Kosovo (NATO) als auch auf der Krim (Russ­land) waren jedoch Fremd­staaten mili­tärisch in­vol­viert, wo­bei die NATO sei­ner­zeit Ser­bien mit Krieg über­zog, wäh­rend die rus­si­schen Trup­pen, die auf­grund ei­ner bi­la­te­ra­len Ver­ein­ba­rung zum Schut­ze des von der Ukrai­ne ge­pach­te­ten Flot­ten­stütz­punk­tes ganz le­gal auf der Krim sta­tio­niert wa­ren, le­dig­lich die ukrai­ni­schen Trup­pen blo­ckier­ten und so das Re­fe­ren­dum er­mög­lich­ten. Nun ar­gu­men­tiert Kreß, dass im Fal­le des Ko­so­vo das Ein­grei­fen von Fremd­staa­ten bei der Durch­set­zung der Se­zes­sion auf­grund von Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen der ser­bi­sche Re­gie­rung am Volk der Ko­so­va­ren ge­recht­fer­tigt ge­we­sen sei und da­her die Se­zes­sion völ­ker­recht­li­che Le­gi­timi­tät be­an­spru­chen kön­ne. Auf der Krim hin­ge­gen ha­be es bis zum Zeit­punkt der Se­zes­sion kei­ne Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ge­ge­ben und da­her kön­ne die Se­zes­sion der Krim kei­ne völ­ker­recht­li­che Le­gi­ti­mi­tät be­an­spru­chen.

        Diese Argumen­tation er­scheint al­ler­dings ju­ri­stisch frag­wür­dig und po­li­tisch zy­nisch: An­ge­sichts der Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in der Ost-­Ukrai­ne war eine ra­sche Se­zes­sion ja ge­ra­de­zu ge­bo­ten, um auf der Krim Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen vor­zu­beu­gen, wie sie spä­ter im Don­bass ge­scha­hen.

        Aber, alles ist gut und verteidigen sie nur ihre Meinung!

        • Avatar

          tm

          24. August 2018 16:34 at 16:34

          *ROFL
          Meine Scheuklappen? SIE nehmen doch hier die aggressive russische Autokratie in Schutz. Und was sollen nun Ihre Hinweise auf US-Annexionen vor über 100 Jahren (wobei es bei Texas keine war)? Würden die USA heute einen Staat annektieren, würde ich das auch veurteilen und nicht wie Sie bei der Krim die Annexion in Schutz nehmen. Ich bin da eben kein Heuchler wie Sie, der einseitig den Westen für alles verantwortlich macht, aber das Regime im Kreml verteidigt.

          *Applaus, Applaus… Sie haben tatsächlich eine Ansicht gefunden, die die Krimannexion anders sieht, aber auch da nicht so wie es der Kreml propagiert. Wie wäre es, wenn Sie zur Kenntnis nehmen, dass die überwältigende Mehrheit der Völkerrechtler das ganz eindeutig als Annexion beurteilt und dass auch kaum Staaten – selbst China nicht! – die Annexion anerkannt haben: https://katapult-magazin.de/de/artikel/artikel/fulltext/anerkennung-der-krim-annexion/

          passt aber, dass Sie das so verbissen verteidigen, anstatt zu sagen: okay, da hat Russland Mist gemacht. Stattdessen verurteilen Sie die Hawai-Anexxion. Doppelmoral nennt man das wohl.

          Und nun kommen Sie noch mit aberwitzigen Vergleichen und verbreiten zudem noch die russiche Lügenmpropaganda zu angeblichen Menschenrechtsverletzungen in der Ostukraine. Werden Sie dafür bezahlt?

          Aber wo wir gerade bei Menschenrechten sind: In der Demokratierangliste liegt Russland auf Platz 135 von 167: https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratieindex#Regime-Index, bei der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 148 von 180: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/Redaktion/Presse/Downloads/Ranglisten/Rangliste_2018/Rangliste_der_Pressefreiheit_2018_-_Reporter_ohne_Grenzen.pdf und im Korruptionsindex auf Platz 135 von 180: https://de.wikipedia.org/wiki/Korruptionswahrnehmungsindex#2017

          Aber klar, Russland ist eine friedliebende, die Menschenrechte achtende Demokratie…

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    tm

    24. August 2018 16:42 at 16:42

    hier noch ganz aktuell was zum Thema:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/georgien-angela-merkel-kritisiert-wladimir-putins-besatzungspolitik-a-1224818.html

    „Stacheldraht, Soldaten, Kontrollpunkte. Was aussieht wie ein Grenze zu einem wenig wohlgesonnenen Nachbarstaat, ist in Wahrheit nicht mehr als eine Waffenstillstandslinie inmitten des souveränen Staates Georgien. Die Bundeskanzlerin ist am Freitagmittag zu Besuch an der Grenze zum russisch besetzten Süd-Ossetien und lässt sich vom Leiter der EU-Beobachtermission erklären, wie die Menschen in der Grenzregion mit der Situation umgehen.

    Merkels Besuch kommt zu einem symbolischen Zeitpunkt. Genau vor zehn Jahren, im August 2018, brach der Kaukasuskrieg aus. In der Folge besetzten russische Truppen die georgischen Gebiete Abchasien und Süd-Ossetien. Viele in Europa maßen den Ereignissen damals keine übermäßige geostrategische Bedeutung bei. Erst als Russlands Präsident Wladimir Putin die ukrainische Krim annektierte und prorussischen Milizen in der Ost-Ukraine unterstützte, verstand man in Europa, dass der Einmarsch in Georgien nur der Beginn eines großangelegten Angriffs Moskaus auf die Souveränität ehemaliger Sowjetrepubliken war.“

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    Lutz

    24. August 2018 17:49 at 17:49

    @tm: wie ist Ihre Meinung zu der völkerrechtswidrigen Abspaltung des Kosovo durch den Westen? Da wurden die Serben nicht gefragt ob diese dafür sind – so viel zum Werteverständnis und Doppelmoral des Westens, den Sie ja ach so gerne hoffieren.
    Aber Meinungen sind dafür da um sich auszutauschen, wenn man objektiv bleibt.

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    Hobby– Historiker

    24. August 2018 18:17 at 18:17

    @ tm, Sie sind doch der grosse Statistiker u,Zahlenmensch , Wenn Sie eine andere Meinung haben als alle anderen, KÖNNTE ES SEIN ,DASS SIE VIELLEICHT FALSCH LIEGEN ?

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    Kriegsforscher

    25. August 2018 09:16 at 09:16

    Die Amis haben übrigens schon den sogenannten „Währungskrieg „begonnen.Jetzt wo der $ nach 30 Jahren Abwertung stärker wird ,wirft man den andern Währungsmanipulation vor.
    Die Amis führen auch schon lange“ Handelskrieg „ indem sie ausländische Banken bestrafen wegen Beihilfe zu Steuerumgehung, während ihre eigenen Steueroasen noch aktiv beworben werden.
    Die Amis sagen auch wer die Atombombe haben darf u.wer nicht.
    Es ist Zeit, dass die arrogante Vorherrschaft der USA geschwächt wird.In diesem Sinne ist der unmögliche Präsident eine gute Sache, weil er diesen Vorgang beschleunigen wird.

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    Hans

    27. August 2018 11:47 at 11:47

    Die neuen Russland Sanktionen, über deren Umfang bisher keiner Schreiben will, sollen jetzt in Kraft getreten sein. Schweizer Banken sollen deswegen Vermögen im Mrd Bereich eingefroren haben. Vermutlich dürften den Vermögen der Russischen Oligarchen in der Schweiz Schulden gegenüber stehen. Um Kapital aus Russland raus zu schleusen haben die Oligarchen sehr oft für ihre Russischen Unternehmen in der EU Devisenschulden aufgenommen. Das Geld ist nicht nach Russland zurück geflossen, sondern über die Schweiz in die EU oder USA gelangt und dort wurde es angelegt. Da dürfte es eine Menge Russland Kredite ohne echte Sicherheiten geben. Ich vermute, dass die Russischen Devisenreserven nur auf dem Papier steigen, um Devisen Sicherheiten für die Russischen Devisenkredite vorzutäuschen. US Staatsanleihen oder Gold kann man sich auch leihen. Beim Geld verschieben haben einige in der EU viel Geld gemacht. Wo viel Geld gemacht wird, werden gern Risiken vertuscht.

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      Hans

      27. August 2018 23:16 at 23:16

      Das neue bei den neuen Russland Sanktionen aus den USA ist wohl, dass diese jetzt die kompletten Alten Sanktionen gegen den Russischen Staat auf die gesamte Russische Privatwirtschaft ausgeweitet wurden. Ab den 27.8 sind keine Ausnahmen mehr für die bereits verhängten Sanktionen mehr möglich. Also kein Export von Dual Use Güter mit Sondergenehmigung oder Lieferung an den Russischen Staat auf Kredit. Vermutlich hat man noch Zeit bis November (10+ Wochen) um die Russische Privatwirtschaft mit Stufe 2 Gütern zu beliefern oder Geschäfte auf Kredit abzuwickeln.

      Das wird auch EU Unternehmen treffen. Wenn die noch Produkte nach Russland liefern dürfen, wird es Problematisch mit der Bezahlung werden.

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    hans hatnix

    28. August 2018 07:52 at 07:52

    Wer gibt eigentlich den Amerikanern das Recht anderen Nationen zu nötigen an den Sanktionen gegen Russland teil zu nehmen?Wo zu sind die Amerikaner gut oder für was außer konsumieren und Kriege an zu zetteln können sie nix.Ein einfaches Nein der sogenannten freien Welt ich und bestimmt noch andere wären gespannt was los wäre.Noch etwas von früher -Berlin Hilfe- es ging den Amerikanern nur darum eine Enklave im Osten zu haben.Ohne diesen Grund hätten sie nicht mal eine Scheibe verschimmeltes Brot abgeworfen.Amerika hilft nur Amerika.Das musste mal gesagt werden.Richtig oder falsch kommt auf die Sichtweise an.Gruß hans hatnix

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      Finanza

      28. August 2018 10:27 at 10:27

      Niemand gibt Amerika das Recht dazu, es braucht auch gar niemanden, sie nehmen sich das Recht einfach. Ich frage mich warum dich das jetzt so verwundert, es ist ja nichts neues. Durch ihre Position sind sie dazu ja auch in der Lage.
      Natürlich macht Amerika in erster Linie was ihnen nützt, ist in meinen Augen auch vollkommen ok, ist ja nicht so, dass andere Länder es nicht so machen würden. Es hat eben jeder Angst davon weniger zu bekommen, da schaut man natürlich wo man bleibt.

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      Hans

      28. August 2018 15:50 at 15:50

      Wer an den Sanktionen nicht teil nimmt, wird vom US Dollar Handel und dem unbeschränkten Zugang zum US Markt ausgeschlossen. Das können sich Länder wie Deutschland, Frankreich, Niederlande oder Irland nicht erlauben. Die Sanktionen werden ein US Gesetz sein, das Trump unterschrieben hat. EU oder Japan haben mit den Sanktionen keine Probleme, sondern die wollen nur für die Heimische Wirtschaft ausnahmen haben. Vermutlich wurden da Trump keine Spielräume im Gesetz gelassen.

      Bisher waren das Gummi Sanktionen. Da hat Siemens auch mit einen Staatlichen Russischen Rüstungskonzern zusammen gearbeitet. An Devisenfinanzierungen wird es auch dank EZB QE Programm und Russischen Töchter von EU Banken nicht gemangelt haben. In der EU wurden mit den Sanktionen im Verbund mit den USA aktiv Politik betrieben. Die haben sicher eine Politik betrieben, um die EU Ausfuhren zu maximieren und die Russischen Ausfuhren zu minimieren und Defizite wurden mit Devisenkredite ausgeglichen.

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Indizes

Dax: Jahresausblick – Anleger sehen mehr Gefahren als Chancen

Stephan Heibel

Veröffentlicht

am

Der Dax ist 2021 bereits angesprungen, der Bitcoin hatte die 40.000 USD geknackt und Tesla konnte in den ersten Tagen des neuen Jahres bereits um 30% zulegen!

Der Quadratmeter Bauland wird in meiner Nachbarschaft auf 2.200 Euro taxiert, ich war bis vor kurzem von 800-1.000 Euro ausgegangen. Ja, liebe Notenbanken, von Inflation keine Spur, oder? Ich habe gelesen, dass die EZB im Rahmen ihrer strategischen Neuausrichtung nach Möglichkeiten sucht, den Zins für langfristig laufende Anleihen zu beeinflussen, ohne über den Geldmarkt gehen zu müssen. Abenteuerlich.

Für uns Anleger sind das goldene Zeiten, wobei der Gradmesser der Inflation, das Gold, tatsächlich nicht anschlägt. Die Feinunze Gold verlor diese Woche 1,4%. Ich denke, die überschüssige Liquidität der Anleger wandert derzeit eher in den Bitcoin als ins Gold. Den Bitcoin können Sie problemlos über Landesgrenzen mitnehmen, beim Gold ist das nicht so einfach.

Durch Disruption zum Milliardär

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Mahatma Gandhi

1990-2000:

Es ist nicht leicht, Milliardär zu werden: Bill Gates lief sich in der Industrie die Hacken wund, niemand wollte Computer für den Privatanwender bauen. Das solle man den Profis überlassen, war die Antwort und IBM hatte eine ganze IT-Industrie erschaffen, die von den Personal Computern nichts wissen wollte. Der IBM Mainframe fristet heute ein Nischendasein, Bill Gates wurde mit seinem Betriebssystem für Personal Computer, dem Windows, zum reichsten Mann der Welt.

2000-2010:

Man muss in Büchern herumblättern, wenn man sich eine Kaufentscheidung bilden möchte, so das Dogma des Buchhandels vor 20 Jahren. Jeff Bezos bot die Bücher im Online-Versand an und hatte nicht nur alle Buchhändler der Welt, sondern später auch alle Einzelhändler der Welt gegen sich. Eine kleine Nische, die kaum Potential habe, urteilten viele damals. Amazon liefert heute so ziemlich alles, was das Herz an materiellen Wünschen hat. Jeff Bezos löste Bill Gates als reichsten Mann der Welt ab.

2010-2020:

Wenn Sie sich einmal die Ölindustrie und deren weltweite Logistiknetze anschauen, dann können Sie sich vorstellen, dass nicht nur die Autoindustrie gegen die Ablösung der Verbrennermotoren war: Als wichtiger Abnehmer der Ölindustrie liefen also gleich mehrere Branchen weltweit Sturm gegen das Elektroauto. Elon Musk peitschte sein Projekt durch, baute weltweit mangels Kooperationswillen in der Ölindustrie (denen gehören die meisten Tankstellen) ein eigenes Netz an Ladesäulen auf, die weltweit größten Batteriefabriken (Giga-Factories). Durch den Kurssprung in den Tesla-Aktien löste Elon Musk gestern Jeff Bezos als reichten Mann der Welt ab.

2020-2030:

Vielleicht steht der nächste Milliardär ja schon in den Startlöchern. Der Erfinder des Bitcoin ist nicht bekannt. Die mRNA-Technologie wird von mehreren Unternehmen genutzt, aber Moderna und BionTech scheinen die Nase vorn zu haben. Beyond Meat krumpelt die Nahrungsmittelindustrie um. Und Zoom Video und Twilio verändern die Art und Weise, in der wir untereinander kommunizieren. Spannend! Und es lohnt sich, am Ball zu bleiben.

Ich habe den Eindruck, dass die Coronakrise in einigen Bereichen Entwicklungen der kommenden Jahre vorweg genommen hat. So konnten die Aktien von BionTech, Zoom Video usw. im vergangenen Jahr exorbitant anspringen. Im Jahr 2021 wird sich zeigen, welche Entwicklungen tatsächlich beschleunigt wurden, und welche lediglich eine Sonderkonjunktur erfuhren.

Dax: Jahresausblick 2021

Bereits seit sechs Jahren führe ich die Jahresumfrage unter Lesern des Handelsblatts durch. Im Sinne der Sentiment-Theorie interpretiere ich die Mehrheitsmeinung dahingehend, dass es unwahrscheinlich ist, dass genau diese Erwartung eintritt. Vielmehr haben Untersuchungen gezeigt, dass an den Finanzmärkten in der Regel das Unerwartete passiert.

Das Ergebnis meiner Analyse der Jahresumfrage vor einem Jahr war die Erwartung, dass der DAX frühzeitig im Jahr 2020 ausverkauft würde, um dann bis in den November hinein stark anzusteigen. Den Jahresschlusskurs hatte ich sodann auf knapp unter das Jahreshoch taxiert. Optisch betrachtet habe ich damit ziemlich gut gelegen.

Wenn wir jedoch die Beschriftung der X-Achse zufügen, könnte ich nicht schlechter gelegen haben: Das Tief hatte ich auf über 12.000 festgelegt und als Jahreshoch hielt ich die 15.000 Punkte für möglich.

Nun könnte man sagen, die Corona-Pandemie hat ohnehin alles auf den Kopf gestellt. Doch gerade solche unvorhersehbaren Ereignisse sollen ja mit Hilfe technischer Instrumente, wie beispielsweise dieser Jahresumfrage, berücksichtigt werden. Dennoch würde ich sagen, dass wir den Verlauf recht gut prognostiziert haben, wenngleich die Intensität durch Corona nach unten verstärkt wurde. Heute werden wir untersuchen, ob der Lauf in Richtung 15.000 nur um ein Jahr verschoben wurde, oder ob sich nach Corona eine vollständig neue Situation ergibt.

Bei unserer Jahresumfrage vor einem Jahr wurde die Anlage in Immobilien als beste Investmentchance bezeichnet, gefolgt von Aktien und Edelmetallen. Industriemetalle (bspw. Kupfer) und Nahrungsmittel (bspw. Getreide) wurden als mäßig attraktiv betrachtet.

Tatsächlich haben gerade Industriemetalle (+26%) und Nahrungsmittel (+16%) im abgelaufenen Jahr eine gute Performance gezeigt. Der DAX konnte sich auf Jahressicht knapp ins Plus retten (+3,5%).

Immobilien muss man für das Jahr 2020 detailliert betrachten: Bauland zeigt mit +13% den stärksten Wertzuwachs, gefolgt von Wohnimmobilien mit +8%. Gewerbeimmobilien litten stark unter der Corona-Pandemie, wobei Büroimmobilien Einbußen erlitten, während Flächen für logistische Nutzung gefragt waren.

Wenngleich der Wertzuwachs bei Wohnimmobilien nicht mit Industriemetallen und Nahrungsmitteln mithalten konnte, so ändert sich das Bild wenn wir berücksichtigen, dass Immobilien in der Regel zu einem großen Teil finanziert werden. Die Wertentwicklung des Eigenkapitals ist, auch nach Abzug der derzeit niedrigen Zinsen, deutlich höher anzusetzen.

Hier die Jahresperformance:

· Kupfer +26%

· Getreide +16%

· Gold +12%

· Immobilien 8%

· DAX +3,5%

· Anleihen +0,5%

· Öl -25%

· Dow Jones +6%

· Nikkei +16%

· Shanghai A-Aktien +12%

In einem Punkt haben die Umfrageteilnehmer vor einem Jahr gut gelegen: Der Median der Umfrageerwartung von vor einem Jahr erwartete einen DAX-Jahresschluss 2020 bei 13.750 Punkten, was einem Plus von 3,8% entsprochen hätte. Mit dem tatsächlichen Jahresschlusskurs von 13.719 (+3,5%) wurde dieser Median ziemlich gut getroffen.

In den vergangenen 50 Jahren hat der DAX nur fünfmal mit einem so kleinen Plus (kleiner 5%) geschlossen.

Nun hat die Corona-Pandemie zu einem durchweg überraschenden und untypischen Börsenjahr geführt, sowohl im Ergebnis als auch im Verlauf. Ich wäre daher vorsichtig, unseren Umfrageteilnehmern vorschnell eine hohe Trefferquote zuzusprechen: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

Gedämpfte Erwartungen für Aktien im Jahr 2021

Für das Jahr 2021 erwarten Anleger nicht viel vom Aktienmarkt: zum Jahresende dürfte sich der DAX in etwa erneut auf dem aktuellen Kursniveau bewegen, wenn unsere Umfrageteilnehmer Recht haben.

Wo steht der Dax Ende 2021?
Abbildung 1: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahresschlusskurs DAX

Die meisten gehen von einem Jahresschlusskurs im Bereich von 13.600 bis 13.900 aus, was im Mittel einem Jahresplus von mageren 0,2% entspräche. Wenn wir die durchschnittliche Erwartung unter Einbeziehung aller Antworten errechnen, ergibt sich sogar nur ein Wert von 13.726 Punkten, also +0,1%.

Interessant dabei ist, dass die Streuung der Erwartungen sehr gering ist: 60% aller Teilnehmer erwarten einen Jahresschlusskurs zwischen 13.500 und 14.400 Punkten. Werte außerhalb dieses Bereiches wurden nur vereinzelt ausgewählt. Einen Schlusskurs unter 13.000 befürchtet fast keiner mehr. Nach oben gibt es vereinzelte Stimmen, die sogar einen DAX bis 16.000 Punkte erwarten.

Wo wird der Höchststand beim Dax 2021 sein?
Abbildung 2: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahreshoch im DAX

Das Jahreshoch wird gemäß der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens über 13.950 Punkten liegen, im Mittel wird ein Jahreshoch bei 14.250 (+3,9%) Punkten erwartet. Berechnen wir den Durchschnitt aller Erwartungen, so erhalten wir einen Wert von 14.385 Punkten (+4,9%). Ein Jahreshoch über 14.850 Punkte (+8,2%) hält kaum jemand für möglich.

Wo wird das Tief beim Dax sein?
Abbildung 3: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahrestief im DAX

Auch beim Jahrestief sind die Erwartungen etwas pessimistischer: Unter 12.750 Punkte (-7,1%) sollte der DAX nach der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens nochmals rutschen. Im Mittel wird sogar ein zwischenzeitliches Abrutschen bis auf 12.150 Punkte (-11,4%) befürchtet. Das durchschnittlich erwartete Tief im Jahr 2021 liegt bei 11.910 Punkten (-13,2%). Immerhin fürchtet kaum jemand ein erneutes Abrutschen unter 11.250 Punkte (-18%).

Ich finde dieses Ergebnis merkwürdig: Im Jahr 2019 sprang der DAX um 25% an. Im Corona-Jahr 2020 betrug die Schwankungsbreite im DAX über 60%! Für das Jahr 2021 gehen Anleger jedoch nur von einer maximalen Schwankungsbreite von 24% aus, die meisten erwarten eine Schwankungsbreite von nur 17%. Es wäre schön, wenn’s so kommt.

Für den DAX erwarten die meisten Anleger das Jahreshoch im Mai. „Sell in May and go away…” heißt eine Börsenweisheit, die sich offensichtlich in den Köpfen der Anleger festgesetzt hat. Doch in den vergangenen Jahren galt diese Regel kaum.

Das Jahrestief wird im August erwartet, ebenfalls entsprechend der obigen Börsenregel: „… and always remember to come back in September”.

Bis zum Jahresschluss würde der DAX dann wieder in Richtung seiner Höchststände marschieren, wenn wir der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer glauben. Soweit wird hier eine durchaus typische Jahresentwicklung erwartet.

Untypisch ist jedoch die Befürchtung eines unmittelbar anstehenden Ausverkaufs zum Jahresbeginn: Verhältnismäßig viele Anleger befürchten, dass wir bereits im Februar das Jahrestief sehen können. Daraus können wir zwei Schlussfolgerungen ziehen:

Zum einen wird der Markt aktuell als überhitzt wahrgenommen, so dass kurzfristig keine weiteren Kurssteigerungen erwartet werden. Nach dem Jahresschlussspurt wird nun eine Konsolidierung bis hin zu einer Korrektur erwartet.

Zum anderen spiegelt die Erwartung der Kurstiefs bereits so früh im Jahr die optimistische Erwartung der Anleger wider, dass die Kurse im Jahr 2021 überwiegend steigen werden.

Diese Erwartung widerspricht offensichtlich der weiter oben formulierten Erwartung der geringen Sprunghöhe im DAX: Wenn der DAX schon in den kommenden Wochen sein Tief sieht und dann für den Rest des Jahres steigt, dann erscheint das Kursziel bis zum Jahresende bei durchschnittlich 13.726 Punkten (+0,1%) sehr konservativ. Einzige Erklärungsmöglichkeit wäre ein heftiger Ausverkauf in den kommenden Wochen, so dass der DAX von tiefem Niveau aus dann das ganze Jahr steigen kann, ohne über die 14.000 Punkte zu springen.

Das wäre eine Entwicklung, die der DAX-Entwicklung aus dem Pandemie-Jahr 2020 entspräche. Ich halte das für sehr unwahrscheinlich.

Umfragen zum Dax im Jahr 2021

 

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Finanznews

Aktienmärkte: Warum fallen sie denn? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

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Ja warum fallen sie denn, die Aktienmärkte? Dass die so verwöhnte Wall Street (und auch der Dax) heute unter Druck kommt, hat mehrere Gründe: erstens Zweifel, ob Biden wirklich sein Stimulus-Programm verwirklichen kann. Dann, zweitens, wieder schwache US-Einzelhandelsumsätze – und schließlich die Nachricht, dass Pfizer deutlich weniger Impfstoff in den nächsten Wochen für die EU liefern wird. Im Grunde sind angesichts der absehbaren Verschärfungen der Lockdowns in Europa die Prognosen für ein starkes wirtschaftliches Jahr 2021 schon jetzt obsolet. Aber ein Rücksetzer der Aktienmärkte war ohnehin überfällig, zuletzt fehlte es deutlich an Dynamik auf der Oberseite. Vielleicht spielt auch die Unruhe vor der Amtsübernahme von Biden schon eine Rolle, man fürchtet erneute Ausschreitungen..

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Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

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am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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