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Sanktionen: Medwedew droht dem Westen mit Agrar-Exportstopp

Angesichts der Sanktionen westlicher Länder gegen Russland aufgrund des Ukraine-Kriegs droht der ehemalige Präsident und Ministerpräsident Russlands, Dmitri Medwedew, mit einem Agrar-Exportstopp . Medwedew ist nicht nur ein enger Vertrauer Putins, sondern derzeit auch Vize-Chef des Nationalen Sicherheitsrats.

Medwedew droht mit Agrar-Exportstopp – man hat ja Freunde in der Welt

In russischen sozialen Medien postete Medwedew heute, dass es nun um die Sicherstellung der Ernährung Russlands gehe angesichts der westlichen Sanktionen – daher werde Russland nur noch „unsere Freunde“ mit Agrarprodukten wie Weizen beliefern. „Glücklicherweise“ habe Russland viele Freunde, allerdings seien diese nicht in Europa oder Nordamerika.

Das hatte Medwedew bereits am 19.März auf Telegram erklärt – Russland habe viele Freunde auf der Welt: neben China auch viele Länder in Südostasien und Afrika. Und überhaupt habe Russland keine Angst vor den westlichen Sanktionen:

„Wir haben mehr als einmal Krisen, Sanktionen, Drohungen und politischen Druck erlebt: 2008, 2014, 2018. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass der UdSSR mehr als ein Dutzend Mal verschiedene Sanktionen auferlegt wurden. Wir haben schon lange keine Angst mehr.“

Russland hatte im Gefolge der westlichen Santkionen nach der Krim-Annexion 2014 (gezwungermaßen) seine landwirtschaftliche Produktion umgestellt und dabei vorwiegend auf Autarkie gesetzt – mit einigem Erfolg. Im Vorjahr wurden dann Getreideexportquoten und Steuern erlassen, die den Export von russischen Agrarprodukten begrenzen sollten.

Westliche Firmen im Bereich Landwirtschaft  verlassen Russland

Dennoch treffen die westlichen Sanktionen, vor allem aber der Rückzug westlicher Firmen aus Russland auch die dortige Landwirtschaft empfindlich. Vor allem bei Landmaschinen ist Russland weitgehend vom Import westlicher Güter bzw. von in Russland ansässigen westlichen Firmen abhängig, die sich nun jedoch aus dem Land zurück ziehen:

„Vor allem im Landmaschinengeschäft war eine starke Reaktion auf die russische Invasion zu beobachten. Case New Holland setzte alle Lieferungen nach Russland und Weißrussland aus, ebenso wie John Deere und Caterpillar, die ankündigten, den Betrieb ihrer Werke in Russland einzustellen. Inzwischen hat auch der niederländische Maschinen- und Anlagenhersteller Lely, ein großer Akteur in der Milchwirtschaft, seine Geschäftsaktivitäten in Russland und Weißrussland eingestellt.“

Westliche Firmen ziehen sich auch aus den Bereichen Schweinezucht und Futtermittelproduktion aus Russland zurück – auch das ist für das Land nicht einfach zu kompensieren.

Steigende Preise für Nahrungsmittel im Westen

Für den Westen wiederum ist der Mangel ein Dünger ein echtes Problem (der Einsatz von Düngermitteln steigert die landwirtschaftlichen Erträge um ca. 40%). Zwar hat Russland aktuell angekündigt, den Export von Düngermitteln wieder zu erhöhen – allerdings nur, wenn diese Produkte dann von den Käufern in Rubel bezahlt werden.

In deutschen Supermärkten aber werden die massiven Preisanstiege für Düngermittel und landwirtschaftliche Produkte insgesamt immer spürbarer – auch ohne Agrar-Exportstopp Russlands. Gestern hatte ifo auf eigene Umfrageergebnisse hingewiesen, dass immer mehr deutsche Unternehmen ihre Preise erhöhen wollen (müssen) – vor allem im Bereich der Nahrungsmittel. Die gestiegenen Kosten der Landwirtschafts-Produktion für Düngemittel oder Futtermittel landen also über Supermärkte wie Aldi & Co dann direkt beim deutschen Konsumenten.

Ander als beim Gas aber haben Medwedew und Putin bei Düngemitteln und Agrarprodukten ein echtes „Ass“ im Ärmel: hier kann schlicht an diejenigen verkauft werden, die bereit sind, in Rubel zu bezahlen- Im Bereich Gas aber ist die russische Infrastruktur seit Jahrzehnten voll auf den Export in den Westen ausgerichtet – Umleitungen nach Asie wären logistisch schwierig und für Russland extrem kostspielig. Wohl deshalb schrecken Putin und Medwedew von einem sofortigen Exportstopp für Gas vorerst zurück und erlaiben faktisch die Weiterzahlung in Euro für Firmen aus „unfreundlichen Staaten“..

Medwedew über Sanktionen und Agrar-Exportstopp
Foto: Von Jürg Vollmer / Maiakinfo – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9846862



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10 Kommentare

  1. Ist doch nicht so schlimm.
    Die Ideologen haben doch schon die neue Losung ausgegeben „ Gürtel enger schnallen“ und „die Portionen verkleinern“.

    Wichtig sind Waffenlieferungen in die Ukraine und Drohgebärden Richtung Russland. (natürlich gendergerecht und nachhaltig)

    Zum Thema Landmaschinen : wenn der Bauer das Feld nicht bestellen kann und wenn er es noch bestellen, aber nicht pflegen und düngen kann….braucht er auch keine Landmaschinen.

    Mit freundlichen Grüßen

    1. Kleiner Nachtrag :

      die in Russland produzierten Landmaschinen sind zum größten Teil für den Export…ergo: diese Sanktion geht auch zum größten Teil „nach hinten“ los.

      Und so wie hier gerade geschildert wurde, ist die Ersatzteilversorgung relativ gut gesichert.

  2. Ich wohne bei Leipzig. Hier gibt es eine Kolchose, die im großem Umfang Getreide, Mais und alle anderen Produkte anbaut. Diese Firma, man unterhält sich ja auf dem Lande, hat einen Ableger in Russland, dort werden erheblich größere Flächen bewirtschaftet.
    Man ist dort bereits seit fast 20 Jahren und dort wird mit Landmaschinen der Firma John Deere gearbeitet.
    Bereits 2014/2018 wurden z.B. Ersatzteile von John Deere sanktioniert, bzw. wurde es erheblich schwieriger an Ersatzteile zu kommen (Für den Ableger in Russland). Zumindest zeitweise.

    Was offensichtlich im Westen noch nicht angekommen ist und auch in diesem Artikel nicht aufgegriffen wird, ist der Fakt, dass es diverse chinesische Firmen gibt, die diese Ersatzteile 1:1 kopiert haben und seit Jahren alle notwendigen Teile liefern. Zu deutlich geringeren Kosten natürlich.

    Auf meine Frage hin (Anfang dieser Woche), ob man über ein Rückzug aus Russland nachdenkt bzw. wie die Haltung dazu ist, bekam ich die Antwort, dass man eher die Produktion in Deutschland einstellt, als das Russlandgeschäft.

  3. Ist heute wieder mal Weltuntergangsstimmung? Die russische Seite erzählt viel wenn der Tag lang ist.

  4. Hallo Markus,

    meines Erachtens wird es nicht zu einem Agrarlieferstopp kommen
    .
    Wovon auszugehen ist, dass beide Parteien ca. Anfang / Mitte Mai über einen Waffenstillstand verhandeln würden, Wichtig wäre, dass Russland nicht mehr Odessa angreifen würde .

    Warum ? weil man dann der Ukraine vollends den Hahn zu den Weltmärkten abdrehen würde, siehe Exporte von Weizen nach Europa, so oder so, wird das schwierig werden, Anerkennung der Krim als Russland, Russland will wohl die gesamte Ostflanke der Ukraine „einkassieren“.

    https://www.n-tv.de/mediathek/videos/wirtschaft/Emmerich-Unklar-wer-da-am-laengeren-Hebel-sitzt-article23239647.html

    so gesehen macht der Rückzug Russlands weg von Kiew schon Sinn, weil doch Russland doch weiß, dass sich die Ukraine niemals mehr unterordnen würde, die Ukraine ist das was sie ist, ein westeuropäischer orientierter , demokratischer Staat.

    Und natürlich wurde von seitens Russlands sehr viel Porzellan zerschlagen…

  5. Ich glaube Putin interessieren die meisten Sanktionen überhaupt nicht, da China den Russen freundlich gesinnt ist. Der Westen hat China das Knowhow geliefert, also wird China vieles ersetzen können, was vorher die westlichen Länder geliefert haben.

  6. So ist es. Niemals würden die Ukrainer auf Knien leben, lieber Aufrecht sterben.

  7. Eigentlich ist es im Augenblick völlig wurscht welche Währung fällt oder auch nicht Fakt ist aber das Russland die Ukraine überfallen hat und Menschen zu tausenden sterben nur weil ein einzelner eine Idee hat die er auf biegen und brechen durchsetzten will und ob dabei Menschen sterben egal ob Russen Ukrainer oder andere ist ihm egal und dabei noch die ganze welt belogen hat und ehrlich ist da die Währung wichtig wenn bis Afrika oder Jemen die menschen hungern müssen wegen diesem Diktator.

  8. Was will Russland mit der Bezahlung in Rubel erreichen? Russland kann die erhaltenen Euro ja sofort wieder in Rubel umtauschen. Das Problem wird doch sein, dass die Importeure keine Rubel haben, um das Russland-Gas zu bezahlen. Und woher könnten sie Rubel bekommen, wenn die russische Zentralbank ihnen keine verkauft? Wie bekommt der Westen also russische Rubel? Richtig! Er muss Waren nach Russland exportieren und sich in Rubel bezahlen lassen. Dann rollt der Rubel auch im Westen und die Gas-Importeure können in Rubel bezahlen. M.E. will Putin mit der Forderung von Rubelzahlungen den Westen zu für Russland lebensnotwendigen Exporten veranlassen, die er aufgrund der Sanktionen bisher nicht bekommt.

  9. Dort wird Putin schon einiges an Waren loswerden.

    Indien will Handel mit Russland intensivieren
    Den Sanktionen des Westens schließt sich Indien nicht an. Stattdessen kündigt das Land an, verstärkt Waren aus Russland zu kaufen. Den russischen Außenminister freut es. Bei seinem Besuch in Neu-Delhi betont Lawrow die Freundschaft zwischen beiden Ländern.

    https://www.n-tv.de/politik/Indien-will-Handel-mit-Russland-intensivieren-article23242576.html

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