Die SAP-Aktie war bis vor Kurzem noch die deutsche Aktie mit der größten Marktkapitalisierung. Aber durch den massiven Kursverfall ist Siemens auf Platz 1 vorgerückt. Vom Rekordhoch bei 283,95 Euro ging es kräftig bergab, bis jetzt auf 160,74 Euro. Wer dachte, mit der großen deutschen IT-Aktie würde man am Mega-KI-Hype bei US-Techaktien im Windschatten profitieren können, der wurde bitter enttäuscht. In den letzten zwölf Monaten jedenfalls verlor die Aktie 40 % an Wert, während Siemens um fast 21 % zulegte, der Dax gewann 14,7 %.
SAP-Aktie zuletzt zwei Mal hart getroffen
Ist das eine Einstiegschance, ist die Aktie tief genug gefallen? Vor allem geht es um die Zukunftsperspektiven, denn Börsianer handeln die Zukunft. Und letzte Woche, als SAP seine Quartalszahlen meldete, war die Börse herbe enttäuscht. Oder besser gesagt, die Anleger ließen die Aktie fallen, obwohl die Daten doch gut waren? Sogar 10 Milliarden Euro an Aktienrückkäufen vermeldete das Unternehmen! Vor der Meldung noch bei 196 Euro, ging es seitdem kräftig bergab, auf jetzt wie gesagt 160,74 Euro.
Warum? Entscheidend für die schlechte Laune der Anleger letzte Woche war der von SAP gemeldete aktuelle Cloud-Auftragsbestand, der im vierten Quartal auf ein Niveau sank, das laut Christian Klein, Chief Executive Officer von SAP, „enttäuschend“ sei, da das Unternehmen größere Aufträge abschloss, deren Umsetzung mehr Zeit in Anspruch nimmt. Der aktuelle Cloud-Auftragsbestand, der die Umsätze widerspiegelt, die in den nächsten zwölf Monaten verbucht werden, stieg im vierten Quartal um 16 % auf 21,1 Milliarden Euro, und lag bei konstanten Wechselkursen um 25 % höher. Klein hatte zuvor gesagt, SAP strebe ein Wachstum von 26 % an. Diese Nachricht über zu wenig Wachstumseuphorie löste also einen Schock bei den Anlegern aus!
Und gestern kam noch verschlimmernd hinzu: Der Anbieter Anthropic präsentierte ein neues KI-Automatisierungstool, das zu einem massiven Börsen-Ausverkauf bei Aktien aus den Bereichen Software, Finanz- und Asset-Management führte. Denn das Tool soll offenbar viele Tätigkeiten automatisieren können, was vermeintlich die Nutzung auch von SAP-Software weniger notwendig macht? Ein neues Risiko für Software-Anbieter wird vom Markt eingepreist.
KGV wird langsam akzeptabel
Interessant ist der Blick auf die Bewertung der SAP-Aktie. Durch den starken Kursverfall hat sich die Bewertung verbessert. Die durchschnittlichen KGV-Erwartungen des Marktes (Kurs-Gewinn-Verhältnis) für die nächsten 24 Monate sanken in den letzten Monaten von 32 auf 24. Für das Geschäftsjahr 2027 liegt die Erwartung bei einem Wert von 19, für 2028 sogar bei 16. Werte unter 10 gelten als sehr günstig, zwischen 10 und 20 gelten Aktien grob gesagt als akzeptabel bewertet. Erst ab Werten über 20 wird es langsam teuer. Aber normalerweise „erlauben“ Anleger Techaktien höhere KGV-Bewertungen – von daher kann man fast schon sagen, dass die Bewertungsaussichten für die SAP-Aktie so langsam halbwegs moderat erscheinen.
Analystenbewertungen
Goldman Sachs hat heute sein 260 Dollar-Kursziel für die Aktie bestätigt, ebenso die Kaufempfehlung. Die Deutsche Bank bestätigt 220 Euro Ziel und die Einstufung Kaufen. Der Analyst Johannes Schaller sieht sich durch die Aktienkäufe des SAP-Managements in seiner optimistischen Einschätzung bestätigt. Das durchschnittliche Analystenkursziel für die Aktie auf 12-Monatssicht liegt bei 248,43 Euro, ein Potenzial von 54,9 %.
Kaufen?
Wir werden hier keine Kaufempfehlung abgeben. Aber wer an die Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit von SAP glaubt, findet jetzt deutlich günstigere Einstiege und eine für Techaktien relativ moderatere KGV-Bewertung. Natürlich schauen die Anleger auf das Cloud-Wachstum. Geht SAP im großen KI-Game unter, oder kann man sich behaupten, und kräftig wachsen? Glaubt der Anleger an SAP, ist die Aktie eine Überlegung wert.
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