Folgen Sie uns

Allgemein

Saudi-Arabien droht mit Ausverkauf von US-Staatsanleihen für bis zu 750 Milliarden Dollar

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von Claudio Kummerfeld

Kein Witz, ja es ist wirklich so. Saudi-Arabien droht ernsthaft damit seine US-Staatsanleihen im Wert von bis zu 750 Milliarden US-Dollar abzustoßen. Grund hierfür ist ein Gesetzesentwurf im US-Kongress, der Angehörigen von 9/11-Opfern die Möglichkeit geben soll gegen Saudi-Arabien zu klagen. Dadurch könnten saudische Vermögenswerte in den USA eingefroren werden. Oder ist es eine Drohung um jegliche Schuldzuweisung zu verhindern? Die Frage ist, ob so ein Verkauf technisch machbar ist, und welche Folgen er mitbringen würde.

König-Salman Saudi-Arabien
König Salman ibn Abd al-Aziz von Saudi-Arabien. Foto: Gemeinfrei

Ja, man muss das erstmal sacken lassen. Republikaner wie Demokraten unterstützten derzeit einen Gesetzesentwurf, der es Angehörigen von Opfern des 11. September 2001 ermöglichen soll gegen Staaten zu klagen, die in Terroranschläge auf US-Boden involiert sind. Dieses Gesetz würde dann auch rückwirkend für 9/11 gelten. Laut New York Times machen die Saudis dagegen mobil und drohen mit dem Ausverkauf ihrer US-Staatsanleihen. Warum diese Drohung? Es kann sein, dass das Königshaus in Riad jegliche Schuld an den Anschlägen, sei sie auch nur indirekt zu finden, von sich weisen möchte und mit dieser Drohung US-Präsident Obama und die Abgeordneten einschüchtern möchte. Andererseits kann man aber auch logisch argumentieren: Kommt das Gesetz durch, was gar nicht mal so unwahrscheinlich zu sein scheint, könnten 9/11-Angehörige massenhaft auf gigantische Schadenersatz-Summen klaren.

Von den Saudis in den USA gehaltene US-Staatsanleihen sowie sonstige Vermögenswerte könnten bis zur Klärung von Ansprüchen als Pfand konfisziert werden. Da macht es Sinn diese Vermögensgegenstände zu Cash zu machen und anderswo auf dem Planeten unterzubringen. (z.B. griechische Staatsanleihen?) Und wie allgemein bekannt ist, sind die Amerikaner gut darin hohe Forderungssummen anzusetzen. Noch ist gar nicht vorstellbar, welche Summen aufgerufen werden, wenn es um Vorwürfe gehen sollte der saudische Staat habe in einer Art „Totschlag“ mitgeholfen durch Weggucken, durch Finanzierung religiöser Gruppen oder durch Nicht-Verhindern von Zahlungsströmen.

In den USA ist Wahlkampf. Da soll sich jetzt mal irgendwer öffentlich hinstellen und den US-Wahlvolk sagen, warum dieses Gesetz nicht verabschiedet werden soll? Laut NYT sind Mitarbeiter des US-Außenministeriums derzeit panikartig dabei Abgeordnete davon zu überzeugen, dass man dieses Gesetz besser nicht verabschiedet. Denn man weist darauf hin, dass hierdurch das selbe umgekehrt geschehen könnte. Bisher durch Immunitäten oder sontige Regelungen geschützte Amerikaner im Ausland könnten ihren sicheren Status im Ausland verlieren, wenn Staaten nach diesem US-Gesetz ihre Regeln für US-Amerikaner ebenfalls ändern. Klagen von 9/11-Angehörigen gegen das saudische Königshaus liefen bisher ins Leere wg. einem Gesetz aus dem Jahr 1976, welches ausländischen Regierungen vor US-Gerichten Immunität gewährt. Durch dieses Gesetz könnte diese Immunität wg. Terroranschlägen in den USA aufgehoben werden.

Ist das faktisch überhaupt umsetzbar? Natürlich, die Saudis können Weisung geben „Schmeißt die US Treasuries“ auf den Markt, weg damit, alles“. Erstens: Die Kurse dürften in den Keller rauschen. Zweitens: Kaum denkbar, dass der Käufermarkt solche Volumen mal ebenso absorbieren kann. Es könnte kurzzeitig zu einem Kollaps des Marktes kommen. Ach ja, da gibt´s ja noch die Federal Reserve. Die könnte ganz realistisch einspringen und als vorübergehender Aufkäufer auftreten, um das „Funktionieren des Marktes“ zu gewährleisten. Die Saudis würden wohl diese Erlöse in andere Währungen konvertieren – ein Debakel für den US-Dollar. Damit würden die Saudis aber ihre jahrzehntelange enge Bindung an die USA aufkündigen bzw. verlieren.

Aber mal ehrlich: Faktisch umsetzbar wäre so ein großer Verkauf von Staatsanleihen sicherlich, irgendwie, mit desaströsen Auswirkungen für beide Seiten. Aber ist es wirklich realistisch, dass es dazu kommt? Das Gesetz hat wohl recht gute Chancen durchzukommen. Dann müssten Angehörige von 9/11-Opfern erstmal vor Gerichten belegen, dass der Staat Saudi-Arabien indirekt irgendwie haftbar zu machen ist für diese größte Terrorattacke auf US-Boden. Es ist aber weniger realistisch, dass die Saudis ihren gesamten Berg an US-Staatsanleihen auf den Markt werfen. Es wirkt wie eine leere Drohung, die mit Absicht groß aufgebläht wird (750 Milliarden!!!), um den US-Kongress einzuschüchtern. Lasst eure Finger bloß von diesem Gesetz, so die Drohung. So, wer stellt sich dann mitten im US-Wahlkampf vor die Kameras und erklärt „dem Volk“, dass man es nicht verabschiedet? US-Präsident Obama ist übermorgen zu Besuch in Riad – sicher ein terminlicher Zufall.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Helmut Josef Weber

    18. April 2016 16:27 at 16:27

    Die Saudis werden schon wissen, warum ihnen der Hintern schon jetzt auf Grundeis geht. Reagiert so ein Unschuldiger?

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  2. Avatar

    Steven

    18. April 2016 18:47 at 18:47

    Wer war zu erst da Huhn oder Ei?

    Wollen die Saudis nicht grade die us fraker zerstören .?!
    Also ein Motiv hätten die amis .

    Die Saudis müssten es aber jetzt tun damit die BarReserven noch reichen um die dann ausgelöste Krise zu überstehen ….3jahr ca ?!

    Das alte Bündnis ist so oder so dahin .
    Letzter Ausweg …das Gesetz kommt nicht durch und die Saudis akzeptieren ein Ölpreis zw 40 und 50 .

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

weiterlesen

Allgemein

Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage