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Saudi-Arabien: Höhere Ausgaben, geringeres Defizit, Hoffen auf Öl und zukünftige Diversifikation

Saudi-Arabien hat für seinen Staatshaushalt Zahlen für 2016 und noch wichtiger für 2017 bekanntgegeben. Immer noch produziert man dank der niedrigen Ölpreise…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Saudi-Arabien hat für seinen Staatshaushalt Zahlen für 2016 und noch wichtiger für 2017 bekanntgegeben. Immer noch produziert man dank der niedrigen Ölpreise massive Defizite. Für das Budgetjahr 2016 fiel das Haushaltsdefizit mit 297 Milliarden Riyals (75,8 Milliarden Euro) geringer aus als noch 2015 mit 367 Milliarden Riyals, und auch geringer als erwartet (326). Dennoch, die Relationen bleiben erdrückend.

Nächstes Jahr will man mit 890 Milliarden Riyals (227 Milliarden Euro) die Ausgaben um 6% erhöhen und deutlich mehr für Infrastrukturinvestitionen ausgeben. Das Defizit soll 2017 auf 198 Milliarden Riyals sinken. Hört sich positiv an, aber 692 Milliarden Einnahmen gegenüber 890 Milliarden Ausgaben, das sind schon deftige Relationen. Ein nach wie vor dickes Minus, aber immerhin ein spürbarer Rückgang gegenüber 2016.

Als Hauptgrund für das schrumpfende Defizit in 2017 sieht man den steigenden Ölpreis. Aber auch betonte König Salman in seiner TV-Ansprache, dass „Gott sei Dank“ die saudische Wirtschaft robust sei und genügend Kraft habe mit den aktuellen konjunkturellen und finanziellen Herausforderungen klar zu kommen. Ein klein wenig half dem Staat auch, dass man Ausgaben kürzte und vor allem Subventionen senkte, zum Beispiel für Strom.

Aber ach was soll´s, machen wir uns nichts vor. Trotz vollmundiger Ankündigungen der letzten Monate man wolle die Wirtschaft diversifizieren und breiter aufstellen, dreht sich natürlich nach wie vor alles um das liebe Öl. Nächstes Jahr will man seine Erlöse aus Ölverkäufen um satte 46% steigern. Eine Ausbalancierung von Einnahmen und Ausgaben im Staatshaushalt will man wieder im Jahr 2020 erreichen. Umsätze aus Bereichen jenseits von Öl will man massiv erhöhen und so unabhängig vom schwankenden Ölpreis werden.

Das ist der Kern des Programms „Saudi Vision 2030“. Sowas dauert natürlich seine Zeit, aber die Staatswirtschaft ist derart umfassend und festgefahren, da bräuchte es schon einen richtigen Reformer, der den ganzen Laden mal so richtig auf Vordermann bringt. Der Regierungsplan sieht vor, dass Einnahmen außerhalb der Ölindustrie, die im laufenden Jahr bei 199 Milliarden Riyals liegen, schon in 4 Jahren bei 530 Milliarden Riyals liegen sollen. Das ist mal eine Hausnummer. Wer sich keine großen Ziele setzt, kann auch keine großen Ziele erreichen, oder wie war das?

Nächstes Jahr steht der große Börsengang von wohl 5% der Anteile an Saudi-Aramco bevor, der staatlichen Ölgesellschaft, die 100% der Förderung von Öl im Land repräsentiert. Sie ist wohl die mit Abstand wertvollste Gesellschaft auf dem Planeten, und 5% werden wohl locker mehr als 100 Milliarden US-Dollar in Cash in die Kassen des Königs spülen. Das verschafft erst mal Luft, bis der Ölpreis wieder gestiegen ist. Auch hatte man gerade erst vor zwei Monaten mit seiner ersten im Ausland platzierten Anleiheemission satte 17,5 Milliarden Dollar aufgenommen.

Die Saudis werden wohl auch morgen nicht am Hungertuch nagen. Aber strukturell gelöst sind die Probleme nicht. Die Fracker in den USA fördern immer billiger, und die Elektroauto-Industrie geht in großen Schritten voran. Für die Saudis wie für viele Nachbarländer kommt es darauf an, ob die schön klingenden Pläne zur Diversifizierung der Volkswirtschaft auch wirklich umgesetzt werden, oder ob man sich bei steigenden Ölpreisen wieder angenehm zurücklehnt. Dann wären die Probleme wieder nur aufgeschoben. Ein bisschen gedulden müsste man sich noch für das „entspannte Zurücklehnen“, denn laut IWF braucht Saudi-Arabien einen Ölpreis von 77,7 Dollar um einen ausgeglichenen Staatshaushalt hinzulegen.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Jörg

    23. Dezember 2016 17:10 at 17:10

    Zitat: „Saudi-Arabien hat für seinen Staatshaushalt“

    Nein! Es gibt keinen „Staatshaushalt“ in Saudi-Arabien. Denn das alles ist PRIVATVERMÖGEN(!) des „Königs“. Genauso wie bei Ludwig XIV. !

    Ich möchte damit aber Ludwig XIV. nicht beleidigen. Denn da endet schon der Vergleich. Ludwig XIV. war wenigstens noch ein „König“ – während diese Person, die hier so ehrfürchtig „König Salman“ genant wird, ein widerwärtiger, folternder und mordender Despot/Diktator ist!
    Wieso wird hier nicht wenigstens in der Weise berichtet, wie stets (und zu Unrecht!) über die syrische Regierung bzw. Assad berichtet wird?

    Also bitte nicht einfach von „Saudi-Arabien“ sprechen – sondern von „DAS REGIME IN RIAD“ oder „DER BERÜCHTIGTE DIKTATOR UND ISIS-UNTERSTÜTZER IN RIAD LIESS GERADE VERÖFFENTLICHEN …“

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Einzelhandelsumsätze boomen in der Coronakrise – bis auf ein Segment

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Leeres Einkaufszentrum als Symbol für die Coronakrise

Wenn man in der Coronakrise schon kein Geld für Restaurants, Theater, Kinos oder Urlaubsreisen ausgeben kann, dann kann man doch immerhin noch sein Haus, seine Wohnung oder den Garten verschönern? Und zuhause gut essen ist ja auch drin. Dementsprechend wandeln sich die Einzelhandelsumsätze in den letzten Monaten.

Unterm Strich geben die Deutschen deutlich mehr aus als noch im Vorjahr, und auch mehr als direkt vor Ausbruch der Coronakrise. Dies wird untermauert durch die vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Einzelhandelsumsätze für Oktober. Sie steigen im Vergleich zu Oktober 2019 um 8,2 Prozent, und im Vergleich zu Februar 2020 um 5,9 Prozent. Das ist eindeutig. Der Onlinehandel boomt am Stärksten, die Heimwerkermärkte boomen, und auch der Lebensmitteleinzelhandel. Ein klarer Wink hin zu mehr Konsum in den eigenen vier Wänden. Nur der stationäre Einzelhandel mit Bekleidung ist spürbar rückläufig. Klar, wenn man deutlich weniger ausgeht, hat man auch weniger den Drang neue Klamotten zu kaufen. Hier die Detailangaben der Statistiker über die Einzelhandelsumsätze im Wortlaut:

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im Oktober 2020 real 7,3 % und nominal 10,3 % mehr um als im Oktober 2019. Dabei lag der Umsatz der Supermärkte, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkte real 7,9 % und nominal 10,9 % über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 3,0 % und nominal 6,5 % mehr um.

Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen die Umsätze im Oktober 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 9,0 % und nominal um 9,4 %. Das größte Umsatzplus mit real 29,8 % und nominal 31,1 % erzielte der Internet- und Versandhandel. Deutlich zugenommen hat auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem realen Plus von 14,2 %. Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau waren dagegen der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren und der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser) mit real -6,4 % und -2,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Grafik zeigt Einzelhandelsumsätze für Oktober im Detail

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Claudio Kummerfeld

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„Im Oktober haben wir einen Einbruch bei den gewerblichen Neuzulassungen gesehen. Das wird sich wahrscheinlich fortsetzen, aufgrund der großen Unsicherheit bei den Unternehmen“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

Die Unternehmen gaben an, ihre Produktion deutlich drosseln zu wollen. Der Indikator sank von plus 38,6 Punkte auf minus 0,5 Punkte. Die Exporterwartungen fielen deutlich von plus 19,0 Punkten im Oktober auf minus 5,0 Punkte. Auch gab immer noch die Mehrheit der Unternehmen an, die Zahl ihrer Mitarbeiter zu verringern. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 34,6 Punkte.

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