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Saudi-Arabien verdreifacht Mehrwertsteuer!

Redaktion

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Saudi-Arabien verdreifacht mal eben die Mehrwertsteuer, und zwar von 5 auf 15 Prozent! Die Maßnahme gilt ab Juli. Dies wurde heute offiziell vermeldet. Jetzt könnte man denken, dass in Saudi-Arabien ja alle Menschen reich sind (mal ganz vereinfacht gedacht), und dass das doch eh egal ist? Dem ist nicht so. Natürlich gibt es auch in Saudi-Arabien Menschen mit wenig Geld. Vor allem betrifft das den Teil der Bevölkerung, der nicht im gigantischen aufgeblähten Staatsapparat versorgt wird. Auch wird der Staat seine Ausgaben in einem Volumen von umgerechnet 26,6 Milliarden US-Dollar senken.

Nochmal zurück zur Mehrwertsteuer. Wir können uns das in Europa gar nicht vorstellen. Aber für Saudi-Arabien ist dieser Steuer immer noch ein Novum. Aljazeera weist aktuell darauf hin, dass der saudische König in 2018 sogar umgerechnet 267 US-Dollar an jeden Staatsbediensteten auszahlte, als Ausgleich für die Mehrwertsteuer, die neu eingeführt wurde. Und jetzt? Diesmal gibt es wohl keine Kompensation? In solchen Zeiten rächt es sich, wenn eine Volkswirtschaft sich nur ein eine Einnahmequelle fokussiert. Der saudische Thronfolger MBS hat zwar unlängst große Umbrüche und Investitionsprogramme in Zukunftsprojekte angekündigt, damit Saudi-Arabien sich endlich von der Abhängigkeit vom Öl lösen kann. Aber das dürfte wohl noch sehr lange dauern. Auch wenn aktuell keine frischen Zahlen vorliegen – aber die saudischen Staatsreserven, die in den letzten Jahrzehnten immer weiter stiegen und zum Beispiel am US-Kapitalmarkt umfangreich investiert wurden – dürfen spürbar schrumpfen.

Oder will man den massiv gefallenden Ölpreis und die dadurch entstehende Lücke im Staatshaushalt nur decken durch mehr Steuern und Ausgabenkürzungen? Tja, oder doch besser die Reserven ankratzen? Die Ruhe im saudischen Volk hängt davon ab, dass es gut versorgt wird. Denn eine demokratische Legitimation hat die Regierung nicht. Die Herrscherfamilie ist der Staat, demokratische Abläufe oder eine Trennung von Justiz und Polizei etc gibt es nicht. Also muss die Herrscherfamilie alles tun, um das Volk bei bester Laune zu halten. Das dürfte bei den massiv sinkenden Öl-Einnahmen aber immer schwieriger werden – es sei denn, ja, man verfeuert die im Ausland angelegten Reserven.

Jetzt aber wird die verdreifachte Mehrwertsteuer in Saudi-Arabien vor allem diejenigen Bürger und auch Gastarbeiter hart treffen, die keinen gut bezahlten Job beim Staat haben, und die dank der Coronakrise aktuell eh schon hart getroffen sind. Die finanzielle Lage (9 Milliarden Dollar Staatsdefizit im 1. Quartal) dürfte nun noch dramatischer werden. Denn man hatte vor Kurzem einen Deal mit der OPEC und externen Partnern geschlossen für die deutliche Kürzung der Öl-Fördermenge. Vor allem die Saudis kürzen derzeit die Fördermenge deutlich, was zusammen mit dem niedrigen Ölpreis doppelt ins Budget reinknallt. Und heute haben die Saudis sogar verkündet die eigene Fördermenge erneut deutlich zu kürzen. Und der Ölpreis? Der will (im ganz großen Bild gesehen) einfach nicht ansteigen. Ein Debakel für alle Staaten, die sich jahrzehntelang auf Öl als einzige Einnahmequelle fokussiert, oder besser gesagt darauf ausgeruht haben!

Riad ist die Hauptstadt von Saudi-Arabien
Die saudische Hauptstadt Riad. Foto: B.alotaby CC BY-SA 4.0

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    thinkSelf

    11. Mai 2020 18:46 at 18:46

    Wir arbeiten uns zum eigentlichen Problem der Krise vor. Insbesondere in den „schon länger wohlhabenden Ländern“ sehen wir einen bereits stark angeschlagenen Mittelstand.
    Das gilt für die USA die gerade ihren Mittelstand final killen. Wir sehen es in Japan mit seit 20 Jahren sinkenden Reallöhnen und wir sehen es mit den vor dem Kollaps stehenden Sozialsystemen in Europa.
    Gibt es nun noch massive Einschläge in Ländern mit einem starken Youth Bulge, dann könnte das Ganze sehr schnell in unkontrollierbare Entwicklungen kippen.

  2. Avatar

    Mike Lohmann

    11. Mai 2020 19:07 at 19:07

    In einer Welt in der jeder einfach Geld druckt statt die Lösung auch echten Marktwerten auszurichten, kann es nicht mehr lange dauern bis wir wieder zum Tauschhandel zurückkehren. Denn es ist für Marktteilnehmer undenkbar wertlose Anleihen von Schuldnern als Sicherheit zu akzeptieren, ausser die EZB und FED. Aber was sollen sie auch tun, denn am Markt findet sich keine Käufer mehr für den Schrott, den die Notenbanker produziert haben. Also bleiben nur noch die Notenbanker als Marktteilnehmer als Produzenten für diese Schrottpapiere übrig!

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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