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Saudi Aramco: MEGA-Börsengang ist für SIE als Anleger völlig uninteressant!

Saudi Aramco steht für die gesamte saudische Ölförderung. Der Konzern war bis jetzt zu 100% in Staatsbesitz, also in Besitz der Herrscherfamilie des Landes. Demokratische Kontrolle Fehlanzeige. Transparenz bislang Fehlanzeige. Aber was soll´s? Nun der Börsengang von Saudi-Aramco. Sogar die Tagesschau berichtete gestern Abend in der 20 Uhr-Ausgabe darüber. Durch den Börsengang wird man mit einem Wert von gut 1,9 Billionen Dollar zum wertvollsten Unternehmen der Welt, noch weit vor Apple (1,2 Bio), Google, Exxon etc. Bei SPON lautete die Schlagzeile gestern „Aktien von Saudi Aramco legen direkt um zehn Prozent zu“. Die Nachfrage nach Aktien des weltgrößten Ölkonzerns Saudi Aramco sei gewaltig. Zum Start an der Börse wurden die Aktien von Saudi-Aramco gleich deutlich über dem Ausgabepreis gehandelt. Und so könnte man es fortsetzen – die Presselandschaft berichtet überschwänglich von diesem MEGA-Börsengang des jetzt mit Abstand größten börsennotierten Unternehmens der Welt. Doch was hat der Anleger davon, was haben Sie davon?

Saudi-Aramco Aktie de facto eine Inlands-Story

Nur 1,5% der Anteile von Saudi Aramco wurden an Investoren verkauft. Der Ölproduzent ist extrem profitabel, weil die gesamten Förderkosten in der saudischen Wüste bei wohl unter 10 Dollar pro Barrel liegen. Da kann kein westlicher Ölkonzern mithalten! Also, doch eigentlich ein super tolles und interessantes Investment? Was soll da schief gehen? Tja, das Problem ist nur: Die Herrscherfamilie hätte zum Beispiel in Hongkong, London oder New York an die Börse gehen können. Aber die Aktien wurden nur über die heimische Börse in Riad verkauft. Institutionelle Investoren erhielten nur den Zuschlag, wenn sie als sogenannte „qualifizierte institutionelle Investoren“ angesehen werden. Privatkunden konnten überhaupt nur die Chance auf eine Zuteilung erhalten, wenn sie Bankkonto und Börsendepot in Saudi-Arabien vorweisen können. Tja, und die Aktie selbst wird ja auch nur in Saudi-Arabien an der Börse gehandelt in der heimischen Währung.

Hat der deutsche Anleger da Lust drauf? Währungsrisiko, dann noch in Saudi-Arabien erstmal Konto und Depot eröffnen. Wer tut sich den Aufwand schon an? Außerdem bleibt das Risiko der Intransparenz und möglicher fehlender Rechtssicherheit. Was, wenn sich die Politik des Landes (also bei der Herrscherfamilie) ändert? Was, wenn es einen politischen Umsturz oder einen Krieg auf der arabischen Halbinsel gibt? Wie sicher sind dann die Anlegergelder? Und dass Aramco selbst auch anfällig ist, zeigten dieses Jahr die Angriffe auf Raffinerien. Und wie klar ist die Datenbasis von Saudi-Aramco? Vorhandene Daten zum Unternehmen verdankt die Weltöffentlichkeit nicht dem Börsengang.

Ein wenig Transparenz, aber nicht wegen dem Börsengang

Richtig transparent hätte Saudi Aramco sich zeigen müssen bei einem Börsengang zum Beispiel in den USA. Aber das vermied man komischerweise. Offiziell geht es darum die Gelder und Aktien quasi zuhause zu behalten, bei heimischen Privatanlegern. Aus Patriotismus. Sozusagen die saudische Variante der T-Aktie? Scherz bei Seite. Vorhandene Daten des Unternehmens hat der Kapitalmarkt eigentlich nur deswegen, weil Aramco im Frühjahr am globalen Kapitalmarkt Anleihen für 12 Milliarden Dollar verkaufte, und hierfür Geschäftszahlen publizieren musste. Mit dem Börsengang der Aktien hat das nichts zu tun.

Saudi Aramco muss in Bezug auf sein Aktien-Listing keine international anerkannten Börsenregeln beachten. Bei so einem geringen Anteil an verkauften Aktien bleibt die ganze Nummer weiterhin eine Art geschlossene Veranstaltung innerhalb Saudi-Arabiens. Für den europäischen oder amerikanischen Aktienanleger, der sich vielleicht schon Gedanken über tolle Dividendenrenditen und Kurssteigerungen gemacht hatte, bleibt diese Aktie völlig uninteressant, da der tatsächliche Zugang de facto nicht vorhanden ist.

Saudi-Aramco Börsengang - Skyline von Riad
Blick auf die Skyline der saudischen Hauptstadt Riad. Foto: B.alotaby CC BY-SA 4.0



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