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Saudi Aramco sagt spürbare Ölknappheit voraus – eine durchschaubare Ansage Monate vor dem eigenen Börsengang

Saudi-Aramco, die staatliche saudische Ölgesellschaft, die 100% der saudischen Ölförderung repräsentiert und damit quasi das Kernstück der saudischen Wirtschaft repräsentiert, wird 2018...

FMW-Redaktion

Saudi-Aramco, die staatliche saudische Ölgesellschaft, die 100% der saudischen Ölförderung repräsentiert und damit quasi das Kernstück der saudischen Wirtschaft repräsentiert, wird 2018 bekanntermaßen an die Börse gehen. 5% des Unternehmens sollen an der Börse verkauft werden. Der Erlös soll mutmaßlich ganz grob geschätzt um die 100 Milliarden Dollar liegen, womit das Unternehmen einen Wert von 2 Billionen Dollar hätte.

Es könnte aber auch spürbar weniger am Ende dabei herauskommen. Und die Saudis haben nur diese eine Chance ihr einziges Tafelsilber schön hoch im Wert ansetzen zu lassen. Wie viel ist diese Firma wert, deren Werthaltigkeit im Wüstensand liegt? Es ist schwer zu schätzen, zumal bisher Daten nie genau nachprüfbar waren. Und den ersten Börsengang einer Tranche gibt es ja auch nur ein Mal. Da wird anhand der ersten Verkäufe an Investoren ermittelt, wie viel die Firma insgesamt wert ist.

Daher ist es nachvollziehbar und auch wenig erstaunlich, dass Saudi Aramco wohl im Sinne des Königs versucht den Firmenwert möglichst hoch anzusetzen – damit der Erlös hoch ausfällt, und die verbleibenden 95% auch einen buchhalterisch hohen Wert darstellen nach dem Börsengang. Daher meinen wir, dass die heutigen Aussagen von Saudi Aramco-Chef Amin Nasser beim „World Petroleum Congress“ in Istanbul wenig überraschend ausfielen.

So sagte er in einer Rede, dass man bei einer Langfristbetrachtung der Angebotsseite für Öl ein besorgniserregendes Bild sehen müsse. Die Transformation hin zur Benutzung alternativer Energien werde noch lange dauern und sei sehr komplex. Die Ölindustrie werde noch auf Jahre hin das Herz der globalen Energieindustrie sein, so Nasser.

Seit dem Abwärtstrend der Industrie mit Beginn im Jahr 2014 habe die Ölbranche 1 Billion Dollar weniger investiert als üblich. Daher seien zuletzt deutlich weniger neue Ölfelder erschlossen worden. Auch sagte er, dass es einige Annahmen gäbe, wonach in den nächsten fünf Jahren mindestens zusätzliche 20 Millionen Barrels pro Tag an zusätzlicher Ölproduktion gebraucht werde, weil die Ölnachfrage steigend sei, und lange erschlossene Felder nach und nach weniger fördern.

Daher drohe eine global spürbare Knappheit auf der Angebotsseite. Auch würden derzeit Finanzinvestoren davor zurückschrecken dringend benötigte Investitionen in Ölexplorationen vorzunehmen. In den letzten vier Jahren seien weltweit entdeckte konventionelle Ölvorkommen vom Volumen her nur noch halb so groß gewesen wie in den vier Jahren davor. Investments in Bereiche wie Fracking (USA) würden es nicht schaffen diese Angebotsverknappung aufzufangen. Die Energiesicherheit könnte verhängnisvoll beeinträchtigt sein.

Was sagt uns das? Glaubt man Nasser´s Prognosen, dann kommt es zu einem dramatischen Überhang der Nachfrage, welche durch das viel zu kleine Angebot nicht befriedigt werden kann. Wir meinen: Mit diesen Worten versucht Nasser eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Marktteilnehmer von einer ganz schlimmen Angebotsverknappung ausgehen. Das würde kräftig steigende Ölpreise nach sich ziehen. Und kräftig steigende Ölpreise gerade in den nächsten Monaten würden wohl dafür sorgen, dass die Konsortialbanken, die für Saudi Aramco einen Unternehmenswert kalkulieren, wohl einen deutlich höheren Wert festsetzen. Denn je höher der Ölpreis, desto mehr sind auch die Ölreserven im Sand wert.

Übrigens: Nasser sagte auch, dass Saudi Aramco plane in den nächsten 10 Jahren insgesamt 300 Milliarden Dollar auszugeben für die Aufrechterhaltung der eigenen Kapazitäten sowie für die Erkundung und Ausbeutung von Gasquellen. Fazit: Wenn Nasser an solche Angebotsknappheit glaubt, warum haben die Saudis dann vor Kurzem erst eine spürbare Drosselung der Förderung der OPEC durchgedrückt, um die Angebotsmenge abzusenken auf die Nachfragemenge?


Saudi-Arabiens König und Alleinherrscher Salman ibn Abd al-Aziz hat nur eine Chance sein Tafelsilber möglichst hoch bewerten zu lassen, nämlich beim Börsengang nächstes Jahr. Foto: Secretary of Defense/Gemeinfrei



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