Meinung

Schäuble: bin kein „harter Hund“ gegenüber Griechenland, einig mit Merkel

Von Markus Fugmann

Warum hat man nichts über eine Beteiligung Wolfgang Schäubles bei dem Berliner „Geheimtreffen“ gehört? Vermutlich war er einfach nicht dabei – und das könnte kein Zufall gewesen sein. Denn Schäuble gilt als Hardliner gegenüber Griechenland, der gelegentlich ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone als denkbare Möglichkeit thematisiert. Von Kanzlerin Merkel sind solche Töne nicht zu hören, und so fand „Mutti“ es wohl besser, den „harten Hund“ Schäuble an der Leine vor dem Eingang des Kanzleramtes zu warten lassen, statt mit den Chefs von IWF, EZB und anderen Leadern zu sprechen.

Nun hat Schäuble in einem in Auszügen vorab veröffentlichten Interview der „Wirtschaftswoche“ noch einmal darauf hingewiesen, dass er gegenüber Griechenland kein harter Hund sei:

„Ich habe viel Kraft und Engagement darauf verwendet, für Griechenland einen Weg zu finden, wieder auf eigenen Beinen zu stehen….für Griechenland habe ich 2012 immerhin einen Schuldenschnitt in Höhe von 53 Prozent durchgesetzt. So viel zu meiner Rolle als ‚harter Hund‘ gegenüber Athen.“

Gleichwohl ließ Schäuble es sich nicht nehmen, noch einmal kräftig gegen die griechische Regierung auszuteilen:

„Europa baut auf gegenseitigem Vertrauen auf. Damit muss man vernünftig umgehen, das macht die aktuellen Verhandlungen mit Griechenland so anstrengend… Syriza ist es dort im letzten Wahlkampf gelungen, den Griechen einzureden, es gäbe einen einfacheren Weg, im Euro zu bleiben – und zwar ohne große Reformanstrengungen, die doch eigentlich im Interesse Griechenlands liegen. Das hätte man vielleicht nicht so versprechen sollen. Ich hatte dem jetzigen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras auch vor der Wahl geraten, ein solches Versprechen nicht abzugeben.“

Im Übrigen sei er, so Schäuble weiter, „völlig einer Meinung“ mit Kanzlerin Merkel, was eine Lösung für Griechenland betreffe. Man darf spekulieren, dass der deutsche Finanzminster nun in näherer Zukunft moderatere Töne anschlägt – sonst heißt es beim nächsten Geheimtreffen wieder: der harte Hund Wolfgang muß leider draußen bleiben..



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1 Kommentar

  1. Nein, er ist definitv kein harter Hund – leider versteht er aber die Weltwirtschaft nicht. Dh. heisst, er versteht nicht, dass Guthaben immer in gleicher Höhe Schulden gegenüberstehen – weltweit, gesamt, d.h. nicht nur e i n i g e Staaten einbezogen,

    und

    er versteht nicht, dass ohne Schulden, d.h. ohne Guthaben, temporär die Gesamtwirtschaft zum Stllstand kommt und sich davon nicht mehr erholen kann,

    und

    dass Schulden, die durch exorbitant hohe oder auch nur schon zu hohe Zinsen entstehen, genau dahin führen.

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