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Schock bei US-Hedgefonds und Tradern: Erster „Spoofing“-Betrüger verurteilt, bis zu 210 Jahre Haft

Redaktion

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FMW-Redaktion

Ein Erdbeben erfasst die Futures-Zocker, Hedgefonds und ALGO-Programmierer in Chicago und New York. Im ersten Fall dieser Art wurde jetzt ein sogenannter „Spoofing„-Betrüger in Chicago in 6 Fällen verurteilt, die maximale Haftstrafe wird sich auf bis zu 210 Jahre belaufen.

Spoofing Betrüger verurteilt Tradingraum Beispielfoto
Ein Banken-Tradingraum (Beispielbild). Foto : Banco Carregosa / Wikipedia / Public Domain

Michael Coscia, ein 53jähriger sogenannter Heavy-Trader, der mit großen Stückzahlen vorwiegend Rohstoff-Futures (Warenterminkontrakte) handelte, hat über seine Tradingfirma „Panther Energy Trading“ massiv Kurse manipuliert über das sogenannte Spoofing, gegen das erst seit Kurzem eine rechtliche Handhabe in den USA existiert – deswegen sorgt dieser als erster verhandelter Fall in der Branche als Präzedenzfall jetzt für großes Aufsehen. Es ging im Verfahren um 6 exemplarische Fälle von Trades in Gold, Euro, Sojabohnenmehl, Sojabohnenöl, Britisches Pfund und Kupfer. Bei diesen 6 Trades machte Coscia zwar nur 1.070 US-Dollar Gewinn, er führte insgesamt aber tausende solcher Transaktionen durch.

Was ein „Spoofing“-Betrüger genau macht

Was genau sein Betrug war? Spoofing bedeutet, dass man durch das Setzen sogenannter Fake-Orders die anderen Marktteilnehmer täuscht. Will man alle anderen z.B. glauben lassen, dass im Orderbuch für einen Futures-Kontrakt ein extrem großer Kaufauftrag vorhanden ist und somit ein großer Kaufdruck bevorsteht, setzt man eine großvolumige Kauforder. Da man beim Spoofing aber gar nicht vor hat diese große Order auszulösen, bastelt man sich einen Algorithmus (Computerprogramm), das Millisekunden vor der Ausführung die Order wieder löscht. Die anderen Marktteilnehmer sind im Glauben auf einen bevorstehenden steigenden Markt aber auch eingestiegen und drücken den Kurs kurzzeitig hoch.

Der Spoofer hat vorher aber schon im Orderbuch auf einem höheren Niveau auf der Verkaufsseite eine kleinere dem Markt angemessene Verkaufsorder platziert. Durch die von den anderen Tradern real getätigten Käufe wird seine Verkaufsorder auch real ausgelöst. Dadurch, dass seine ursprüngliche betrügerische Kauforder nicht ausgelöst wurde, fehlt aber auf der Kaufseite plötzlich der nachhaltige Kaufdruck. Nach der Ausführung seines Verkaufs fällt der Kurs wieder, wodurch der Betrüger beim Spoofing einen Gewinn erzielt. Dieser Vorgang bringt dem Betrüger pro betrügerischer Transaktion jedes Mal nur relativ kleine Gewinne ein, da es hier um einzelne Ticks an Kursdifferenzen geht – daher muss sein Algorithmus diese Vorgänge ständig wiederholen, damit sich nach und nach ein Gewinn anhäuft, der „die Mühe auch wert ist.“ Ein Programmierer aus Coscia´s Firma gab zu für ihn Algorithmen programmiert zu haben, die genau diese Art von großen Fake-Orders erzeugten, sie Millisekunden vor ihrer Ausführung wieder gelöscht wurden, nur um den anderen Marktteilnehmern einen Kauf- oder Verkaufsdruck vorzutäuschen.

210 Jahre Haft sollten für eine Person ausreichen

Wie auch immer, Coscia´s Verteidiger bestanden auf der Behauptung, dass Hochfrequenzhändler wie er ständig große Orders platzieren und auch oft wieder löschen, das gehöre zum aktiven Trading dazu und sei normal. Am „US Federal District Court of Northern Illinois“ in Chicago wurde Michael Coscia wg. 6 Fällen von Terminbörsen-Betrug und 6 Fällen von „Spoofing“ verurteilt. Für den Terminbörsen-Betrug gibt es pro Fall maximal 25 Jahre Haft (25 x 6 Fälle = 150 Jahre), für das Spoofing gibt es pro Fall maximal 10 Jahre Haft (10 x 6 Fälle = 60 Jahre). Somit kann Coscia eine Verurteilung von maximal 210 Jahren Gefängnis erreichen. Das sollte für eine Person reichen. Die Verurteilung fand jetzt statt, die Höhe der Strafe wird aber erst nächstes Jahr festgelegt.

Der Staatsanwalt wird mit den Worten zitiert: „It was a scam and it was a fraud. Coscia lied to the markets just like he lied to the jury when he took the stand in his own defense. You can’t want something and cancel it at the same time. It doesn’t make sense.” Coscia soll in 3 Monaten in 2011 mit seinem Spoofing einen Gewinn über 1,4 Millionen US-Dollar erzielt haben. Die Strafzahlung (für Coscia wohl eher zweitrangig) könnte bis zu 7,5 Mio Dollar betragen.

Die Lawine startet jetzt erst richtig

Nach dieser Verurteilung wg. Spoofing geht´s erst richtig los. Unter vielen Hedgefonds und Heavy-Tradern, die große Volumen handeln, geht die Angst um, da viele ebenfalls mit Algorithmen arbeiten, die (einmal programmiert) eigenständig am Markt handeln. Was ist noch legales Zocken, und ab wann ist es exakt Spoofing, wenn ein Trader versucht Kurse zu drücken? Das Entscheidende ist es Orders gleichzeitig auf beiden Seiten des Orderbuchs zu haben und Orders zu platzieren, die gar nicht ausgeführt werden sollen.

Erst seit dem Gesetz namens „Dodd Frank Act“ aus dem Jahr 2010 ist es in den USA illegal Märkte zu manipulieren mit platzierten Orders, die in Wirklichkeit gar nicht zur Ausführung gebracht werden sollen. Der Fall Coscia war der erste durchverhandelte Fall, und jetzt gibt es einen Präzedenzfall, auf den sich alle Staatsanwälte in Zukunft berufen können. Der zweite „Kandidat“ steht schon bereit. Navinder Singh Sarao, ein britischer Staatsangehöriger, ist derzeit in London auf Kaution frei, soll aber von Großbritannien an die USA ausgeliefert werden, weil er laut US-Behörden für den sogenannten „Flash Crash“ verantwortlich sein soll. Im Mai 2010 fiel der Dow Jones Kasse-Index um 600 Punkte, laut US-Behörden ausgelöst durch kriminelle Kursmanipulation, die über den E Mini S&P-Kontrakt in Chicago ausgelöst wurde, was auf die großen Aktienwerte abstrahlte – dies soll dann letztlich zu dem großen kurzen Absacker geführt haben. Auch hier sollen Techniken eingesetzt worden sein, die die Staatsanwälte unter der Rubrik „Spoofing“ einstufen. Der Beschuldigte wehrt sich derzeit mit Händen und Füßen gegen eine Auslieferung an die USA, weil ihm klar sein dürfte, was ihn dort erwartet – eine lange Haftstrafe. Andere Trader dürften folgen, da eine ganze Industrie von Hochfrequenzhändlern und Programmierern seit Jahren vom Ausnutzen kleiner Kursdifferenzen lebt. Wie viele davon mit diesen Fake-Orders arbeiten, wird man nach und nach erfahren.


6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    joah

    5. November 2015 12:07 at 12:07

    Die Casino-Betreiber mögen es gar nicht, wenn man deren Automat(ism)en zum Vorteil des Spielenden manipuliert – das darf (legal) nur der Betreiber selbst.

  2. Avatar

    Dreistein

    5. November 2015 12:56 at 12:56

    Hier kann man eindeutig sehen wie Gesetze ausgelegt werden.
    Ein Trader den man erwischt bekommt „210Jahre“ Haft, Große Banken die Weltweit Devisen, Gold usw. manipulieren bekommen einem dicken fetten Bonus für ihren Beschiss.
    Nun braucht auch keiner zu sagen „da hat man ja Banken und keine Leute verklagt“, haben die Banken keine Vorstände? Wenn es dann noch heißt „die haben das nicht gewusst“ (siehe z.Z. Winterkorn) dann verstehe ich aber nicht die super hohen Bezüge dieser Nichtswisser.

  3. Avatar

    Gabriel Scheer

    5. November 2015 13:00 at 13:00

    Endlich mal was sinnvolles, was in Amerika gemacht wird.
    Besser noch, man führt die viel verachtete Transaktionssteuer ein und trocknet damit den gesammten Hochfrequenzhandel aus. Problem solved

  4. Avatar

    Demokrat

    5. November 2015 14:23 at 14:23

    Wer immer noch glaubt, dass wir es mit einem freien und unmanipulierten Kapitalmarkt zu tun haben, den ist wirklich echt nicht mehr zu helfen. Zentralbanken und deren Teilhaber (Big Banks z.B. GS, DB,HSBC, Citi ect.) lenken das gesamte geschehen…wer ein paar Krümelchen aufschnappen kann, der kann sich glücklich schätzen…
    Die Scheinverurteilungen der Großbanken wegen Manipulation ist nur Beruhigungspille für das Volk und in der Regel wird ein Mitarbeiter als Bauernopfer gewählt… nicht die diejenigen, die am Hebel sitzen wie z.B. Greenspan, Bernanke, Draghi oder Yellen etc.. . diese haben Freibrief für Betrug im großem Stiel! Hauptsache das System läuft weiter…

  5. Avatar

    Helmut Josef Weber

    5. November 2015 16:26 at 16:26

    Das ist überall und auf jeder Ebene das Selbe.
    Wer Hartz heißt, bekommt für 42 x Untreue in Millionenhöhe eine Bewährungsstrafe, die genauso hoch ist, wie die, die Arno Dübel (der Hartz IV bezogen hat) bekommen hat, weil er 300,00 Euro von Maischberger nicht angegeben hat.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  6. Avatar

    Kritix

    6. November 2015 11:10 at 11:10

    Ein frommer Wunsch (noch): HFT limitieren und/oder Transaktionssteuer einführen, schon wäre allen Fischen das Wasser knapp, auch den Großen. Das gäbe ein Geschnappe! Doch das System wird sich wehren und es ist mächtig. Immerhin: Ein Anfang ist gemacht.

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Marcel Fratzscher im Interview: Marktversagen, Börse, Staatshilfen, Globalisierung uvm

Redaktion

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Marcel Fratzscher als Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wurde von der FAZ schon mal als Claqueur der SPD bezeichnet. Wer den Begriff nicht kennt: Ein Claqueur ist jemand, der auf Kommando Beifall klatscht. Und so hat Herr Fratzscher den Ruf, vor allem bei wirtschaftspolitischen Meinungen und Inhalten der SPD jede Menge Lob zu verteilen und die Thesen auch mit seinen fachkundigen Aussagen zu untermauern. Man munkelt in Berlin und Frankfurt schon seit geraumer Zeit, dass der gute Herr Fratzscher eine Karriere als Notenbanker oder in einem Ministerium anstrebt. Aber sind das nur Gerüchte? In den politischen Zeitgeist würde er sicher gut passen.

Marcel Fratzscher wurde schon von vielen anderen Kommentatoren sehr kritisch beäugt, aber auch von unserer Redaktion. Zum Beispiel sagte er im September, dass er keine Zombieunternehmen in Deutschland entdecken könne. Nur um wenige Tage später vom Problem der Zombieunternehmen zu reden. Generell ist er dem Lager der „Experten“ zugehörig, die der Meinung sind, dass man mit genug neuen Schulden so ziemlich alles regeln kann. Gibt es nur genug Nachfrage, lösen sich alle Probleme von selbst? Und die zusätzlichen Staatsschulden, die sind ja sowieso kein Problem bei den Nullzinsen? So einfach kann die Welt sein.

Aktuell hat Marcel Fratzscher dem auf YouTube bestens bekannten Interview-Format „Jung und Naiv“ ein 145 Minuten langes Interview gegeben. Die Leitlinie kommt relativ weit am Anfang des Interviews. Der Markt hat versagt. Also, wohin soll es seiner Meinung nach gehen? Mehr Regulierung, mehr Planwirtschaft? Thilo Jung spricht mit Marcel Fratzscher über Themen wie die Aktienmärkte und ob sie sich von der Realwirtschaft abgekoppelt haben, über die Coronakrise, Staatshilfen, die Klimakatastrophe, Autoindustrie, Konsumverzicht, Globalisierung, die Ungleichheit von Vermögen, Steuern uvm.

Wir können Ihnen an dieser Stelle nicht knallhart empfehlen 145 Minuten Marcel Fratzscher am Stück anzuschauen. Diese Entscheidung müssen Sie schon selbst treffen. Aber auch bei „Experten“, die wir kritischer sehen wie einen Herrn Fratzscher, gilt das selbe wie bei Hans-Werner Sinn, Markus Krall oder Clemens Fuest. Auch wenn man als Zuhörer die Meinung des Interviewten nicht teilt, so erweitert das Zuhören doch den Horizont.

Marcel Fratzscher
DIW-Chef Marcel Fratzscher. Foto: SPÖ Presse und Kommunikation – ExpertInnen Austausch anlässlich der Kurt Rothschild Preisverleihung, 27.09.2017 CC BY-SA 2.0

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Unser Wohlstand kommt übers Meer – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Welt ist so vernetzt wie nie zuvor. Auch wenn es in vielen Ländern protektionistische Tendenzen gibt, hat die weltweite Vernetzung ein Ausmaß erreicht, das in der Menschheitsgeschichte einmalig ist. Die Welt ist zusammengerückt. Viele Produkte, die Sie täglich nutzen, werden komplett oder in Teilen rund um den Globus verschifft, bevor Sie sie in Händen halten.

Die globalen Wertschöpfungsketten wären undenkbar ohne den regen Seehandel, der die Welt verbindet. Tausende Containerschiffe fahren von Kontinent zu Kontinent und bringen uns Waren vom anderen Ende der Welt.

Ich schreibe hier vorrangig über Zukunftstechnologien, die unsere Welt tiefgreifend verändern werden. Doch nichts hat unseren Wohlstand so sehr befeuert, wie der weitgehend freie Welthandel.

Deutschland ist Exportweltmeister

Unser Land ist erfolgreich, weil wir so stark in den Welthandel eingebunden sind. Maschinen und Autos aus Deutschland genießen international einen guten Ruf. Von den Erträgen aus dem Exportgeschäft kaufen wir beispielsweise Elektronik, chemische Erzeugnisse und Bekleidung. Das meiste davon wird übers Meer transportiert.

Die Lebensadern unserer Wirtschaft liegen im Wasser

Wenn Sie schon einmal in Hamburg am Hafen standen, haben Sie einen Eindruck, welche Mengen an Gütern täglich über den Seeweg nach Europa kommen. Rund 90% aller weltweit gehandelten Waren werden übers Meer befördert.

Unternehmen wie Hapag-Lloyd, Costamare oder Euronav betreiben riesige Flotten, um Waren rund um die Welt zu verschiffen. Sind die Aktien deshalb einen Blick wert? Das Geschäft ist lukrativ, aber hart umkämpft. Triton ist da schon eher interessant, denn das Unternehmen vermietet die…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Hotels und Restaurants: Wachstum ja, aber noch keine V-Erholung

Claudio Kummerfeld

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Restaurant-Tische mit Gläsern

Der Umsatz bei Hotels und Restaurants ist im August gegenüber Juli um 5,5 Prozent gestiegen. Aber im Vergleich zu August 2019 liegt er immer noch mit 22,2 Prozent im Minus. Die Grafik, die bis zum Jahr 2013 zurückreicht, zeigt es: Eine V-förmige Erholung ist noch nicht abgeschlossen. Der Indexwert der Umsätze von Hotels und Restaurants lag vor dem Start der Coronakrise im Februar bei 105,5 Indexpunkten, und im August waren es 80,9 Punkte. Da ist noch einiges an Lücke vorhanden. Innerhalb der Gastronomie lag der reale Umsatz der Caterer im August 2020 sogar um 32,9 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Gut, diese heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten sind aus August. Inzwischen haben wir Oktober, und die V-förmige Erholung könnte bis jetzt schon fast geschafft sein. Könnte, nicht muss. Aber selbst wenn…. ein halbes Jahr lang gigantische Verdienstausfälle machen einer Branche zu schaffen, die darauf angewiesen ist konstant Umsatz zu machen. Viele Betreiber und Hotels und Restaurants überleben vielleicht aktuell, aber nur dank staatlicher Kredite. Man hat also nach der Krise deutlich mehr Schulden als vorher, dazu kommen oft noch vermutlich Mietschulden, weil der Vermieter monatelang die Restaurantmiete stundete, die nun nachgezahlt werden muss. Hat man die Krise auf den ersten Blick überlebt, und hat wieder „normale“ Umsätze, so türmen sich die Schulden auf. Zeitlich verzögert könnten also viele Insolvenzen folgen, auch wenn sich die Umsätze der Branche wieder normalisieren.

Chart zeigt Umsätze bei Hotels und Restaurants

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